Rassistische Richterin neue Vizepräsidentin am Obersten Gerichtshof Griechenlands

Von Ferry Batzoglou, taz 4.9.2022:
Empörung in Griechenland: Antisemitische Richterin steigt auf
Griechenlands Regierung beruft eine mutmaßliche Holocaust-Leugnerin ans Oberste Gericht. Die jüdische Gemeinde protestiert.

Die konservative Regierung in Athen unter Premierminister Kyriakos Mitsotakis hat eine mutmaßliche Antisemitin und Holocaust-Leugnerin zur Vizepräsidentin des Obersten Gerichtshofs in Griechenland befördert. Der Fall schlägt in Griechenland hohe Wellen.
Konkret handelt es sich um die Richterin Marianthi Pagouteli. Sie wurde auf der Sitzung des Ministerkabinetts am 30. August 2022 auf Empfehlung des Justizministers Kostas Tsiaras von der Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) zur Vizepräsidentin des Obersten Gerichtshofs, des Areopag in Athen, ernannt.
Pagouteli ist höchst umstritten. Die Richterin hatte sich in einem hierzulande berühmten Prozess wegen des antisemitischen Buches „Juden, die ganze Wahrheit“ für den Freispruch des bekannten rechtsextremen Verfassers Konstantinos Plevris ausgesprochen.
Plevris, 82, Strafverteidiger, Politiker, Vordenker des Rechtsextremismus in Griechenland, der sich in der ersten Auflage des Buches unverhohlen als „Nazi, Faschist, Antidemokrat, Rassist und Antisemit“ bezeichnet und sich stets als „Hohepriester“ des griechischen Neonazismus feiert, wurde im Dezember 2007 zum zweiten Mal wegen seines Werkes vor Gericht gestellt.
Weichspülen eines überzeugten Nazis
Zwar wurde Plevris in diesem Prozess letztlich verurteilt. Marianthi Pagouteli hatte jedoch für seinen Freispruch gestimmt und eine 32-seitige Begründung für ihr Minderheitenvotum vorgelegt, die großes Aufsehen erregte. Darin heißt es unter anderem: „Der Autor (Plevris, Anm. d. Red.) bezieht sich auf Passagen aus den heiligen Büchern des Talmuds. Diese Bücher enthalten zweifellos intolerante und antichristliche Lehren, die jeder Vorstellung von Humanismus widersprechen. Er weist daher zu Recht darauf hin, dass es dem Juden, der sie sich zu eigen macht, offensichtlich an Humanismus mangelt.“Ferner stellt Pagoutelis fest, Plevris habe „einen untermenschlichen Juden nicht als Juden im Allgemeinen, sondern als kriegsverbrecherischen Juden bezeichnet“. Er übernehme „die nationalsozialistische Ansicht, dass die weiße Rasse keine Semiten in Europa will, ohne die Absicht zu beleidigen oder Gewalttaten zu provozieren.“Pagouteli zufolge bedeute der Satz von Plevris in dessen Buch „der Rest wird so gemacht, wie es gemacht werden sollte, und man kann alles machen“ nicht, dass er „definitiv illegale Maßnahmen vorschlage und zu Hass und Gewalt aufrufe“. Plevris rufe, so die richterliche Bewertung von Pagoutelis, vielmehr „zu legalen Maßnahmen des offiziellen Staates auf“. weiterlesen

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SPIEGEL: Vertragsverletzungsverfahren gegen Griechenland einleiten!

Von Maximilian Popp, Spiegel online 31.08.2022:
„Angriffe auf Rechtsstaat und Pressefreiheit – Griechenlands Weg in die Autokratie
Premier Mitsotakis gibt sich als Reformer, der Griechenland saniert. Tatsächlich regiert er zunehmend wie ein Autokrat. Die EU muss einschreiten.
Diesen Sommer haben Millionen Europäerinnen und Europäer wieder die hellen Seiten Griechenlands erlebt, die Sonne, die Strände, die Gastfreundschaft. Griechenland ist eines der beliebtesten Ziele für Touristinnen und Touristen in Europa.
Womöglich sind die Regierungen in den anderen europäischen Hauptstädten auch deshalb eher gewillt, über die finsteren Seiten ihres EU-Partners hinwegzusehen. Der Demokratieabbau in Ungarn und Polen beschäftigt Gerichte und die EU-Kommission. Dass auch Griechenland unter dem rechtskonservativen Premier Kyriakos Mitsotakis zunehmend in Richtung Autokratie abgleitet, scheint in Brüssel, Berlin und Paris bislang hingegen kaum jemanden zu stören.
Mitsotakis inszeniert sich als liberaler Reformer, der sein Land saniert hat. Worüber er nicht so gern spricht, sind die mittlerweile zahllosen Rechtsbrüche, die griechische Beamte unter seiner Führung begehen.“ weiterlesen

