Europa guckt Fussball – und lässt Flüchtende ertrinken und verzweifeln

Immer freitags erscheint ein Bild von Yorgos auf unserer Seite. Heute hatten wir geplant, eines zur Fußball-Europameisterschaft zu veröffentlichen. Und genau heute erschien ein Bericht darüber, dass die griechische Regierung mit dem nächsten Bruch des Asylrechts bereits ernst gemacht hat. Das Bild von Yorgos illustriert die grausame Wirklichkeit.
Angekündigt war es schon. Jetzt wird bei der großen Mehrheit der Geflüchteten illegalerweise keine Einzelfallprüfung mehr durchgeführt. Die Europäer freuen sich, dass Hellas ihnen die Geflüchteten vom Leib hält.

Bild: Yorgos Konstantinou/ Imagistan

Dazu Wassilis Aswestopoulos, telepolis, 25.6.2021:
„Die Türkei als sicherer Drittstaat – kein Asyl in Hellas
Griechenland macht ernst: Geflüchtete sind rechtlos, wenn sie aus der Türkei ins Land kommen. Politik der maximalen Abschreckung wird verstärkt
Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Bangladesch und Somalia sind in Griechenland rechtlos, wenn sie aus der Türkei ins Land kommen. Dies bekräftigte Immigrationsminister Notis Mitarachi in einem Radiointerview am Dienstag beim Sender Real News.
Der Minister erläuterte an einem Beispiel von 25 aus Afghanistan nach Griechenland geflohenen Personen, dass deren Asylantrag innerhalb weniger Tage als unbegründet abgelehnt wurde. Im Blog des Journalisten Rory O’Keeffe findet sich seit Donnerstag ein weiterer Bericht, diesmal über neunzehn Geflüchtete aus Afghanistan. In weniger als drei Tagen nach ihrer Ankunft in Griechenland erhielten sie ihren ablehnenden Bescheid. Es findet keine Einzelfallprüfung, so wie sie in internationalen Flüchtlingskonventionen vorgesehen ist, statt.
Die Einstufung der Türkei als sicheren Drittstaat fußt auf einem gemeinsamen Ministerentscheid des griechischen Kabinetts vom 7. Juni.
Auf die Nachfrage der Journalisten, ob die daraus resultierende sofortige Ablehnung von Asylanträgen zur Abschiebung in die Türkei führen würde, antwortete Mitarachi, dass die Türkei seit März 2020 keine Rückführungen aus Griechenland mehr akzeptiert. Dass die Möglichkeit der Rückführung gemäß der europäischen Rechtsnormen eine notwendige Bedingung für die Einstufung als sicheren Drittstaat ist, übersieht er.“ weiterlesen

Pro Asyl veröffentlichte ebenfalls heute eine Analyse zu diesem Thema:
Aus Brüssel und Athen: Angriffe auf die Flüchtlingskonvention
Europa hält am Flüchtlingsdeal mit Erdoğan fest: mehr Geld für Flüchtlinge, aber auch für die Grenzaufrüstung. Griechenland hat kürzlich die Türkei für den Großteil aller Schutzsuchenden zum »sicheren Drittstaat« erklärt- aus Flüchtlingen werden Rechtlose. Die Flüchtlingskonvention wird mit Brüsseler Unterstützung weitgehend außer Kraft gesetzt.
Warum die Türkei kein »sicherer Drittstaat« ist
Es klingt nach einer Randnotiz, hat aber weitreichende Folgen für den Flüchtlingsschutz in Griechenland und der gesamten EU: Mit gemeinsamem Beschluss vom 7. Juni 2021 haben der stellvertretende griechische Außenminister und der griechische Minister für Migration und Asyl die Türkei für alle Asylsuchenden aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Bangladesch und Somalia zum sogenannten »sicheren Drittstaat« erklärt. Menschen aus diesen fünf Herkunftsländern, die in Griechenland ankommen, wird in der Konsequenz der Zugang zu einem Asylverfahren in der EU versperrt. Ihnen droht in Griechenland ab sofort die Ablehnung ihrer Asylanträge als unzulässig und die Abschiebung in die Türkei.
Anträge von Asylsuchenden aus diesen fünf Herkunftsländern machten im Jahr 2020 rund zwei Drittel (66 Prozent) aller in Griechenland gestellten Asylanträge aus. Der Anteil bei den Anerkennungen lag mit 77 Prozent sogar noch darüber. Griechenland versucht somit, sich der Zuständigkeit für einen Großteil der auf dem eigenen Territorium ankommenden Schutzsuchenden zu entledigen und weitet die Auslagerung von Verantwortung auf die Türkei aus.“ weiterlesen

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Medien: Rassismus und Frauenverachtung

