Show business as usual?

Foto: Büro des Premiers, Fotograf Andrea Bonetti

Von Ralf Kliche
Vor wenigen Tagen wurde hier auf den Artikel von Wassilis Aswestopoulos verwiesen, in dem er die Eröffnung des ersten U-Bahnhofs in Thessaloniki durch Alexis Tsipras als Präsentation eines Potemkinschen Dorfes beschrieb. (1) Zum Vorteil der eigenen Mediendarstellung im Wahlkampf für die anstehenden Kommunalwahlen wurde in einem Spektakel ein teilweise fertig gestellter Bahnhof symbolisch für die ganze Metro von Thessaloniki „eingeweiht“. Selbst aus der Rede des Vorsitzenden der Betreibergesellschaft bei dem Festakt wurde deutlich, dass ein regulärer Betrieb auf der ersten Ausbaustrecke (13 Stationen) nicht vor 2020 erfolgen kann. (2) Dann aber ist Tsipras vielleicht nicht mehr Ministerpräsident.

Die mediale Reaktion darauf dürfte in gewisser Weise verallgemeinerbar für den Umgang mit den „Erfolgen“ der „linken Regierung“ sein und soll deswegen hier ergänzt werden. Aswestopoulos verweist auf die wohlwollende Reaktion der Zeitung der Redakteure EFSYN, die die Ereignisse mit ihrer Überschrift „aufhübsche“: „Der erste fertige Bahnhof der Metro in Thessaloniki öffnet für die Allgemeinheit“. (3) Andere linke Plattformen haben ganz anders berichtet. Unter dem Titel „Einweihung in einem Becken ohne Siphon“ erregte sich Konstantinos Poulis bei ThePressProject (TPP) heftig über diese „Beleidigung unserer Aufklärungsarbeit“. (4) Man könne ja auch nicht von einer Küche sprechen, wenn man dort nicht kochen kann. Weiterlesen

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„Grundrechte sind keine Ehrenauszeichnung. Drei Migranten retten Griechen das Leben und erhalten dafür die Staatsbürgerschaft / Wer Geflüchtete rettet, wird kriminalisiert“

Auf Agathonisi landen immer wieder Flüchtlingsboote. In dieser Bucht sammelt sich seit Jahren das Treibgut von Bootswracks, Schwimmwesten und anderen Überbleibseln von Schiffbrüchigen

Von Lou Zucker, Neues Deutschland, 03.01.2019:
„Staatsbürgerschaft bedeutet Zugang zu Grundrechten. Sie ist »das Recht, Rechte zu haben«, wie es die politische Theoretikerin Hannah Arendt ausdrückt. Staatsbürgerschaft ist keine Ehrenauszeichnung, die einem nur aufgrund besonderer Leistung zugedacht werden sollte. Genauso aber hat die griechische Regierung sie verwendet, als Präsident Prokopis Pavlopoulos drei migrantischen Fischern am 2. Januar die griechische Staatsbürgerschaft verlieh. Der Grund: Sie hatten vergangenen Juli Griechen aus dem Meer gerettet, die von schweren Waldbränden eingeschlossen und ins Wasser geflüchtet waren.
Einen ähnlichen Fall hatte es im September in Frankreich gegeben. Der malische Migrant Mamoudou Gassama erhielt die französische Staatsbürgerschaft nachdem er mit bloßen Händen vier Stockwerke eines Wohnblocks hochgeklettert war, um ein Kind zu retten, das von einem Balkongeländer hing.“ weiterlesen

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Novartis – die nächste Runde

NovartisRalf Kliche berichtete über die staatsanwaltlichen Vorwürfe der vieltausendfachen Bestechung durch den Pharmariesen Novartis und darüber, dass die griechische Staatsanwaltschaft 10 griechische Politiker, davon zwei ehemalige Ministerpräsidenten beschuldigt, sich der Bestechung, der passiven Bestechung und der Untreue im Dienst schuldig gemacht zu haben. Dieser Skandal geht jetzt in die nächste Runde, wie Elisa Hübel am 3. Januar 2019 in der Griechenlandzeitung berichtet:
„Der Novartis-Fall zieht in Griechenland zu Beginn des neuen Jahres erhebliche Kreise. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde der frühere Regierungsberater Nikos Maniadakis auf dem Athener Flughafen festgenommen; sein Pass wurde eingezogen.
Der Gesundheitsprofessor und Technokrat ist einer von drei geschützten Zeugen in der Novartis-Affäre gewesen. Eigenen Angaben zufolge sei die Staatsanwaltschaft über seinem geplanten Umzug nach Madrid informiert gewesen. Diese Information konnte nicht bestätigt werden. Maniadakis muss sich nun für passive Bestechung verantworten. In einem Fernsehinterview hat er festgestellt, dass ihm von einem dritten Zeugen vorgeworfen worden sei, 120.000 Euro Schmiergelder angenommen zu haben. Maniadakis gilt als Experte im Pharmabereich und vor allem bei der Gestaltung des Preisgefüges. Zwischen 2010 und 2015 hat er mehrere Gesundheitsminister beraten.“ weiterlesen

