Nicht-Zulassung zur Wahl: Orbanisierung, Teil xx?

Ilias Kasidiaris

Das griechische Parlament verabschiedete gerade ein Gesetz, um zu verhindern, dass Ilias Kasidiaris, ehemals der zweite Mann in der Partei Goldene Morgenröte, demnächst ins griechische Parlament gewählt wird. Es scheint, dass es sich um einen weiteren Baustein des Umbaus zu einem autoritären Staat hin handelt.

AthensLive Wire Newsletter, 11.02.2023:
„Ist das Gesetz zum Verbot einer rechtsextremen Partei ein schlechtes Omen für die Demokratie?
Dem Schein nach zu urteilen, ist das Gesetz sehr überzeugend. Die griechische Regierung hat am Mittwoch eine Gesetzesänderung verabschiedet, die verhindern soll, dass ein ehemaliges Mitglied der verbotenen Partei Goldene Morgenröte bei den nächsten Wahlen antritt. Genauer gesagt soll das Gesetz die Teilnahme der von dem verurteilten und inhaftierten Mitglied der Goldenen Morgenröte, Ilias Kasidiaris, gegründeten Partei „Ellines“ verhindern.
Der vom Innenministerium vorgelegte Änderungsantrag wurde mit den Stimmen der regierenden Nea Dimokratia und PASOK-KINAL angenommen. Die wichtigste Oppositionspartei SYRIZA stimmte mit „anwesend“, während KKE, die extrem rechte Partei Elliniki Lysi und Mera25 gegen die Änderung stimmten.
Die neue Änderung verschärft eine bestehende Bestimmung, wonach politische Parteien, deren Mitglieder wegen bestimmter Verbrechen gegen den Staat zu Haftstrafen verurteilt wurden, nicht an den Wahlen teilnehmen dürfen. Diese Änderung bezieht sich auf Fälle, in denen eine „Scheinführung die politische Partei leitet“, sie aber im Wirklichkeit von verurteilten Straftätern geführt wird. Eine zweite Bestimmung besagt, dass Parteien, deren Organisation und Tätigkeit „nicht dem freien Funktionieren eines demokratischen Staates dienen“, ebenfalls von der Teilnahme an Wahlen ausgeschlossen sind. Nach der Änderung wird der Oberste Gerichtshof nun prüfen, ob Parteien und Kandidaten zur Teilnahme an den kommenden Wahlen zugelassen sind.

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VIO.ME: Grundstück heimlich verkauft

Monika, Griechenland Solidaritäts Komitee, 6.2. 2023:
„Der Kampf um die rückeroberte, selbstverwaltete VIO.ME-Fabrik währt mittlerweile 10 Jahre. 2011 wurde der Betrieb nach Insolvenz der Eigentümer besetzt, seit 2013 produziert die Belegschaft in Eigenregie umweltfreundliche Reinigungsmittel und Seifen. Obwohl als Kooperative anerkannt, ließ man der Belegschaft jedoch keine Ruhe. Mehr als 25 Zwangsversteigerungstermine mussten die VIO.ME-KollegInnen zusammen mit ihren UnterstützerInnen abwehren. Dann wurde auf Online-Auktionen umgestellt und der Widerstand massiv erschwert. Das Grundstück wurde jetzt klammheimlich an einen Fonds verkauft. Doch die VIO-ME-Kolleginnen geben nicht auf.“ Weiterlesen

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Justiz: neue Kriminalisierungsart von Geflüchteter

Obwohl Selbstverletzung in Griechenland nicht strafbar ist, wurde eine schwangere Frau wegen ihres Selbstmordversuchs verurteilt

