Griechenland erlaubte Predator-Verkauf an sudanesche Terrormiliz

Collage aus dem Artikel des lighthousereports (1)

Weltweit ist die Empörung über die grausamen Morde an Zivilisten im Sudan groß. Zwei Militärdiktatoren bekämpfen einander, um die Macht und damit die Profite im Land zu besitzen. Einer der beiden ist der vielleicht reichste Mann des Sudan, Mohamed Hamdan Dagalo, genannt Hemetti, dessen Miliz schon seit langem für ihre Grausamkeit berüchtigt ist. Schon im sogenannten Dafur-Konflikt hat er zugegeben, für Massaker und Vergewaltigungen im Jahre 2004 verantwortlich gewesen zu sein. (1)
Ausgerechnet an ihn wurde aus Griechenland Predator-Software verkauft. Und die Regierung Mitsotakis erteilte dafür die Genehmigung. Der Regierungssprecher sprach noch vor wenigen Tagen davon, Syriza würde Verschwörungstheorien in die Welt setzen, wenn sie dies behaupte. Gestern, am 19.4.2023, wurde dann aber die Tatktik gewechselt und zugegeben, dass es stimmt. Der stellvertretende Minister für europäische Angelegenheiten, Miltiadis Varvitsiotis sagte in einem Radiointerview, dass Predator-Software aufgrund einer Genehmingung durch die Regierung an den Sudan verkauft worden sei. Er fügte sogleich hinzu, das habe mit dem Bürgerkrieg im Lande nichts zu tun. (2)

Natürlich nicht. Diese Regierung weiß von nichts. Ist an nichts schuld und kann deshalb auch für nichts die Veranstwortung übernehmen.

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Mardini-Prozess: neue Schikane der Justiz

Schon 2019 setzte Amnesty International sich für die verfolgten Flüchtlingshelfer ein

Der unglaubliche ERCI-Prozess (1) gegen Flüchtlingshelfer geht mit der nächsten Farce weiter. Sara Mardini war 2018 dreieinhalb Monate im griechischen Gefängnis eingesperrt. Seitdem läuft ein Verfahren gegen sie und 23 weitere Angeklagte. Ihnen drohen viele Jahre Gefängnis. Medien in vielen Ländern haben Sara Mardini, eine der Angeklagten, mittlerweile Millionen Menschen vorgestellt. Das hindert die griechische Justiz nicht daran, lächerliche Manöver zu ihrer Kriminalisierung, ohne ernsthafte juristische Rechtfertigung zu unternehmen.
Mardini wurde für das Retten von Geflüchteten 2016 mit dem bekannten Medienpreis „Bambi für Stille Helden“ ausgezeichnet. Netflix veröffentlichte 2022 einen zwei Stunden langen Spielfilm über ihr Leben (2), 2023 folgte ein 89 Minuten langer Dokumentarfilm (3).
Im Januar 2023 wurde zwar ein Verfahren wegen Ordnungswidrigkeit eingestellt, aber gleichzeitig läuft ein zweites Verfahren, in dem den selben Angeklagten viel schwerere Vergehen vorgeworfen werden. Nun stellt sich aber heraus, dass auch das Verfahren wegen Ordnungswidrigkeit noch fortgesetzt wird.
Wenn diese Verzögerungstaktik so fortgeführt wird wie bisher, dann wird es erst in 15 Jahren zu einer tatsächlichen Beendigung des Verfahrens kommen (4).

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Neue „Ohrfeige“ gegen Mitsotakis durch EU-Parlaments-Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres

Sophie in ‚t Veld berichtet die Ergebnisse des Ausschusses (Link zu Video)

