Von Astrid Halder, Deuschlandfunk 10. September 2026: „Griechenlands Reeder – Einflussreich und verschwiegen Das kleine Griechenland ist eine Macht auf den Weltmeeren. Fast 20 Prozent der globalen Transportkapazitäten gehören griechischen Reedern. Etliche sind Millionäre – und gut mit der griechischen Politik vernetzt. Sie agieren geschickt und risikobereit.“
Ilias Kassidiaris. Foto: DTRocks, Wikimedia, CC BY-SA 4.0
Hierunter die Übersetzung eines Artikels von Dimitris Psarras, dem wohl kompetentesten Journalisten Griechenlands zu den Themen Faschismus, Neonazismus und zur Nazi-Partei „Goldene Morgenröte“ (Chrisí Avgí)i. Psarras hat das Buch „Neofaschisten in Griechenland: Die Partei Chrysi Avgi“ verfasst. Eine gekürzte Fassung ist bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung unter dem Titel „Golden Dawn on trial“ als Broschüre oder zum download als pdf erhältlich.
Wie gefährlich nahe Teile der Regierungspartei Neue Demokratie den Faschisten stehen, konnte man vor wenigen Tagen wieder sehen, als ein ND-Europaabgeordneter Kassidiaris mehr oder weniger heroisierte, indem er bemerkte: „Ich weiß, dass er einer der wenigen Griechen ist, die ihre Gefängnisstrafe bis zum letzten Tag abgesessen haben.“ Nach einem Aufschrei der Empörung musste er diese Bemerkung einen Tag später öffentlich zurücknehmen.
Irgendwelche Parallelen zu anderen europäischen (und nicht-europäischen) Ländern, soweit es die Annäherung etablierter Parteien an Faschisten und damit die Bemühungen, die Faschisten „hoffähig“ zu machen, betrifft, sind rein zufällig… (Achim Rollhäuser)
Dimitris Psarras:lias Kassidiarisiiund der düstere Schattenstaatiii
Gestern Morgen, kurz vor der „Freilassungszeremonie“ für Ilias Kassidiarisiv – seine „Anhänger“ hatten eine Kundgebung vor dem Gefängnis von Domokos organisiert –, empfing der Sender „Skai“ den Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoϊdis. Die Moderatoren der Sendung „Heute“ (…) befragten ihn zu folgendem Thema: „Kann Kassidiaris auf die politische Bühne zurückkehren – wie er es selbst behauptet –, und zwar mit vollen politischen Rechten? Kann er selbst eine Partei führen?“
Von Alieren Renkliöz, jungeWelt 9.9.2026: „Die Stadt der wenigen Investoren verändern das Bild von Athen. Sie machten aus Wohnungen Airbnbs, aber die Bewohner wehren sich Die Freude war groß, als Aristotelis Chantzis am 2. September nach 73 Tagen stationärer Behandlung in die besetzte Nachbarschaft Prosfygika in Athen zurückkehrte. Er und seine Mitstreiterin Suzon Doppagne waren in den Hungerstreik getreten, um auf die geplante Räumung des selbstverwalteten Projektes aufmerksam zu machen. Nach mehr als 120 Tagen der Nahrungsverweigerung plädierte das Stadtparlament von Athen im Juni dafür, dass von den Räumungsplänen abgesehen werden solle. In ihrem Schreiben, das auch der Bürgermeister mitgetragen hat, heißt es: »Im Jahr 2026 darf es keine Toten durch einen Hungerstreik im Land geben.« Der Kampf gegen die urbane Verdrängung in Athen ist existentiell. Infolge der Finanz- und Schuldenkrise 2008 öffnete sich Griechenland für ausländisches Kapital. Der Hafen von Piräus wurde von der staatlichen chinesischen Reederei Cosco übernommen. Die Preise für Immobilien in Griechenland fielen. Investoren kauften Grundeigentum auf den für Touristen beliebten Inseln und in Städten wie Athen oder Thessaloniki.“ Weiterlesen
