#metoo in Griechenland

Die zweifache Olympiasiegerin im Segeln, Sofia Bekatorou

Frauen wagten, die Männer anzugreifen, die ihnen sexuelle Gewalt angetan hatten. Das war die #metoo-Bewegung, die 2017 in den USA begann und sich weltweit verbreitete. In Griechenland kam sie nicht an. Katerina Glyniadaki untersuchte 2018 die Gründe dafür (1).
Jetzt löste die öffentliche Anklage der zweifachen Olympiasiegerin im Segeln, Sofia Bekatorou, eine #metoo-Bewegung in Griechenland aus. Sie berichtete von der Vergewaltungung durch einen hohen Funktionär des Segelverbandes im Jahre 1998. Mehr und mehr Frauen (und auch Männer) brachten in der Folge sexuelle Gewalt an die Öffentlichkeit.
Siehe dazu den Beitrag von Elisa Hübel in der Griechenland Zeitung vom 20. Januar 2021:
Zahl der Anzeigen von sexuellem Missbrauch und Belästigung steigt deutlich
Zunehmend mehren sich in Griechenland Anzeigen von Frauen, die in der Vergangenheit sexuell missbraucht worden sind. Vor diesem Hintergrund traf sich Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou ist dieser Woche mit der zweifachen Olympiasiegerin im Segeln, Sofia Bekatorou. Letztere hatte den sexuellen Missbrauch durch einen hohen Verbandsfunktionär im Jahr 1998 angezeigt, der sich in einem Hotel in Palma de Mallorca ereignet hatte.
Im Anschluss betonte die Präsidentin anerkennend, dass Bekatorou damit „die Verschwörung des Schweigens zerstört“ habe. Es sei nun an der Zeit, „ein System aufzubauen, in dem die Frau nicht als Beute betrachtet wird“.
Inzwischen hat sich auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und ruft alle Frauen, die ähnliche Erlebnisse haben, dazu auf, Anzeige zu erstatten. Kurz darauf gerieten zwei Fakultäten der Universität von Thessaloniki in den Strudel der Medien. Mehr als 100 ehemalige Studentinnen haben sexuellen Missbrauch durch zwei frühere Professoren angezeigt. Die Präsidentin des Verbandes der griechischen Unternehmerinnen Lina Saltabasi bestätigte, dass auch sie über sexuelle Übergriffe durch einen der genannten Professoren in Thessaloniki Bescheid wisse, da auch sie die besagte Fakultät als Studentin besucht habe.“ weiterlesen

Anmerkung
(1) https://blogs.lse.ac.uk/greeceatlse/2018/05/29/the-metoo-movement-and-the-greek-silence/

Veröffentlicht unter Allgemein, Gender | Kommentar hinterlassen

„Islam keine Religion“. Erzbischof Griechenlands beleidigt Muslime

Screenshot des Interviews auf Open TV

Der Erzbischof von Athen und ganz Griechenland Hieronymos konterkarierte die Bemühungen der griechischen Regierung, das Verhältnis zur Türkei zu verbessern. Für Ende des Monats sind Gespräche zwischen den beiden Ländern geplant. Am 18.1.2021 bezeichnete das türkische Außenminsterium die Äußerungen des Erzbischof als „anmaßend“ und den Versöhnungsprozess störend.

Hieronymos hatte am 14.1.2021 in einem Interview mit dem Fernsehsender „Open“ gesagt:
„Wie wir wissen, ist der Islam keine Religion, sondern eine politische Partei und ein politisches Streben, und [seine Gläubigen] sind Menschen des Krieges, der Expansion. Das ist ein Charakteristikum des Islam, es wird auch in den Lehren Mohammeds erwähnt.“ (Quelle: efsyn)

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein, Orthodoxe Kirche | Kommentar hinterlassen

In der Hölle auf Lesbos in Schnee und Eis

Twitter-tweet von medico international

Das Foto ist ein Screenshot eines kurzen Videos, das medico international gestern, am 17.1.2021, gepostet hat.(1) Die Zeitung efsyn berichtete am selben Tag über das Leiden in Schnee und Eis (auf griechisch (2))

Dieses Video oben zeigt ausführlich, dass die Hölle des Lagers Moria nur durch die Hölle des Lagers Karatepe ersetzt wurde – und warum. (3) Der im Video befürchtete Schnee ist jetzt gekommen. In der Gemeinde Mytilene, in der auch das Lager Karatepe liegt, wurden die Schulen wegen starken Schneefalls geschlossen. (4) Die Bewohner des Lagers müssen ohne Heizung versuchen, zu überleben. In den vergangen Wintern sind bereits Menschen in Moria erfroren.