Moria 2

Borderline-europe, 09.02.2023;
„Ungerechtfertigte Verurteilung einer verzweifelten Mutter nach Selbstmordversuch
Statement der Initiativen CPT Aegean Migrant Solidarity, borderline-europe e.V., You can’t evict Solidarity vom 09.02.2023:
Am 08. Februar 2023 wurde eine 29-jährige Frau, die versucht hat, sich im berüchtigten Camp Moria 2 auf der griechischen Insel Lesbos aus Verzweiflung selbst zu verbrennen, wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung verurteilt.
M.M. wurde zwar von der Anklage der Brandstiftung mit Gefährdung anderer Personen freigesprochen. Eine Verurteilung für dieses Kapitalverbrechen hätte bis zu 10 Jahren Gefängnis bedeutet. Sie wurde jedoch für vorsätzliche Brandstiftung und Beschädigung von fremden Eigentums schuldig befunden, was zu einer 15-monatigen Haftstrafe auf Bewährung führte.
Dies wurde von einer gemischten Jury einstimmig entschieden, obwohl selbst der Staatsanwalt das Fallenlassen der Anklage wegen Brandstiftung angemessen sah, da der Tatbestand laut Gesetz nicht vorlag. Skandalös ist, dass die Jury die Tat nicht als Selbstverletzung bewertete, die in Griechenland nicht unter Strafe steht.“ Weiterlesen

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Wahlkampf eines Neonazis aus dem Knast heraus

Er wäre wohl ins Parlament gekommen, wenn nicht gerade ein für ihn maßgeschneidertes Gesetz verabschiedet worden wäre. Es wurde am 8.2. vom Parlament angenommen.
Mitsotakis geht es nicht um Nazis, sondern um den eigenen Machterhalt.

Ilias Kasidiaris

Von Ferry Batzoglou, taz 8. 2. 2023:
Vor Wahlen in Griechenland:Comeback der Neonazis?
Mit einer Gesetzesreform will die Regierung Mitsotakis verhindern, dass Ilias Kasidiaris ins Parlament einzieht. Doch alle Linksparteien sind dagegen.
Ilias Kasidiaris, stets grimmiger Blick, äußerlich ewiger Halbstarker und seit Oktober 2020 wegen der Leitung einer kriminellen Organisation hinter Gittern, redet sich in Rage. Auf seinem Youtube-Kanal mit 124.000 Abonnenten poltert er in einer am letzten Freitag aus dem Gefängnis im zentralgriechischen Domokos hochgeladenen Audiobotschaft: „Das wird mich nicht stoppen. Ihr werdet mich wählen können!“ weiterlesen

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Angriff auf die Künstler. Privatisierung der Ausbildung

Bereitschaftspolizisten, die das Nationaltheater in Athen in der letzten Woche vor Künstlern „schützten“

AthensLive Wire Newsletter, 5.2.2023:
Der Angriff auf die Künstler geht weiter
Schauspieler und Theaterleute traten diese Woche in einen 48-stündigen Streik. Das war sehr ungewöhnlich. Was ist geschehen?
Nun, sie protestierten gegen ein Dekret des Präsidenten, das ihre Qualifikationen erheblich herabsetzt. Diesem Erlass zufolge ist ein Abschluss an einer Schauspielschule gleichzusetzen mit… einem Schulabschluss! Um die Reaktionen zu mildern, hat die Regierung eine Änderung des Dekrets ausgearbeitet, die jedoch nach Ansicht der Künstler die Bestimmungen des Dekrets nicht aufhebt.
So gingen die Künstler am Mittwoch und Donnerstag auf die Straße, offensichtlich nicht überzeugt vom Premierminister, der auf Facebook versprach, ihre Forderungen zu prüfen.
Die Lehrer der Schauspielschule des Nationaltheaters haben damit gedroht, dass sie alle aus Protest zurücktreten werden, sollte das Präsidialdekret nicht bis zum 8. Februar geändert werden.
Die Schauspielergewerkschaften bezeichnen diese jüngste Entwicklung als „direkten Angriff auf unsere Arbeitsrechte“, da ihre Löhne, sollten sie einen Vertrag mit einer Einrichtung des öffentlichen Sektors unterzeichnen, nicht den Tarifverträgen, sondern der jeweils amtierenden Regierung unterliegen würden.

