Parlamentswahl für 21. Mai festgelegt

Mitsotakis ließ sich viel Zeit, das Datum für die Wahl eines neuen Parlaments festzulegen. Heute war es dann so weit. Sie wird am 21. Mai stattfinden. Es könnte spannend werden, weil sich der Abstand zwischen Nea Dimokratia und SYRIZA seit dem verheerenden Zugunglück beständig verringert.
Außerdem ist von Bedeutung, dass es bei der Wahl am 21. Mai keinen Wahlbonus für die Partei mit den meisten Stimmen geben wird – SYRIZA hatte ihn abgeschafft. Deshalb ist es sehr gut möglich, dass SYRIZA und PASOK eine Koalition eingehen könnten, um gemeinsam eine Regierung zu bilden. Allerdings ist das Trauma von PASOK, durch SYRIZA als größte moderat linke Partei im Land abgelöst worden zu sein, so groß, dass es fraglich ist, ob PASOK eine solche Koalition – zumal als Juniorpartner – mittragen wird.
Folglich wird wahrscheinlich keine Regierung gebildet werden können und deshalb eine zweite Wahl wenige Wochen später notwendig sein. Bei dieser wird es wieder einen Wahlbonus geben, weil Nea Dimokratia ihn wieder eingeführt hatte.
Das läuft dann so: Bekommt die Partei mit den meisten Stimmen 25 Prozent der Stimmen, erhält sie zusätzlich 20 Extrasitze. Für jedes halbe Prozent mehr als 25 erhält sie einen weiteren Extrasitz. Bei 40 Prozent ist damit Schluss, d.h. sie würde dann 50 Extrasitze erhalten. Auch wenn sie noch mehr als 40 Prozent bekäme, würde sie weiterhin „nur“ 50 Extrasitze erhalten.

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Verfassungsbruch zur Wasserprivatisierung

AthensLive Wire Newsletter, 25.3.2023:
„Ein Gesetz, das einen entscheidenden Schritt in Richtung Wasserprivatisierung geht, wurde diese Woche nur mit den Stimmen der ND verabschiedet, da sich die SYRIZA der Stimme enthielt. Am selben Tag wurde ein Urteil des Staatsrats (Συμβούλιο της Επικρατείας) des obersten Verwaltungs- und Verfassungsgerichts Griechenlands, veröffentlicht. Demnach muss die Regierung die Aktien der Wasserunternehmen an den Staat zurückgeben. Das Gericht hat entschieden, dass es gegen die Verfassung verstößt, wenn diese Bestände privatisisert werden. Die Regierung hat sich nicht nur bis heute über das Gerichtsurteil hinweggesetzt, sondern auch den nächsten Schritt in Richtung Wasserprivatisierung getan.

Der Gesetzentwurf zur Wasserprivatisierung wurde am Mittwoch verabschiedet. Mit diesem Gesetzesentwurf änderte das Ministerium für Umwelt und Energie den Namen der Energieregulierungsbehörde in „Regulierungsbehörde für Abwasser, Energie und Wasser“ und erweiterte damit ihre Zuständigkeiten um die Wasserpolitik.

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Die Parallelwelt des K. Mitsotakis

Der Sunnyboy spricht davon, dass junge Menschen geopfert werden, um die Eisenbahn zu verbessern. Sein Minister macht eine Fernsehshow, um zu beweisen, dass die Eisenbahn ein automatisches Kontrollsystem hat, das aber nicht existiert. Eine strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen wird verhindert.

