Von Ernst Wolff, Telepolis, 06. Oktober 2018: „Mit Zahlenakrobatik wird das Eingeständnis umgangen, dass Griechenland und seine Banken längst hoffnungslos bankrott sind
Wer in der vergangenen Woche die Vorgänge im griechischen Bankensystem verfolgte, der rieb sich verwundert die Augen: Die vier größten Geldinstitute – Piräus Bank, Eurobank, Alpha Bank und National Bank – erlebten an der Athener Börse ein wahres Erdbeben.
Seit Anfang September hatte es im Bankensektor des Landes bereits gekriselt, doch in den ersten Oktobertagen verschärfte sich die Situation dramatisch: Die vier Institute mussten Einbußen von bis zu vierzig Prozent hinnehmen, der Aktienkurs der Piräus Bank brach um fast 30 Prozent ein, der Athener Bankenindex fiel auf den tiefsten Stand seit 31 Monaten.
Wie konnte das sein? War Griechenland nicht erst im August unter großem Beifall der Politik aus dem Euro-Rettungsschirm entlassen worden? Und hatten die vier Großbanken nicht erst im Mai einen Stresstest der EZB bestanden?“ weiterlesen
Von Giorgos Christides, Thessaloniki, Spiegel online, 6.10.2018:
„Entschädigung für NS-Verbrechen. Griechenland will 280 Milliarden Euro von Deutschland eintreiben
Solange Griechenland am EU-Tropf hing, vermied es Premier Tsipras, Reparationen für die NS-Kriegsverbrechen zu verlangen. Doch nun, nach Ende des letzten Rettungspakets, will Athen handeln.
Im Oktober 1943 töteten deutsche Truppen, unterstützt von der berüchtigten Miliz des Kriegsverbrechers Friedrich Schubert, 30 Menschen in dem kleinen Ort Kallikratis auf der griechischen Insel Kreta. Es war ein Racheakt, eine Bestrafung dafür, dass die Dorfbewohner örtliche Partisanen unterstützt hatten.
75 Jahre später, am 3. Oktober 2018, wurde Kallikratis zum Dorf der Märtyrer ernannt. Griechenlands Präsident Prokopis Pavlopoulos hielt während der Zeremonie eine Rede. Pavlopoulos gedachte der Menschen, die den Gräueltaten der Nazis zum Opfer gefallen waren. Doch er machte auch eine aktuelle Referenz: Er betonte, dass Griechenlands Forderungen nach Reparationen für den Zweiten Weltkrieg noch immer rechtens seien.“ weiterlesen
von Elisa Hübel, Griechenland Zeitung, 05. Oktober 2018:
„Gegen Verpachtungspläne in Griechenland: Museumsstreik am 11. Oktober
Am kommenden Donnerstag, dem 11. Oktober, bleiben die archäologischen Stätten und staatlichen Museen für die Besucher geschlossen. Hintergrund ist eine 24stündige Arbeitsniederlegung der Wächter dieser Einrichtungen sowie der Angestellten des Kulturministeriums.
Die Gewerkschaft der Wächter archäologischer Stätten und Museen erklärt, dass man mit dieser Aktion gegen Regierungspläne protestiere, die letztlich zu Privatisierungen archäologischer Stätte führen könnten.“ weiterlesen
Bitte registriert euch zeitnah. Nach erfolgter Registrierung erhaltet ihr dann automatisiert die eigentlichen Zugangsdaten zugeschickt, die euch zur Veranstaltung am 3. Februar 2022 führen. Danke für euer Verständnis!
THEMA |
Nicht nur konservative Kreise in Europa und europäische Institutionen werden nicht müde zu betonen, dass Griechenland die Krisenjahre hinter sich gelassen hat und sich durch die Regierung Mitsotakis auf dem Weg der Konsolidierung befindet.
Sind Armut und soziale Ungerechtigkeit in Griechenland aber tatsächlich auf dem Rückzug? Die Realität spricht eine andere Sprache: Gesellschaftliches Eigentum wird hemmungslos privatisiert, das Land wird auf die Bedürfnisse von Unternehmen und ausländischen Investoren ausgerichtet – und Polizeigewalt und die aggressive Abwehr von Geflüchteten ist an der Tagesordnung.
Wir wollen daher mehr erfahren! Wir wollen die Zahlen, Daten und Fakten zur sozialen Lage in Griechenland kennenlernen und auf den Alltag der Menschen schauen, der für viele längst nicht von echten Perspektiven, sondern sogar von Verelendung geprägt ist.
Wie lässt sich deren Situation beschreiben? Wie sehr greifen die Krise und ihre Folgen ein in das Leben der Betroffenen? Und wie ist ihre eigene Antwort auf die prekäre Lage und die gesellschaftlichen Ungleichheiten?
Wir wollen diskutieren mit:
Tonia Katerini | Architektin und Aktivistin in Athen. Arbeitet in einer Gruppe, die sich gegen die Zwangsversteigerungen von Wohnungen und Häusern wendet und ist Mitglied der „European Action Coalition for the Right to Housing and the City“.