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Zwischen Fake News und „Bedrohung der nationalen Sicherheit“

Bild: Yorgos Konstantinou/ Imagistan

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis 20. August 2022:
„Drama um Geflüchtete in Griechenland
Vorwürfe wegen Propaganda: Zwischen Fake News und „Bedrohung der nationalen Sicherheit“.
Die Geflüchteten in Griechenland stehen erneut im Fokus internationaler Medien. Nur im Land selbst ist es mitunter schwer, darüber zu berichten. Schuld ist unter anderen der im Herbst 2021 reformierte Artikel 191 der Fake News unter Strafe stellt. Was Fake News sind und was nicht, bestimmt im Zweifel die Regierung.
Neutrale Berichterstattung aus dem Grenzgebiet zwischen Griechenland und der Türkei ist nicht möglich. Beide Regierungen haben es zum militärischen Sperrgebiet erklärt.
Anzeigen gegen Berichterstatter
Der Vizevorsitzende des rechtsextremen Parteibündnisses National Recreation und frühere Rechtsanwalt von Abdullah Öcalan, Failos Kranidiotis, reichte beim Areopag eine Anzeige gegen alle ein, die wiederholten und verbreiteten, was internationale Medien über eine Gruppe von 38 Geflüchteten auf einer Insel im Grenzfluss Evros schrieben. Berichte zum Thema wurden über Agenturen wie Reuters und dpa verbreitet und von zahlreichen Medien veröffentlicht.
Von offizieller Seite wurden derartige Berichte als Propaganda gegen Griechenland eingestuft. Die Führung der Polizei veröffentlichte am vergangenen Sonntag ein Pressestatement, in dem der Oppositionspartei Syriza vorgeworfen würde, sie würde im Sinn ausländischer Propaganda gegen das eigene Land agieren.
Im Kern ging es um den Streit, ob die Insel im Grenzfluss Evros, auf denen die Geflüchteten festsaßen, griechisches oder türkisches Territorium ist. Zwischenzeitlich war, nach Angaben der Geflüchteten, ein kleines Mädchen auf der Insel von einem Skorpion gestochen worden und ohne ärztliche Behandlung verstorben. Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge hatte sich eingeschaltet und die Regierungen beider Staaten ermahnt, den Menschen Hilfe zukommen zu lassen.“ weiterlesen

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Big Brother Kyriakos

Bild: Yorgos Konstantinou/ Imagistan

AthensLive Wire Newsletter, 27.8.2022:
„Die griechische Regierung hat in dieser Woche ausländische Journalisten ins Visier genommen, weil sie über den griechischen Spionageskandal berichteten oder ihre Meinung äußerten. Die Angriffe wurden zunächst von Trollen der Regierung, dann von befreundeten Kommentatoren und schließlich vom Regierungssprecher selbst inszeniert.
Der Gastkolumnist der New York Times, Alexander Clapp, und die Europa-Korrespondentin von Politico, Nektaria Stamouli, waren diejenigen, die ins Visier genommen wurden.
Schließlich deutete der neu ernannte Chef des Nachrichtendienstes klar an, dass alle Politiker und Journalisten potenzielle Überwachungsziele sind, während der Premierminister in der parlamentarischen Diskussion über den Skandal keine überzeugenden Erklärungen und Antworten lieferte.


Lügen, Psychoterror und autoritäre Taktiken: Folge I – Alexander Clapp


„Die Fäulnis im Herzen Griechenlands ist jetzt für jeden sichtbar“: So lautete der Titel eines Meinungsbeitrags von Alexander Klapp in der New York Times, der am 22. August veröffentlicht wurde.
Dann brach die Hölle los. Es war das zweite Mal innerhalb einer Woche, dass die NYT über den griechischen Abhörskandal berichtete.
Zunächst wurde versucht, den Artikel zu „begraben“: Keine der Mainstream-Medien druckte ihn ab. Als der Artikel jedoch in den sozialen Medien sehr populär wurde, starteten die Trolle der Regierung einen massiven und orchestrierten Angriff gegen den Autor Alexander Clapp, wobei sie eindeutig versuchten, einen Rufmord zu begehen.

