„Wenn Abschreckung selbst zum Fluchtgrund wird“

Flüchtlingsunterkunft in Thessaloniki. Bild: Wikimedia Commons (Public Domain)

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis, 30. Januar 2021:
„Oberverwaltungsgericht NRW untersagt vorerst Abschiebung von in Griechenland anerkannten Schutzberechtigten: Dort würden „elementarste Bedürfnisse“ nicht erfüllt.
Das Oberverwaltungsgericht des Landes Nordrhein-Westfalen hat die Abschiebung von in Griechenland als schutzberechtigt anerkannten Flüchtlingen dorthin vorerst untersagt. In einem Urteil vom 21. Januar 2021 stellte das Gericht in Münster fest, dass in Griechenland „generell die ernsthafte Gefahr besteht, dass sie im Falle ihrer Rückkehr dorthin ihre elementarsten Bedürfnisse („Bett, Brot, Seife“) für einen längeren Zeitraum nicht befriedigen können“.
Hinter dem Versagen der griechischen Regierung, eine elementare Grundversorgung zu gewähren, steckt offenbar System. Einige verdienen damit sogar Geld.
Mit der Gerichtsentscheidung wurden vorausgehende Urteile niedrigerer Instanzen – der Verwaltungsgerichte Arnsberg (12 K 3440/18.A) und Düsseldorf (29 K 2705/18.A) – aufgehoben. Konkret ging es in dem Urteil um zwei Geflüchtete aus Syrien und Eritrea, die in Griechenland bereits als schutzberechtigt anerkannt und von dort aus weiter nach Deutschland geflohen waren, um hier noch einmal Asyl zu beantragen – eine logische Folge der griechischen Abschreckungspolitik. Die Regierung in Athen hat sich zum Ziel gesetzt, Flüchtlingen und Immigranten das Leben so unerträglich wie möglich zu machen. Diese Aussage wurde von Ministern mehrfach öffentlich wiederholt.“
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Bundesregierung: Wir decken Rechtsbruch, um die Beziehung zu Griechenland nicht zu belasten

Foto aus Video von Report Mainz vom 16.6.2020. S. dazu auch das Video der Deutschen Welle vom 1.7.2020

Pressemitteilung veröffentlicht am 28. Januar 2021 von der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke:
„Bundesregierung deckt Pushback-Zusammenarbeit von Griechenland und FRONTEX“
Die Bundesregierung will meine Frage zu den von der griechischen Regierung im Frühjahr 2020 beschlossenen Änderungen in der Zusammenarbeit mit FRONTEX beim ‚Abfangen‘ von Flüchtlingsbooten in der griechischen Ägäis nicht öffentlich beantworten. Die Frage betreffe ‚Informationen‘ die aus Gründen des Staatswohls geheimhaltungsbedürftig´ seien. Die Bundesregierung erklärt zudem, eine offene Beantwortung könne nachteilige Auswirkungen für die bilateralen Beziehungen von Deutschland und Griechenland haben. Da klingeln bei mir alle Alarmglocken! Wenn diese Vorgänge so brisant sind, dass sie geheim gehalten werden müssen, dann muss Deutschland seine Zusammenarbeit mit FRONTEX in der griechischen Ägäis sofort beenden. Denn kein Geheimnis ist die völkerrechtswidrige Pushback-Praxis der griechischen Küstenwache“, erklärt die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, zu der eingestuften Antwort von Staatssekretär Hans-Georg Engelke vom 22.1.2021 auf ihre schriftliche Frage 1/246.

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Trotz Verbots: Studenten demonstrieren in Massen

In vielen griechischen Städten demonstrieren heute Student*innen u.a. gegen die Polizeiaufrüstung an den Universitäten, gegen Einschränkungen von Demonstrationsfreiheiten und für die Öfnung der Hochschulen mit Maßnahmen zum Pandemieschutz. Auch die Androhung von hohen Geldstrafen schreckte die Studen*innen nicht ab.

Video von der Demo in Athen am 28.1.2021
„das ist erlaubt – das ist verboten
vergesst es!“
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NGO der Nea Dimokratia?

