I. Apostolopoulos: „Griechenland begeht Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

Der international ausgezeichnete griechische Seenotretter, der von der Präsidentin ausgezeichnet werden sollte (was in letzter Minute verhindert wurde), klagt die griechische Regierung und die griechischen Medien an.

efsyn.gr 29.07.2021:
I. Apostolopoulos: „Griechenland begeht Verbrechen gegen die Menschlichkeit
In einem aufrüttelnden Interview mit dem Fernsehsender KONTRA sprach der Seenotretter Iasonas Apostolopoulos über die „industrialisierten täglichen Operationen der Entführung und des Verschwindens von Flüchtlingen in der Ägäis und im Evros, ihre Rückführung in die Türkei, die Gewalt, der sie ausgesetzt sind, und die Diebstahl dessen, was sie besitzen.

Im Gespräch mit der Journalistin Natasha Yamalis wies der international preisgekrönte Retter auch auf das sträfliche Schweigen der meisten griechischen Medien hin, die das Narrativ der Regierung über angebliche Lügen der türkischen Propaganda wiedergeben, während die internationale Presse unter den dokumentierten Enthüllungen stöhnt, und Griechenland zusammen mit Frontex vor europäischen und internationalen Gerichten zur Verantwortung gezogen wird.

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Verhinderte rechtsextremer Politiker Ehrung für Seenot-Retter?

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis 27. Juli 2021:
„Keine Ehrung für Seenot-Retter. Causa Apostolopoulos: Wer verhinderte die angekündigte Verleihung des Goldenen Kreuzes des Exzellensordens an einen „Koordinator von Seenotrettungseinsätzen“ ? Ein rechter Politiker?                                                         
Der griechische Seenotretter Iason Apostolopoulos sollte am vergangenen Samstag, den 24. Juli, anlässlich des 47. Jahrestags der Wiederherstellung der Demokratie in Griechenland von der Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou den Exzellenzorden des Phönix erhalten. So stand es in einer offiziellen Pressemeldung, die von der staatlichen Nachrichtenagentur Athens News Agency / Macedonian News Agency (AMNA) veröffentlicht wurde.“    Weiterlesen      

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Mindestlohn: Opposition wütend wegen Mitsotakis‘ Brosamen für die Arbeiter


efsyn.gr, 26.7.2021:
>Die Partei „Bewegung für den Wandel“ spricht von Verhöhnung der Arbeitnehmer „zu einer Zeit, in der die Verteuerung der Waren überhaupt nicht „symbolisch“ ist und wieder das Einkommen der Haushalte verringert. Die Nea Dimokratia fördert weiterhin ihre zutiefst konservative Vision von billiger und diskreditierter Arbeit, mit Arbeitern ohne Rechte und Verträge“, betont die Partei und fügt hinzu: „Wir erinnern daran, dass die GSEE (Dachverband der Gewerkschaften) nach der 2-jährigen Fixierung des Mindestlohns die sofortige Erhöhung auf 751 Euro vorgeschlagen hat. Ein Vorschlag, der von Herrn Mitsotakis ignoriert wurde. Die Bewegung für Veränderung beansprucht weiterhin ihren eigenen Weg. Ändern Sie das Gesetz und bestimmen Sie den Mindestlohn durch freie Verhandlungen der Sozialpartner mit dem Nationalen Allgemeinen Tarifvertrag für Arbeit. Damit ein angemessener Lebensstandard für Arbeitnehmer und ihre Familien auf Dauer gewährleistet ist.“
Erhöhung – Parodie
„Die Erhöhung – eine Parodie auf den Mindestlohn – ist ein „Einfrieren“ – für ein weiteres Jahr – auf dem miserablen Niveau, auf das er durch Regierungsbeschluss vor einem Jahrzehnt gesenkt wurde, indem der nationale Tarifvertrag abgeschafft wurde. Die Ankündigung der Regierung ist eine Provokation für die Arbeiter, da selbst diese Brosamen durch die allgemeine Teuerung und durch Preiserhöhungen bei Konsumgütern, aber auch durch das jüngste arbeiterfeindliche Gesetz der Regierung, das die Arbeiter noch ‚billiger‘ und ‚flexibler‘ macht, mehr als aufgezehrt worden sind“, so die KKE in einem Kommentar.

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Die Legende vom gut organisierten Deutschland – Was in Griechenland besser klappt

