Touristen, willkommen – Einheimische im Hausarrest

Aus dem Newsletter von AthensLive, 10.4.2021:
„Die Zahl der Todesfälle im Lande steigt weiter an, und die täglichen Fälle brechen einen Rekord nach dem anderen. Trotzdem soll Griechenland entschlossen sein, am 14. Mai für den Tourismus zu öffnen, wie Tourismusminister Haris Theocharis am Montag im Parlament erklärte. Er versprach, dass wir sicher öffnen werden, „trotz der Gefahr“. Da wir uns noch an das absolute Fiasko des letzten Jahres erinnern, fällt es schwer, dies zu glauben. Der Minister sagte, dass entweder eine Impfung oder ein negativer PCR-Test und eine Probenentnahme bei der Ankunft Vorbedingungen für die Touristen wären (Ist das so lange der Fall, bis TUI seine Vorbedingungen stellt, wie im letzten Jahr, als der Premierminister einen Rückzieher machte und sogar eine eintägige Quarantäne für die Testergebnisse der Touristen aufhob, nachdem das Unternehmen gedroht hatte, alle Reisen nach Griechenland zu stornieren)? Inzwischen wurde auf Kreta der erste positiv auf Covid19 getestete Tourist registriert.
Theocharis sagte: „Es wird keine Diskriminierung von Touristen geben, die nicht geimpft sind. Alle Menschen werden reisen dürfen.“ Und das zu Recht.

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Wer beauftragte den Mord an dem Journalisten Giorgos Karaivas?

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis, 10. April 2021:
Griechenland: Die Ermordung eines Journalisten und viele mögliche Motive
Giorgos Karaivaz schrieb über Polizeiarbeit, Kriminalität und Korruption. Am Freitag wurde er auf offener Straße erschossen
Der griechische Journalist und Blogger Giorgos Karaivaz wurde am Freitag kurz nach 14 Uhr in Alimos, einem Vorort von Athen auf offener Straße erschossen. Seit Jahrzehnten war er einer der führenden Kriminalreporter des Landes. Abseits seiner, seit den neunziger Jahren intensiven Tätigkeit für das griechische Fernsehen betrieb er mit dem bloko.gr als Herausgeber und Chefradakteur ein Internetmagazin, das sich auf den Themenkomplex Polizei und Kriminalität in Griechenland spezialisiert hat. Seine Mitarbeiter schrieben dort am Freitag:
„Trauer – Giorgos Karaivaz, der Gründer und Inhaber von bloko.gr, ist nicht mehr unter uns. Einige haben beschlossen, ihn mit Kugeln zum Schweigen zu bringen, damit er aufhört, seine Texte zu schreiben.
Er wurde vor seinem Haus hingerichtet. Für uns, die wir in den letzten Jahren mit ihm zusammengearbeitet haben, hat er uns in schwierigen Zeiten geführt, wir haben zusammen Wein getrunken, er hat uns mit seiner Freundschaft geehrt, jetzt erleben wir sehr schwere Stunden.
Die Freunde Spyros Levidiotis, Manolis Asariotis“
Zahlreiche mögliche Motive
Für alle Beobachter in Griechenland steht außer Frage, dass Karaivaz im Zusammenhang mit seiner Arbeit ermordet wurde. Sein Tod wirft Fragen auf: Wem ist er mit seinen Reportagen zu nahe getreten? Der Journalist hatte vor allem in den vergangenen Wochen zahlreiche Reportagen über Missstände innerhalb der Polizei, Korruption und Amtsmissbrauch sowie einen begründeten Verdacht der politischen Einflussnahme auf Ermittlungsbehörden veröffentlicht.“ weiterlesen

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Der König spendiert weitere Almosen

Mitsotakis als Gönner

Seit Beginn der Pandemie wurde heftig kritisiert, dass es in überfüllten Athener Bussen unmöglich ist, Abstand zu halten. Da Mitsotakis als guter Neoliberaler die Privatisierung öffentlicher Dienstleisungen auf dem Programm hat, ist nichts passiert, um die Buspassagiere vor einer Virusinfektion im Bus zu schützen.

Jetzt hat die griechische Regierung – nach über einem Jahr Pandemie – Busse geleast. 40 Busse sind einsatzbereit. 260 weitere sollen kommen. Allerdings sind sie nicht so ausgestattet, wie Virologen empfohlen haben. Die Busse haben kaum Fenster, die zum Lüften geöffnet werden können und sie haben auch nur zwei Türen – statt wie empfohlen drei.