Eine NGO (Nichtregierungs-Organisation) soll im Jahre 2021 mehr als fünf Millionen Euro für die Organisation von Unterkünften für Asylbewerber erhalten. Laut Verordnung müsste sie jahrelange Erfahrung haben. Sie hat keinerlei Erfahrung. Die Eigentümer ebenfalls nicht. Das Geld kommt von der EU, entschieden über die Vergabe hat allein das griechische Migrationsministerium. Allerlei Merkwürdigkeiten beleuchet Stavros Malichudis auf wearesolomon.com am 22.01.2021 (auf englisch und griechisch).
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Massive Einschränkungen der Pressefreiheit

Foto: Wassilis Aswestopoulos

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis 22. Januar 2021:
„Massive Einschränkungen der Pressefreiheit als Durchführungsverordnung für künftige Demonstrationen. Einsätze der Polizei sollen von Journalisten weniger beobachtet werden können
Im antiken Griechenland gab es eine Tendenz, für alles, was mit den damals bekannten rationalen Mitteln nicht erklärbar war, eine eigene Gottheit einzuführen. Im modernen Griechenland heißt das Allheilmittel für alles, was die Regierung durchsetzen will, Polizei.
Nun möchte die Regierung sicherstellen, dass die Einsätze der Polizei von der Presse nicht beobachtet werden können. Das Demonstrations- und Versammlungsrecht wird weiterhin ausgehöhlt.
Die „Polizei des 21. Jahrhunderts“
Der griechische Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, stellte am Donnerstagmittag im Rahmen einer über das Internet abgehaltenen Pressekonferenz eine Verwaltungsvorschrift für die Polizei vor. Im Anhang der Durchführungsverordnung für die jüngsten Demonstrationsgesetze finden sich Auszüge aus dem Strafrechtskodex.
Interessant ist dabei vor allem ein Auszug aus dem Artikel 169 des Kodex, in dem es um den Ungehorsam geht. Dort wird jeder Person, die sich gewaltlos weigert, einer polizeilichen Anordnung Folge zu leisten, eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten oder eine Geldstrafe angedroht.
Teilnehmern einer Versammlung, welche Beamten oder Justizpersonal gegenüber Drohungen ausspricht oder gar Gewalt gegen diese Personen ausübt, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine entsprechende Geldstrafe. Die Organisatoren einer solchen Versammlung werden mit mindestens drei Jahren Gefängnis bestraft.“ weiterlesen

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#metoo in Griechenland

Die zweifache Olympiasiegerin im Segeln, Sofia Bekatorou

Frauen wagten, die Männer anzugreifen, die ihnen sexuelle Gewalt angetan hatten. Das war die #metoo-Bewegung, die 2017 in den USA begann und sich weltweit verbreitete. In Griechenland kam sie nicht an. Katerina Glyniadaki untersuchte 2018 die Gründe dafür (1).
Jetzt löste die öffentliche Anklage der zweifachen Olympiasiegerin im Segeln, Sofia Bekatorou, eine #metoo-Bewegung in Griechenland aus. Sie berichtete von der Vergewaltungung durch einen hohen Funktionär des Segelverbandes im Jahre 1998. Mehr und mehr Frauen (und auch Männer) brachten in der Folge sexuelle Gewalt an die Öffentlichkeit.
Siehe dazu den Beitrag von Elisa Hübel in der Griechenland Zeitung vom 20. Januar 2021:
„Zahl der Anzeigen von sexuellem Missbrauch und Belästigung steigt deutlich
Zunehmend mehren sich in Griechenland Anzeigen von Frauen, die in der Vergangenheit sexuell missbraucht worden sind. Vor diesem Hintergrund traf sich Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou ist dieser Woche mit der zweifachen Olympiasiegerin im Segeln, Sofia Bekatorou. Letztere hatte den sexuellen Missbrauch durch einen hohen Verbandsfunktionär im Jahr 1998 angezeigt, der sich in einem Hotel in Palma de Mallorca ereignet hatte.
Im Anschluss betonte die Präsidentin anerkennend, dass Bekatorou damit „die Verschwörung des Schweigens zerstört“ habe. Es sei nun an der Zeit, „ein System aufzubauen, in dem die Frau nicht als Beute betrachtet wird“.
Inzwischen hat sich auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und ruft alle Frauen, die ähnliche Erlebnisse haben, dazu auf, Anzeige zu erstatten. Kurz darauf gerieten zwei Fakultäten der Universität von Thessaloniki in den Strudel der Medien. Mehr als 100 ehemalige Studentinnen haben sexuellen Missbrauch durch zwei frühere Professoren angezeigt. Die Präsidentin des Verbandes der griechischen Unternehmerinnen Lina Saltabasi bestätigte, dass auch sie über sexuelle Übergriffe durch einen der genannten Professoren in Thessaloniki Bescheid wisse, da auch sie die besagte Fakultät als Studentin besucht habe.“ weiterlesen

Anmerkung
(1) https://blogs.lse.ac.uk/greeceatlse/2018/05/29/the-metoo-movement-and-the-greek-silence/

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„Islam keine Religion“. Erzbischof Griechenlands beleidigt Muslime

Screenshot des Interviews auf Open TV

Der Erzbischof von Athen und ganz Griechenland Hieronymos konterkarierte die Bemühungen der griechischen Regierung, das Verhältnis zur Türkei zu verbessern. Für Ende des Monats sind Gespräche zwischen den beiden Ländern geplant. Am 18.1.2021 bezeichnete das türkische Außenminsterium die Äußerungen des Erzbischof als „anmaßend“ und den Versöhnungsprozess störend.