Vοn Wassilis Aswestopoulos, telepolis 22. Juli 2021:
Gedanken zur Flut. Die Legende vom gut organisierten Deutschland – Was in Griechenland besser klappt
Als Auslandskorrespondent betrachtet man die Politik im Land, über das berichtet wird, stets mit einem kritischen Auge. Denn insbesondere die Missstände fallen immer stärker ins Auge. Handelt es sich beim Gastland um einen ärmeren, schlechter organisierten Staat, schwingt ein „aber in Deutschland“ immer im Hinterkopf mit. Eigentlich, denn bei gleichartigen Ereignissen in beiden Ländern kann sich auch zeigen, dass Deutschland von Griechenland auch einiges lernen könnte.
Der Aufenthalt in Deutschland, das war für mich immer auch eine Erholung vom Chaos der griechischen Politik. In Corona-Zeiten wirken die für die deutschen Mitbürger verwirrenden Maßnahmen der Bundesregierung oft erträglicher als die teilweise drakonischen griechischen Regeln.
Griechenland hat die Pandemie aber auch genutzt, um den öffentlichen Dienst nahezu komplett zu digitalisieren. „Behördengänge“ finden fast an allen Stellen, so auch beim Finanzamt, nun digital bei Videotelefonat statt. Die meisten wichtigen Unterlagen können übers Internet bestellt werden und kommen mit einer elektronischen Unterschrift digital zum Bürger. Sie können beliebig oft ausgedruckt werden.“ weiterlesen

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Heimunterbringung von deutschen Jugendlichen in Griechenland ohne rechtilche Grundlage und ohne Kontrolle?

Seit langer Zeit wurden und werden zahlreiche deutsche Jugendliche in Griechenland untergebracht, ohne dass die vorgeschriebenen rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten wurden. Darüber berichtet der Weltspiegel-Beitrag (unten). Ein Artikel der Tageszeitung efsyn (auf Griechisch) macht deutlich, dass es sich um eine ganze Reihe von Heimen und eine sehr lange Zeit handelt. Außerdem dokumentiert der Artikel, dass die Unterbringung zumindest zeitweise zu wünschen übrig ließ (hier der Artikel). Es scheint, dass sowohl deutsche als auch griechische Institutionen ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen.

Weltspiegel vom 18.7.2021
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Griechischer Geheimdienst verfolgt Menschenrechtsbeobachter:innen

Bild: Yorgos KonstantinouImagistan

Die griechische Regierung hindert Asyl Suchende mit Gewalt daran, nach Griechenland zu kommen – ja sie deportiert sogar Geflüchtete, die schon auf griechischem Boden angekommen sind. Alles mit klammheimlicher Unterstützung der EU. Das widerspricht aber einer Reihe von Menschenrechtsverträgen, zu denen Hellas sich verpflichtet hat. Also wird geleugnet. Und es ist nur konsequent, dass diejenigen, die die Rechtsbrüche anprangern, mundtot gemacht werden – durch Polizei, Justiz und Geheimdienst. Herrliches Europa!

Von Matthias Monroy, netzpolitik.org 22.07.2021:
Seenotrettung in der Ägäis. Griechischer Geheimdienst verfolgt Menschenrechtsbeobachter:innen
Die Regierung in Athen geht gegen Organisationen und Personen vor, die dem Staat Menschenrechtsverletzungen nachweisen und dies im Internet dokumentieren. An den Ermittlungen ist eine Behörde beteiligt, die mit EU-Mitteln errichtet wurde.
Abermals holen griechische Behörden zum Schlag gegen europäische Menschenrechtsorganisationen aus. Insgesamt zehn Personen aus verschiedenen Ländern sollen seit Juni 2020 die „illegale Einreise von Ausländern“ in der Ägäis ermöglicht haben. Dies teilte die Polizei am vergangenen Montag auf einer Pressekonferenz mit. Die Betroffenen werden außerdem der Spionage sowie der „Erschwerung von Ermittlungen“ beschuldigt. Einige von ihnen sollen zudem gegen das Einwanderungsgesetz verstoßen haben. Festnahmen oder Durchsuchungen erfolgten bislang aber nicht.
Die Ermittlungen zielen auf vier Mitarbeiter:innen unterschiedlicher Organisationen, die auf den Inseln Chios, Samos und Lesbos zur Menschenrechtsbeobachtung tätig sind, sowie sechs weitere Personen. Laut der regierungsfreundlichen Zeitung „Kathimerini“ ist unter anderem die norwegische Organisation Aegean Boat Report betroffen.
Angebliche „Spionage“ wegen Dokumentation von Pushbacks
Die Verdächtigen sollen „Anwendungen im Internet“ betrieben und über „Migrationsströme“ aus der Türkei informiert haben. Mithilfe von „Telefonverbindungen“ hätten sie Koordinaten von Booten mit Geflüchteten erhalten und an andere Aktivist:innen weitergegeben, die dann den Kurs bis zur Ankunft am griechischen Festland beobachtet hätten. Bei dem Informationsaustausch seien auch die Anzahl der Bootsinsassen und deren Gesundheitszustand von Interesse gewesen.“ Weiterlesen

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Griechische Priester führen die Impfgegner-Bewegung an

„Mehrere Priester, die Einweglöffel für die Heilige Kommunion benutzten, um die Übertragung des Virus durch Speichel zu vermeiden, wurden suspendiert.“ (aus dem Artikel von politico (s.u.)) Dieses Foto oben aus Kuschen vor der Kirche

Vor ein paar Tagen verlinkten wir einen Artikel über die Stellung rechtsradikaler Gruppen innerhalb der Bewegung der Impfgegner (Demo der Impfgegner). Thema des Artikels unten ist die Bedeutung kirchlicher Kreise für die Ablehnung von Impfungen in Hellas. Religiöser Fanatismus hat bereits zu Todesopfern geführt.

