Ein Schritt vor, ein Schritt zur Seite

Foto: Jebulon / CC0 1.0

Die Regierung in Athen fährt angesichts steigender Infektionszahlen und der Abhängigkeit vom Tourismus einen verworrenen Zickzackkurs im Pandemieregime – siehe den Artikel von Wassilis Aswestopoulos:

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis, 11. Juli 2021:
Griechenland: Impfen gegen die Pleite
Prämien, Predigten und Influencer sollen die Impfbereitschaft in Hellas steigern, da ein weiterer Lockdown als unfinanzierbar gilt. Für Ungeimpfte wird es eng
Der erneute Anstieg der Infektionszahlen in Griechenland hat die Pläne der Regierung für eine Impfpflicht beschleunigt. Sie soll für einige Berufe bereits ab kommender Woche gelten. Darüber hinaus wird der Alltag von Nichtgeimpften immer weiter eingeschränkt. Mitten in der Tourismussaison steigt die Covid-19-Infektionsrate vor allem wegen der Delta-Mutation stark an. Einen erneuten Lockdown für die vierte Welle schließt die Regierung aus. Es fehlt schlicht an Geld in den Staatskassen, um einen weiteren Lockdown zu finanzieren.
Junge Erwachsene bis zum Alter von 25 Jahren ködert der Staat mit Gutscheinen über 150 Euro, wenn sie sich impfen lassen. Ein Aluminium verarbeitendes Unternehmen bietet Angestellten, die sich impfen lassen, 500 Euro Prämie. Die Regierung bittet zudem die Kirche und lokale sowie landesweit bekannte Influencer um Hilfe.
Die vierte Welle kommt
Am 10. Juli vermeldete die Statistik für Griechenland 2.327 Neuinfektionen. Eine Woche vorher waren es 619, am 26. Juni dagegen 375. Dies war der niedrigste Samstagswert seit Beginn der dritten Welle gewesen. Die steigenden Infektionszahlen wurden von der Politik registriert. Mittlerweile gab es zahlreiche „Superspreader-Events“ wie in den Gaststätten im Süden Attikas, aber auch in Zeltlagern für Kinder und Jugendliche im gesamten Land. Ab Montag will die Regierung verkünden, für welche Berufe sofort die Impfpflicht eingeführt werden soll. Impfverweigerer müssen dann mit ihrer Entlassung rechnen – gegebenenfalls fristlos und ohne Abfindung.“ weiterlesen

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Die gemeinsame Geschichte der Mittelmeerkulturen

Version des Videos mit deutschen Untertiteln:
http://www.maydan-association.org/news/el-mar-del-mig-the-middle-sea/

Zur Veranstaltung

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Brüssel: ND-Regierung vernachlässigt kleine und mittlere Unternehmen

Sitz des Europäischen Rats in Brüssel. Foto: Wikimedia Commons/Samynandpartners; CC-BY-SA-4.0.

efsyn.gr, 9.7.2021:
„Es wird erwartet, dass Griechenlands Plan für den Entwicklungsfonds (am Dienstag) mit Sternchen genehmigt wird. Es gibt Besorgnis über den Ausschluss kleiner und mittlerer Unternehmen und derjenigen, die am stärksten von der Pandemie betroffen sind und scharfe Kritik an der Regierung, wobei SYRIZA den Premierminister aufforderte, „die Plünderungsaktion jetzt zu stoppen“.
Griechenland wird das einzige Land sein, das gezwungen ist, den Plan zu ändern, da der EU-Rat, der die letzte Stufe der Genehmigung der Vorschläge der Mitgliedsstaaten darstellt, Bedenken geäußert hat und um Klärungen und Änderungen zu bestimmten Punkten bezüglich der Kreditvergabe an KMU (kleine und mittlere Unternehmen), der Streuung der Kreditvergabe und der Sicherstellung der Solvenz gebeten hat – zugunsten des grünen und digitalen Übergangs.
Nach der Enthüllung der „gelben Karte“ der Kommission sagte der Pressesprecher der SYRIZA, Nassos Iliopoulos, dass die Vorwürfe der Plünderung „in vollem Umfang“ bestätigt werden.
In seiner Erklärung zu den Einwänden der Europäischen Kommission gegen den griechischen Plan forderte er den Ministerpräsidenten auf, „jetzt die Plünderungsaktion der Milliarden des Rettungsfonds zu stoppen, die der griechischen Regierung und den griechischen Steuerzahlern aufgebürdet wird.“

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Mitsotakis: Ich weiß nicht, was ein Pushback ist, aber ich praktiziere ihn