von Charalampos Giousmpasoglou, Evangelia Marinakou, Giorgos Ntoutsoulis und Filippos Bouraimis, money-tourism.gr 9.9.2026: „Das Narrativ vom „Brain Regain“ und die harte Realität in Griechenland 2017, als unser Buch Brain Drain in Higher Education: The Case of the Southern European Countries and Ireland veröffentlicht wurde, befand sich der Brain Drain auf seinem Höhepunkt. Die Wirtschaftskrise hatte die Abwanderung Tausender junger Wissenschaftler, Forscher, Akademiker und hochqualifizierter Fachkräfte aus Griechenland und den anderen Ländern der europäischen Peripherie nach Nord- und Westeuropa beschleunigt. In dem Buch wiesen wir darauf hin, dass die Aufnahmeländer einen erheblichen Wettbewerbsvorteil aus Humankapital zogen, das zu einem großen Teil mit öffentlichen Mitteln in den Herkunftsländern ausgebildet worden war. Fast ein Jahrzehnt später bleibt die Frage: Ist es Griechenland tatsächlich gelungen, den Brain Drain in Brain Regain zu verwandeln?“ Weiterlesen
Von Sarantis Michalopoulos, EURACTIV.com 2.9.2016: >„Griechenland hat zwei Geschlechter“: Konservative streiten über „woke“-Agenda Griechenland ist traditionell ein konservatives, orthodox-christliches Land, und die sogenannte „woke“-Agenda stößt bei der Mehrheit der Gesellschaft – abgesehen von progressiven Wählern – im Allgemeinen nicht auf positive Resonanz. Griechenland erkennt nur zwei Geschlechter an, Männer und Frauen, und daran wird sich nichts ändern, erklärte ein Regierungssprecher am Dienstag nach einem Konflikt mit konservativen Kreisen, der entstanden war, nachdem auf einer staatlichen Website mehrere Geschlechtsoptionen angeboten worden waren.< Weiterlesen
Von Ioannis Karagiorgas, Euronews 31/08/2026: „3-Milliarden-Euro-Deal: Griechenland kauft israelisches „Achilles-Schild„ Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministeriums baut Israel in Griechenland ein umfassendes, mehrschichtiges Luftverteidigungssystem auf, das vollständig aus israelischen Systemen besteht. Die Verteidigungsbeziehungen zwischen Griechenland und Israel treten in eine neue, deutlich operativere Phase.“ Weiterlesen
Eine ausführlichere Darstellung der militärischen Verflechtung mit Israel lieferte Niels Kadritzke: HIER
Tvxs.gr, 31. August 2026: „Neue Linke: Die Mitsotakis-Regierung wird zum Satelliten Israels Die Neue Linke spricht von einer Umwandlung Griechenlands in einen „Kunden, einen Vorposten und einen militärischen Satelliten Israels“. Mit diesen Worten kommentiert sie die Unterzeichnung des Abkommens zwischen Griechenland und Israel bezüglich des „Schildes des Achilles“, des Luftabwehr-, Raketenabwehr- und Drohnenabwehr-Schutzschilds.
Logo der Partei „Spartianer“ im Parlament, die Kasidiaris beherscht
Von Sarantis Michalopoulos, EURACTIV.com 31.8.2016: „Inhaftierter griechischer Neofaschist schwört politisches Comeback Ilias Kasidiaris, eine führende Persönlichkeit der neonazistischen Partei Goldene Morgenröte, verspricht eine Rückkehr, die in den kommenden Wochen „für eine Überraschung sorgen wird“. Die bevorstehende Entlassung aus dem Gefängnis von Ilias Kasidiaris, einer führenden Persönlichkeit der neonazistischen Partei Goldene Morgenröte, bereitet Athen Kopfzerbrechen, nachdem er angekündigt hat, ein triumphales Comeback in der Politik zu feiern. Kasidiaris sitzt seit sieben Jahren im Gefängnis, nachdem er wegen der Leitung einer kriminellen Vereinigung verurteilt worden war, doch seine politische Kampagnentätigkeit hat er nie eingestellt. Während seiner Bewährungszeit traf er sich mit Anhängern, hielt Kundgebungen ab und blieb auf Telegram und YouTube aktiv. Sein Name tauchte im Sommer erneut auf, als der milliardenschwere Unternehmer Elon Musk auf seinem X-Account eine Darstellung von Kasidiaris teilte, wonach dieser von der Justiz im Zusammenhang mit seinem Antrag auf vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis ungerecht behandelt worden sei.“ Weiterlesen
