
auf deutsch και στα ελληνικά
Chios und Pylos – tödliche Gewalt gegen Geflüchtete
Werden die Chefs der Küstenwache wegen fahrlässiger Tötung verurteilt?
19. März 2026, 19.30 Uhr
LIVE im Regenbogenkino, Lausitzer Str. 22 UND per Streaming (s.u.!)

auf deutsch και στα ελληνικά
Chios und Pylos – tödliche Gewalt gegen Geflüchtete
Werden die Chefs der Küstenwache wegen fahrlässiger Tötung verurteilt?
19. März 2026, 19.30 Uhr
LIVE im Regenbogenkino, Lausitzer Str. 22 UND per Streaming (s.u.!)

Von Gregor Kritidis
Der Hitler-Stalin-Pakt ist in Deutschland allgemein bekannt, das Geheimabkommen zwischen Churchill und Stalin über die Aufteilung des Balkans hingegen kaum: Bei der Moskauer Konferenz vom 9. bis 20. Oktober 1944, an der US-Vertreter nicht teilnahmen, kam der britische Regierungschef mit Stalin überein, den Balkan in Einflußsphären aufzuteilen. Demnach sollte Rumänien und Bulgarien überwiegend der Sowjetunion, Griechenland überwiegend Großbritannien zugeschlagen werden. Jugoslawien und Ungarn wollte man sich teilen. Damit hatten die Briten freie Hand, ihre noch während des Abzugs der Wehrmacht im September 1944 begonnene Intervention in Griechenland zu forcieren. Die politische und militärische Macht war mit dem Abzug der Wehrmacht faktisch auf die Nationale Befreiungsfront EAM, die stärkste Partisanenbewegung auf dem Balkan, übergegangen. Gut die Hälfte der Bevölkerung war in der EAM, der Jugendorganisation EPON und ihrem militärischen Arm, der ELAS organisiert. Es handelte sich um ein breites Bündnis, das von der kommunistischen Partei Griechenlands, der KKE, dominiert wurde. Die EAM war auf Ausgleich orientiert, da sie nicht vollkommen zu Unrecht befürchtete, dass Griechenland von Lebensmittellieferungen abgeschnitten werden könnte.
Makis Voridis sorgte von Anfang an für die Einbindung der extremen Rechten in die griechische Regierung. Jetzt sagt er das klar, was Mitsotakis so (noch) nicht ausspricht.

taz, 18.2.2026:
„Griechenland setzt auf Pushbacks statt „Orangen und Decken“
In Griechenland spitzt sich die Debatte um Pushbacks zu. Hintergrund ist der Streit um einen tödlichen Zwischenfall mit einem Flüchtlingsboot.“

Freitag, 20.02.2026, 18:00 Uhr
RegenbogenKino, Lausitzer Straße 21a, 10999 Berlin
Der „Griechische Akademiker in Berlin und Brandenburg“ e.V. lädt herzlich zur Vorführung des preisgekrönten Dokumentarfilms „Strafdivision 999“ ein.
Dieser Film zeigt eine erschütternde, aber wenig bekannte Seite der Geschichte des Zweiten Weltkriegs: Wie Soldaten der sogenannten „Strafdivision 999“ (einer Einheit der Wehrmacht, bestehend aus politischen Gefangenen und antifaschistischen Soldaten, die als „unwürdig zum Dienst“ eingestuft worden waren), sich als Besatzungsarmee in Griechenland befanden.
Sie desertierten, schlossen sich dem griechischen Widerstand und der Volksbefreiungsarmee (ELAS) an und bekämpften den Nationalsozialismus aus dem Inneren des besetzten Griechenlands.
Eintritt frei, Spenden willkommen.

