»Wir haben schon genug Antikes in Griechenland«

Von Giorgos Christides, Spiegel online 04.07.2021:
Umstrittenes U-Bahn-Projekt in Thessaloniki »Wir haben schon genug Antikes in Griechenland«
Die U-Bahn in Thessaloniki ist ein Milliardenprojekt – doch bei den Bauarbeiten wurde eine antike Handelsstraße entdeckt. Jetzt ringt das Land darum, was wichtiger ist: der Fortschritt oder das kulturelle Erbe.
Wer in Thessaloniki zweitausend Jahre in die Vergangenheit reisen möchte, muss sich in die Egnatia-Straße begeben. In der Einkaufsmeile im Zentrum der zweitgrößten Stadt Griechenlands tummeln sich Passanten und Kundschaft, Einheimische und Touristen. Nicht zu übersehen, mitten im Trubel klafft ein gähnendes Loch. Hinter einer Absperrung werkeln Arbeiter mit Helmen und Ingenieure. Die Grabungsstelle erreicht man dann über eine Treppe, sie führt knapp sechs Meter in die Tiefe.
Unten angekommen fühlt man sich, als hätte man eine Pforte in eine andere Zeit geöffnet. Dort verläuft eine andere Straße, parallel zu ihrem belebten Gegenstück direkt über ihr. Anstelle von Autos, Menschen, Neonlichtern und Ampeln findet sich ein marmorgepflasterter Weg, 76 Meter lang und 7,5 Meter breit. Es ist das am besten erhaltene Teilstück der legendären antiken Via Egnatia.
Ein Kulturverbrechen gegen das historische Vermächtnis?
Von den Römern im 2. Jahrhundert im Auftrag des Senators Gnaeus Egnatius erbaut, verband die Via Egnatia Konstantinopel (das heutige Istanbul) mit der Adria. Jeder griechische Schüler kennt sie. Der Heilige Paulus war auf ihr unterwegs, die Armeen von Julius Cäsar und Pompeius, Kreuzfahrer, byzantinische Kaufleute und Diebe. Da sind die Überreste von Läden und Goldschmiedewerkstätten, ein eingestürzter monumentaler Steinbogen, ein Abwasserkanal und Wasserleitungen. Ein bemerkenswertes Zeichen dafür, dass sich das kommerzielle Zentrum der Stadt schon vor 1700 Jahren an dieser Stelle befand. Archäologen sagen, das sei einmalig in der Welt.“ weiterlesen

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