Mitsotakis: – ich persönlich übernehme die ganze Verantwortung zuzugeben, dass auch die anderen schuld sind. Interviewer: – Schöne Krawatte! (die Krawatte: – es ist ein tragischer menschlicher Fehler, wie auch immer, es ist eine lange Kette historischer Versagen, irgendwie, die anderen haben auch nichts getan, wir werden es wagen zu untersuchen… ) Bild und Text: Yorgos Konstantinou/ Imagistan

AthensLive Wire Newsletter, 25.3.2023:
„Die beste Art und Weise, das Opfer dieser jungen Menschen [die bei dem Zugunglück starben] zu rechtfertigen, besteht darin, dafür zu sorgen, dass sich das, was in Tempi geschah, in unserem Land nie wiederholen wird“: Das sagte der griechische Premierminister Mitsotakis im Athener Stadtteil Maroussi, wo er zum ersten Mal nach dem schrecklichen Zugunglück vom 28. Februar 2023 zu den Bürgern sprach.

Die Erklärung löste bei den Bürgern, aber auch bei den Oppositionsparteien Empörung aus. Der Premierminister sei sich „seiner Verantwortung überhaupt nicht bewusst“, erklärte die SYRIZA-Sprecherin Popi Tsapanidou. Die PASOK sagte, der Premierminister zeige „wie unbarmherzig er seine Macht ausübt, indem er den tragischen Tod von 57 Menschen als ‚Opfer‘ bezeichnet“. „Es war kein Opfer. Es war Mord“, erklärte DiEM25-Sprecher Kritharidis.

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Polizeibrutalität gegen Protestierende und der Ministerpräsident der Sündenböcke

Bauernopfer Polizeichef. Mitsotakis ist in der Defensive. Zu deutlich wurde, wie marode sein „moderner Staat“ und wie brutal seine Polizei ist. Der Chef der griechischen Polizei, Konstantinos Skoumas, wurde heute überraschenderweise abgesetzt und durch einen Nachfolger ersetzt.
Als Sündenbock ist der geschasste Skoumas im Moment für Mitsotakis nützlich, weil die Polizei sehr brutal auf die praktisch täglichen Proteste im ganzen Land reagiert hat, die seit dem verheerenden Zugunglück stattfanden. Eine ganze Reihe von Medien berichten von folgenden Informationen aus dem Ministerium, dem die Polizei unterstellt ist. Skoumas sei für die schlechte Organistion der Polizeieinsätze seit dem Zugunglück und dabei mangelnden Schutz der Bürger verantwortlich. In der öffentlichen Erklärung zur Entlassung klingt das dann so: „Die Ernennung des neuen Leiters der Polizei zielt auf die Verbesserung und positivere und effektivere Umsetzung der modernen Einsatzpläne der griechischen Polizei für die Sicherheit der Bürger ab.“ (1) Auch ein zweiter Grund für den Rauschmiss wird von Quellen im Ministerium genannt, über den der Entlassene bereits einiges öffentlich bekundet hat.

Der entlassene Polizeichef Skoumas
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Nicht nur die Eisenbahn…

…ist in Griechenland so marode, dass Menschenleben gefährdet sind.
Eine der längsten Brücken Griechenlands wurde heute gesperrt, weil sie gefährliche Risse hat. (1)

Es handelt sich um eine Brücke in Nordgriechenland 15 Kilometer südöstlich der Stadt Kozani. Sie ist eine der längsten Brücken Griechenlands, 1.372 Meter lang. „Sie ist eine der beiden Brücken über den Stausee von Polyfytos des Flusses Aliakmonas. Sie ist ein zentraler Punkt der Nationalstraße, die Westmakedonien mit Thessalien und Südgriechenland verbindet. Sie wurde 1972 vom Konsortium X.E.K.T.E. S.A. – SKAPANEUS S.A. in Zusammenarbeit mit dem italienischen Ingenieur Professor Ricardo Moranti gebaut und 1975 in Betrieb genommen. Im Jahr 2018 brach in Genua nach sintflutartigen Regenfällen eine von R. Moranti entworfene Brücke zusammen, was zum Tod von 43 Menschen führte.“ (2)

In sehr vielen Länden wurde aufgund der neoliberalen Politik die Infrastruktur vernachlässigt. Auch in Deutschland sind deswegen sehr viele Brücken in einem schlechten Zustand. Aber in Griechenland ist die Infrastruktur noch deutlch maroder.
Es geht auch um das Fliegen. Die griechischen Fluglotsen haben sofort nach dem verheerenden Zugunglück Alarm geschlagen: Es fehle an Personal und Sicherheitsüberwachung. (3)

