Pressefreiheit: Griechenland jetzt Schlusslicht in Europa

keeptalkinggreece. 3.5.2022:
„Griechenland ist im Pressefreiheitsindex des Berichts 2022 von Reporter ohne Grenzen (RSF) innerhalb eines Jahres um 38 Plätze gefallen. Von Platz 70 im Bericht von 2021 steht Griechenland 2022 auf Platz 108.
In Bezug auf die Pressefreiheit ist das Land nun das Schlusslicht in Europa und liegt sogar hinter Ungarn (85.), Bulgarien (91.) und Albanien (103.) sowie einigen Diktaturen in der Welt.
In seiner Einleitung stellt der Bericht von RSF unter anderem fest:
„Während Norwegen (1.) in Europa weiterhin an der Spitze des Weltpressefreiheitsindex steht, weist die Region erhebliche Unterschiede auf, und die Bedingungen an beiden Extremen haben sich erheblich entwickelt. Estland (4.) und Litauen (9.) – zwei ehemals kommunistische Staaten – befinden sich jetzt unter den Top Ten, während die Niederlande (28.) nicht mehr dazu gehören. Und Griechenland (108.) hat Bulgarien (91.) auf dem letzten Platz in Europa abgelöst.“
Besondere Erwähnung finden die Ermordung des Journalisten Giorgos Karaivaz und der ungeklärte Fall, die Verfolgung von investigativen Journalisten, die Skandale aufdeckten (Vaxevanis, Papadakou usw.), die Überwachung von Journalisten (Koukakis) durch den Inlandsgeheimdienst und Spionageprogramme, die Finanzierung der Medien durch die Regierung mit öffentlichen Geldern (Petsas-Listen), um ihre Immunität für ihre Politik zu sichern, Angriffe auf die Rechtsstaatlichkeit und auf abweichende Stimmen.“ (Original englisch)

Hier der Bericht von Reporter ohne Grenzen

Veröffentlicht unter griechische Medien, Medien | Hinterlasse einen Kommentar

Energiearmut, Extraprofite und ein zynischer ND-Politiker

Sehr vielen Haushalten wird in Grichenland jetzt der Strom gesperrt.. Foto: Panos Zoulakis / CC-BY-SA-4.0

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis 01. Mai 2022:
„Die Zeit der Zechprellerei ist vorbei“, kommentierte am Mittwoch in der Vormittagssendung der staatlichen Rundfunkanstalt ERT Vasilis Oikonomou, Parlamentarier der Nea Dimokratia, die Tatsache, dass wegen der exorbitanten Elektrizitätspreise nun mehr als 20.000 Stromkunden der Zugang zum Stromnetz abgedreht wird. Rund 6.000 Verbraucher stehen bereits im Dunkeln. Die weiteren Aussichten sind düster. Griechische Medien berichten, dass die Inflationsrate für April zehn Prozent übersteigen wird.“ weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Armut, Nea Dimokratia, Wassilis Aswestopoulos | Hinterlasse einen Kommentar

Mitsotakis – die eigenen Kinder und die der anderen

Aus AthensLive Wire Newsletter, 30.4.2022:
Zählt bis 10, dann verlassen wir das Land!
Erst am 14. April hatte Premierminister Mitsotakis im Parlament erklärt, dass die Abwanderung von Fachkräften „beträchtlich gestoppt“ worden sei.
Eine neue Umfrage hat jedoch bestätigt, dass eine neue Abwanderung von Fachkräften wahrscheinlich gerade erst beginnt.
Dieser Umfrage zufolge würde die große Mehrheit der Griechen auswandern, wenn sie im Ausland einen Arbeitsplatz mit besserem Lohn und besseren Arbeitsbedingungen finden würde.
Die Prozentzahlen sind beeindruckend: 77,1 % der 17- bis 24-Jährigen gaben an, dass sie auswandern würden, wenn sie einen Arbeitsplatz mit besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen fänden. In der Kategorie der 25- bis 39-Jährigen liegt dieser Prozentsatz bei 71,9 %, während insgesamt 57,9 % der Griechen angaben, sie würden eine solche Entscheidung treffen.
Die Umfrage basiert auf der Befragung von 1.254 Personen.
Und während Mitsotakis an die Jugend appelliert hat, im Land zu bleiben und für etwa 600 Euro Nettomindestlohn zu arbeiten, hat sein Sohn Konstantinos einen ganz anderen Weg eingeschlagen.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein, Armut, Jugend, Mitsotakis | Hinterlasse einen Kommentar

Frontex-Chef Leggeri tritt zurück

Bild: Yorgos Konstantinou/ Imagistan

Ein großer Erfolg des Widerstands gegen die grausame Geflüchtetenpolitik der EU!
Wir sind gespannt, was für eine Haltung der/die Nachfolgerin von Leggeri haben wird.