Documentonews.gr 14.4.2023:
„Der LIBE-Ausschusses (für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres) des Europäischen Parlaments war im März nach Griechenland gekommen, um eine Reihe von Gesprächen zu den Beschwerden bezüglich der Rechtsstaatlichkeit und des Abhörskandals durchzuführen.
Der jetzt veröffentlichte Berichtsentwurf des LIBE-Ausschusses ist eine vernichtende Anklage gegen die Regierung Mitsotakis. Er betont auch, dass der Ausschuss Einladungen zu Treffen u.a. an den Premierminister, den Justizminister und den Staatsanwalt des Obersten Gerichtshofs geschickt hatte, diese aber nicht stattfanden.
Im endgültigen 19-seitigen Entwurf des Berichts vom 11. April 2023, macht der Ausschuss keinen Hehl aus seiner Besorgnis darüber, dass viele Journalisten in Griechenland „physischen Drohungen, verbalen Angriffen, auch von hochrangigen Politikern und Ministern, sowie der Verletzung ihrer Privatsphäre durch Spionageprogramme oder SLAPPs (1) ausgesetzt sind“.
In den Schlussfolgerungen wird unter anderem hervorgehoben, dass „Griechenland über einen soliden institutionellen und rechtlichen Rahmen, eine lebendige Zivilgesellschaft und unabhängige Medien verfügt“, jedoch: „Es wird ernsthafte Besorgnis über sehr ernste Bedrohungen der Rechtsstaatlichkeit und der Grundrechte geäußert“.
Ferner heißt es in dem Bericht: „Die Organisationen der Zivilgesellschaft stehen unter enormem Druck und das Justizsystem ist extrem langsam und ineffektiv, was zu einer Logik der Straflosigkeit führt“.

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Regierung und Justiz auf dem rechten Auge blind

Neonazi Ilias Kasidiaris

Man stelle sich vor, ein wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Anstiftung zum Mord verurteilter Linksradkaler würde versuchen, aus dem Kanst heraus Wahlkampf zu führen. Die Obrigkeit in Griechenland würde sofort Mittel und Wege finden, das zu unterbinden.
Seit vielen Monaten kann der führende Neonazi Kasidiaris genau das ungehindert tun. Er führt mit seiner neugegründeten Neonazi-Partei aus dem Gefängnis heraus einen effektiven Wahlkampf – völlig illegal. Aber niemand stoppt ihn.

Von Helena Smith Guardian 14 April 2023:
„Seit zwei Jahren wendet sich Ilias Kasidiaris, ein verurteilter Anführer der inzwischen aufgelösten Neonazi-Partei Goldene Morgenröte, vom Domokos-Gefängnis in Mittelgriechenland aus über soziale Medien an seine Anhänger.
Monat für Monat hat der ehemalige Abgeordnete in hasserfüllten Reden gegen die Unfähigkeit des „korrupten politischen Regimes“ gewettert, das Land zu regieren. Für seine 134.000 Abonnenten auf YouTube sind die Ermahnungen ein Rettungsanker für Kasidiaris und die Hellenen, die kleine nationalistische Partei, die er kurz vor seiner Verurteilung zu 13,5 Jahren Haft wegen seiner Rolle in der Goldenen Morgenröte gegründet hat. Und es scheint sich auszuzahlen.
Dreißig Monate, nachdem die gewalttätige neofaschistische Gruppe als kriminelle Bande entlarvt wurde, die sich als politische Organisation getarnt hatte – mit Angriffen auf Einwanderer, der Ermordung eines griechischen Rappers und Angriffen auf Linke -, scheint die Anziehungskraft des für seine Kurzatmigkeit bekannten Kasidiaris nicht nachgelassen zu haben.
„Im Gegenteil, sie scheint zu wachsen“, sagt Kostis Papaioannou, Leiter von Signal, einer Forschungsgruppe, die den Rechtsextremismus untersucht. „Man hat ihm sogar die Möglichkeit gegeben, von seiner Zelle aus Radiosendungen zu veranstalten, und er hat die sozialen Medien sehr effektiv genutzt, um unter den jungen Leuten Unterstützung zu finden. Das ist besorgniserregend. Wenn morgen Parlamentswahlen stattfinden würden, würde seine Partei wahrscheinlich die 3 %-Hürde überschreiten, um ins Parlament einzuziehen.

