
Ich kann den Film von Christopher Nolan empfehlen. Odysseus kommt nicht als der strahlende Held daher, den viele von uns vielleicht von anderen Filmen oder Büchern in Erinnerung haben. Er ist übermenschlich effektiv in den vielen Kämpfen auf Leben und Tod, die gezeigt werden – erinnert insofern an Superhelden. Aber der Film gibt viele Hinweise für eine kritische Sicht auf den Heldennmythos. Ich denke der Film macht Lust auf Lesen über Odysseus.
Ich empfehle als Lektüre das Buch „Odysseus. Mythos und Wahrheit“ i, das gerade anlässlich des Nolan-Films veröffentlicht wurde. Der Althistoriker Raimund Schulz dekonstruiert darin das idealisierte Bild des antiken Sagenhelden und bettet die Odyssee in ihren realen historischen Kontext ein.
Er entzaubert den Helden. Die Figur Odysseus ist in der Odyssee kein strahlender Held, keine Idealfigur, sondern ein „Trickster“. Odysseus wird nicht als moralisch makelloser Vorbildheld dargestellt, sondern als skrupelloser Überlebenskünstler, Pirat und Gewaltmensch, der über Leichen geht. Er sichert sein Überleben und seinen Erfolg durch Täuschung, Lügen, Hinterhalte und Schliche, was ihn eher zu einem „Schlaukopf“ mit dem Gebaren eines Seeräubers macht.
Laut Raimund Schulz spiegelt er damit eine brutale historische Realität, das ungeschminkte Antlitz der archaischen Zeit. Das Epos spiegelt die reale, fragile Übergangsepoche der griechischen Antike wider, die von massiver Unsicherheit, politischer Instabilität, Raub und existenziellen Ängsten geprägt war.