Von Giorgos Christides, Steffen Lüdke und Maximilian Popp, Spiegel online 29.04.2022:
„Nach SPIEGEL-Enthüllungen über illegale Pushbacks Frontex-Chef Leggeri tritt zurück
Er vertuschte die illegalen Pushbacks der griechischen Küstenwache in der Ägäis, jetzt hat er den politischen Rückhalt verloren. Nach SPIEGEL-Informationen stellt der Chef der EU-Grenzschutzagentur Fabrice Leggeri sein Amt zur Verfügung.
Am Ende war es einsam geworden um Fabrice Leggeri. Schon am Donnerstag ahnte der Frontex-Chef, dass er im Verwaltungsrat der EU-Grenzschutzagentur, der über seine Abberufung entscheidet, kaum noch Unterstützer hatte. Am Abend zog Leggeri dann nach SPIEGEL-Informationen die Konsequenzen und kündigte intern seinen Rücktritt an.
In dem Brief an den Vorsitzenden des Verwaltungsrates, der dem SPIEGEL vorliegt, bittet Leggeri darum, sein Rücktrittsgesuch anzunehmen und bedankt sich für die »unschätzbare Erfahrung«, die er bei Frontex gesammelt habe. Am Freitag kam der Verwaltungsrat zusammen, um über Leggeris Bitte zu beraten. Nach SPIEGEL-Informationen akzeptierte das Gremium seinen Rücktritt.
Es ist ein erzwungener Rückzug, Leggeri klammerte sich lange an seinen Posten. Vor anderthalb Jahren hatte der SPIEGEL gemeinsam mit Lighthouse Reports und weiteren Medienpartnern enthüllt, dass seine Agentur in illegale Pushbacks in der Ägäis verstrickt ist. Seitdem war er ein Behördenchef auf Abruf.“ weiterlesen

Veröffentlicht unter Frontex, Geflüchtete., Pushbacks, Yorgos Konstantinou | Hinterlasse einen Kommentar

„Frontex-Direktor Fabrice Leggeri kurz vor Rücktritt“

Frontex-Direktor Fabrice Leggeri

Die erneuten erdrückenden Beweise der massiven Verstrickung von Frontex in Pushbacks scheinen ihn endlich sein Amt zu kosten.
Der Spiegel berichtete vorgestern über die neuen Dokumente (hier auf englisch ohne Bezahlschranke).

Von Remo Hess, Brüssel, zofingertagblatt.ch 29.04.2022:
„Der umstrittene Chef der EU-Grenzschutzagentur soll sich laut einem Medienbericht der anhaltenden Kritik wegen mutmasslicher Menschenrechtsverletzungen beugen und zurücktreten. Den Frontex-Gegnern in der Schweiz dürfte das nochmals Argumente [für die anstehende Volksabstimmung über Frontex; GB] liefern.“ weiterlesen

Auch die efsyn erwartet, dass Leggeri noch heute zurücktreten wird (s. HIER auf griechisch)

Veröffentlicht unter Allgemein, Frontex, Geflüchtete., Pushbacks | Hinterlasse einen Kommentar

Griechenland schiebt ab – trotz direkter Anweisung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, es nicht zu tun

[Ein Opfer zahlreicher Pushbacks u.a. von Folter im Lager in Neo Chimonio, das auch in diesem Artikel unten eine wichtige Rolle spielt, wird auf einer Veranstaltung in Berlin Stellung nehmen: Festung Europa – Abschottung und brutale Pushbacks in Griechenland“ Info-Veranstaltung und Diskussion am 10. Mai 2022]

Von Dimitris Angelides, efsyn 26.4.2022:
„Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte wies die Regierung an, die Flüchtlinge nicht abzuschieben, sondern dafür zu sorgen, dass sie mit Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung versorgt werden und Zugang zu Asyl erhalten.
Etwa 40 Flüchtlinge, die zuvor informell von der Polizei in der Grenzschutzstation in Neo Chimonio, Evros, festgehalten worden waren, wurden in der Nacht zum Ostermontag [gemeint ist der orthodoxe Ostermontag, der 25.4.2022] in die Türkei abgeschoben, wie aus dem geografischen Signal hervorgeht, das sie an die Zeitung efsyn geschickt hatten.

