„Wir fordern Sie auf, die deutschen Reedereien zu verpflichten, ihre Kreuzfahrtschiffe für die geflüchteten Menschen auf den griechischen Inseln zur Verfügung zu stellen, um den massenhaften Corona-Ausbruch in den überfüllten Lagern zu verhindern.
Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis, 26. März 2020 : „Riskante Methoden, die zwangsläufig Todesopfer fordern, Hass gegen Auswärtige und Privatkliniken, die sich als Goldgruben erweisen: ein Land im freien Fall
Die aktuelle Pandemie sorgt auch in Griechenland für Chaos. Griechenland verfolgt eine eigene Taktik in der Bekämpfung der Pandemie. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen sollen größere Unternehmen sowie private Kliniken finanziell gefördert werden, Arbeitnehmer dagegen auf die Hälfte ihres Einkommens verzichten.
Im Land herrscht seit Montag eine strenge Ausgangssperre. Jedes Verlassen der Wohnung, auch für Einkäufe oder Arbeit, muss minutiös protokolliert werden. Wer ohne einen korrekt ausgefüllten Passierschein auf der Straße aufgegriffen wird, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Pro Verstoß sind 150 Euro fällig, welche automatisch als Steuerschulden der Bestraften registriert werden. Paradox dabei ist, dass diese Maßnahme, welche der Eindämmung der Übertragungswege dienen soll, von Beamten ohne jegliche Schutzausrüstung kontrolliert wird.“ weiterlesen
Während die Frankfurter Allgemeine Zeitung und andere Medien den Konflikt herunterspielen, beschönigt „Die Welt“ den „offenen Streit“ nicht. Sie hingegen diffamiert den italienischen Ministerpräsidenten Conte, der sich am heftigsten für Eurobonds eingesetzt hatte. Die Zeitung titelt ihren Artikel „Merkel irritiert von der Aggressivität des italienischen Premiers“. Genau so wurde Yannis Varoufakis 2015 beschuldigt, durch seine Aggresivität die anderen Eurozonen-Finanzminster vor den Kopf zu stoßen (s. die Euroleaks). Wenn jemand sich nicht den mächtigen Nordländern, angeführt von der BRD, fügt, muss er doch irgendwelche persönlichen irrationalen Gründe dafür haben. Man kann doch nicht von den reichen Ländern verlangen, dass sie darauf verzichten, in Europa durch ihre Exportüberschüsse immer reicher zu werden! Auch wenn er teilweise verfälscht – der Artikel der „Welt“ beschreibt wenigstens den Konflikt zwischen Nord und Süd in Europa. Und die Interessen des deutschen Kapitals treten zu Tage.
Die Länder der EU waren nicht in der Lage, sich auf irgendetwas zu einigen. (Quelle) Im EU-Sprech wird genau das Gegenteil gesagt: „Wir haben uns geeinigt„
Die Minsterpräsidenten von Italien und Spanien Conte und Sanchez
Eigentlich sollte der EU-Gipfel nur zwei Stunden dauern. Mittlerweile tagen die Ministerpräsidenten bereits seit sechs Stunden. Die Minsterpräsidenten von Italien und Spanien Conte und Sanchez weigern sich, die vorbereitete Abschlusserklärung zu akzeptieren. Sie halten die vorgschlagenen Maßnahmen zur Unterstützung ihrer Länder in der Corona-Krise für völlig unzureichend. Die Vorschläge seien „unakzeptabel und frustrierend“. Am Vortag hatten neun Länder (Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Irland, Luxemburg, Slowenien, Belgien und Griechenland) Eurobonds gefordert. Genauso wie 2010ff führt die Bundesregierung wieder die Phalanx der Profiteure des Euros an (s. dazu die Erläuterungen von Heiner Flassbeck). Unterstützt wird sie dabei wieder von den Niederlanden, Österreich und Finnland.
Vrschiedene Medien berichten folgendes: „Conte habe gefordert, die Präsidenten der fünf EU-Institutionen damit zu beauftragen, „in zehn Tagen“ einen neuen Vorschlag vorzulegen, hieß es aus italienischen Regierungskreisen. Dies wären die Chefs der EU-Kommission, des Europaparlaments, des EU-Rats, der Eurogruppe und der Europäischen Zentralbank, die 2015 bereits einen Bericht über die Reform der Wirtschafts- und Währungsunion erstellt hatten.“ (Zitat n-tv.de)
„As the coronavirus (SARS-CoV-2) pandemic hits the European Union, 446 million citizens are encouraged to follow social distancing and individual protection measures. At Europe’s border on the Greek islands (Chios, Kos, Leros, Lesvos, and Samos), however, more than 42,000 children, women and men are contained, and left deprived of such protection measures and basic humanitarian needs (clean water, sanitation, electricity, security, and access to health services) in overcrowded camps set up for 6000 individuals.1 While no cases have yet been confirmed among residents according to Médecins Sans Frontières, the disastrous humanitarian situation could turn camps into epidemic hotspots as the virus hits an ill-nourished, strained population, including children with chronic morbidities, elderly, new-borns and pregnant women. An outbreak could turn into an unmitigated disaster, also affecting residents on the islands, the Greek mainland, and ultimately Europe as a whole.