Von Ferry Batzoglou, taz 9.2.2026:
„Widerstand gegen Räumung in Griechenland
„Entweder wir siegen oder wir siegen“
Es ist Tag vier seines Hungerstreiks, als er an diesem milden Sonntagabend vor einem Wohnblock an der Alexandras-Straße im Athener Zentrum damit beginnt, als dritter Redner vor der versammelten Menschenmenge ins Mikrofon zu sprechen. „Ich bin in einen Hungerstreik bis zum Tod getreten“, sagt Aristos Chantzis mit fester Stimme.
Darin sehe er ein geeignetes Mittel, auf „einen kollektiven Kampf aufmerksam zu machen“, der die Wohnblöcke als Struktur der Solidarität für sozial schwache Gruppen und eine organisierte Gemeinschaft erhalten wolle, erklärt der Grieche. Applaus brandet auf. Sprechchöre werden skandiert: „Κάτω τα χέρια από τα Προσφυγικά!“ („Hände weg von den Prosfygika!“)“
Weiterlesen

Von Marianthi Pelevani, tvxs.gr, 10. Feb. 2026:
„Trump-Methode / Die ND-Regierung schüchtert Journalist*innen, Anwält*innen und Abgeordnete ein
Die Flüchtlingstragödie von Chios ist nicht nur ein weiteres tödliches Schiffsunglück in der Ägäis. Sie stellt eine tiefgreifende politische und institutionelle Krise dar. Und je mehr Informationen ans Licht kommen, desto deutlicher zeichnet sich eine gefährliche und autoritäre Entscheidung der Regierung ab: Statt Transparenz und Rechenschaftspflicht setzt sie auf Drohungen, Einschüchterung und die Kriminalisierung von Kritik.
Das Regierungsnarrativ über die Ereignisse auf Chios weist immer mehr Risse auf. Die Aussagen der Überlebenden, die Widersprüche in den offiziellen Erklärungen, die offenen Fragen zu den Aufzeichnungen der Wärmebildkameras sowie die Vorgeschichte früherer Verurteilungen des Landes wegen Abschottungspraktiken (Pushbacks) ergeben eine explosive Mischung. Und anstatt Antworten zu liefern, entscheidet sich die Regierung dafür, den Fokus zu verschieben – nicht darauf, was geschehen ist, sondern darauf, wer es wagt, Fragen zu stellen.