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Die Lage vor den Wahlen

Bild: Yorgos KonstantinouImagistan

Labournet.de, Interview von Andreas Schuchardt vom Gewerkschaftsforum Hannover mit Gregor Kritidis, 26. Januar 2023:
Die griechische Rechts-Regierung von Kyriakos Mitsotakis steht wegen einer Abhöraffäre unter Druck. Worum geht es dabei und was sind die möglichen Konsequenzen? Ist ein Sturz der Regierung denkbar?
Im Frühjahr 2022 wurde bekannt, dass der Wirtschaftsjournalist Thanassis Koukakis mithilfe der Spionagesoftware „Predator“, mit dem sein Mobiltelefon infiziert worden war, ausspioniert worden ist. Im Sommer fand die IT-Sicherheit des EU-Parlaments die Spionagesoftware auf dem Handy des Europaabgeordneten Nikos Androulakis, der gleichzeitig Vorsitzender der oppositionellen PASOK ist. Das ist besonders pikant, weil Androulakis Mitglied im Unterausschuss für Sicherheit und Verteidigung des EU-Parlaments ist und über zahlreiche sensible Kontakte verfügt. Infolge dieser Enthüllungen mußten Panagiotis Kontoleon, der Chef des griechischen Gemeindienstes EYP, und Grigoris Dimitriadis, Büroleiter und Neffe von Premierminister Kyriakos Mitsotakis, ihren Hut nehmen. Mitsotakis stritt jegliche Mitwisserschaft vehement ab, obwohl er die EYP bei Amtsantritt seiner persönlichen Kontrolle unterstellt und auch Kontoleon persönlich ausgewählt hatte. Zudem bedrohten Mitglieder der regierenden Partei Journalisten mit hohen Gefängnisstrafen, sollten sie weiter über die Affäre berichten. Diese ließen sich jedoch nicht einschüchtern.
Es folgten weitere Enthüllungen des Magazins Documento, die auf Informationen beruhten, die dessen Herausgeber Kostas Vaxevanis offenbar aus dem Umfeld der Regierungspartei selbst zugespielt wurden. Demnach sind von den Bespitzelungen nicht nur Journalisten, Oppositionspolitiker, Leiter staatlicher Institutionen und Unternehmer betroffen, sondern auch Regierungsbeamte, Kabinettsmitglieder und selbst Außenminister Nikos Dendias. In griechischen Medien wird darauf hingewiesen, dass die Bespitzelten innerparteiliche Konkurrenten von Mitsotakis umfassten. Der zur Aufklärung eingerichtete parlamentarische Untersuchungsausschuss und die ermittelnde Staatsanwaltschaft kommen angesichts des Ausmaßes der Überwachungen mit ihrer Arbeit kaum hinterher.“ weiterlesen

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Crowdfunding für Küchen-Kollektiv im Sozialen Zentrum für Migranten in Exarchia, Athen

Küchenkollektiv EL CHEF:
„Kollektiv kochen, Solidarität servieren!
Wer wir sind.
Wir haben im Jahr 2008 angefangen, das Konzept der Kameradschaft durch Taten zu zeigen, in Verbindung mit Selbstorganisation, Solidarität und täglichen Kampf. Gegen die Vergöttlichung des Profits, gegen die Kommerzialisierung von materiellen Gütern und gegen die Logik des Individualismus, begannen wir jeden Samstag im Steki Metanaston (Soziales Zentrum für Migranten), in der Tsamadou-Strasse 13 (Exarchia), zu kochen, wo wir auch mit anderen Kollektiven und Aktionen koexistieren. Heutzutage, in einer Gesellschaft, die von extremer neoliberaler Politik und von einer jahrzehntelange Wirtschaftskrise geplagt wird und, noch dazu, durch die Pandemie und die Energiekrise betroffen wird, kochen wir täglich (außer donnerstags) hunderte Portionen, um die wachsenden Bedürfnisse von unseren Mitmenschen decken zu können.“ Weiterlesen

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Staatsterror Verfahrensverschleppung

freehumanitarians:
Wann MUSS der Prozess wegen eines Verbrechens enden?
Wie lange müssen die Angeklagten warten, wenn Verfahrensfehler der griechischen Behörden den Prozess verzögern, wie es bei der Verhandlung über Ordnungswidrigkeiten Anfang dieses Jahres der Fall war?
Nach Artikel 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention hat jeder, der eines Verbrechens angeklagt ist, das Recht auf „eine faire und öffentliche Verhandlung innerhalb einer angemessenen Frist“.
Ein Denkanstoß.“
Siehe dazu: Heute auf Lesbos: Kriminaliserung von Lebensrettern geht weiter

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Ukraine: Griechenlands 853 Leopard-Panzer

Foto vom Nationalfeiertag, dem 25. März 2021.