Kleines Rechteck: die geografische Lage des Ortes in Neo Chimonio, an dem die Flüchtlinge am orthodoxen Ostermontag (25.4.2022) festgehalten wurden.
Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein, Geflüchtete., Polizei, Pushbacks | 2 Kommentare

„WIR WAREN MENSCHEN ZWEITER KLASSE“ jetzt verfügbar

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kriegsschuld, Nazis | Hinterlasse einen Kommentar

Griechenland und der Krieg in der Ukraine – zwischen Orthodoxie und Sowjet-Nostalgie

Von Florian Schmitz, Deutsche Welle 22-04-2022:
„Griechenland und der Krieg in der Ukraine
Zwischen Orthodoxie und Sowjet-Nostalgie
Die Regierung in Athen verurteilt Putins Angriff auf die Ukraine – aber die griechische Bevölkerung bleibt gespalten in ihrer Haltung zu Moskau. Linke motiviert Sowjet-Nostalgie, Konservative der gemeinsame Glaube.
Maria kann noch immer nicht fassen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Ukraine überfallen hat. Die 29-jährige Moskauerin, die ihren richtigen Name nicht öffentlich machen will, lebt seit drei Jahren in der nordgriechische Metropole Thessaloniki. Die Jurastudentin ist mit einem Griechen verheiratet und offiziell in Griechenland gemeldet – wie rund 15.000 weitere Russinnen und Russen.“ weiterlesen

Veröffentlicht unter Orthodoxe Kirche, Ukraine | Hinterlasse einen Kommentar

Ukraine-Krieg und Teuerung: Mitsotakis unter Druck

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis 21. April 2022:
„50 Euro gegen den Frust
Der Ukraine-Krieg und die Unzufriedenen: Der griechische Regierungschef Mitsotakis unter Druck. Eine Mini-Erhöhung des Mindestlohns soll helfen
Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis verkündete am Mittwoch, in der orthodoxen Karwoche, eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns von 663 Euro auf 713 Euro brutto. Damit möchte der Premier den wachsenden Unmut der Bevölkerung besänftigen.
Die Erhöhung des Mindestlohns wirkt sich auch auf das Arbeitslosengeld von bisher 438 Euro aus, das rund 15 Prozent der registrierten Arbeitslosen erhalten. Halbtagsbeschäftigte erhalten analog 25 Euro mehr pro Monat. Mitsotakis rief die Arbeitgeber auf, selbsttätig auch die Löhne der höher entlohnten Angestellten anzupassen und diesen so ihre Anerkennung für die geleistete Arbeit zu bezeugen.“ weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Mitsotakis, Ukraine, Wassilis Aswestopoulos | 2 Kommentare

Was will die Regierung vertuschen?

Wir verlinkten am 16.4.2022 einen Bericht über diesen Vorfall („Regierung gegen Pressefreiheit„). Ein Beitrag von W. Aswestoppulos darüber wurde heute veröffentlicht. Er führt noch weitere nicht unbedeutende Einzelheiten auf.

Cytrox-CEO Ivo Malinkovksi trägt ein „More Money“-Shirt und ahmt das Cover der Biografie des Apple-Mitbegründers Steve Jobs nach. Bild: citizenlab.ca

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis 19. April 2022:
„Geheimdienst des griechischen Präsidenten spioniert Journalisten aus
Finanz-Reporter findet Spionageprogramm auf seinem Handy. Fachbehörde in Athen leugnet Ausspähung, Regierungssprecher will von nichts wissen
Das Mobiltelefon des griechischen Journalisten Thanasis Koukakis wurde mehr als zwei Monate lang mit der Spionagesoftware Predator des nordmazedonischen Herstellers Cytrox überwacht. Nach seinen Recherchen und den Ermittlungen seiner Kollegen steckt dahinter der griechische Geheimdienst NIS.
Koukakis erhielt am 28. März vom Citizen Lab der Universität von Toronto den Nachweis, dass sein Telefon mit Predator infiziert war. Das Journalistenteam Eliza Triantafyllou und Tassos Telloglou brachte im Internetmagazin Inside Story den Fall an die Öffentlichkeit.
Die Spionagesoftware Predator schneidet alles mit. Sie macht Screenshots, stiehlt Passwörter, zeichnet Telefonate auf und kann auch die Nachrichten in vermeintlich sicheren Kurznachrichtensystemen wie Whatsapp, Telegramm und Signal mitlesen. Zudem verwandelt die Software das Mobiltelefon in eine moderne Abhörwanze und zeichnet alles in der Umgebung des Telefons mit.“ weiterlesen


Veröffentlicht unter griechische Medien, Medien, ND-Regierung, Wassilis Aswestopoulos | Hinterlasse einen Kommentar