Quellen:
(1) https://www.efsyn.gr/ellada/koinonia/382437_ekleise-i-gefyra-serbion-stin-kozani
(2) https://www.efsyn.gr/ellada/dikaiosyni/382164_eisaggeliki-parembasi-gia-ti-gefyra-serbion-isos-apagoreytei-synolika-i)
(3) https://www.sdna.gr/politiko-deltio/ellada/1063429_agonia-kai-gia-tin-aeronaytilia-oi-krisimes-elleipseis-kai-oi

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Alle Fraktionen des Europäischen Parlaments verurteilen die EU-Kommission wegen der Vertuschung von Mitsotakis‘ Abhörskandal

Von Maria Psara, efsyn 16.03.2023:
„Vertreter aller Fraktionen des Europäischen Parlaments übten heftige Kritik an der Europäischen Kommission wegen der Vertuschung des Abhörskandals der Regierung Mitsotakis. In der Debatte im Plenum, die auf Initiative des PEGA-Untersuchungsausschusses stattfand, wurde der Mangel an Initiativen der Kommission für eine aufrichtige Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament beklagt,
Der niederländische Abgeordnete und PEGA-Vorsitzende Jeroen Lenaers drückte seine „Empörung“ darüber aus, dass seit der Einsetzung der Kommission und während ihrer gesamten Arbeit bis heute „zwei Institutionen weder der Pflicht zur ehrlichen Zusammenarbeit nachgekommen sind noch angesichts einer ernsthaften Bedrohung wirksame Maßnahmen ergriffen haben: das gilt für die Kommission genauso wie für die Mitgliedstaaten.“ „Hunderte von Millionen europäischer Bürger verlangen Antworten, die wir nicht geben können, wenn Regierungen, die Spionageprogramme gekauft und eingesetzt haben, sich weigern, auch nur die einfachsten Fragen zu beantworten“, fuhr er fort.
… Der EU Kommissar Marent McGuinness antwortete im Namen der Kommission, dass die Kommission zwar die Initiative ergriffen habe, um Journalisten vor Überwachungspraktiken zu schützen, und dass sie die Mitgliedstaaten darauf hingewiesen habe, dass sie zwar für ihre nationale Sicherheit verantwortlich seien, dies aber im Einklang mit den Gemeinschaftsvorschriften tun müssten, dass sie aber gleichzeitig nicht für die Untersuchung von „Einzelfällen“ zuständig sei.
Die Antwort des Kommissars löste noch stärkere Reaktionen aus: Im Namen der Fraktion der Sozialisten und Demokraten bemerkte Haines Heide, dass der Europaabgeordnete und PASOK-Vorsitzende Nikos Androulakis unter dem Vorwand, er sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit des Landes, überwacht wurde, „aber wir haben keinerlei Erklärung erhalten, warum er eine Bedrohung darstellt“.

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Wut auf das politische System