Von Nektaria Stamouli, politico.eu, 20.7.2021:
Wissenschaft gegen Religion: Griechische Priester führen die Impfgegner-Bewegung an
Trotz steigender COVID-19-Fälle drängen einflussreiche Geistliche die Menschen, sich nicht impfen zu lassen.
ATHEN – An einem warmen Juli-Sonntagmorgen im Zentrum Athens sind Impfgegner und Kirchenbesucher in großer Zahl unterwegs – und es sind größtenteils dieselben Leute.
Für die griechischen Behörden sind einflussreiche griechische Geistliche und die Macht, die sie von der Kanzel aus ausüben, eine der Hauptquellen des Widerstands gegen Abriegelungen, das Tragen von Masken, soziale Distanzierung und Impfungen.
„Die kirchlichen Behörden weigern sich, die Kirchenbesucher zu überwachen und respektieren die Persönlichkeit der Gläubigen“, steht auf einem Schild am Haupteingang der St. Nikolaus-Kirche in der Hauptstadt.“ weiterlesen (auf Englisch)

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Poor you

Bild: Yorgos KonstantinouImagistan

Vierzehntete Grafik von Yorgos Konstantinou/ Imagistan auf griechenlandsoli.com.
Immer freitags visuelle Aufklärung vom Feinsten.

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UN-Sicherheitsrat verurteilt Erdogans Zypern-Provokationen

Auf seinem Besuch in Nordzypern am Dienstag spricht sich Erdogan für die Öffnung Varoshas aus.

FAZ 23.7.2021: „ERDOGANS ZYPERN-PLÄNE
UN-Sicherheitsrat verurteilt Vorgehen der Türkei
Nachdem der türkische Präsident angekündigt hat, die Geisterstadt Varosha auf Zypern öffnen zu wollen, haben die Vereinten Nationen nun mit einhelliger Kritik reagiert. Der Sicherheitsrat äußerte gar sein „tiefes Bedauern“ darüber.
Der UN-Sicherheitsrat hat die Zypern-Pläne des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verurteilt. In einer am Freitag einstimmig vereinbarten Erklärung bringt das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen sein „tiefes Bedauern“ über das Vorgehen Erdogans zum Ausdruck, wie aus Diplomatenkreisen verlautete.
Erdogan hatte am Dienstag bei einem Besuch im türkisch besetzten Nordteil Zyperns die Pläne zur Öffnung der Geisterstadt Varosha vorangetrieben und eine fortgesetzte Teilung der Insel befürwortet.“  Weiterlesen

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Niels Kadritzke analysiert die Corona-Desaster-Politik der griechischen Regierung

Ministerpräsident Mitsotakis eröffnet den „Griechischen Sommer“, Santorini, 13. Juni 2020

Leider war uns entgangen, dass Niels Kadritzke schon vor zwei Monaten eine sehr ausführliche Analyse der Corona-Politik in Hellas vorgelegt hatte. Die Ereignisse der letzten Wochen fehlen dementsprechend, aber der Artikel ist trotzdem aktuell und äußerst erhellend.

Von Niels Kadritzke, Le Monde Diplomatique, 18. Mai 2021:
Corona, die dritte Welle und der Tourismus
Der letzte Text an dieser Stelle erschien vor mehr als sechs Monaten. Die lange Pause hatte vor allem persönliche Gründe und bedarf insofern keiner Entschuldigung. Allerdings konnte ich mich seit März wieder intensiver mit Griechenland und den Wirkungen der Coronakrise auf die griechische Politik und Gesellschaft befassen. Dass ich diesen Text erst jetzt abschließe, hat mit dem ziemlich dramatischen Verlauf der dritten Corona-Welle zu tun, die erst seit Anfang Mai allmählich abflaut. Deshalb wollte ich meinen rückblickenden Report über das pandemische Geschehen und das Krisenmanagement der Mitsotakis-Regierung nicht früher abschließen. In diesem Bericht untersuche ich vor allem, wie der pandemische Verlauf durch das erklärte Hauptziel beeinflusst wurde, Griechenland möglichst früh und weit für den Tourismus zu öffnen. Am Ende gehe ich der Frage nach, ob es die Regierung geschafft hat, das Gesundheitssystem für künftige Krisen besser zu wappnen.
Harte Landung …
Seit mehr als einem Jahr hält die Covid-19-Pandemie nicht nur Griechenland, sondern die ganze Welt außer Atem. Die im Frühjahr 2021 angelaufene dritte Corona-Welle hat in Griechenland ganz ähnliche Abwehrmechanismen ausgelöst, wie wir sie aus sehr vielen größeren und reicheren Staaten und den meisten EU-Ländern kennen. Und doch gibt es eine griechische Besonderheit: die Fallhöhe zwischen dem Frühjahr 2020 und dem Frühjahr 2021, die für eine harte Landung in der Corona-Realität gesorgt hat.“ weiterlesen

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