„WIR WAREN MENSCHEN ZWEITER KLASSE“

Iason Chandrinos/Volker Mall
WIR WAREN MENSCHEN ZWEITER KLASSE“
Die Geschichte der 1040 im Sommer 1944 von Athen nach Deutschland deportierten Griechen

1040 „kommunismusverdächtigte“ Griechen wurden bei den Razzien in Vyronas und Dourgouti/Katsipodi bei der „Festnahmeaktion der Zeit vom 7.-9.8.1944“ gefasst und „nach dem Reich abgeschoben“. Es folgte am 19. August ein zweiter Transport mit 1200 Männern, die meisten von ihnen Gefangene aus der Razzia vom 17. August, bei der etwa 150 Männer und Frauen ermordet und die Gemeinden von Nikea und Alt Kokkinia verwüstet worden waren. Bis zum Ende des Monats wurden weitere etwa 1500 „Bandenverdächtigte“ und „Sühnegefangene“ in verschiedenen Transporten in verschiedene Orte des Deutschen Reichs verschleppt. Diese Leute wurden gefangen genommen, um sie arbeiten zu lassen; sie mussten nicht arbeiten, weil sie aus politischen Gründen festgenommen worden waren.
Die Autoren haben vier Tagebücher griechischer Zwangsarbeiter ausfindig gemacht, die in diesem ersten Transport der 1040 Griechen deportiert wurden. Neben der ausführlichen Beschreibung der Lebens-, und Arbeitsbedingungen geben sie Informationen zur Geschichte der griechischen Zwangsarbeiter, einer nationalen Gruppe, die weitgehend unerforscht ist.
Auch zwei NS-Rüstungsprojekte, auf die die Autoren in Berichten und Tagebucheintragungen stießen, waren bisher weitgehend unbekannt.
Book on Demand, April 2022 Hg.: KZ Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen, 560 Seiten, viele Fotos und Dokumente, ca 34.-€. E-Book ca 3.-€
(Sobald das Buch verfügbar ist, werden wir auf griechenlandsoli.com veröffentlichen, wie es bestellt werden kann)

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Siehe auch den Online-Vortrag von Iason Chandrinos:
„Deutsche Besatzung, Zwangsarbeit und Holocaust in Griechenland 1941-1944“ am 24. Februar 2022

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Unternehmenskultur oder Die Banalität des Bösen

Gerade wird in Griechenland darüber sinniert, dass Viktor Hugos „Elende“ des 19. Jahrhunderts sich wenig von denen des 21. Jahrhunderts unterscheiden – siehe diese beiden Beiträge:
AthensLive Wire Newsletter, 19.02.2022:
Die Banalität des Bösen
Die Geschichte des Jean Valjean von Victor Hugo wurde diese Woche in Athen wiederbelebt. Eine arme ältere Frau stahl Fleisch und Käse aus einer Lidl-Filiale. Sie wurde verhaftet. Das Unternehmen reichte Klage gegen sie ein.
Wie Open TV berichtet, hatte die 70-jährige Frau Lebensmittel im Wert von etwa 30 Euro in ihrer Tasche versteckt, als sie von den Angestellten der Filiale entdeckt wurde. Die Kunden reagierten, aber der Filialleiter blieb unnachgiebig. „Die Anweisungen, die ich habe, wie ich mit solchen Vorfällen umgehe, sind sehr streng“, sagte er.
Daraufhin rief er die Polizei, die Frau wurde auf die Wache gebracht, und die Supermarktkette reichte Klage gegen sie ein, obwohl sie erklärte, warum sie das tat: Sie habe kein Geld, da sie mit ihrer Rente ihren Hauskredit zurückzahle.
Sogar die Polizisten waren gerührt und boten – wie schon einige Kunden zuvor – an, für das zu zahlen, was die Frau gestohlen hatte. Die Supermarktleiter bestanden jedoch darauf, da „die Firmenpolitik vorschreibt, solche Klagen nicht zurückzuziehen.“
Eine Nachbarin berichtete, die ältere Dame habe sich geschämt, das Haus zu verlassen und habe versucht, Selbstmord zu begehen.