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Mitsotakis hetzt im Parlament mit rassistischen Lügen gegen die Eltern der gestorbenen 5-jährigen Geflüchteten Maria

Dieser Ministerpräsident ist sich nicht zu schade für die übelste Hetze gegen Geflüchtete. Er sagte am 26.8.2022 im voll besetzten Parlament: „Es darf in diesem Land keine Kräfte geben, die Lügen verbreiten und behaupten, dass Griechenland ein Baby zum Sterben zurückgelassen habe, und es am Tag der Jungfrau Maria taufen. Schande!“
Das ist übelste rassistische Hetze. Den griechischen Behörden war bereits seit dem 20.Juli.2022 bekannt, dass das verstorbene Kind Maria heißt. Aber Mitsotakis unterstellt, die Eltern hätten es am „am Tag der Jungfrau Maria“, am 15. August, Maria genannt – dem Tag an dem die griechischen Behörden nach vielen Wochen Leugnung endlich zugaben, dass es diese Gruppe von Geflüchteten überhaupt gibt. Er will wohl unterstellen, der Name sollte bei Christen Mitleid erwecken. Das sind billigste Polemik und Lügen, wie man sie von Rechtsextremisten kennt! (Quellen: efsyn und rosa.gr)

S. dazu auch folgenden Spiegel-Artikel von heute:

Von Giorgos Christides und Maximilian Popp, Spiegel online 27.08.2022:
Verbrechen an Europas Grenzen
Wie der Tod der fünfjährigen Maria die Flüchtlingsdebatte in Griechenland verändert

Seit Jahren setzen sich griechische Beamte an den EU-Grenzen systematisch über internationales Recht hinweg. Nun rüttelt der Tod eines syrischen Mädchens das Land auf. Die Eltern machen der Regierung schwere Vorwürfe.
Maria hatte einen starken Charakter, war voller Träume, sagen ihre Eltern. Sie liebte Comics und wollte ein Fernsehstar werden.
Nun ist Maria tot. Sie ist Anfang August an Europas Außengrenze gestorben, weil ihr griechische Behörden jede Hilfe versagten. Sie wurde gerade einmal fünf Jahre alt.
Marias Tod sorgte international für Schlagzeilen. Der SPIEGEL und andere Medien berichteten. In Griechenland sprachen sich Menschen lautstark gegen die repressive Asylpolitik ihrer Regierung.

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Freiheit für die Presse!

Bild: Yorgos Konstantinou/ Imagistan

Yorgos Konstantinou:
„Der Journalismus in Griechenland leidet unter Diskriminierung durch willkürliche staatliche Finanzierung (#listaPetsa), Verleumdungskampagnen (#alexanderClapp), Verfolgung (#IBeugel) und Bespitzelung (#ThanasisKoukakis). Journalisten werden von Behörden ins Visier genommen (#NektariaStamouli), von Medienbesitzern finanziell unterdrückt, zensiert und sogar ermordet (#Karaivaz)…
Als ich vor 8 Jahren diese Zeichnung für #europeanyouthpress anfertigte, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass Griechenland zu einem der schlimmsten Fälle von Pressefreiheit in Europa werden würde.
Wir brauchen mehr Unterstützung für alternative Medien, mehr mutige Fachleute, die sich trauen, ihre Meinung zu sagen, Solidarität mit Opfern von Diskriminierung, bessere Arbeitsbedingungen, weniger Druck von Seiten der Regierung und weniger korrupte Medienbesitzer.

(Hier ist ein Link zu den Ergebnissen unserer Zusammenarbeit mit #europeanyouthpress, einem Comicbuch mit großartigen Geschichten von talentierten europäischen Künstlern in Zusammenarbeit mit jungen Journalisten aus 10 Ländern
https://issuu.com/publishopia/docs/free_our_media )“

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Big Brother oder Fortschritt?