Seit Wochen geilen sich fast alle griechischen Medien endlos an einem Mord an einer 20-jährigen Frau auf – und ein Ende ist noch nicht in Sicht. In erster Linie werden Stereotype bedient – rassistische Voruteile und misogyne Frauenbilder. Siehe dazu den Beitrag von eurotopics.net (unter dem youtube-Video)

Kundgebung vor dem griechischen Parlament am 19.6.2021 anlässlich des Mordes an Caroline Crouch zur juristischen Anerkennung von Femizid als Straftatbestand

eurotopics.net, 24.06.2021:
>Griechenland: Ein vertuschter Femizid und die Folgen
In Griechenland hat ein 36-jähriger Georgier Klage eingereicht, weil er vier Tage lang von der griechischen Polizei gefoltert worden sei, um ihn zu einem Geständnis im Fall Caroline Crouch zu zwingen. Ihr Ehemann, der inzwischen gestand, seine Frau getötet zu haben, hatte die Ermittler zuvor wochenlang mit der Geschichte eines bewaffneten Einbruchs von Ausländern getäuscht. Kommentatoren sind entsetzt über das Ausmaß von Rassismus und Frauenverachtung, das der Fall offenbart.
Kathimerini-Kolumnist Pantelis Boukalas kritisiert die Stereotype, denen Gesellschaft und Behörden unterliegen:
„Das ‚gebrochene Griechisch‘, das ‚die Mörder und Räuber sprachen‘, so das Märchen, das der [angeklagte] Pilot Charalambos Anagnostopoulos geschrieben, inszeniert und vor der Kamera gespielt hat, war die ‚Erklärung‘, die die allermeisten von uns hören wollten. Um uns zu beruhigen. Um weiterhin stolz zu schlafen. Für den Piloten war es nicht schwer, zu wissen, welche Szenarien populär sind, was Medien und Strafverfolgungsbehörden bewegt. … Er hat sich sicherlich selbst gratuliert, als er erfuhr, dass die Polizei 300.000 Euro Belohnung ausgesetzt hatte, um Phantome zu finden, die ‚gebrochenes Griechisch‘ sprechen.“ (23.6.2021)
Maria Kefala: Völlig falscher Tonfall (Onlinemagazin 20/20, 22.6.2021)
Das Onlinemagazin 20/20 ärgert sich, dass Femizide nicht beim Namen genannt werden:
„Warum wird in Griechenland die Beschreibung einer Straftat, die durch das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen mit einem Begriff definiert ist, noch diskutiert? … Alle Vorfälle sexueller Gewalt werden in den Medien mit Begriffen wie ‚unglückliches Mädchen‘, ‚unglückliche Familie‘, ‚unglückliche Frau‘, ‚Familientragödie‘ oder ‚Leidenschaftskriminalität‘ belegt und mit Formulierungen wie ‚er hat sie umgebracht, weil…‘, ‚Er war ein braver Junge‘, ‚Sie drohte ihm mit Trennung‘ ergänzt. Diese Art und Weise weist darauf hin, dass die Morde an Frauen weder im öffentlichen Diskurs, noch in den griechischen Nachrichten die ihnen zustehende Sichtbarkeit haben.“< weiterlesen

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Lärmkanonen: Fortsetzung des Zivilisationsbruchs mit anderen Mitteln

Der Einsatz von Lärmkanonen an der Grenze ist ein Novum – und ein weiteres Beispiel von menschenverachtender Politik gegenüber Geflüchteten.

Von Sieglinde Geisel, Deutschlandfunk Kultur, 22.6.21:
Lärmkanonen gegen Flüchtlinge. Fortsetzung des Zivilisationsbruchs mit anderen Mitteln
Griechenland will an der Grenze zur Türkei Flüchtlinge mit Lärmkanonen von Europa fernhalten. Wäre eine solche Waffe überhaupt rechtmäßig – und was würde sie für die Abschottungspolitik bedeuten? Das fragt die Journalistin Sieglinde Geisel.
Lärm ist potenziell ein Herrschaftsinstrument. Es steht auch jenen zur Verfügung, die keine Macht haben, denn wer Schall verbreitet, herrscht über alle Ohren in Hörweite.
Kleinkinder wissen das intuitiv, ebenso Jugendliche, die im Park die Boombox aufdrehen oder der Motorradfahrer, der durch die Straßen röhrt und sich damit die Aufmerksamkeit verschafft, die ihm sonst versagt bleibt.“ weiterlesen

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Griechische Steuerzahler entschädigen Fraport für Pandemieausfälle

