sehr klar sein – und gleichzeitig deeskalieren

Kiew

Von Yanis Varoufakis, der Freitag 10/2022:
„Keine Zeit für Wetten
Wladimir Putin ist ein Kriegsverbrecher. Um den Ukrainern zu helfen, müssen wir sehr klar sein – und gleichzeitig deeskalieren
Wenn ein Land oder eine Region überfallen wird, dann haben wir eine Pflicht: Wir müssen uns auf die Seite derer stellen, die sich Truppen mit dem Befehl, Wohnviertel zu bombardieren und Leben zu zerstören, gegenübersehen – ohne zu zögern und bedingungslos.
Unsere Unterstützung muss den Zivilisten in Charkiw oder Kiew gelten, die mit Molotow-Cocktails ihre Häuser gegen vorrückende russische Panzer verteidigen wollen. Gleichzeitig müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass am selben Tag ein 15-jähriges Kind in den besetzten palästinensischen Gebieten einen Stein auf einen Bulldozer der israelischen Armee wirft, der ihr Haus abreißen soll, und führenden Politikern des Westens dafür als Terroristin gilt. Doppelmoral, nicht Wahrheit und Solidarität, sollte das erste Opfer dieses Krieges sein.
Heute stehen wir an der Seite der Ukraine, bedingungslos. Und wir sagen es laut: Wladimir Putin ist ein Kriegsverbrecher, dessen Feldzug in dieselbe Kategorie fällt wie der Einmarsch Hitlers und Stalins in Polen oder der Einmarsch der USA in den Irak 2003. Kein Wenn und Aber. Wir haben nur eine Aufgabe: Den Ukrainerinnen zu helfen, ihre Unabhängigkeit gegen einen rücksichtslosen Angreifer zu erlangen.“ weiterlesen

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Die russische Invasion bedroht die griechische Minderheit in der Ostukraine

Mariupol, gesprengte Brücke

Von Kaki Bali, deutsche Welle 1.3.2022:
„In der Hafenstadt [Mariupol] am Asowschen Meer mit ihren 500.000 Einwohnern leben heute laut der letzten Volkszählung 91.548 Griechen…
…Die Stadt wird seit Tagen von russischem Militär angegriffen. Bisher kamen zwölf Griechen ums Leben, Athen protestiert.
Odessa, Mariupol, Sewastopol: Die Namen dieser Städte klingen in griechischen Ohren vertraut, fast heimisch. Die Gegend an der Küste des Schwarzen Meeres spielt schon in der griechischen Mythologie eine große Rolle. Die griechische Revolution 1821 wurde von der „Filiki Eteria“ (Gesellschaft der Freunde) vorbereitet, einer geheimen Organisation, die in Odessa gegründet wurde. Seit Jahrtausenden leben Griechen in diesem Gebiet, noch heute zählt die Minderheit 100.000 bis 150.000 Menschen. Die wenigsten davon leben in Odessa, die meisten in Mariupol und 29 Dörfern in der Umgebung der ostukrainischen Hafenstadt.
In den ersten fünf Tagen der russischen Invasion in der Ukraine wurden im Dorf Sartanas (ukrainisch: Sartana) zwölf Angehörige der griechischen Minderheit getötet. Nach Informationen des griechischen Außenministeriums fielen sie Bombenangriffen der russischen Streitkräfte zum Opfer, was das Ministerium dazu veranlasste, beim russischen Botschafter in Athen einen „starken Protest“ einzulegen.“

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Crowdfunding für „In einem Augenblick der Gefahr“

Σε μια στιγμή κινδύνου – in einem Augenblick der Gefahr
Dokumentarfilm
, 104 Minuten, 2021

Eine Gesellschaft im Konflikt; der Kampf zwischen Faschismus und Solidarität, der anhand eines Hauses erforscht wird, das aus seiner Asche wiederaufgebaut wird.