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„Großer Bahnhof in Thessaloniki bei der Einweihung einer U-Bahn ohne Bahnen“

Foto: Büro des Premiers, Fotograf Andrea Bonetti

Von Wassilis Aswestopoulos, Telepolis, 01. Januar 2019:
Griechenlands Wahlkampffieber und seine Auswüchse
Potemkin hätte seine Freude an ihm gehabt. Der griechische Premierminister Alexis Tsipras weihte am Samstag, den 29. Dezember 2018, die Metro in Thessaloniki ein. Hat Thessaloniki, offiziell als Nebenhauptstadt Griechenlands bezeichnet, nun endlich eine Untergrundbahn?
Wenn man der Regierung Glauben schenken darf, dann ist wie Tsipras und die Staatsministerin für Makedonien und Thrakien Katerina Notopoulou am Samstag feierlich verkündeten, die „Metro von Thessaloniki“ kein Witz mehr, sondern vielmehr endlich Realität. Giannis Mylopoulos, der Vorsitzende der Attiki-Metro, der Gesellschaft, die neben der Metro Athens nun auch noch die Metro in Thessaloniki betreut, postete stolz bei Facebook: „Am Samstag, den 29. Dezember, verabschieden wir das Jahr 2018 und empfangen das Jahr 2019, ein Jahr, in dem die Metro in die Schienen für Probefahrten gelegt wird.“ Für Mylopoulos endet damit das Jahr mit dem 29. und nicht mit dem 31. Dezember.“ weiterlesen

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Lesbos und die Mehrwertsteuererhöhung

Jahrelang zwangen die europäischen Institutionen Griechenland zu Mehrwertsteuererhöhungen. Auch die Ausnahme für die fünf Inseln mit den meisten Geflüchteten musste hart erkämpft werden. Jetzt traut die griechische Regierung sich, die Ausnahmeregelung sechs Monate zu verlängern. Die europäischen Kontrolleure werden wohl „großzügig“ zustimmen, aber sicherlich mit erhobenem Zeigefinger.
Siehe den Beitrag aus der Griechenlandzeitung vom  1. Januar 2019:
Niedrigere Mehrwertsteuersätze für „Flüchtlings-Inseln“ auch 2019
Die fünf Ägäis-Inseln Lesbos, Chios, Samos, Kos und Leros kommen auch im Jahr 2019 in den Genuss reduzierter Mehrwertsteuersätze (Mwst) für verschiedene Waren sowie Dienstleistungen.“  weiterlesen

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Der nächste Winter auf Lesbos

Foto: Salam Aldeen

2018 gab es zwei gute Nachrichten für die Flüchtlingshelfer auf Lesbos: Salam Aldeen und fünf weitere Helfer wurden im Mai freigesprochen. Im Dezember wurden Sarah Mardini und die anderen Aktiven der Flüchtlingshilfeorganisation ERCI aus der Untersuchungshaft entlassen. Salam Aldeen ist auf Lesbos geblieben, wo er sich unermüdlich für die Geflüchteten einsetzt. Hier ein neuer Beitrag von ihm: Weiterlesen

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[Saarbrücken] „Bilder für Griechenland“ am 5.Juni 2019

Neue Bilder für Griechenland präsentiert der Maler Till Neu im Rahmen einer Ausstellung am 5. Juni 2019 in der >Kettenfabrik, Augustinerstrasse 10 von 18 – 22 h.

Die Bilder des Künstlers Till Neu aus Saarbrücken erzählen von Geschichte, Kultur und Mythen Griechenlands. Auch Krieg und Besatzung durch die deutsche Wehrmacht sowie Not und Armut in heutiger Zeit werden in konfrontativen Arbeiten thematisiert.

Till Neu zeigt kleinformatige Werke, Kunstpostkarten und Plakate. Ein griechisches Buffet, Wein und Musik geben der Begegnung mit dem Künstler einen ansprechenden Rahmen auf für einen Austausch über Ökonomie, Politik und Kunst.