Fraport lässt sich die Not-Privatisierung vergolden. Bild: Welspikmin

Wir berichteten bereits am 12.6.2021 über diesen Skandal, der eine Folge der Troikapolitik der Ausbeutung Griechenlands ist. Angesichts der Ungeheuerlichkeit dieses Geschehens, wegen der direkten Verantwortlicheit von deutschen Staats- und Wirtschaftsakteuren und wegen zusätzlicher Detaillinformationen verlinken wir hier trotzdem den Artikel von Wassilis Aswestopoulos vom 20.6.2021 (s.u.).
Zum Hintergrund des skandalösen Privatisierungsdeals siehe: Fraport-Flughäfen: Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der Verluste

Von Wassilis Aswestopoulos auf telepolis vom 20.6.2021: „Privatisierte Flughäfen: Griechenland bezahlt jetzt die Käufer
Verkauf von Flughäfen sollte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Athens Staatskasse entlasten. Angesichts des Corona-Einbruchs zahlt die Regierung nun drauf. Deutsche Marktgröße profitiert
Pandemie und Tourismus vertragen sich nicht. Zu den ersten Maßnahmen der griechischen Regierung zur Eindämmung von Sars-CoV-2 gehörte daher im März 2020 die Schließung der Grenzen und das Verbot innergriechischer Reisen.
Zwangsläufig gab es auf den Flughäfen im Land ein vermindertes Passagieraufkommen. Nun sollen Unternehmen entschädigt werden, die noch vor wenigen Jahren im Zuge der griechischen Finanzkrise unter günstigen Bedingungen Flughäfen des Landes aufgekauft haben – unter ihnen die deutsche Fraport AG.“ weiterlesen

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Solidaritätserklärung für VIO.ME – 24. Juni – Blockade der Zwangsversteigerung

[UPDATE. Der Gerichtstermin wurde zu einem Etappensieg für VIO.ME. Wieder einmal erschien kein Kaufinteressent zur Zwangsversteigerung beim Gericht von Thessaloniki.]

Gewerkschafterinnen und viele autonome Gruppen aus Deutschland solidarisieren sich mit der selbstverwalteten Produktionskooperative vio.me in Thessaloniki VIO.ME – steht nicht zum Verkauf – wird nicht verschrottet! Seit nunmehr fast 10 Jahren, seit dem Höhepunkt der Verschuldungskrise in Griechenland stehen wir als Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Betrieben, Branchen und Gewerkschaften im regelmäßigen Austausch mit Aktivistinnen, die Widerstand gegen die Folgen der Austeritätspolitik leisten und sich selbst organisieren.
Ebenso lange gibt es das Beispiel der Fabrik die geschlossen werden sollte, in der die Arbeiterinnen ihr Schicksal selbst in die Hand genommen haben und den Betrieb in Selbstverwaltung führen. Die Produktion musste umgestellt werden: Die Kolleginnen stellen nun Seife und Reinigungsmittel auf ökologischer Basis her.
Aber vio.me ist mehr als nur eine kleine Fabrik. Es ist ein soziales Zentrum geworden, in dem internationale Konferenzen und Kulturveranstaltungen stattfinden, in dem Flüchtlingshilfen organisiert werden und auch medizinische Versorgung angeboten wird.
So haben wir vio.me kennengelernt, als Ort und als Teil internationalen Widerstandes gegen die neoliberale Politik.

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Mord und Totschlag statt Recht und Ordnung

Von Wassilis Aswestopoulos, jungle world 2031/24:
„In Griechenland häufen sich Mafiamorde.
Mord und Totschlag statt Recht und Ordnung
In Griechenland eskaliert die Gewalt von Mafiabanden. Die rechte Regierung macht zwar mit Parolen von Recht und Ordnung Wahlkampf, spielt das Problem aber herunter und geht lieber gegen Linke und Flüchtlinge vor.
Zwei Meldungen aus Griechenland aus den vergangenen Wochen, die pars pro toto verdeutlichen, was in Griechenland weite Kreise der Bevölkerung besorgt: Erstens, die griechische Polizei verkündete am Dienstag voriger Woche einen Erfolg. Bei einer Kontrolle von zwei nicht als Studierende eingeschriebenen Personen auf dem Gelände der Aristoteles-Universität in Thessaloniki wurden alkoholische Getränke entdeckt und beschlagnahmt, es handelte sich um eine Flasche Gin und eine Dose Tonic. Zweitens, am 9. April wurde der investigative Journalist Giorgos Karaivaz auf offener Straße erschossen. Die Täter gingen professionell vor, zehn Kugeln trafen den bekannten Reporter. Karaivaz berichtete seit langem über das organisierte Verbrechen, hatte sich zuletzt aber auch intensiv mit Korruption bei der Polizei beschäftigt. Die Täter sind bislang unbekannt.“     Weiterlesen

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Umfrage: drei Jahre nach der Lösung der Namensfrage mit Nordmazedonien