Apostolos Kapsalis | Arbeitswissenschaftler und Sozialforscher, Wissenschaftl. Mitarbeiter am Institut für Arbeit des griech. Gewerkschaftsverbandes GSEE.
Babis Dinakis | Aktivist des sozialen Stadtteilzentrums von Perama (Piräus).
Moderation: Ingrid Stipper, aktiv im Bündnis Griechenlandsolidarität Berlin.
Der Zugang zum online-Griechischen Salon kostet nichts. Veranstalter: Bündnis Griechenlandsolidarität Berlin, Regenbogenfabrik, attac Berlin, SoliOli. Unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Von Frank Stier, telepolis, 04. Oktober 2018: „Mazedonier lassen das Referendum zur Umbennung in Nordmazedonen scheitern und machen vorgezogene Parlamentswahlen wohl unvermeidlich
Wie ein Hürdenläufer hat Mazedoniens Ministerpräsident Zoran Zaev (Machtwechsel in Mazedonien) in den vergangenen eineinhalb Jahren Hindernisse für die euroatlantische Integration seines Landes überwunden. Im Frühjahr 2017 machte er den Parteien der albanischen Minderheit weitreichende Zugeständnisse, um sie als Koalitionspartner für seine Sozialdemokratische Union Mazedoniens (SDSM) zu gewinnen.
Die albanische Sprache werde Landessprache in ganz Mazedonien, versprach er, zudem sollten die rund ein Viertel der Bevölkerung stellenden Albaner in staatlichen Symbolen wie Hymne und Wappen stärker repräsentiert werden. Mazedonische Nationalisten verurteilten Zaevs Politik als Gefährdung der nationalen Einheit und Landesverrat.“ weiterlesen
WO | Hellenische Gemeinde zu Berlin e.V., Mittelstr.33, 12167 Berlin
WANN | Montag, 21.02.2022, 18.30 – 21.00 Uhr mit Gespräch
Der Balkon – Wehrmachtsverbrechen in Griechenland. Die Vernichtung des Dorfes Lyngiades am 3.Oktober 1943 Dokumentarfilm von Chryssanthos Konstantinidis / Griechenland 2018, Länge 101 Min. / Original mit deutschen Untertiteln
Hintergrund:
Lyngiades, ein Dorf in Nord-Griechenland wird wegen seiner wunderbaren Aussicht der »Balkon« genannt. Doch die Idylle war Schauplatz eines Massakers, das hierzulande noch kaum bekannt ist. Am 3. Oktober 1943 ermordeten die deutschen Besatzer zweiundachtzig Dorfbewohner, überwiegend Kinder und alte Leute, und zerstörten fast alle Häuser.
Der Regisseur des Films stammt aus Lyngiades. Die Hintergründe des Verbrechens recherchierte vor drei Jahrzehnten der Rechtshistoriker Christoph Schminck-Gustavus (s. sein Buch »Der Feuerrauch«). Jetzt führt er durch den Film. In diesem hören die Nachgeborenen vor Ort, oft erstmalig, Erinnerungen von Überlebenden. Es sind Dokumente der Trauer vor dem Hintergrund eines kollektiven Traumas. Und es sind Einblicke in die unterlassene Aufarbeitung in Deutschland und in die verweigerte Wiedergutmachung.
Anschließendes Gespräch mit Hilde Schramm (Respekt für Griechenland e.V.)
Wegen Corona wird die Teilnehmerzahl auf 25 Personen begrenzt. Wir bitten um telefonische Anmeldung oder Anmeldung per e-mailan m.resta-petersdorff@gmx.de
Geschichte und Folgen der Besetzung Griechenlands durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg sind in Deutschland immer noch kaum bekannt.
Dr. Iason Chandrinos gibt einen Überblick über die Umstände der Besatzungsherrschaft, die u.a. zu einer Hungersnot mit rund hunderttausend Toten führte. Er schildert die von den Deutschen angeordnete Zwangsarbeit sowie den Holocaust an der jüdischen Bevölkerung aus Saloniki, Athen und weiteren griechischen Regionen. Chandrinos wird dabei besonders auf die Zwangsarbeit eingehen, der die Juden Salonikis unterworfen wurden.
Thomas Schleissing-Niggemann liest aus den Erinnerungsberichten zweier Überlebender aus Saloniki: Shaul Chazan und Josef Sackar.