Mehr dazu, wie es Kasidiaris seit Jahren gelingt, aus dem Gefängnis heraus Parteien zu beherrschen, von denen eine sogar aktuell Parlamentssitze hat, beschreibt dieser Beitrag von AthensLive News 370 (nach der Zwischenüberschrift „Kasidiaris’s next Trojan horse“): https://steady.page/de/athenslivegr/posts/bddc8afb-da4d-4094-a47a-549d67767b1c
Efsyn, 26.08.2026: >“Thanasis Koukakis hat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eine Beschwerde gegen Griechenland wegen der doppelten Überwachung durch den EYP und Predator eingereicht. Im Mittelpunkt der Beschwerde steht die Weigerung der nationalen Behörden, den Fall unabhängig, unparteiisch und wirksam zu untersuchen. Der Journalist Thanasis Koukakis wird vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Rechtsbehelf wegen der doppelten Überwachung durch den EYP und „Predator“ einlegen, wie sein Anwalt Zacharias Kesses, in einem Beitrag in den sozialen Medien bekannt gab. Wie Herr Kesses mitteilte, wurde die Klage gegen Griechenland gestern, am Dienstag, eingereicht. …Dabei betonte er, dass „die Frage der objektiven Unparteilichkeit von besonderer Bedeutung ist, da der damalige Generalstaatsanwalt des Obersten Gerichtshofs, Konstantinos Tzavellas, die entsprechende Akte bearbeitet hat, obwohl er selbst im Jahr 2020 die Anordnungen zur Aufhebung der Geheimhaltung im Fall Koukakis unterzeichnet hatte, ohne sich zurückzuziehen oder sich für befangen zu erklären“.<
Griechenland wurde zu einem der engsten militärischen Verbündeten Israels (siehe dazu unten). Für Deutschland gilt das schon lange. Eine große Rolle spielt dabei für beide Länder die israelische Rüstungsfirma Elbit. Von ihr wird behauptet, sie sei der „wichtigste Ausstatter für völkerrechtswidrige Kriegshandlungen in Gaza“i . Am 8. September 2025 drangen „fünf Personen aus Deutschland, Großbritannien, Irland und Spanien – die zuvor überwiegend in Berlin lebten – in ein Gebäude am Hauptsitz von Elbit-Systems Deutschlandii in Ulm ein… Das Unternehmen fertigt dort militärische Kommunikationstechnik für internationale Streitkräfte.“iii Die fünf Aktivist*innen zerstörten Technik und andere Dinge im Gebäude von Elbit-Systemsin Ulm. Sie wurden verhaftet und verbringen seitdem unter z.T. unmenschlichen Bedingungen (siehe dazu den Bericht von Kontextwochenzeitung iv ) in sogenannter Unterschungshaft in Stuttgart-Stammheim v. Der Prozess gegen sie – u.a. wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung – begann im April dieses Jahres und soll voraussichtlich bis Anfang 2027 dauern.
JungeWelt.de 04.07.2026: „Erfolgreicher Widerstand der von Räumung bedrohten Gemeinschaft Prosfygika in Athen Die Kampagne »Internationalisten schützen Prosfygika« informierte am Freitag über den Erfolg der von Räumung bedrohten selbstverwalteten Gemeinschaft in Athen: Nach fünf Monaten ununterbrochener Proteste hat die Gemeinschaft der besetzten Prosfygika einen vielschichtigen Sieg errungen. Diese Woche beantwortete die Europäische Kommission die parlamentarische Anfrage zur Rechtmäßigkeit der Räumungspläne, die von 33 Mitgliedern des Europäischen Parlaments aus verschiedenen Fraktionen gestellt worden war. Die Europäische Kommission, die angeblich für die Finanzierung des Gentrifizierungsplans verantwortlich war, bestätigte die Rechtswidrigkeit der Räumung und das Fehlen von Fördermitteln; es wurden entgegen den Behauptungen der Regionalregierung niemals Mittel für diesen Plan bewilligt. In ihrer Antwort hieß es eindeutig: »Die griechischen Behörden haben der Kommission mitgeteilt, dass bislang keine Ausschreibung zur Aufnahme des Prosfygika-Projekts in das Regionalprogramm ›Attika‹ veröffentlicht wurde. Da kein Vorhaben für eine EU-Förderung ausgewählt wurde, liegen der Kommission keine projektspezifischen Informationen vor.« „ Weiterlesen