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„Experten befürchten Wassermangel in Griechenland“

Von Elisa Hübel, Griechenland Zeitung, 31. Dezember 2018:
„Griechenland könnte künftig mit deutlich zunehmendem Wassermangel konfrontiert werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des gemeinsamen Forschungsdienstes der Europäischen Kommission (JRC).
Von einer ähnlichen Situation betroffen sind demnach auch Spanien, Italien und Zypern. Nach Einschätzung der Wissenschaftler ist dieses Phänomen zwischen 80 bis 90 Prozent dem Klimawandel zuzuschreiben. Als weitere Ursachen gelten eine ungeeignete Bewirtschaftung von Agrarflächen und Defizite bei der allgemeinen Wasserverwaltung.“ weiterlesen

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[Berlin] Filme und Diskussion zu „Migration und Sexualität“ am 14. Juni 2019

14. Juni 2019, 19.30 Uhr
Prinzessinnengarten Kreuzberg, Prinzenstr. 35-38

Aus der Nacht heraus – Film Fest, die Soligruppe der hellenischen Gemeinde zu Berlin Εκτός Έδρας – Auswärts und Prinzessinnengarten Kreuzberg präsentieren

„Frühling“ von Nikos Ziogas, 2018, 10 Min.
„Am Rande der Stadt“ von Constantinos Giannaris, 1999, 90 Min
Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Vor der Vorführung findet eine offene Diskussion mit
Gülden Ediger und Alex Alvina Chamberland:

Migration ist kein Phänomen der Natur, ist aber ein natürliches Phänomen in der Gesellschaft, das Folgen sowohl für das Leben der immigrierenden Person als auch für die Gesellschaft selbst herbeiführt. Die Frage nach der Identität kommt in den Minderheitsgesellschaften immer wieder in den Vorschein.
Gemeinsam mit der PhD Studentin Gülden Ediger und der Migrantin Alex Alvina Chamberland diskutieren wir über den Aspekt der Sexualität in der Identitätswandlung und -bestimmung der migrantischen Person.

Los geht es ab 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen!

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Το φεστιβάλ Aus der Nacht heraus – Film Fest, η ομάδα αλληλεγγύης της Ελληνικής Κοινότητας Βερολίνου Εκτός Έδρας – Auswärts και το Prinzessinnengarten Kreuzberg παρουσιάζουν τις ταινίες:
„Άνοιξη“ του Νίκου Ζιώγα, 2018, 10′
„Από την άκρη της πόλης“ του Κωνσταντίνου Γιάνναρη, 1999, 90′
Ελληνικά με γερμανικούς υπότιτλους

Πριν την προβολή των ταινιών θα γίνει συζήτηση με την
Gülden Ediger και την Alex Alvina Chamberland:

Η μετανάστευση δεν είναι ένα φαινόμενο της φύσης, αλλά ένα φυσικό φαινόμενο στην κοινωνία, το οποίο συνεπάγεται διάφορες συνέπειες, όχι μόνο στη ζωή του μεταναστεύοντος, αλλά και στην ίδια την κοινωνία. Η ερώτηση „Ποιος είμαι;“ επανέρχεται στο προσκήνιο συνεχώς σε μειονοτικές κοινωνίες. Μαζί με την διδακτορική φοιτήτρια Gülden Ediger και την μετανάστρια Alex Alvina Chamberland συζητάμε για το ρόλο της σεξουαλικότητας στην διαδικασία της μεταβολής και του καθορισμού της ταυτότητας του μεταναστευτικού υποκειμένου.

Ώρα έναρξης: 19:30
Είσοδος ελεύθερη, δωρεές καλοδεχούμενες!
Σας περιμένουμε!

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[Berlin] „Die deutsche Kriegsschuld“ am 14. Juni 2019

Freitag, 14. Juni, 19 Uhr:

Respekt für Griechenland – Dr. Hilde Schramm:

„Die deutsche Kriegsschuld“

Ökumenisches Zentrum für Umwelt-, Friedens- und Eine-Welt-Arbeit

WILMA, Wilmersdorfer Str. 163, 10585 Berlin-Charlottenburg

Vordringliche Forderungen:
1. Rückzahlung eines Zwangskredites (zinslos), den Griechenland z.Zt.
der deutschen Besatzung zahlen mußte im heutigen Wert von 11 Mrd EURO
(incl. Zinsen).
Diese Rückzahlpflicht wurde 1965 von Kanzler Ludwig Erhard anerkannt.

2. Rückzahlung desLösegeld der jüdischen Gemeinde von Thessaloniki für
die Freilassung von 7500 jüdischer Zwangsarbeiter, die trotz Lösegeld
zusammen mit
weiteren 40000 Juden nach Auschwitz in den Tod geschickt wurden.

3. Zeitgemäße Unterstützung von Opfergemeinden, insbes. Von
„Märtyrerdörfern“. Hierzu soll ein Fondszur nachhaltigen Entwicklung von
Dörfern, die unter dem
deutschen Besatzungsterror gelitten haben, eingerichtet werden. Mehr als
1000 Dörfer wurden zerstört und dabei viele tausend Zivilisten umgebracht.
Über 100 Orte werden offiziell als „Märtyrerdörfer“ bezeichnet.

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