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Griechische Grenzer warfen Geflüchtete ins Meer – sie ertranken

Von Şebnem Arsu, Giorgos Christides, Steffen Lüdke, Maximilian Popp, Bernhard Riedmann, Jack Sapoch und Florian Schmitz, Spiegel.de 17.02.2022:
„Tod in der Ägäis – EU-Grenzschützer sollen Flüchtlinge ins Meer geworfen haben
Das Verbrechen von Samos: Zwei Geflüchtete sind tot, ein Überlebender erhebt einen ungeheuerlichen Vorwurf. SPIEGEL-Recherchen weisen auf eine neue brutale Taktik der griechischen Küstenwache hin.
Die Geflüchteten wähnten das Schlimmste hinter sich, als sie die griechische Insel Samos erreichten. Mit einem Schlauchboot waren sie am 15. September 2021 von der türkischen Küste aus übergesetzt. Die Sonne ging gerade auf, als sie an den schroffen Felsen landeten.
Unter den 36 Geflüchteten waren an diesem Morgen zwei Männer, die ihre Heimat schon Monate zuvor verlassen hatten: Sidy Keita, 36, floh aus der Elfenbeinküste, nachdem er gegen den Präsidenten demonstriert hatte. Didier Martial Kouamou, 33, Vater zweier Kinder, hatte in Kamerun als Mechaniker gearbeitet, in Paris wartete sein älterer Bruder Séverin auf ihn. Beide Männer wollten in Europa Asyl beantragen.
Sieben Geflüchtete aus der Gruppe erinnern sich noch genau an Keita und Kouamou. Sie alle bezeugen gegenüber dem SPIEGEL, dass die Männer mit ihnen Samos betreten haben. Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben sich für diese Fälle Regeln gegeben. Wer es in die EU schafft, hat das Recht, einen Asylantrag zu stellen. Doch dazu kam es nie.
Wenige Tage nach ihrer Ankunft auf Samos wurden Keita und Kouamou tot aufgefunden. Die Strömung spülte ihre leblosen Körper in Richtung türkische Küste. Bei einer Untersuchung von Keitas Leiche stellten Mediziner fest, dass er ertrunken war.
Die Ägäis hat sich in den vergangenen Jahren in eine Todeszone verwandelt. Seit Frühjahr 2020 schleppt die griechische Küstenwache aufgegriffene Migrantinnen und Migranten systematisch aufs Meer hinaus und setzt sie dort auf aufblasbaren Flößen aus. Der SPIEGEL hat die illegalen Aktionen nachgewiesen, einige sind in Videos festgehalten. Die Bilder der verängstigten Flüchtlinge auf den Flößen sind in der Ägäis längst Alltag. Doch im Fall von Keita und Kouamou deutet einiges darauf hin, dass die Grenzschützer noch einen Schritt weitergegangen sind.
»Die Soldaten suchen nach uns«
Der SPIEGEL hat gemeinsam mit den europäischen Partnermedien »Lighthouse Reports«, »Guardian« und »Mediapart« recherchiert, um die Umstände ihres Todes zu klären. Die beteiligten Reporterinnen und Reporter befragten mehr als ein Dutzend Augenzeugen. Sie werteten medizinische Berichte, Fotos und Videos sowie Satellitenaufnahmen aus und sprachen mit Informanten in den griechischen Sicherheitsbehörden.
Die Recherchen legen nahe, dass griechische Grenzschützer Keita und Kouamou aufs Meer schleppten und über Bord warfen. Endgültige Beweise dafür gibt es nicht – aber glaubwürdige Indizien.“ weiterlesen (Paywall)

Ohne Paywall auf englisch im Guardian zu lesen

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Griechenland – Wenn sich die unabhängigen Säulen einer Demokratie vermischen