Die Art und Weise, wie wir uns an die Geschichte erinnern, hängt davon ab, wie wir sie erleben. Die Flüchtlingskrise in Griechenland und der Konflikt um den Namen Mazedoniens waren kritische Momente in einer Gesellschaft, die sich in einem Spannungsverhältnis zwischen Faschismus und Solidarität befindet. Die jüngste Vergangenheit ist noch nicht abgeschlossen.

Ein Dokumentarfilm produziert von Alterthess

Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung, um die letzten Teile der Postproduktion abzuschließen und uns zu helfen, Filmfestivals in Griechenland und im Ausland zu erreichen:
https://www.giveandfund.com/giveandfund/project/in-a-moment-of-danger?share=true

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Zehn Jahre nach der Troika: Die Verarmung griechischer Rentner

Von Jörg Seisselberg, Tagesschau.de 6.3.2022:

Vor zehn Jahren forderte die Troika erstmals Rentenkürzungen in Griechenland. Heute haben viele Ältere viel weniger Rente als früher. Gelöst sind die Probleme der Rentenkasse trotzdem nicht.
Yannis Agapitos steht in Athen am Kydathineon Platz und trinkt einen Kaffee mit seiner Frau. Der 86-Jährige hat alle Rentenkürzungen seit der Finanzkrise mitgemacht. Geblieben sei ihm nach insgesamt drei großen Reformen noch knapp die Hälfte seines Altersgelds, erzählt Agapitos: „Damit decken wir gerade den täglichen Bedarf ab. Wir rechnen immer genau, und das Geld geht dahin, wohin es gehen muss“. Für Extras sei nicht viel übrig. „Der tägliche Kaffee“, meint der Mann mit dem mächtigen, grauen Schnurrbart, „ist der einzige Luxus, den wir uns noch gönnen“. „

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Gute Flüchtende – schlechte Flüchtende

Bild: Yorgos Konstantinou/ Imagistan

Von Renata Brito, APnews.com 28.2.2022:
Europa heißt unkrainische Flüchtende willkommen – diejenigen, die woanders her kommen, weniger
BARCELONA, Spanien (AP) – Sie strömen zu Hunderttausenden in die Nachbarländer – Flüchtlinge aus der Ukraine mit Kindern auf dem einen und Habseligkeiten auf dem anderen Arm. Und sie werden von den Führern von Ländern wie Polen, Ungarn, Bulgarien, Moldawien und Rumänien herzlich willkommen geheißen.
Doch während die Gastfreundschaft mit Beifall bedacht wurde, hat sie auch die krassen Unterschiede in der Behandlung von Migranten und Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Afrika aufgezeigt, insbesondere von Syrern, die 2015 gekommen sind. Einige der Äußerungen dieser Staats- und Regierungschefs waren für sie beunruhigend und verletzend.
„Dies sind nicht die Flüchtlinge, an die wir gewöhnt sind… diese Menschen sind Europäer“, sagte der bulgarische Premierminister Kiril Petkov Anfang der Woche vor Journalisten über die Ukrainer. „Diese Menschen sind intelligent, sie sind gebildete Menschen…. Dies ist nicht die Flüchtlingswelle, an die wir gewöhnt sind, Menschen, deren Identität wir nicht sicher waren, Menschen mit unklarer Vergangenheit, die sogar Terroristen hätten sein können…“ weiterlesen (auf englisch)

Diese Doppelmoral finden wir leider auch bei uns. Siehe: Hilfsbedürftig oder gefährlich

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Von wegen erster Krieg in Europa seit 1945

Wladimir Putin 2016 mit Kirchenleuten, dem damaligen Präsidenten Pavlopoulos und dem damaligen Außenminister Kotzias auf einer Feier zur tausendjährigen russischen Präsenz in der Mönchsrepublik Athos. Bild: W. Aswestopoulos