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Kugeln gegen Recherchen

Ähnliche Fälle? Ermordete Journalisten: Caruana Galicia (Malta), Kuciak (Slowakei) und Karaivas (rechts)

Vor zwei Jahren ermordeten Auftragskiller den prominenten Journalisten Yorgos Karaivaz auf offener Straße.
Er hatte über die Verbingungen der griechischen Mafia mit Polizeikreisen recherchiert.
Obwohl der Fall sofort große internationale Aufmerksamkeit erregte und Mitsotakis persönlich versprach, der Mord werde mit Priorität bearbeitet werden, passierte bis heute nichts.
Zahlreiche Journalistenorganisationen und führende Presseorgane in vielen Ländern wiesen sehr schnell auf die Bedeutung für den Journalismus in Griechenland hin. Eine ganze Reihe von Mitgliedern des Europäischen Parlaments sprachen den Mord immer wieder an (1). Viele Journalisten in Griechenland fühlen sich seither bedroht.
Thodoris Chondrogiannos, Nikolas Leontopoulos und Christoforos Kasdaglis beschreiben in ihrem Artikel „Die drei Begräbnisse von Yorgos Karaivaz“, der am 9. April 2023 auf der Netzseite von Reporters United veröffentlicht wurde (1), drei Gründe für das große Misstrauen bezüglich des Willens der griechischen Regierung, die Mörder zufinden.

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Liebe EU, wo hast du die Menschenrechte versteckt?

Bild: Yorgos KonstantinouImagistan

Wir packen’s an:
„Frohe Ostern, Europa.
Schüsse auf Boote mit flüchtenden Menschen im Mittelmeer, besorgniserregende Abschiebungen, Gewalt und Tod an den EU-Außengrenzen. All das steht im starken Kontrast zum jetzigen Osterfest. Wo sind unsere europäischen, aufgeklärten Werte? Unsere Menschenrechte? Unsere Würde?
Es bricht uns das Herz von schutzsuchenden Kindern zu erfahren, die depressiv sind und Selbstmordgedanken aussprechen.
Das ist eine Krise der Menschlichkeit und eine Krise der Menschenrechte! Nicht wegen Korruption oder Inkompetenz vereinzelter Regierungen, sondern vielmehr eine beabsichtigte Folge einer europäischen Politik, um Schutzsuchende abzuschrecken. Es braucht endlich ein gesellschaftliches und politisches Beben!
Wo hast du nur die Menschenrechte versteckt, Europa?“
https://wir-packens-an.info/

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Europarat: Zu viele Personen werden in Griechenland unter menschenunwürdigen Haftbedingungen festgehalten

Internetseite des Europarats:
„Das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (CPT) – ein Organ des Europarates – hat einen Bericht über seinen Besuch veröffentlicht, den es von 22. November bis 1. Dezember 2021 Griechenland abgestattet hat, um die Behandlung von Personen zu untersuchen, die in Gefängnissen festgehalten werden, und um den Fortschritt zu bewerten, den die Behörden bei der Umsetzung der in den letzten zehn Jahren formulierten Empfehlungen erzielt haben. Diese Empfehlungen betreffen vor allem Überbelegung und schlechte Haftbedingungen, Gewalt unter Insassen, gravierenden Personalmangel und unzureichende Gesundheitsversorgung…“ weiterlesen

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Wer weiß schon, dass der neoliberale Sunnyboy die Demokratie in Griechenland schleift?

Bild: Yorgos KonstantinouImagistan

Auf einer dreieinhalbstündigen Veranstaltung am 24.3.2023 in Berlin war darüber sehr viel zu erfahren. – Eine Zusammenfassung der Inhalte der Veranstaltung „Die Orbanisierung Griechenlands – das autoritäre System des Kyriakos Mitsotakis“ – mit Ausblicken.