Von Wassilis Aswestopoulos, Cashkurs.com 16.02.2022:
„Auftrag zur unabhängigen Berichterstattung erfüllt?
Am Sonntag, den 6. Februar gab es zur nachmittäglichen Prime Time ein Interview im staatlichen Sender ERT 1. Dieses wurde per Satellit über den Auslandssender ERT World in alle Welt verbreitet. Die ERT ist ebenso wie die staatliche Nachrichtenagentur per Präsidialdekret seit dem Wahlsieg im Sommer 2019 dem aktuellen Premierminister unterstellt. Interviewt wurde die Hauptnachrichtensprecherin des privaten Fernsehsenders SKAI TV, der zufällig sehr regierungsfreundlich ist. Rein zufällig ist die gemäß dem in Griechenland üblichen Verfahren auch tagesaktuelle Themen kommentierende Hauptnachrichtensprecherin mit dem amtierenden Bürgermeister Athens verheiratet.
Dieser wiederum ist vollkommen zufällig Neffe des amtierenden Premiers und Sohn einer Abgeordneten der Regierungspartei Nea Dimokratia, die in der Vergangenheit mehrfach Ministerin und auch Bürgermeisterin von Athen war. Selbstredend konnte die Interviewte, Sia Kossioni, im Gespräch mehrmals betonen, was für ein toller Bürgermeister, Kostas Bakoyiannis, ihr Gatte sei. Es gab Raum für zahlreiche lobende Worte für die ebenfalls politisch tätige Schwiegermutter, Dora Bakoyianni. Nichts von dem, was sich rund um das mehrere Tage im Voraus mit lobenden Zitaten für den Bürgermeister beworbene Interview abspielte, ist in Griechenland illegal. Aber ist ein solches Verhalten auch ethisch und vor allem demokratisch korrekt? Kann so ein Interview im staatlichen Fernsehen noch als Erfüllung des Auftrags der unabhängigen Berichterstattung angesehen werden?“ weiterlesen

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In vielen afrikanischen und europäischen Städten: Aktionen zum Gedenken an die Grenzmorde

Demo in Tajaral, wo am 6. Februar 2014 15 Menschen von spanischen Grenzern erschossen wurden

In diesem Artikel sind Aktionen in sechs afrikanischen und 26 europäischen Orte dokumentiert.
rednblack.gr, 8.2.2022: „Am 5. und 6. Februar demonstrierten Organisationen und Einzelpersonen in Europa und Afrika gegen die mittlerweile gängige kriminelle Praxis der Massenrückführungen in der Ägäis und auf dem Evros sowie im Mittelmeer und im Ärmelkanal.
Anlass war der Gedenk-Aktionstag für die Opfer der Grenze, denn Rückführungen sind kein griechisches Patent. In vielen Ländern, aber auch in europäischen Städten, demonstrierten Einheimische und Flüchtlinge ihren Widerstand gegen die Todespolitik der Regierungen und der Europäischen Union.
In Afrika, von Marokko bis Senegal und Nigeria, den Ländern, aus denen Tausende von vermissten und ermordeten Geflüchteten stammen, gab es Demonstrationen, symbolische Aktionen, Vorführungen und Debatten für ein Ende der Todespolitik an den Grenzen.
In Marokko fand am Strand von Tarajal, wo das Ereignis stattfand, das den Weltgedenktag auslöste, nach dem Tod von 15 Menschen, die am 6. Februar 2014 versuchten, von Marokko nach Ceuta (spanisches Hoheitsgebiet) zu gelangen, ein Massenmarsch für Würde statt, mit Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit und einem Ende der Gewalt an den Grenzen.

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Wie „Reformen“ die Energiearmut befeuern

Erhöhung des Strompreises von 271 auf 698 Euro (siehe Artikel)