Reiche fahren nicht mit Bussen. Quelle

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Spiegel: „Tausende Flüchtlinge fliehen aus Griechenland nach Deutschland“

Spiegel online, 09.04.2021:
Verärgerung in der Bundesregierung – Tausende Flüchtlinge fliehen aus Griechenland nach Deutschland
Weil Griechenland anerkannte Flüchtlinge schlecht behandelt, reisen viele nach Deutschland und beantragen erneut Asyl. Nach SPIEGEL-Informationen hat die Bundesregierung Athen dafür scharf kritisiert.
In der Bundesregierung wächst der Ärger über den Umgang Griechenlands mit Flüchtlingen. Hintergrund ist die seit Monaten große Zahl an Menschen, die nach Deutschland weiterreisen, obwohl sie von den griechischen Behörden schon als schutzberechtigt anerkannt wurden. Nach SPIEGEL-Informationen kamen allein am Osterwochenende an deutschen Flughäfen mehr als 300 meist afghanische Flüchtlinge mit Linienmaschinen an und beantragten umgehend Asyl.
Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) haben in den ersten drei Monaten des Jahres rund 2900 Männer und Frauen, die bereits in Griechenland anerkannt wurden, einen neuen Asylantrag in Deutschland gestellt.“ weiterlesen

Siehe auch „Ziel Deutschland-fluchtlinge-fliehen-vor-obdachlosigkeit-und-armut-in-griechenland“


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Mitsotakis wächst eine lange Nase

Der griechische Ministerpräsident lügt dreist. Gestern Abend behauptete er im Fernsehen: „Es gibt keinen Bürger, der ein Bett auf einer Intensivstation braucht und keines findet!“

Als Reaktion auf diese Behauptung listet ihm die Griechische Krankenhausärzte-Vereinigung (OENGE) auf, dass für Attika und Umgebung gestern auf der offiziellen Warteliste für Intensivstationen 113 schwerkranke Patienten stehen, die außerhalb der Intensivstationen intubiert wurden. (Quelle)

Warum lügt Mitsotakis so dreist? Weil er die dramatische Situation in den Krankenhäusern beschönigen will. Weil er rechtfertigen will, dass er kein Gesundheitspersonal einstellen lässt und auch nicht auf die anderen Forderungen der Krankenhausärzte eingeht.

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Diskussion in Griechenland über das Online-Archiv “Memories of the Occupation of Greece” (MOG)

Beitrag von mllebi
„Weder die Anerkennung der ‚historischen Verantwortung‘ noch die ‚moralische Wiedergutmachung‘ oder die Äußerung einer ‚öffentlichen Entschuldigung‘ oder gar die Entstehung eines öffentlichen ‚Gedächtnisses‘ als Instrument der Bewusstmachung der Verbrechen können die legitimen Ansprüche der Opfer ersetzen.“ 

In Griechenland läuft dazu eine Diskussion über das Online-Archiv “Memories of the Occupation of Greece”. Eine Reaktion des MOG-Projekts gibt hier: https://www.occupation-memories.org/aktuelles/mog-anakoinosi.html – leider geht es auf die wesentlichen Kritikpunkte nicht ein.

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Film des Webinars „Deutsche Reparationsschuld – 80 Jahre nach dem Überfall der Wehrmacht auf Griechenland“

Film des Webinars „Deutsche Reparationsschuld – 80 Jahre nach dem Überfall der Wehrmacht auf Griechenland“.
„Respekt für Griechenland“ Webinar am 25.4.2012
Es diskutierten
Karl Heinz Roth, Ko-Autor der Bücher „Reparationsschuld. Hypotheken
der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa“
(2017) und „Deutsche Reparationsschuld am Beispiel Polens und
Griechenlands“ (2019)
Hilde Schramm, Respekt für Griechenland e.V.
Manuel Sarrazin, MdB, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Präsident der
Südosteuropa-Gesellschaft
Moderation: Andreas Poltermann, Respekt für Griechenland e.V.

Am 6. April vor 80 Jahren begann der Angriff Deutschlands auf Griechenland. Mehr als drei Jahre hielten deutsche Soldaten das Land besetzt, plünderten es aus und zerstörten es bei ihrem Abzug. Den Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung fielen zehntausende Kinder, Frauen und Männer zum Opfer, Hunderttausende verhungerten. Nahezu alle griechischen Juden wurden deportiert und ermordet. Der 6. April 1941 ist ein in Deutschland vergessenes Datum des Zweiten Weltkriegs. Es ist deshalb zu begrüßen, dass am 25. März auf Initiative der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag an die Kriegsschuld und an die daraus erwachsenden Verpflichtungen erinnert wird. Aber wird es auch einen Neubeginn in der Frage der deutschen Reparationsschuld geben?
Welche Forderungen auf dem Tisch liegen und welche Optionen die deutsche Politik hat, haben wir mit unseren Gästen diskutiert.