Bild: Yorgos Konstantinou/ Imagistan

Kyriakos Mitsotakis: „Ich lehne das Konzept des Pushbacks ab, als Terminologie lehne ich es ab. Ein solches Konzept, ein solches Wort gibt es in meinem Wortschatz nicht. Aber wenn ein Boot kommt und wir sehen es, wir sehen, von wo es abfährt, und wir haben die Pflicht, die türkische Küstenwache zu informieren, ja, wir werden sie informieren. Und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, dass dieses Boot dorthin zurückkehrt, wo es gestartet ist. Das ist es, was wir tun, immer mit dem größten Respekt vor dem menschlichen Leben. Wir sind ein Rechtsstaat. Aber genau das werden wir auch weiterhin tun.“
https://www.kathimerini.gr/…/kyr-mitsotakis-stin-k-den…/
Gut! Unser Premierminister lehnt das Konzept des Pushbacks ab, aber die Küstenwache führt fast täglich gewaltsame Pushbacks durch…
Schläge, Konfiszierung von Mobiltelefonen, Beschimpfungen, Aussetzen von Menschen mitten auf dem Meer. Tausende von Kindern, behinderten Menschen, Frauen und Männern, denen per Dekret das Recht auf Asyl verweigert wird, werden nach ihrer Ankunft in Griechenland in Schlauchbooten ohne Ruder und Motor zurückgelassen. Nicht nur an der Seegrenze, sondern auch nach der Ausschiffung an Land.
Im Wesentlichen lehnt der Ministerpräsident das Konzept der Rechtsstaatlichkeit, den Begriff des Flüchtlings und das Konzept des internationalen Schutzes für Asylbewerber ab. Herr Mitsotakis setzt eine Politik um, um die ihn Orban und die anderen Fremdenfeinde von Visegrad beneiden würden, spuckt auf internationale Verträge und erzählt uns, dass es regnet.
[Kommentar von Yorgos]


Zwölfte Grafik von Yorgos Konstantinou/ Imagistan auf griechenlandsoli.com.
Immer freitags visuelle Aufklärung vom Feinsten – manchmal auch häufiger.

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Der Thessalonikaner ist cool und schüttet zu

[Sprechblase:] „Der Thessalonikaner geniesst und schüttet zu“. Bild: Yorgos Konstantinou/ Imagistan

Siehe: Wir haben schon genug Antikes in Griechenland

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Immer freitags visuelle Aufklärung vom Feinsten – manchmal auch häufiger.

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»Wir haben schon genug Antikes in Griechenland«

Von Giorgos Christides, Spiegel online 04.07.2021:
Umstrittenes U-Bahn-Projekt in Thessaloniki »Wir haben schon genug Antikes in Griechenland«
Die U-Bahn in Thessaloniki ist ein Milliardenprojekt – doch bei den Bauarbeiten wurde eine antike Handelsstraße entdeckt. Jetzt ringt das Land darum, was wichtiger ist: der Fortschritt oder das kulturelle Erbe.
Wer in Thessaloniki zweitausend Jahre in die Vergangenheit reisen möchte, muss sich in die Egnatia-Straße begeben. In der Einkaufsmeile im Zentrum der zweitgrößten Stadt Griechenlands tummeln sich Passanten und Kundschaft, Einheimische und Touristen. Nicht zu übersehen, mitten im Trubel klafft ein gähnendes Loch. Hinter einer Absperrung werkeln Arbeiter mit Helmen und Ingenieure. Die Grabungsstelle erreicht man dann über eine Treppe, sie führt knapp sechs Meter in die Tiefe.
Unten angekommen fühlt man sich, als hätte man eine Pforte in eine andere Zeit geöffnet. Dort verläuft eine andere Straße, parallel zu ihrem belebten Gegenstück direkt über ihr. Anstelle von Autos, Menschen, Neonlichtern und Ampeln findet sich ein marmorgepflasterter Weg, 76 Meter lang und 7,5 Meter breit. Es ist das am besten erhaltene Teilstück der legendären antiken Via Egnatia.
Ein Kulturverbrechen gegen das historische Vermächtnis?
Von den Römern im 2. Jahrhundert im Auftrag des Senators Gnaeus Egnatius erbaut, verband die Via Egnatia Konstantinopel (das heutige Istanbul) mit der Adria. Jeder griechische Schüler kennt sie. Der Heilige Paulus war auf ihr unterwegs, die Armeen von Julius Cäsar und Pompeius, Kreuzfahrer, byzantinische Kaufleute und Diebe. Da sind die Überreste von Läden und Goldschmiedewerkstätten, ein eingestürzter monumentaler Steinbogen, ein Abwasserkanal und Wasserleitungen. Ein bemerkenswertes Zeichen dafür, dass sich das kommerzielle Zentrum der Stadt schon vor 1700 Jahren an dieser Stelle befand. Archäologen sagen, das sei einmalig in der Welt.“ weiterlesen

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Letzter flüchtiger Goldene Morgenröte Anführer gefasst

Christos Pappas

Endlich wurde der letzte flüchtige Goldene Morgenröte-Anführer festgenommen. Christos Pappas, der zweithöchste Anführer der Nazipartei, war im Oktober 2020 zu 13 Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Allerdings war er kurz vor der Urteilsverkündung untergetaucht. Er wurde in in serbisch-geprägten Landesteilen des Kosovo oder Bosnien-Herzegowinas vermutet. Festgenommen wurde er heute in Athen.
Ältere Beiträge zur Goldenen Morgenröte

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„Griechischer Staat bläht sich erneut auf“