Von Wassilis Aswestopoulos, cashkurs.com 08.02.2022:
„Gemessen am Einkommen wird die Stromrechnung für viele Haushalte in Griechenland zur existentiellen Bedrohung, wobei die geringen Einkommen eine direkte Folge der verordneten Sparmaßnahmen sind, unter denen das Land seit der Pleite im Mai 2010 leidet. Uns Es scheint als schließe die Regierung fleißig teure Eigentore, wie Wassilis Aswestopoulos berichtet.
Die energetische Armut erschüttert die griechische Bevölkerung. In sozialen Netzwerken zeigen Verbraucher aktuelle Stromrechnungen und zum Vergleich die Rechnungen für das entsprechende Vorjahresquartal. Pars pro toto sei ein Beispiel genannt, wo 2021 für einen durchaus mit dem Vorjahr vergleichbaren Verbrauch 698 Euro statt 271 Euro gezahlt werden mussten.
Gemessen am Einkommen wird die Stromrechnung für viele Haushalte zur existentiellen Bedrohung. Die gesunkenen Einkommen sind eine direkte Folge der Sparmaßnahmen, unter denen das Land seit der Pleite im Mai 2010 leidet.“ weiterlesen

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Privatisierung des Nickelunternehmens Larco: alle 1080 Beschäftigte werden entlassen

Fabrik von Larco

Von Ralf Kliche:
Weitgehend unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit eskaliert derzeit in Griechenland der Konflikt um die Privatisierung des Minen- und Verhüttungsunternehmens Larco: Die Vollversammlung der Beschäftigten hat am Ende der vergangenen Woche die folgenden Aktionen beschlossen:

  • am Montag 07.02.2022, 7:00 Uhr eine Protestdemonstration in Athen mit anschließender Besetzung des Hauptsitzes des Unternehmens
  • am Donnerstag, 10.02.2022 ein eintägiger Streik an allen Standorten des Unternehmens
  • am Donnerstag, 10.02.2022, 10:00 Uhr Demonstration und Versammlung vor dem Finanzministerium am Syntagma-Platz in Athen
  • am Sonntag, 13.02.2022 Treffen der Aktivistengruppen auf dem Firmengelände in Larymna, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Hintergrund sind die Aktivitäten des Staates als Besitzer des Nickel-Unternehmens, um Larco an Investoren zu verkaufen. Dazu gehört nicht nur die Entlassung von mehr als 1.000 Beschäftigten, im Vorfeld des Verkaufs sollen auch die Bewohner von ca. 300 Werkswohnungen ihren Wohnsitz verlieren.

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Schwere humanitäre Krise. Zur aktuellen sozialen Lage in Griechenland

Videomitschnitt von Krise revisited. Zur aktuellen sozialen Lage in Griechenland“ – 24. Griechischer Salon am 3.2.2022

Wie hat sich das Leben der Menschen in Griechenland in den letzten Jahren – durch die konservative Regierung und durch die Pandemie – verändert? Sind Armut und soziale Ungerechtigkeit wirklich auf dem Rückzug, wie die Regierung behauptet?
Drei Kenner:innen haben uns Antworten auf diese Fragen gegeben. Wir erfuhren von den Niederlagen der Lohnabhängigen und den Strategien der Herrschenden. Es wurde über die hohe Verschuldung sehr vieler Griech:innen und von den Kämpfen gegen Zwangsräumungen berichtet. Auch wurde beschrieben, wie das Leiden in der Pandemie eine Klassenfrage und die Anzahl der Verarmten größer geworden ist. Babis Dinakis berichtete am Beispiel der Stadtteil-Initiative von Perama (Piräus), von den miserablen Lebensbedingungen und der Gegenwehr der Menschen. Er endete mit den Worten: „Die Solidarität ist unsere Waffe.“

Es referierten
Tonia Katerini | Architektin und Aktivistin in Athen. Arbeitet in einer Gruppe, die sich gegen die Zwangsversteigerungen von Wohnungen und Häusern wendet, und ist Mitglied der „European Action Coalition for the Right to Housing and the City“.

Apostolos Kapsalis | Arbeitswissenschaftler und Sozialforscher, Wissenschaftl. Mitarbeiter am Institut für Arbeit des griech. Gewerkschaftsverbandes GSEE.

Babis Dinakis | Aktivist des sozialen Stadtteilzentrums von Perama (Piräus).

Moderation: Ingrid Stipper, aktiv im Bündnis Griechenlandsolidarität Berlin.