Schon längst papierfrei: Apotheke in Griechenland. Bild: Wassilis Aswestopoulos

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis 26. August 2022:
E-Rezept? In Griechenland an der Tagesordnung!
Einführung war eine Auflage der europäischen Kreditgeber. Digitalisierung seit 2009. In Deutschland wurde die Neuerung in letzter Minute gestoppt.
Für ein Medikament, das verschreibungspflichtig ist, wird ein Rezept benötigt. In Deutschland bedeutet dies, dass jemand zur Arztpraxis muss, um es dort abzuholen. Wenn dabei keine erneute Untersuchung durch eine Ärztin oder einen Arzt stattfindet, handelt es sich um einen überflüssigen Weg, der durch ein E-Rezept einfach eingespart werden kann. Soweit die Theorie.
In der Praxis scheitert es in Deutschland unter anderem an Datenschutzgründen und der Technik. Die Einführung der E-Rezepte wurde in buchstäblich letzter Minute gestoppt. Sie war für den 1. September 2022 vorgesehen.“ weiterlesen

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Aktion in Berlin gegen Pushbacks + Perversion des Erinnerns in Hellas

Heute, am 18.8.2022. haben No Border Assembly Berlin. Mare Liberum, Alarm Phone und Borderline Europe vor der griechischen Botschaft ein Ende der systematischen Pushbacks durch Griechenland und Frontex gefordert.

Georgios Kotoulas Name, der eines Helden des Widerstands gegen die Nazibesatzer in Hellas, wird für Pushbacks missbraucht.

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Diese Flüchtlingspolitik tötet

Die am 10. August an der Grenze gestorbene Maria aus Syrien. Screenshot aus dem Video des TV-Sender Channel 4

Menschen sterben jeden Tag wegen der europäischen Flüchtlingspolitik. Die griechisch-europäische Flüchtlingspolitik führt zu immer größerer Barbarei. Das zeigt gerade das Schicksal einer Gruppe von syrischen Flüchtenden und der Tod der fünfjährigen Maria. Seit einem Monat verfolgt Giorgos Christides u.a. für den Spiegel das Schicksal von 40 syrischen Geflüchteten an der Grenze zwischen der Türkei und Hellas. In dieser Zeit harrte die Gruppe auf verschieden kleinen Inseln im Grenzfluss Evros aus – ohne Trinkwasser und ohne Nahrung. Die griechischen Behörden und auch der Migrationsminister Mitarakis persönlich haben bis vor wenigen Stunden behauptet, nichts von ihnen zu wissen, bzw. zuletzt, dass die Insel, auf die sie sich aufhielten, zur Türkei gehören würde. Zwischenzeitlich war die Gruppe auf griechischem Territorium mehrfach mit physischer Gewalt (u.a. mit durch Fotos dokumentierten Stockschlägen, siehe das Video unten) zurück auf türkisches Land verfrachtet worden.

Vides des britischen Channel 4
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Oligarchenprofit statt Olivenöl – Neuer Flughafen Heraklion frisst Land und Leute. 200.000 Bäume gefällt

Mitsotakis und der Oligarch Spiros Latsis 2019

Von Hansgeorg Hermann, JungeWelt. 11.8.2022:
„Oligarchenprofit statt Olivenöl – Neuer Flughafen Heraklion frisst Land und Leute. 200.000 Bäume gefällt
Das Projekt ist gewaltig, und es ist schwer umstritten: Der neue Flughafen für die kretische Hauptstadt Heraklion ist seit zwei Jahren im Bau. Die Bürgerinitiative, die sich seit zehn Jahren gegen den damit verbundenen Landraub und die Vernichtung von bis zu 7.000 bäuerlichen Existenzen wehrt, hat jüngst darauf hingewiesen, dass nicht einmal die seismologischen Gutachten für die Region stimmig seien. Die 20 Kilometer südlich von Heraklion gelegene Ebene von Kastelli, wo die Start- und Landebahnen hinsollen, wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von Erdstößen erschüttert. Die Expertise der Fachleute, heißt es in einer aktuellen Erklärung der Flughafengegner, beziehe sich lediglich auf etwaige Seebeben rund um die große Insel, nicht aber auf zu erwartende, viel gefährlichere Landbeben. Als gesichert gilt schon jetzt, dass – neben ausländischen Investoren – vor allem griechische Oligarchen wieder einmal profitieren werden.“ weiterlesen

Video der Initiative gegen den Flughafenbau
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