Programm
Begrüßung: Dr. Christine Glauning, Leiterin des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit
Vortrag: Dr. Iason Chandrinos, Historiker, Universität Regensburg
Lesung: Thomas Schleissing-Niggemann, Berlin
Moderation: Dr. Ulrich Baumann, Stiftung für die ermordeten Juden Europas
„Für die Reeder Hummer, für Matrosen Kummer“ Die griechischen Schiffstycoons und ihre ewigen Privilegien
Von Nikos Chilas, aus Lunapark21 Nr. 43
[Ende Oktober 2018 erscheint bei Promedia die zweite, erweiterte und bis Mitte 2018 aktualisierte Auflage des Buchs „Griechische Tragödie. Rebellion. Kapitulation. Ausverkauf“ von Nikos Chilas und Winfried Wolf]
Sie sind Minister zweiter Klasse. Die Politiker, die das Schifffahrtressort übernehmen, werden als letzte in die Hierarchie der griechischen Regierung eingereiht. Und dies nicht zu Unrecht – ist doch das spezifische Gewicht ihres Amtes, im Vergleich etwa zu jenem in den Bereichen Finanzen, Wirtschaft, Außenpolitik oder Verteidigung, sehr klein und ihr Handlungsspielraum äußerst eingeschränkt. In der Innenpolitik spielen sie jedenfalls keine nennenswerte Rolle, gelegentlich wird ihre Position sogar zusätzlich abgewertet, indem ihr Amt einem anderen Ministerium als Unterabteilung unterstellt wird und sie selbst nur noch als Vizeminister angeführt werden.
Dennoch ist der Posten heiß begehrt – unter anderem weil man in diesem Job ein internationales Renommee erreicht, das manchmal jenen des Ministerpräsidenten übersteigt. „Bei jedem internationalen maritimen Kongress bin ich der unbestreitbare Trendsetter“, erklärte Anfang 2007 in Berlin der damalige Schifffahrtsminister Manolis Kefalogiannis gegenüber griechischen Journalisten. „Meine Ministerkollegen überlassen mir das erste Wort, sie wollen wissen, welche Akzente wir in die Schifffahrtpolitik setzen, die sie dann mit der Zeit auch adaptieren. Das hat natürlich weniger mit meiner Wenigkeit zu tun als mit der Erstklassigkeit der griechischen Reeder auf Weltebene“. Seine innenpolitische Unterbewertung, schlussfolgerte er, wird durch diese internationale Aufwertung mehr als ausgeglichen. Weiterlesen →
„KAPITÄNINNEN DER FREIHEIT“ – Texte und Lieder von und mit Mischi Steinbrück
„Kapitäninnen der Freiheit“ nennt Mischi Steinbrück die drei großen Kämpferinnen, die in den Seeschlachten der 1820er Jahre wesentlich zur Befreiung Griechenlands von der Osmanischen Herrschaft beitrugen. In rhythmischen Texten, die sie mit Gesang verbindet, versucht sie, uns die hier weithin unbekannten und fernen Gestalten der Bouboulina, der Manto Mavrogenous und der Domna Wiswisi näher zu bringen. Historische Fundstücke und Lieder aus der Ägais heben den Schatz der Erinnerung.
„Widerstand der Frauen in Griechenland“ – Vortrag von Sophia Georgallidis
Die Kapitäninnen als Vorbild der griechischen Frauen im Kampf gegen Nazibesatzung und im Bürgerkrieg.
Eintritt frei, Spenden willkommen!
Veranstalter: GSKK, POP Initiativgruppe griech. Kultur in der BRD und Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW
In der mazedonischen Hauptstadt Skopje. Foto: Rašo. Lizenz: CC BY-SA 3.0
Von Peter Mühlbauer, telepolis, 01. Oktober 2018 „Mazedonische Regierung will Staatsnamensänderung trotz Quorumsverfehlung
An der Volksabstimmung beteiligten sich lediglich 33,4 Prozent der Wahlberechtigten, nachdem unter anderem Staatspräsident Gjorge Ivanov zum Boykott aufgerufen hatte
An der gestern abgehaltenen mazedonischen Volksabstimmung über eine „Mitgliedschaft in der EU und der NATO unter Annahme der Vereinbarung zwischen der Republik Mazedonien und der Republik Griechenland“ beteiligten sich 33,4 Prozent der Wahlberechtigten. Das für eine Gültigkeit gesetzte Quorum von 50 Prozent wurde damit klar verfehlt. Auf diesen Ausgang hatte unter anderem der parteilose (aber der Oppositionspartei VMRO-DPMNE nahe stehende) Staatspräsident Gjorge Ivanov gesetzt, der zum Boykott des Referendums aufrief.
Ministerpräsident Zoran Zaev, der für eine Beteiligung und ein „Ja“ geworben hatte, will seinen Plan nun trotz des verfehlten Quorums an das Parlament weiterleiten, weil das Referendum seinen Worten nach nur beratenden Charakter hatte. Außerdem habe sich unter der teilnehmenden Minderheit eine „riesige Mehrheit“ von 91 Prozent für sein Vorhaben ausgesprochen, weshalb er deren „Wunsch“ nun in eine „politische Aktivität des Parlaments umsetzen“ werde. Verweigere die Opposition dort die Genehmigung, werde er Neuwahlen ausrufen.“ weiterlesen