Erste Veranstaltung am 19. März 2026:
Chios und Pylos – tödliche Gewalt gegen Geflüchtete
Werden die Chefs der Küstenwache wegen fahrlässiger Tötung verurteilt?
Regenbogenkino, Lausitzer Str. 22, 19.30 Uhr
———————————————————————–—————————————
3. Februar 2026: Wieder wie vor zwei Jahren vor Pylos fanden Geflüchtete den Tod durch Aktionen der Küstenwache. Damals vor Pylos ertranken mehr als 600 Geflüchtete beim Versuch des Abschleppes durch das Küstenwachenboot. Vor Chios starben die Geflüchteten bei einer Kollison mit einem Küstenwachenboot.
Am 9. Juni 2023 startete der Fischkutter „Adriana“ mit mehreren Hundert Menschen an Bord. Am 13. Juni innerhalb der griechischen Such- und Rettungszone wurde das Boot manövrierunfähig. Die griechische Küstenwache rettete sie nicht, sondern beobachtete sie 15 Stunden lang. Auch die Europäische Agentur für Grenzschutz, Frontex, war von Anfang an informiert. Dann, 80 km vor Pylos, versuchte ein Schiff der griechischen Küstenwache, das Boot mit einem Seil in Richtung Italien zu schleppen, anstatt die Menschen von Bord zu holen. Mehrere Handelsschiffe in der Nähe hatten hierzu ihre Hilfe angeboten.
Das Manöver ging schief. Der Fischkutter geriet infolge des Abschleppversuches bei ruhiger See ins Schaukeln und sank. Ca. 100 Menschen konnten gerettet werden, mehr als 600 weitere ertranken.
Die griechische Regierung versuchte von Anfang an, die Verantwortung der Küstenwache für das Unglück zu vertuschen. Mittlerweile wird aber gegen 21 Mitarbeiter der Küstenwache u.a. wegen Aussetzung Hilfsbedürftiger und fahrlässiger Tötung ermittelt. Dazu gehören sowohl der damalige als auch der amtierende Chef der Küstenwache.
Der Fall „Pylos“ zeigt eindrucksvoll, mit welcher kriminellen Energie EU-Behörden bei der für alternativlos erklärten Migrationsabwehr vorzugehen bereit sind. Der Tod von Hunderten von Menschen wurde dabei billigend in Kauf genommen.
Eleni Spathana ist Rechtsanwältin bei der NGO „Refugee Support Aegean“ und vertritt als Nebenklagevertreterin Überlebende des Unglücks von Pylos. Sie wird von dem laufenden Verfahren berichten. Tareq Alaows, der flüchtlingspolitische Sprecher von „Pro Asyl“ wird über die aktuellen Entwicklungen in Europa informieren.
Die Veranstaltung wird unter dem Link https://youtube.com/live/xwv7pFwX7tc gestreamt.
23. April: Das autoritäre System Mitsotakis
Regenbogenkino, Lausitzer Str. 22, 19.30 Uhr
————————————————————-
Mitsotakis schuf eine neue Art von Regime in Griechenland. Seit der Amtsübernahme hat er Schritt für Schritt demokratische Kontrollen abgebaut und den Geheimdienst, die öffentlich-rechtlichen Medien und die öffentlich-rechtliche Presseagentur seinem Büro unterstellt. Die Unabhängigkeit der griechischen Justiz wurde durch gesetzliche Eingriffe bei Richterernennungen, politische Einflussnahme in Ermittlungen, Kontrolle über Institutionen und Ressourcen sowie öffentliche Diskreditierung von Richterinnen und Richtern massiv geschwächt. Heute folgt sie im wesentlichen seiner Regierungspolitik.
Der Autoritarismus wird aber mit großer Energie hinter einer glänzenden Fassade verborgen. Diese soll auch Korruption und Klientelismus sowie die Skandale der jüngeren Zeit überstrahlen – u.a. die Eisenbahnkatastrophe von Tempi mit 57 Toten, den gigantischen Überwachungsskandal, oder den EU-Agrarsubventionsskandal, in den viele Funktionäre und sogar Minister seiner Partei verwickelt sind. Zum ersten Mal seit dem Ende der Militärdiktatur 1974 gibt es eine Regierung, die einen mächtigen rechtsextremen Flügel hat. Gleichzeitig verfolgt Mitsotakis eine streng neoliberale Agenda, Privatisierung ist sein erstes Credo.
Referent: Stavros Malichudis, Chef der Investigativplattform Solomon und selbst Opfer der Überwachung
21. Mai: Das „Wirtschaftswunder“ und die Verelendung
Regenbogenkino, Lausitzer Str. 22, 19.30 Uhr
———————————————————————–
Die griechische Regierung prahlt mit dem wirschaftlichen Wachstum des Landes, deutsche Medien schreiben von einem Wirtschaftswunder.
Die Wirklichkeit sieht völlig anders aus: Seit 2019, d.h. seitdem Mitsotakis regiert, hat es eine bemerkenswerte Umverteilung der Einkommen zugunsten der Gewinne und zu Lasten der Löhne gegeben. Die Zwangsmaßnahmen der EU ab 2010 (Sparmaßnahmen, Deregulierung und Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte) hatten zu einer humanitären Katastrophe geführt. Sie ist nie zu Ende gegangen. Viele Menschen verloren ihre Arbeit und haben entweder nie wieder eine bekommen, oder nur eine zu einem Hungerlohn. Oft werden die Arbeitenden sogar noch von ihren „Arbeitgebern“ um einen Teil des Lohns betrogen. Sehr viele Menschen überleben nur, weil Verwandte ihnen finanziell helfen. Immer noch müssen tausende junge Menschen auswandern, um einen Beruf entsprechend ihrer Ausbildung ausüben zu können. Eurostat, die europäische Statistikbehörde, hat festgestellt, dass jeder fünfte Mensch in Griechenland keine notwendige Gesundheitsversorgung erhält. Selbst Zwangsräumungen sind noch alltäglich.
Referent: Yannis Albanis, Journalist und Aktivist aus Athen
Der Eintritt ist frei – eine kleine Spende wird erbeten
Die Beiträge der Veranstaltungen erfolgen in griechischer Sprache mit Übersetzung ins Deutsche.
Die Veranstaltungen werden gestreamt.