Metropolit Ambrosios im Kreise seiner mittlerweile langjährige Haftstrafen absitzenden Freunde von der Goldenen Morgenröte anlässlich einer Veranstaltung zur Namensfrage im Mazedonien-Streit im Januar 2018

Von Griechenland Zeitung, 18. Juni 2021:
„Am 17. Juni jährte sich das „Abkommen von Prespa“, auf dessen Basis eine Namensänderung der „Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien“ in „Republik Nordmazedonien“ erfolgte, zum dritten Mal. Vorangegangen war ein fast 30-jähriger Konflikt mit Griechenland, der als „Namensstreit“ in die Geschichte einging.
Das Auslandsbüro für Griechenland und Zypern der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und die Griechische Stiftung für Europäische- und Außenpolitik (ELIAMEP) stellten anlässlich des dritten Jahrestages des Abkommens zur Beilegung des Namensstreites zwischen Griechenland und Nordmazedonien die Ergebnisse einer Umfrage unter dem Motto „Die Aussichten des Prespa-Abkommens“ vor. Erstellt wurde diese von zwei Meinungsforschungsinstituten aus beiden Ländern. Darin wurde die Bevölkerung beider Seiten befragt, wie sie aktuell zu dem Abkommen steht und welche Entwicklungen man sich für die Zukunft wünscht.“ weiterlesen

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Aktionswochenende Menschenrechte sind #Unverhandelbar!

Seebrücke: „An den europäischen Außengrenzen herrscht Chaos: Brände, Stürme, Überschwemmungen, Polizeigewalt und fehlende Grundversorgung sind neun Monate nach dem Brand in Moria immer noch Alltag für zehntausende Menschen in den unwürdigen Lagern an Europas Außengrenzen. Hunderte geflüchtete Menschen sind allein in diesem Jahr im Mittelmeer gestorben. Die europäischen Missionen Frontex und IRINI unterstützen die libysche Küstenwache bei ihren menschenrechtswidrigen Pushbacks und ignorieren Seenotfälle, lassen bewusst nicht-europäische Menschen ertrinken. Statt die Menschenrechte aktiv zu schützen, werden sie missachtet und sowohl von europäischen als auch deutschen Politiker*innen als Verhandlungsgegenstand missbraucht.
Das nehmen wir nicht länger hin und gehen am kommenden Wochenende, zum World Refugee Day, in über 50 Städten auf die Straße! Von Bonn bis nach Berlin, von Kiel bis Passau werden am 19. und 20. Juni überall in ganz Deutschland Menschen auf die Straße gehen und die andauernden Menschenrechtsverletzungen anklagen. Wir dulden diese Untätigkeit der Politik nicht länger, denn: Menschenrechte sind #unverhandelbar!“ weiterlesen

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Reaktionärer Fruchbarkeitskongress verhindert

Befruchtung. Bild: Yorgos Konstantinou/ Imagistan

Für Anfang Juli war eine dreitägige „1. Konferenz über Fortpflanzungsfähigkeit und -autonomie“ angesetzt. Gynäkologen, Geistliche und reaktionäre Politiker hatten sich zusammen getan. Minister der konservation Nea Dimokratia sollten Reden halten.
Die Präsidentin Griechenlands hatte die Schirmherrschaft dafür übernommen. Ein Werbespot, der ausgestrahlt wurde, zeigte jedoch, dass die Veranstalter der sexistischen Idee der Bestimmung der Frau zur Mutterschaft anhängen.

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Historiker: Gefährliche Schoa-Relativierung

Max Merten 1959 vor einem Gericht in Athen

Von Victor Isaak Eliezer, Jüdische Allgemeine, 17.06.2021:
„Historiker: Gefährliche Schoa-Relativierung
Wir müssen vehement auf jede Stimme reagieren, die den Nazismus lobt oder versucht, seine Verbrechen herunterzuspielen
In einem Interview mit der Nachrichtenseite t-online Anfang Juni bezüglich der Kriegsverbrechen der Wehrmacht im besetzten Griechenland behauptete der deutsche Historiker Hans A. Richter, der damalige dortige Militärverwaltungsrat, der Jurist Max Merten, sei zu einem »Kriegsverbrecher allerersten Ranges stilisiert« worden. Richters Versuch, Merten zu entlasten, ist Teil der Verfälschung und des Revisionismus der Geschichte des Holocaust. Leider geschieht dies unter wissenschaftlichem Deckmantel.
Mit ihrem Urteil vom 5. März 1959 entschied die griechische Justiz, dass Max Merten schuldig war für Verbrechen, die er während der deutschen Besatzung Griechenlands begangen hatte. Die Aussagen der Belastungszeugen, unter ihnen auch jüdische Griechen, waren ausschlaggebend für den Ausgang des Prozesses und die Verurteilung Mertens.“ weiterlesen

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