Anmerkungen

(1) https://twitter.com/nothilfe/status/1350874256029134854?s=20
(2) https://www.efsyn.gr/ellada/koinonia/277259_ston-pago-mpikan-hiliades-prosfyges-kai-metanastes
(3) https://www.youtube.com/watch?v=02bgM5MmeLw&feature=youtu.be
(4) https://www.efsyn.gr/ellada/koinonia/277330_stin-katapsyxi-i-b-ellada-problimata-apo-tin-kakokairia-se-oli-ti-hora

Veröffentlicht unter Allgemein, Geflüchtete. | Kommentar hinterlassen

Getrennte Gräber verlängern die COVID-19-Isolation

Covid19-Gräber in Thessaloniki, 26.12.2020, AP Photo/Giannis Papanikos
Covid19-Gräber in Thessaloniki, 26.12.2020, AP Photo/Giannis Papanikos

Von Costas Kantouris, apnews.com, 12. Januar 2021:
>In einer griechischen Stadt verlängern getrennte Gräber die COVID-19-Isolation

Selbst nach dem Tod ertragen Covid-19-Opfer die quälende Isolation in Thessaloniki, der Stadt in Griechenland, die am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffen ist. Efcharis Gunseer, 84, konnte ihre Tochter während des verlorenen Kampfes mit dem Virus zu keinem Zeitpunkt sehen, weder im Pflegeheim, in dem sie zuerst krank wurde, noch im Krankenhaus, in dem sie mehrere Wochen verbrachte. Das Personal der überlasteten Intensivstation war auch zu beschäftigt, um Telefonate zu führen, sagte die Tochter.

Als Gunseer Ende August starb, wurde ihr Körper in zwei Plastiksäcke eingewickelt und in einen in Folie eingeschweißten Sarg gelegt. Nach den Regeln der Stadtverwaltung wurde sie nicht neben ihrem verstorbenen Mann begraben, sondern in einem Teil des Friedhofs, der für Menschen reserviert ist, die mit dem Virus infiziert sind. Ihr Grab bleibt für Besucher tabu.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein, Corona | Kommentar hinterlassen

>“Reformen“ nach griechischer Art: 1.000 Polizisten an Universitäten, Disziplinarrat für Studenten<

Polizisten auf 100.000 Einwohner. Griechenland an zweiter Stelle. Quelle: Eurostat

Keeptalkinggreece, 13.1.2021:
„Trotz der Einwände mehrerer Universitätsrektoren hat das griechische Bildungsministerium einen Gesetzentwurf vorgelegt, der unter anderem die Anwesenheit von Polizeibeamten auf dem Campus der Universitäten vorsieht. Der Gesetzentwurf sieht auch andere veraltete „Reformen“ wie die Einrichtung eines Disziplinarrates zur Bestrafung von Studenten vor.

Am Mittwoch stellten Bildungsminister Niki Kerameus und Bürgerschutzminister Michalis Chrysochoidis den ehrgeizigen Gesetzentwurf vor, der die Qualität der Hochschulbildung verbessern und die „Gesetzlosigkeit auf dem Universitätsgelände“ beseitigen soll, wie es bezeichnenderweise hieß.“

weiterlesen (auf englisch)

Veröffentlicht unter Allgemein, Polizei | Kommentar hinterlassen

Wir sind Menschen

Von Angela Müller
Im Folgenden möchte ich Yousif Al Shewailis Arbeit vorstellen, so wie seine Erfahrungen im Moria Camp auf Lesbos und seine Ansichten. Ich denke, es ist wertvoll, jemandem zuzuhören, der diese humanitäre und Politische Katastrophe am eigenen Leib erfahren hat. Grundlage ist das Interview von Mariana Santos (Botschafterin von Europeans for Humanity) mit Yousif Al Shewaili (irakischer Fotojournalist und Filmemacher), Einige Teile des Interviews habe ich wegen der Länge des Textes weggelassen oder gekürzt. Yousif gab mir seine Zustimmung zur Veröffentlichung des Interviews.
Das vollständige Interview und die Fotos sind zu finden auf:
www.facebook.com/ANEM.Portugal/videos/1113695112419246