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Immer mehr Häfen werden privatisiert

Der alte Hafen von Heraklion; Tango7174 [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D

Von Elisa Hübel, Griechenland Zeitung, 06. April 2021:
Verpachtungsverfahren für den Hafen von Heraklion angekündigt
In Griechenland nimmt ein ehrgeiziges Investitionsprogramm konkretere Gestalt an. So etwa gab die griechische Investitionsbehörde TAIPED bekannt, dass nun auch 67 Prozent des Aktienkapitals des Hafens von Heraklion auf Kreta verpachtet werden sollen. Interesse dafür kann noch bis Ende Juli bekundet werden; das Verfahren soll Anfang 2022 abgeschlossen sein.“ weiterlesen

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ARTE-Video: Polizei auf dem Campus

ARTE-Video über die Polizeigesetze der konservativen Regierung (6 Minuten)
Hier

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Fourthiotis Gate: Der Intendant als Herr der Polizei

Menios Fourthiotis, der TV-Intendant mit zeitweise 14 Polizisten als Leibwache, der die Regierung in Erklärungsnot gebracht hat

Die neue Affäre „Fourthiotis Gate“ wirft ein Schlaglicht darauf, wie Oligarchen, Regierung und Medien sich gegenseitig korrumpieren. Varoufakis hat in seinem Buch „Die ganze Geschichte“ das „sündige Dreieck“ analysiert – gemeint ist das Zusammenspiel von Medien, Banken und Regierung. Banken finanzieren die Mainstreammedien, die gar nicht profitabel sind, sondern in erster Linie dem Machterhalt der Oligarchen und der Regierung dienen. Banken sind im „Fourthiotis Gate“ noch nicht aufgetreten, aber wer weiß, was noch kommt…die Affäre ist noch nicht am Ende.

Von Wassilis Aswestopoulos, cashkurs.com, 6.4.2021:
Kurioses aus Griechenland: Neue Politaffäre um Staatsgelder und die Rolle der Polizei
In Griechenland steht eine neue Affäre auf der politischen Tagesordnung. Sie wird Fourthiotis Gate genannt. Der für Deutsche fast unaussprechbare Name Fourthiotis gehört einem Verleger, TV-Intendanten und ehemaligen Manager einer zur Porno-Schauspielerin gewordenen, früheren Schönheitskönigin. Es geht nicht nur um das liebe Geld, sondern auch um die Frage, wem in Griechenland Staatsschutz zuteil wird…
Ein Interview, das keins sein darf
Der Namensgeber der Affäre wehrt sich nach Kräften gegen die Vorwürfe. Tatsächlich scheint bei näherer Betrachtung der Vorgänge die Frage, wer ihn warum schützt und fördert, wichtiger als die Person, die vordergründig im Mittelpunkt steht.
Der Fall wurde spätestens am katholischen Osterwochenende zum Politikum, als die Zeitung Documento ein Interview mit dem früheren Arbeitsminister Giannis Vroutsis abdruckte. Allein dies, die Tatsache, dass der überzeugte Konservative Vroutsis mit der Zeitung, die sich durch ihre einschlägigen Artikel eindeutig den Titel der führenden Pro-SYRIZA Boulevardzeitung verdient hat, spricht, sorgt für Aufsehen. Der Herausgeber und Chefredakteur von Documento, der Journalist Kostas Vaxevanis, ist nicht nur für die Politiker der Nea Dimokratia, sondern auch für deren gesamte Anhängerschaft ein rotes Tuch.
Genau genommen darf das Interview nach Ansicht von Regierungssprecherin Aristea Peloni nicht als Interview bezeichnet werden. Die Regierungssprecherin meinte, es handele sich lediglich um ein Telefongespräch, welches von Seiten des Journalisten von Documento mit dem früheren Minister geführt wurde.
Polizeischutz, der dementiert, dann aber als real existent wieder eingestellt wird
Auf die Vorwürfe, aber auch die Merkwürdigkeiten, welche der Minister in seinem Telefongespräch seinen politischen Erzfeinden redselig mitteilte, ging die Regierung bislang noch nicht ein. Spätestens am Freitag muss die Regierung jedoch erste Antworten liefern. Giorgos Kaminis von der sozialdemokratischen Partei KinAl hat eine parlamentarische Anfrage mit dem Betreff „Vollständige Intransparenz in Bezug auf die Bewachung und Begleitung gefährdeter Ziele“ gestellt. Bürgerschutzminister Michalis Chrysochoidis wird am Freitag antworten müssen. Kaminis Trumpf im Ärmel ist, dass er den Minister nun mindestens zweifach beim Lügen erwischt hat.“ weiterlesen

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