Von Wassilis Aswestopoulos, 01. März 2022:
„Blick auf Kriegsgeschehen in Osteuropa entlarvt Tunnelblick auf gemeinsame Geschichte. Menschen aus Ex-Jugoslawien wissen das, Griechen auch
Der „erste Krieg“ in Europa seit 1945, der im Bewusstsein vieler Griechen mitnichten der erste Krieg auf unserem Kontinent ist, hat bereits griechische Opfer gefordert. Zehn Todesopfer der griechischen Minderheit, die seit Jahrhunderten in der Region präsent ist, wurden am Samstag gemeldet.
Auf einem Nebenschauplatz des russischen Angriffskriegs in der Ukraine gibt es diplomatischen Streit zwischen Griechenland und der Türkei. Historische und religiöse Beziehungen erleichtern die Situation nicht. Premierminister Kyriakos Mitsotakis jedenfalls befürwortet die schnelle Aufnahme der Ukraine in die EU.“ weiterlesen

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EU-Antibetrugsbehörde (OLAF) belegt die Pushback-Lügen von Frontex

Bild: Yorgos KonstantinouImagistan

Jesus: Hallo? Schämst du dich nicht? Grieche: Ääh, das sind keine richtigen Flüchtlinge. Jesus: Wahrscheinlich bist du kein richtiger Christ!

Ukrainer sind willkommen – alle anderen nicht!

20 Zeugen, mehr als 200 Seiten Bericht
https://orf.at/stories/3250239/
ORF.at, 1. März 2022:
„Bericht: Frontex hat illegale Pushbacks verschleiert
Beim Umgang mit Flüchtenden an den Außengrenzen Europas erhebt die EU-Antibetrugsbehörde (OLAF) schwere Vorwürfe gegen die EU-Grenzschutzagentur Frontex. OLAF wirft der Behörde mit Sitz in Warschau vor, illegale Zurückweisungen – auch Pushbacks genannt – von Migranten im Mittelmeer verschleiert zu haben, wie der „Spiegel“ heute berichtete.
Demnach sollen Führungskräfte bei Frontex absichtlich vertuscht haben, dass griechische Grenzschützer Flüchtlinge zurück aufs offene Mittelmeer brachten. Pushbacks an den Außengrenzen sind nach internationalem Recht illegal.
OLAF für Disziplinarstrafen
Der Bericht von OLAF zu den Vorwürfen ist bisher nicht öffentlich, die Ergebnisse wurden jedoch Anfang der Woche zusammengefasst einigen Abgeordneten des EU-Parlaments und Mitgliedern des Frontex-Verwaltungsrats vorgestellt. Konkret gehe es um Vorwürfe gegen drei Führungskräfte von Frontex, gegen die OLAF Disziplinarmaßnahmen empfehle, schreibt der „Spiegel“. Bei den Ermittlungen seien 20 Zeugen befragt und unter anderem das Büro von Frontex-Chef Fabrice Leggeri durchsucht worden.“ weiterlesen auf ORF.at

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Was haben Oligarchen und die Troikasteuern mit den vielen Hausbränden mit Todesfolgen zu tun?

AthensLive Wire Newsletter, 26.02.2022:
Menschen sterben in ihrem Bemühen, sich warm zu halten, während Energieunternehmen florieren
Eine Mutter und ihre beiden Kinder starben bei einem Feuer, das am frühen Mittwochmorgen in ihrem Haus in Thessaloniki ausbrach.
Die 32-jährige Mutter versuchte Berichten zufolge, die Haustür zu öffnen und die Kinder im Alter von 8 und 11 Jahren aus dem brennenden Haus zu bringen, doch sie starb bei dem Versuch.
Feuerwehrleute fanden die Mutter hinter der Eingangstür und ihre Kinder in deren Schlafzimmer.
Ersten Untersuchungen zufolge wurde das Feuer höchstwahrscheinlich durch ein elektrisches Heizgerät verursacht.
Seit Beginn der Heizperiode im November 2021 sind in Griechenland etwa zwanzig Menschen bei Bränden ums Leben gekommen.
Zuletzt verbrannte am 17. Februar ein 83-jähriger Mann in Heraklion auf Kreta bei lebendigem Leib, als er sein Heizgerät öffnete, und eine Woche zuvor fand ein 91-Jähriger auf Korfu einen ähnlichen Tod.
Wir haben in diesem Newsletter wiederholt die Folgen der in die Höhe geschnellten Energiepreise in Griechenland analysiert – auch für Menschen, die billige Heizgeräte benutzen. In einem unserer letzten Rundschreiben haben wir erläutert, dass Griechenland eine der höchsten Verbrauchssteuern auf Brennstoffe erhebt.
Der jüngste Anstieg der Energiepreise wird meist auf die „weltweite Energiekrise“ zurückgeführt.
Aber ist das wirklich der Fall? Nein, nicht wirklich. Hier sind einige Hinweise:

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Parteien: willfährige Organe der Führungsspitze

da waren sie noch Freunde: Kyrtsos und Mitsotakis

Von Wassilis Aswestopoulos, Cashkurs.com 25.02.2022:
„Parteiendemokratien im Vergleich
Warum Parteiausschlussverfahren trotz ihrer Langwierigkeit sinnvoll sind
Demokratische Parteien gehören zum Fundament einer funktionierenden Demokratie. Die EU-Mitgliedsstaaten sind, wie natürlich auch Deutschland, Parteiendemokratien. Die Parteien erhalten staatliche Förderungen, weil sie ihrerseits zur demokratischen Meinungsbildung im Land beitragen.
Im deutschen politischen Dialog gibt es viele Diskussionen darüber, ob einige Parteien sich von bestimmten, den Parteiinteressen entgegenwirkenden Mitgliedern trennen sollten. Langwierige Verfahren werden kritisiert.
Dies wird in Griechenland, bis auf wenige Ausnahmen, anders gehandhabt. Parteichefs schmeißen ihnen missliebige Mitglieder und Mandatsträger einfach raus. Aktuell hat es den prominenten EU-Parlamentarier Georgos Kyrtsos, einen früheren Unterstützer von Premierminister Kyriakos Mitsotakis, erwischt. Er hatte es gewagt Kritik zu üben.“ weiterlesen

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Freie Meinungsäußerung für Antisemiten

Foto: orthodoxwiki.org

Von Wassilis Aswestopoulos, jungleWorld 24.02.2022:
„In Griechenland sind ­Antifaschisten verurteilt worden, die einen Antisemiten angezeigt hatten
Freie Meinungsäußerung für Antisemiten
In Griechenland sind zwei Menschenrechtler, die den Metropoliten von Piräus wegen antisemitischer Aussagen angezeigt hatten, wegen Falschbeschuldigung verurteilt worden.
as Urteil hat bei einigen sicher Entsetzen ausgelöst. Am 15. Februar befand ein Athener Gericht Panayote Dimitras und Andrea Gilbert der Falschbeschuldigung für schuldig und verurteilte die beiden zu jeweils zwölf Monaten Haft auf Bewährung. Ihr Vergehen: Sie hatten einen notorischen Antisemiten als solchen benannt und wegen eines antisemitischen Pamphlets 2017 Anzeige gegen ihn erstattet – gegen keinen Geringeren als den Metropoliten von Piräus, Seraphim.
Nachdem die Staatsanwaltschaft im Dezember 2019 die Ermittlungen gegen Seraphim eingestellt hatte, zeigte dieser Dimitras und Gilbert 2020 wegen Falschbeschuldigung an. Beide engagieren sich seit Jahrzehnten in der Menschenrechts-NGO Greek Helsinki Monitor (GHM). Gilbert ist deren Antisemitismusbeauftragte, Dimitras seit knapp 30 Jahren Sprecher der NGO. GHM ist eine der Organisationen, die 2021 die EU-Grenzschutzagentur Frontex wegen illegaler Pushbacks angezeigt hat, und sie betreibt das Blog Racist Crimes Watch, in dem rassistisch motivierte Übergriffe dokumentiert werden.“ weiterlesen

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