Zwei Griechen haben über autoritäre Entwicklungen in ihrem Land berichtet. Beide sind Experten für diese Themen und auch selbst Betroffene. Sie wurden persönlich Opfer des Angriffes auf die Demokratie.
Der investigative Journalist Stavros Malichudis sprach über autoritäre Tendenzen in unterschiedlichen Bereichen.
Um die Pressefreiheit ist es sehr schlecht bestellt. In einem Ranking von „Reporter ohne Grenzen“ ist Griechenland das europäische Land mit der geringsten Pressefreiheit. Im Vergleich mit außereuropäischen Ländern schneidet es sogar schlechter ab als manche Diktaturen. Es gibt nur eine einzige Presseagentur und die Mainstreammedien wiederholen zumeist wortwörtlich das, was die Regierung verlautbaren lässt.
Journalisten werden bedroht, Regierungsvertreter üben Rufmord an ihnen aus. Es werden sogar Journalisten ermordet. Der bekannte Finanzjournalist Giorgos Karaivaz wurde auf offener Straße hingerichtet. Er hat vor allem die Verwicklung von Behördenmitarbeitern mit Wirtschaftsverbrechen untersucht. Viele Mitglieder des Europaparlaments haben kritisiert, dass auch zwei Jahre nach dem Mord noch keinerlei Spuren zu den Auftraggebern des Mordes gefunden wurden. Man hat den Eindruck, dass der griechische Staat kein Interesse daran hat, den Fall aufzuklären. Es erinnert an vergleichbare Vorfälle in der Slowakei und auf Malta.
Ein aktuelles Beispiel für die Medienmanipulation: Am Sonntag, den 2.4.2023 fand in Thessaloniki ein riesiges Konzert mit namhaften Künstlern gegen die Wasserprivatisierung statt. Die Mainstreammedien berichteten einfach nicht darüber.
Nicht umsonst spricht man in Griechenland schon lange von einem „Dreieck der Sünde“ angesichts der engen Verflechtung von Politik, Wirtschaft und Medien. Die großen Reeder besitzen in der Regel TV-Stationen, Zeitungen und einen Fußballverein.
Die Berichterstattung der Medien wird wesentlich von der Staatspropaganda des Mitsotakis-Systems beeinflusst.
Regierungsvertreter und auch der Ministerpräsident selbst scheuen nicht vor persönlicher Verunglimpfung und vor dreisten Lügen zurück.
Ich nenne hier nur zwei Beispiele dafür. Als die Überwachung des Vorsitzenden der Partei PASOK, Nikos Androulakis, bekannt wurde, streuten Regierungskreise, der armenische und der ukrainische Geheimdienst hätten diese Überwachung gefordert. Was natürlich Blödsinn und nur ein Ablenkungsmanöver war.
Ein zweites Beispiel: Die Regierung war trotz dramatisch hoher Zahlen von Toten aufgrund der Coronapandemie nicht bereit, das öffentliche Gesundheitswesen zu stärken. Folge war, dass es auf den Intensivstationen nicht genug Betten für die vielen Kranken gab, die künstlich beatmet (intubiert) werden mussten. Damit konfrontiert behauptete Mitsotakis im Parlament, es gäbe keinerlei Beweise dafür, dass Intubierte auf Intensivstationen behandelt werden sollten. Dabei gab es zu diesem Zeitpunkt bereits eine umfangreiche griechische wissenschaftliche Studie, die bewies, dass die Wahrscheinlichkeit zu sterben für Intubierte außerhalb von Intensivstationen sehr viel höher ist. Die Veröffentlichung dieser Studie war von der Regierung unterdrückt worden.

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Videos der Veranstaltung „Die Orbanisierung Griechenlands – das autoritäre System des Kyriakos Mitsotakis“ am 24.3.23

Wer weiß schon, dass der neoliberale Sunnyboy die Demokratie in Griechenland schleift?
Die Veranstaltung war mit ca. 130 Personen sehr gut besucht. Die Menschen aus dem Publikum, die sich zu Wort meldeten, bedankten sich für die wichtigen, auch schockierenden Informationen über die Entwicklungen in Griechenland, die die beiden griechischen Aktivisten gegeben hatten. Der Journalist Stavros Malichudis berichtete über die vielfältigen Eingriffe in die Unabhängigkeit der Justiz. Sie wird immer häufiger zum Erfüllungsgehilfen der Macht. Bei Korruptionsskandalen wurden die Whistleblower und sogar Staatsanwälte verfolgt und vor Gericht gestellt. Diejenigen, die bestochen hatten, gingen frei aus.
Die allermeisten Medien betätigen sich als Sprachrohr der Mächtigen. Es gibt Bedrohungen gegenüber Journalisten vom Rufmord bis hin zum Mord. Malichudis berichtete von Gesprächen mit ungarischen Kollegen, die die Entwicklung der Medien in beiden Ländern als ähnlich bezeichneten.
Mitsotakis hat ein extremes System der Überwachung installieren lassen, von dem nicht nur seine Kritiker, sondern auch die höchsten Militärs und Minister seiner eigenen Regierung, ja selbst enge Verwandte von ihm selbst betroffen sind.
Die Zustände in den meisten Gefängnissen sind unmenschlich. Malichudis berichtete von übermäßiger Polizeigewalt gegen Oppositionelle und andere, bis hin zu Folter und Erschießen unbewaffneter Jugendlicher.
Der Seenotretter Iasonas Apostolopoulos berichtete über den Kampf der griechischen Regierung gegen Geflüchtete und Flüchtlingshelfer. Dieser Kampf wird mit sehr ähnlichen Mitteln geführt wie die Entdemokratisierung in anderen Bereichen – nur noch brutaler. Es ist der Regierung gelungen, die gesamte Seenotrettung in der Ägäis zu zerschlagen.