Eine Veranstaltungsreihe des Bündnisses Griechenlandsolidarität Berlin, attac Berlin, Regenbogenfabrik und SoliOli
Unterstützt von der Rosa Luxemburg Stiftung

Von Giorgos Pagoudis, efsyn 06.02.26 i:
>„Ohne jegliche Vorwarnung fuhr das Schiff über uns hinweg“
Die Schilderungen von Überlebenden widerlegen die Berichte der Hafenbehörde und auch die Erklärung des Hauptquartiers der Küstenwache, das genau das Gegenteil behauptet hatte ● Die Möglichkeit weiterer Vermisster besteht weiterhin ● Eine Delegation der Neuen Linken besuchte das Krankenhaus der Insel und sprach mit verletzten Patient:innen sowie Ärzt:innen
Auf den Grund der Ägäis sinkt seit gestern das Narrativ der Regierung und der Küstenwache, wonach das Flüchtlingsboot für das tödliche Schiffsunglück vor Chios verantwortlich sei, das fünfzehn Menschen das Leben kostete.
Weiterlesen
Von Isabel Armbrust
Beim Abbau von Arbeitnehmerrechten und dem Rückzug des Staates aus der Gewährung von Arbeitssicherheit (Stellen- und „Bürokratieabbau“) ist Griechenland Vorreiter in der EU. Für die Beschäftigten birgt diese Kombination große Risiken, wie der Fall der Violanta-Keksfabrik in Nordgriechenland zeigt. Dort verloren kürzlich 5 Arbeiterinnen bei der „angekündigten Katastrophe“ einer Gasexplosion ihr Leben. Warnungen von Gewerkschaftsvertreter_innen angesichts von Gasgeruch waren in den Wind geschlagen worden. Der jüngste Newsletter von AthensLive Wire berichtet über die Hintergründe der Katastrophe und verweist auf die dramatische Unterbesetzung von regionalen Arbeitsschutzbehörden.
AthensLive Wire 340:
>„Violanta“ war keine Tragödie – es war ein angekündigtes Unglück
Als wir unseren Newsletter vergangene Woche verschickten, waren die ersten Meldungen gerade eingetroffen. Am Montag hatte es eine katastrophale Explosion in der Violanta-Keksfabrik im Gebiet Trikala–Karditsa gegeben.
Unter den Trümmern des eingestürzten Daches wurden fünf Frauen tot geborgen:

KEERFA , 3.2.2026:
>Der Krieg der Regierung gegen Geflüchtete hat vor der Küste von Chios neue Opfer gefordert. Laut den Aussagen von Giorgos Daniil, Bürgermeister von Oinousses, gegenüber ertnews sei das Boot der Küstenwache „auf Patrouille gegangen, habe das Boot der Geflüchteten innerhalb unserer Hoheitsgewässer entdeckt und versucht, die Einfahrt zu verhindern“ …
Dies ist eine klare Beschreibung der kriminellen Linie der „Abschreckung mit allen Mitteln“, die die Regierung konsequent umgesetzt hat und die inzwischen das offizielle modus operandi der Küstenwache und des Hafenamts darstellt. Wie Th. Plevris, für die Verfolgung von Migranten, einst sagte: Es müsse Tote geben, um die Botschaft zu senden, dass sie nicht kommen sollen.