Hieronymos hatte am 14.1.2021 in einem Interview mit dem Fernsehsender „Open“ gesagt:
„Wie wir wissen, ist der Islam keine Religion, sondern eine politische Partei und ein politisches Streben, und [seine Gläubigen] sind Menschen des Krieges, der Expansion. Das ist ein Charakteristikum des Islam, es wird auch in den Lehren Mohammeds erwähnt.“ (Quelle: efsyn)

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In der Hölle auf Lesbos in Schnee und Eis

Twitter-tweet von medico international

Das Foto ist ein Screenshot eines kurzen Videos, das medico international gestern, am 17.1.2021, gepostet hat.(1) Die Zeitung efsyn berichtete am selben Tag über das Leiden in Schnee und Eis (auf griechisch (2))

Dieses Video oben zeigt ausführlich, dass die Hölle des Lagers Moria nur durch die Hölle des Lagers Karatepe ersetzt wurde – und warum. (3) Der im Video befürchtete Schnee ist jetzt gekommen. In der Gemeinde Mytilene, in der auch das Lager Karatepe liegt, wurden die Schulen wegen starken Schneefalls geschlossen. (4) Die Bewohner des Lagers müssen ohne Heizung versuchen, zu überleben. In den vergangen Wintern sind bereits Menschen in Moria erfroren.

Anmerkungen

(1) https://twitter.com/nothilfe/status/1350874256029134854?s=20
(2) https://www.efsyn.gr/ellada/koinonia/277259_ston-pago-mpikan-hiliades-prosfyges-kai-metanastes
(3) https://www.youtube.com/watch?v=02bgM5MmeLw&feature=youtu.be
(4) https://www.efsyn.gr/ellada/koinonia/277330_stin-katapsyxi-i-b-ellada-problimata-apo-tin-kakokairia-se-oli-ti-hora

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Getrennte Gräber verlängern die COVID-19-Isolation

Covid19-Gräber in Thessaloniki, 26.12.2020, AP Photo/Giannis Papanikos
Covid19-Gräber in Thessaloniki, 26.12.2020, AP Photo/Giannis Papanikos

Von Costas Kantouris, apnews.com, 12. Januar 2021:
>In einer griechischen Stadt verlängern getrennte Gräber die COVID-19-Isolation

Selbst nach dem Tod ertragen Covid-19-Opfer die quälende Isolation in Thessaloniki, der Stadt in Griechenland, die am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffen ist. Efcharis Gunseer, 84, konnte ihre Tochter während des verlorenen Kampfes mit dem Virus zu keinem Zeitpunkt sehen, weder im Pflegeheim, in dem sie zuerst krank wurde, noch im Krankenhaus, in dem sie mehrere Wochen verbrachte. Das Personal der überlasteten Intensivstation war auch zu beschäftigt, um Telefonate zu führen, sagte die Tochter.

Als Gunseer Ende August starb, wurde ihr Körper in zwei Plastiksäcke eingewickelt und in einen in Folie eingeschweißten Sarg gelegt. Nach den Regeln der Stadtverwaltung wurde sie nicht neben ihrem verstorbenen Mann begraben, sondern in einem Teil des Friedhofs, der für Menschen reserviert ist, die mit dem Virus infiziert sind. Ihr Grab bleibt für Besucher tabu.

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>“Reformen“ nach griechischer Art: 1.000 Polizisten an Universitäten, Disziplinarrat für Studenten<

Polizisten auf 100.000 Einwohner. Griechenland an zweiter Stelle. Quelle: Eurostat

Keeptalkinggreece, 13.1.2021:
„Trotz der Einwände mehrerer Universitätsrektoren hat das griechische Bildungsministerium einen Gesetzentwurf vorgelegt, der unter anderem die Anwesenheit von Polizeibeamten auf dem Campus der Universitäten vorsieht. Der Gesetzentwurf sieht auch andere veraltete „Reformen“ wie die Einrichtung eines Disziplinarrates zur Bestrafung von Studenten vor.

Am Mittwoch stellten Bildungsminister Niki Kerameus und Bürgerschutzminister Michalis Chrysochoidis den ehrgeizigen Gesetzentwurf vor, der die Qualität der Hochschulbildung verbessern und die „Gesetzlosigkeit auf dem Universitätsgelände“ beseitigen soll, wie es bezeichnenderweise hieß.“

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