Yousif
Yousif , 21 Jahre alt, war Fotograf im Irak. Mit 18 Jahren kam er nach Lesbos , in das
Camp Moria. Wie alle erlebte er diesen Ort als Hölle. Er hatte dort unsägliche Schwierigkeiten zu bewältigen. Yousif fing an, das Leben der Bewohner von Moria zu dokumentieren. Durch die Arbeit auf einer Olivenfarm konnte er sich seine erste Kamera kaufen. Er möchte der Welt zeigen, dass Geflüchtete Menschen sind , die in Sicherheit leben wollen, die Ziele und Träume haben wie wir alle.
Als seine besondere Aufgabe empfindet er es , Fotos von Menschen zu machen, um ihre
Geschichten zu erzählen. Diese Arbeit liebt er über alles.
Er geht zu den Menschen, spricht mit ihnen, schreibt auf, was sie fühlen, denken,
was sie tun wollen, warum sie im Camp sind, was sie dort erleben.
Manchmal zaubert er den Menschen ein Lächeln ins Gesicht, weil sie jemanden finden,
der ihnen zuhört.

„Ich machte dieses Bild im September, nach dem Feuer im Moria Camp, als die Leute auf der Straße leben mussten, als sie alles verloren hatten. Sie hatten nichts zu essen, kein Wasser, keine Toiletten, sie wussten nicht, was passieren würde, was die Zukunft bringen würde.
Das Einzige, was sie wussten, war: Wir sind Menschen. Ich habe diesen kleinen, schönen Engel getroffen, Mariam, die dieses Papier hält,
auf dem steht: Wir sind Menschen.
Wir haben alles verloren, aber wir haben noch unsere Menschlichkeit. Auch unter den schlechtesten Bedingungen sind wir Menschen.
Ich möchte ein bisschen über dieses Mädchen erzählen, Mariam. Sie kommt aus Syrien. Das syrische Regime entführte ihre Mutter und ihren Vater, sie musste mit ihrem Großvater und ihrem 10 jährigen Bruder leben.
Eines Tages gab es eine Explosion, ein Flugzeug warf Bomben ab, das Haus stürzte ein und sie verlor ihren Großvater vor ihren Augen. Ihre Eltern wurden freigelassen.
Sie gingen mit den Kindern nach Lesbos, um einer weiteren Gefangennahme zu entgehen. Die ganze Familie wurde an der türkischen Grenze von der Polizei geschlagen.
Miriam hat viele Probleme, sie spricht nicht mehr mit Fremden, nur mit ihrer Familie. Viele versuchen, ihr zu helfen, aber sie müsste in einem besseren Ort leben, um zu genesen. Sie war gerade im neuen Camp hingefallen und hat sich verletzt, denn der Boden hier ist sehr hart.“

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein, Geflüchtete. | Kommentar hinterlassen

Fake news der Regierung zu den Covidtoten: Die Ärzte sind schuld!

Wir haben auf dieser Netzseite schon viele Berichte verlinkt, bzw. veröffentlicht, in denen es um die Überforderung des kaputtgesparten griechischen Gesundheitssytems durch die Corona-Pandemie geht (1). Die Aussage von Vassilis Tsaousidis, Professor an der Demokrit – Universität Thrakien (Nordostgriechenland) lässt aber doch aufhorchen. Sie bestätigt Beschwerden von Angehörigen von Opfern und von Ärzten, dass viele Covidpatienten nicht auf Intensivstationen versorgt wurden, obwohl diese Versorgung ihnen vielleicht das Leben gerettet hätte (2). Professor Tsaousidis hat Daten der staatlichen Gesundheitsagentur (ΕΟΔΥ) untersucht (3).

Dabei fand er folgendes heraus: Von Mai bis Oktober 2020 änderten die Anzahl der wegen Covid19 auf Intensivstationen behandelten Menschen und die Anzahl der an dem Virus Verstorbenen sich fast gar nicht (siehe Grafik; Quelle:(3)). Im November stiegen die Anzahl der nicht auf Intensivstationen behandelten Covid-Kranken (rote gestrichelte Linie) und die Anzahl der an Covid Gestorbenen (gelbe Linie) rasant an. In einem weiteren Beitrag auf tvxs.gr schrieb Tsaousidis: „Innerhalb von zwei Monaten, vom 27. Oktober bis 27. Dezember, wurden 4.013 Todesfälle registriert. Im gleichen Zeitraum wurden 580 Patienten von Intensivstationen entlassen. Die Sterblichkeitsrate der Covid-Kranken auf Intensivstationen liegt zwischen 43% und 45% und die Überlebensrate beträgt daher offensichtlich zwischen 55% und 57%. Das bedeutet, dass in den letzten zwei Monaten etwa 470 bis 500 Menschen auf der Intensivstation gestorben sind. Basierend auf diesen Berechnungen wird der Prozentsatz der Patienten, die außerhalb der Intensivstationen gestorben sind, d.h. in einfachen Covid-Betten, wahrscheinlich 80% überschreiten.“ (4)