Veranstalter: Bündnis Griechenlandsolidarität Berlin, Regenbogenfabrik, attac Berlin, SoliOli. Unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

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EU-Fördergelder für eine frauenfeindliche Sekte

„Schlecht informiert: Bildungsministerin Kerameos bei einer Fake-Attacke im Parlament.“

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis 03. Februar 2022:
Wie die EU an Schulen in Griechenland Schwurbelei mitfinanziert
Und warum die These „Das Leben beginnt, wenn die Mutter an eine Schwangerschaft denkt“ für Brüssel förderwürdig ist
Die Europäische Union hat in Griechenland einen hochumstrittenen Verein gefördert, der auch dadurch an Schulen rückständige Ansichten über Frauenrechte und Schwangerschaft propagieren konnte. Denn während aus Brüssel Geld floss, erteilte Bildungsministerin Niki Kerameos der „Griechischen Gesellschaft für prenatale Bildung“ die Genehmigung, an staatlichen Schulen zu unterrichten. Drei Videos vermittelten Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen sieben bis neun mehr als zweifelhafte Inhalte.
Die Gesellschaft war bereits im Sommer 2021 in die Schlagzeilen geraten. Damals wurde ein Kongress gegen Abtreibungen, für den als Schirmherrin zunächst sogar die amtierende Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou gewonnen werden konnte, abgesagt. Die Präsidentin hatte sich zurückgezogen, nachdem bekannt geworden war, welche Inhalte die Gesellschaft vertritt.“ weiterlesen

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Griechische Grenzer foltern systematisch – reagiert die Ampelkoalition, wie der Spiegel behauptet?

Das Folterlager in Neo Chimonio

Der Spiegel dokumentiert einen erneuten Beweis und zieht dieses Fazit: „Griechenland hat an der EU-Außengrenze ein System erschaffen, in dem Grenzschützer offenbar ungestraft Geflüchtete verprügeln können. Juristen sprechen von Folter.“
Aber die Betroffene wehrt sich – sie hat eine Beschwerde vor dem UNO-Menschenrechtsausschuss eingereicht. –
Von Giorgos Christides, Steffen Lüdke, Maximilian Popp und Bernhard Riedmann, Spiegel online, 2.2.2022: „Foltervorwürfe gegen griechische Grenzschützer
In der Hölle von Neo Chimonio
Griechische Beamte greifen zu immer brutaleren Mitteln, um Asylsuchende fernzuhalten. Nun wehrt sich eine junge Iranerin. Sie berichtet von Schlägen mit Holzknüppeln – und hat die Uno eingeschaltet.“
– Der Beitrag befindet sich hinter einer Bezahlschranke, die englische Version ist allerdings kostenlos verfügbar.

Aus Der Spiegel 6/2022:
„Nach SPIEGEL-Bericht: Ampelpolitiker kritisieren Brutalität des griechischen Grenzschutzes
»Das sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit«:

Politiker von Grünen und SPD reagieren entsetzt auf die Foltervorwürfe einer iranischen Asylbewerberin. Der griechischen Regierung droht zudem juristischer Ärger.Die Empörung in Brüssel und Berlin ist groß: Nach Foltervorwürfen gegen griechische Grenzschützer protestieren Politiker der Ampelparteien gegen die Gewalt an Europas Außengrenzen. »Das hat mit Grenzschutz nichts mehr zu tun, das sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit«, sagte der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt. »Die Bundesregierung muss zeigen, dass sie im Gegensatz zur EU-Kommission nicht wegschaut.«
Auch die SPD will die Zustände nicht hinnehmen. »Die Situation an den Außengrenzen ist beschämend für eine Union des Rechts«, sagt Lars Castellucci, migrationspolitischer Sprecher der Sozialdemokraten. Er will sich für ein externes »Grundrechtemonitoring« an den EU-Außengrenzen einsetzen, um die Grenzschützer zu kontrollieren, vergleichbar mit den Beobachtermissionen der OSZE. Die Jusos forderten, den Umgang der griechischen Regierung mit Schutzsuchenden zu verurteilen.“ weiterlesen

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