Wiener Zeitung, 01.07.2021:
Freunderlwirtschaft: Griechischer Staat bläht sich erneut auf
Antonis Panoutsos, 73, Pilotenbrille, Kahlkopf, dicker Bauch, ist in Griechenland bekannt wie ein bunter Hund. Seine berufliche Karriere machte Panoutsos, der auch jahrelang in Berlin lebte, als Kolumnist bei führenden Athener Sportzeitungen. Sein Lieblingsthema: Fußball. Keiner kann die Aktionen der Kicker auf dem grünen Rasen anschaulicher analysieren. Oft garniert mit Witz, gerne auch mit beißender Ironie, immer unterhaltsam. Jahrzehntelang tat er das. Panoutsos hatte fanatische Leser, im fußballverrückten Hellas ist er ein Star der schreibenden Zunft.
Plötzlich wollte Antonis Panoutsos Politiker werden. Mit 70. Er stehe politisch rechts, sei ein Konservativer, der nach besten Kräften Kyriakos Mitsotakis, dem Chef der konservativ-liberalen Nea Dimokratia (ND), helfen wolle, Premier Alexis Tsipras vom „Bündnis der Radikalen Linken“ (Syriza) aus dem Amt zu jagen, offenbarte er.
Mitsotakis sei nicht nur ein bekennender Wirtschaftsliberaler, so Panoutsos. Er werde endlich den aufgeblähten, verkrusteten Staatsapparat zu Füßen der Akropolis entschlacken. Mitsotakis, der glühende Reformer, werde seinen Worten Taten folgen lassen und mit dem Klientelismus, der Vetternwirtschaft und der Korruption, den echten Übeln in Hellas, aufräumen. Unverzüglich.“ weiterlesen

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Angst wovor?

Bild: Yorgos Konstantinou/ Imagistan

Griechenland qualifizierte sich nicht für die Endrunde der Fußball-Europameisterschaft – Nordmazedonien schon. Die griechische Regierung regte sich über Abkürzungen für die nordmazedonische Mannschaft auf, in denen die Silbe „Nord“ nicht durch einen Buchstaben vertreten war. (Siehe)
Noch empfindlicher reagierte die griechische Regierung kurz zuvor darauf, dass der nordmazedonische Ministerpräsident Zoran Zaev in einem Post „Mazedonien“ statt „Nordmazedonien“ schrieb. Als Reaktion wurde eine für Juli 2021 geplante Ratifizierung von drei mit Nordmazedonien unterzeichneten Memoranden zur Zusammenarbeit auf September 2021 vertagt.
Es erscheint merkwürdig, dass Griechen sagen, sie fühlten sich von Nordmazedonien bedroht.
Hellas hat 130.000 ständig bereite Soldaten (Nordmazedonien 8.000) eine 100 mal stärkere Armee, 100 mal mehr jährliche Militärausgaben, 448 Militärflugzeuge (Nordmazedonien kein einziges), eine fünf mal größere Bevölkerung und ist eingebunden in NATO und EU.
Angst wovor?

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Zehnte Grafik von Yorgos Konstantinou/ Imagistan auf griechenlandsoli.com.
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Was beinhaltet das neue Arbeitsgesetz?

eine von vielen Aktionen gegen das Arbeitsgesetz mit der Forderung nach Erhalt des 8-Stundentages

Von Christos Christou.
Am 16.06.2021 wurde ein neues Arbeitsgesetz beschlossen, was viele SciFi-Fans auch als ein „zurück in die Zukunft“-Gesetz beschreiben würden. Dies gilt vor allem, weil der Gesetzesentwurf Paragraphen enthält, die seit längerem von den Gewerkschaften in ganz Europa gefordert wurden, aber auch Änderungen in den Arbeitstag einbringt, die an den Arbeitsverhältnissen vorm 1 Mai 1886 erinnern. Die Regierung preist diesen Gesetzesentwurf als progressiv und wachstumsorientiert an, während Gewerkschaften und Oppositionsparteien zum Generalstreik aufgerufen haben. Nach einer Umfrage stellen sich 55% der Bevölkerung gegen das Änderungsvorhaben der Regierung. Positiv betrachtet hingegen nur 28% der befragten Personen den neuen Gesetzesentwurf.

Diese Skepsis ist verständlich für Leute, die den griechischen Arbeitsmarkt kennen. So greifen die meisten positiven Ansätze des Gesetzes entweder zu kurz oder erscheinen unglaubwürdig. Beim neuen Gesetz gibt es zum Beispiel eine Regelung, die die Möglichkeit für Elternzeit auch für Väter vorsieht, diese aber auf 14 Arbeitstage beschränkt. Gleichzeitig sind im neuen Gesetz auch strengere Strafen für Verletzung der Arbeitszeitregelungen vorgesehen. Ein Schritt in die richtige Richtung, der angesichts der Tatsache, dass die zuständige Behörde durch Regierungsentscheidungen in den letzten zwei Jahren in ihren Handlungs- und Kontrollmöglichkeiten eingeschränkt würde, aber auch unglaubwürdig erscheint.

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