Professor Tsaousidis kritisert diejenigen scharf, die behaupten, es habe immer genug Betten und Personal auf den Intensivstationen für Coviderkrankte gegeben. „Nach diesem Befund sollte niemand seine Position behalten, der an dieser Täuschung beteiligt war. Misserfolge im Management der Coronakrise können einigen vergeben werden – trotz der furchtabren Folgen. Aber diese Täuschung sollte nicht vergeben werden.“ (5)

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein, Corona, Gesundheitssytem | Kommentar hinterlassen

Voridis – vom offenen Rechtsextremisten zum Innenminster

Voridis 2002 auf einer Demonstration der Front National in Paris

Von Ralf Kliche
Wassilis Aswestopoulos hat gerade eine Analyse der aktuellen Kabinettsumbildung in Griechenland vorgelegt, die er als Rechtsruck interpretiert. Darin kommt er auch auf Makis Voridis zu sprechen, dem er angesichts von dessen Wechsel vom Agrar- zum Innenminister eine Historie als „Anhänger der gestürzten Militärjunta“ attestiert. (1)

Da gerade an diesem Wochenende das Foto oben neu in den griechischen Medien auftauchte (s.o.) und die Karriere des neuen Innenministers so wieder ins öffentliche Interesse rückte, soll hier kurz dessen politischer Werdegang skizziert werden. (2) Er ist eindrucksvoller, als es die Darstellung bei Aswestopoulos ahnen lässt, und legt zugleich exemplarisch Zeugnis ab, wie eng in Griechenland die rechten Traditionslinien der vergangenen Jahrzehnte untereinander (und mit den ökonomischen Eliten des Landes) verbandelt sind.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein, Nea Dimokratia, Ralf Kliches Beiträge | Kommentar hinterlassen

Details zum Rechtsruck der Regierung

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis, 07. Januar 2021:
Kabinettsreform in Griechenland: Rechtsruck

Zwei weitere Neuzugänge aus der äußersten Rechten der Nea Dimokratia

Georgios Stylos, der neue parlamentarische Staatssekretär für digitale Werke und das Katasteramt

„Auch im Ministerium für Digitale Regierung stärkt Mitsotakis die ultrarechte Flanke seiner Partei. Er berief Georgios Stylos zum parlamentarischen Staatssekretär mit der Verantwortung für digitale Werke und das Katasteramt. Stylos hatte 2014 unter Premier Antonis Samaras nach nur zwei Monaten seinen Posten als parlamentarischer Staatssekretär im Bildungsministerium räumen müssen, weil er während einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage im Parlament lautstark demonstrierte, wie nahe ihm die Ideen der neonazistischen Goldenen Morgenröte sind.“

Der neue parlamentarischer Staatssekretär im Marineministerium, Kostas Katsafados

„Parlamentarischer Staatssekretär im Marineministerium wurde ein weiterer, für extreme Taten bereits kurzfristig aus der Partei ausgeschlossener Politiker, Kostas Katsafados. Katsafados hatte vor rund 17 Jahren, damals als Funktionär der Studentenorganisation der Nea Dimokratia, eine Sitzung des Rektorats der Universität Piräus gestürmt und den damaligen Rektor Vasilis Benos krankenhausreif geschlagen.“

Mehr Details zum Rechtsruck der Regierung

Veröffentlicht unter Nea Dimokratia | Kommentar hinterlassen

Die unparteiische Polizei

ΕΛ.ΑΣ (die griechische Polizei) am 17, November – und am Theophaniatag

Hier gibt es Fotos von den heutigen Gottesdiensten zum Theophaniatag; Gottesdienste, die eigentlich nicht stattfinden sollten. Die Regierung hatte sie verboten, aber dann toleriert. Der Gegensatz zu den Gelegenheiten, an denen sich Linke versammeln wollten, könnte krasser nicht sein.

Gottesdient am heutigen Tag in Piräus
Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein, Orthodoxe Kirche, Polizei | Kommentar hinterlassen