Nach dem ersten Teil mit den Inputs der beiden Griechen folgte noch ein zweiter Teil der Veranstaltung, in dem drei deutsche Politker:innen aus dem Europaparlament und dem Bundestag, von der Linken, den Grünen und der SPD von ihren Strategien, der griechischen Entdemokratisierung etwas entgegen zu setzen, berichteten.
Aber hören und sehen Sie selbst!

Kamera: Ulrich Jossner

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Warum das griechische Zugunglück auch ein europäisches Versagen ist

[Diesen Beitrag hatten wir in seiner englischsprachigen Version bereits am 31.3.2023 gepostet unter dem Titel „Die griechische Tragödie ist eine europäische – und eine des Kapitals„]

Von Eurydice Bersi, Investigate Europe 10. März 2023:
„Griechenland erlebt den schlimmsten Zugunfall seiner Geschichte. Eine gemeinsame Recherche mit unserem griechischen Partner Reporters United enthüllt neue Details über das wahre Ausmaß der Fehler und des Missmanagements der Beteiligten.
Der schreckliche Zusammenstoß in Griechenland in der vergangenen Woche mit bislang 57 Todesopfern war eine Katastrophe, die zu erwarten war. 
Am späten Abend des 28. Februar bemerkte niemand, dass ein Personenzug und ein Güterzug 12 Minuten lang auf demselben Gleis bei Tempe aufeinander zurasten. Der Bahnhofsvorsteher von Larissa, der den tödlichen Fehler begangen hat, ist ein 59-jähriger ehemaliger Portier, der im vergangenen Jahr eine Ausbildung absolvierte. Er hatte nur begrenzte Unterstützung durch ein teilweise funktionierendes Kontrollsystem, das nur den Standort der Züge in der Umgebung von Larissa anzeigte. Sobald sie sich einige Kilometer aus der Stadt heraus bewegten, erblindete es. 
Während das Land von Trauer und einem nie dagewesenen Ausmaß an Wut erfüllt ist und landesweite Proteste stattfinden, hat die Frage nach den Ursachen auch eine europäische Dimension.
Die Personalausstattung bei den griechischen Eisenbahnen liegt weit unter dem, was es für den sicheren Betrieb des Netzes braucht. Auch die Trennung von Schienen- und Personenverkehrsdiensten, eine Voraussetzung für die Privatisierung, hat zu einem Zusammenbruch der Sicherheitskoordination geführt. Ersteres ist eine direkte Folge der Politik, die dem Land seit 2010 von seinen EU-Gläubigern auferlegt wurde. Das Zweite resultiert aus dem Beharren der EU-Kommission auf der Trennung von Schienen- und Bahnbetrieb.
Die Unternehmen, die die Bahnen betreiben und die Sicherheitsverbesserungen einführen, sind nicht griechisch. Die vollständig privatisierte Bahngesellschaft für den Personenverkehr gehört zur italienischen Ferrovie-dello-Stato-Gruppe. Mit der Installation eines neuen automatischen Signalsystems von Athen bis zur Nordgrenze ist das französische Unternehmen Alstom beauftragt. Bis 2016 sollte das System geliefert werden. Aber noch immer ist es nicht in Betrieb. Wäre das System bereits installiert gewesen, hätte der Unfall verhindert werden können, glauben Experten.“ weiterlesen

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