Von Gerd Höhler, Handelsblatt, 26.1.2023:
Warum Griechenland mit Panzerlieferungen an die Ukraine zögert
Nach dem deutschen Ja zu Leopard-Lieferungen wächst der Druck auf andere Nato-Staaten. Doch Griechenland, größter Leopard-Betreiber in Europa, zögert. Das Land fühlt sich selbst bedroht.
Schon vor zehn Tagen baten der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba und Verteidigungsminister Olexij Resnikow in einem gemeinsamen Appell um Lieferungen von Leopard-2-Kampfpanzern. Die beiden Minister riefen die Nato-Staaten sowie Schweden und Finnland dazu auf, eine gemeinsame „internationale Kampfpanzer-Koalition“ zu bilden. Zu den Ländern, die sie in ihrem Aufruf als mögliche Lieferanten nannten, war auch Griechenland.
Bisher sah man in Athen keinen unmittelbaren Handlungsbedarf, zumal auch Berlin zögerte. Aber mit der Entscheidung der Bundesregierung zur Lieferung von Leopard-Kampfpanzern ist nun auch Griechenland gefragt. Das Land unterhält mit 853 Exemplaren die größte Leopard-Panzerarmee Europas. Davon entfallen 500 auf den älteren Typ Leopard 1, 183 auf das Muster Leopard 2A4 und 170 auf den Leopard 2A6.“ weiterlesen

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Orbanisierung schreitet voran

Dieser Cartoon wurde für die Regierungs-Heuchelei in der Flüchtlings-Politik gezeichnet – die Heuchelei beim Überwachungs- Skandal trifft er genauso. Bild: Yorgos KonstantinouImagistan

Die Vertrauensabstimmung im Parlament ist vorbei. Zeitweise war die Körpersprache der Regierungsbank während der Rede von Tsipras deutlich: Die Mitsotakis-Minister fühlten sich ertappt. Was Tsipras im Parlament sagte, war nicht zu leugnen. Die kriminellen Handlungen der maßlosen illegalen Überwachung sind nicht mehr zu leugnen. Es gibt mittlerweile genügend Anhaltspunkte dafür, dass Mitsotakis so paranoid ist wie Richard Nixon es war. Kyriakosgate ähnelt dem Watergate-Skandal des US-Präsidenten in den 70er Jahren.
Mitsotakis ließ hunderte, wahrscheinlich tausende überwachen – um über alle zu wissen, was sie denken: Die höchsten Militärs, den Geheimdienstchef, Minister seiner Regierung, Oppositionspolitiker, Journalisten,usw.(1) Am Tag nach der Vertrauensabstimmung im Parlament wurde bekannt, dass die Predator-Software, die die volle Kontrolle über Handys übernimmt, auch auf den Mobiltelefonen der Schwester des Ministerpräsidenten, Dora Bakogiannis, sie war früher Außenminsterin, auf dem von seinem Neffen Kostas Bakogiannis, dem Bürgermeister von Athen, und auf dem seiner Nichte Alexia Bakogiannis gefunden wurde.(2)
In seiner Rede vor dem Parlament listete Tsipras die zehn Personen auf, von denen bereits eindeutig bewiesen ist, dass sie vom Geheimdienst überwacht wurden. Schon lange ist erzwungenermaßen auch von der Regierung zugegeben, dass der Vorsitzende der PASOK, Nikos Androulakis abgehört wurde. Ebenso verhält es sich bei den Journalisten Stavros Malichoudis und Thanasis Koukakis. „Malichoudis recherchiert und schreibt vor allem über illegale Pushback-Aktionen der griechischen Küstenwache in der Ostägäis, Koukakis berichtet (u.a. für CNN Greece und die Financial Times) über illegale oder unethische Praktiken in jener Grauzone, in der die vier systemischen Großbanken ihre Deals mit der Exekutive – und zuweilen mit der Justiz – aushandeln.“(3) Der Europaabgeordnete der Nea Dimokaratia Yorgos Kyrtsos wurde offensichtlich abgehört, weil er parteiintern Mitsotakis scharf kritisierte.(4)

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Veröffentlicht unter Allgemein, Überwachung, Gelenkte Demokratie, Mitsotakis, Tsipras | Hinterlasse einen Kommentar