Thessaloniki, 8. März

Von Florian Schmitz, Deutsche Welle 13.3.2023;
„Das Zugunglück von Larissa hat ein politisches und soziales Erdbeben ausgelöst. Die Trauer ist in Wut auf die Regierung umgeschlagen. Die bemüht sich wenige Wochen vor den Wahlen um Schadensbegrenzung.
„57 Tote“ steht in blutroter Farbe auf einem Aufkleber, den sich eine Demonstrantin auf ihren Pullover geklebt hat. Jeder hier in Thessaloniki, Griechenlands zweitgrößter Stadt, versteht sofort, was gemeint ist: Die Zahl steht für die Todesopfer der verheerenden Zugkatastrophe von Tempi, einem Dorf in Nordgriechenland. Am 28. Februar 2023 waren dort, in der Nähe der Stadt Larissa, zwei Züge mit höchster Geschwindigkeit zusammengeprallt.
Die 58-jährige Demonstrantin ist eine der Hunderttausenden von Menschen, die sich am Mittag des 8. März in über 50 Städten Griechenlands auf den Straßen versammelt haben.
Für sie und die etwa 20.000 Menschen, die dicht gedrängt im Zentrum von  Thessaloniki stehen, handelt es sich bei der Tragödie um politisches Totalversagen: „Das zeigt doch, dass alle, die regieren und regiert haben, nicht unser Wohl im Kopf haben, sondern nur ihre eignen Gewinne. Dieses Verbrechen sagt doch alles“, sagt sie entrüstet.
Das Wort Verbrechen liest man überall auf den Plakaten der Demonstrierenden. Auf vielen Bannern steht das Wort „Mörder“ geschrieben. Doch der Protest richtet sich nicht nur gegen die derzeitige Regierung, sondern auch gegen ihre Vorgänger. Menschen jeglicher politischer Couleur und aller Altersgruppen demonstrieren gemeinsam und sind sich einig: Das politische System in seiner Gesamtheit hat die Toten von Tempi zu verantworten.“

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Riesige Proteste gegen den verantwortungslosen Staat – eine neue Bewegung?

Demonstration heute, am 12.3.2023. Seitdem im Zug Athen-Thessaloniki am 28.2.2023 fast 60 Menschen starben, wird täglich protestiert, gestreikt und angeklagt. Siehe dazu Fotos von den heutigen Protesten aus mehreren Städten: Tempi: Die neue grandiose Rallye im Syntagma nach der Eisenbahntragödie | in.gr. Für Donnerstag dieser Woche ist ein Generalstreik angekündigt worden. Ist eine eine neue Bewegung gegen den Staat des Profites entstanden?

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Viome ist in Gefahr

Von Monika, Griechenland Solidaritätkommitee Köln:
AUFRUF ZUR INTERNATIONALEN SOLIDARITÄTSWOCHE    
#defendViome

OFFENE SOLIDARITÄTSINITIATIVE im Kampf für VIOME

Seit einem Jahrzehnt ist VIOME die einzige selbstverwaltete Fabrik in Griechenland, in der die ArbeiterInnenkontrolle der Produktion praktiziert wird. Sie ist ein Knotenpunkt in einer Kette globaler Kämpfe revoltierender Menschen, die ihre Würde verteidigen gegen den kapitalistischen Frontalangriff, der über den Planeten hinwegfegt: von Rojava bis Chiapas, von den Gelbwesten Frankreichs bis zu Black Lives Matter in den USA, von den besetzten Fabriken Argentiniens bis zu den Landlosen Brasiliens und Südafrikas, von den Aufständen im Iran und Chile bis zu den allgegenwärtigen Kämpfen gegen die Privatisierung der Gemeingüter und die Plünderung der Natur. 

Vor zehn Jahren begannen die ArbeiterInnen der VIOME in der von den Bossen verlassenen Fabrik mit der Produktion von ökologischen Reinigungsmitteln. 

Gegen die Angriffe des Staates und des Kapitals hat VIOME dank der Unterstützung einer riesigen Solidaritätswelle, die sich lokal und international formierte, gekämpft und überlebt. 

Gleichzeitig wurde die besetzte Fabrik zu einem sehr wichtigen Ort des Kampfes, der Kreativität und der Kultur: autonome Märkte, Koordination der ArbeiterInnen von rückeroberten Fabriken und kämpferischen Kooperativen aus aller Welt, die erste Sozialklinik für ArbeiterInnen in Griechenland, Festivals, künstlerische und visuelle Events, Theateraufführungen, Filmvorführungen, Konzerte, politische Debatten, Solidaritätsaktionen für Flüchtlinge und MigrantInnen.

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Yorgos: der Krieg gegen Geflüchtete

Veröffentlicht unter Allgemein, Bild: Yorgos Konstantinou, Geflüchtete., Pushbacks, Yorgos Konstantinou | Hinterlasse einen Kommentar