Now, more than ever, is the time for evacuating Moria and other camps on the Greek islands, where human rights, humanitarian principles, health security and pandemic control measures converge in unprecedented urgency. As public health professionals and scientists concerned with migration, public health, humanitarian aid, and infectious disease control, we call upon the European Commission and the European Emergency Response Coordinator to take urgent action to mobilise all required resources to evacuate Moria and the camps in Chios, Kos, Leros, and Samos. This is a public health imperative.
We suggest a two-tiered action plan: first, build capacities on the Greek mainland, providing decent shelters or provisional housing so that self-isolation and social distancing measures are possible. This is not currently possible on the island camps, especially since the fires on 16 March 2020, which have further reduced Moria’s capacity. Second, relocate camp residents to EU countries from the islands‘ respective airports, especially children, those with special needs, chronic morbidities, and the elderly. On Tuesday (25 March 2020), the EU called for an evacuation of camps and a distribution of refugees elsewhere in Greece.2 However, given that capacities are already stretched locally, we demand a truly European solution in the light of the current situation. Relocation failed previously due to political resistance of member states;3 however given the urgency of the current situation, now there is no alternative to European solidarity. The total number of asylum seekers to be relocated to individual member states is moderate to miniscule given proportional distribution quotas (Fig 1 A).“ weiterlesen
Nachdem die Eurogruppe sich gestern, am 24.3. nicht auf Eurobonds einigen konnte, schrieben neun Länder der Eurozone, nämlich Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Irland, Luxemburg, Slowenien, Belgien und Griechenland heute einen Brief an den Präsidenten des Europäischen Rates, Charles Michel.
Notwendig sei ein “gemeinsames Schuldeninstrument”, um mehr Mittel zur Bekämpfung der Pandemie für das Gesundheitswesen und die Wirtschaft zu bekommen“ heißt es in dem Brief: Die Agentur Reuters erklärt dazu: „Die Idee hinter sogenannten Corona-Bonds ist, dass sich wirtschaftlich stärkere Staaten wie Deutschland oder die Niederlande mit schwächeren verbünden und gemeinsame Anleihen ausgeben. Italien etwa würde dann deutlich weniger Zinsen zahlen müssen, weil Investoren die Gemeinschaftsanleihen dank der hohen Bonität von Deutschland einen geringeren Risikoaufschlag verlangen dürften.“ (Quelle)
Von Irene Brickner, derstandard.at, 22. März 2020: „…Griechenland soll die anderen EU-Staaten um Aufnahme von rund 10.000 im Land bereits anerkannten ausreisewilligen Flüchtlingen ersuchen. Deren rechtlicher Status sei klar, was das Risiko bürokratischer Hürden verringere….Organisatorisch wäre das mithilfe der Internationalen Organisation für Migration (IOM) möglich, auch Gesundheitstests. Immerhin holen verschiedene EU-Staaten derzeit Zehntausende ihrer Bürger aus der ganzen Welt binnen weniger Tage heim….In die frei werdenden griechischen Festlandunterkünfte – mit EU-Geldern gemietete Wohnungen und Hotels, in denen Social Distancing möglich sei – sollten asylsuchende Familien von den Inseln ziehen. Für weitere 25.000 Lagerbewohner könne IOM binnen zehn Tagen sichere Zeltcamps errichten oder sie in leeren Hotels unterbringen – und binnen mehrerer Monate in neuen, festen Unterkünften.“
[Anfang des STANDARD-Artikels:] Berlin/Athen – Es gelte, vielleicht tausende Corona-Infektionen sowie Todesfälle unter Flüchtlingen zu verhindern – und gleichzeitig ein großes Risiko für die Gesundheit von Europäern abzuwenden, sagt der Mitinitiator des EU-Türkei-Deals, Gerald Knaus, im STANDARD-Gespräch. Sollte sich nämlich, was nicht unwahrscheinlich erscheint, in den mit rund 40.000 Menschen vollkommen überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln das Coronavirus verbreiten, wären Massenansteckung und Panik die Folge – auch unter der ansässigen Bevölkerung.“ weiterlesen
Formular zur Begründung des Verlassen des Hauses; abgebildet ist nur der obere Teil dieses Formulars; es werden noch weitere Gründe aufgelistet (siehe unten im Text)
Da sich viele Menschen in Griechenland nicht an das Kontaktverbot hielten, muss ab morgen früh 6.00 Uhr (23.3.2020) jede/r, die/der das Haus verlässt, den Behörden eine schriftliche Erklärung darüber vorweisen können. Das muss man tun 1. entweder per SMS, oder 2. indem man ein ausgefülltes Formular zum Grund seines/ihres Verlassen des Hauses bei sich trägt (siehe den obersten Teil dieses Formulars im Bild oben; es werden noch weitere Gründe aufgelistet) oder 3. indem man eine handschriftliche Erklärung zum Grund seines/ihres Verlassen des Hauses bei sich trägt. Folgende Gründe werden akzeptiert: Arbeitsweg Bewegung zum Arzt oder zur Apotheke Einkaufsweg Bewegung zur Bank, falls man kein Onlinebanking machen kann Bewegung, um Menschen in der Not zu helfen Bewegung zu Beerdigung, Heirat, Taufe Trainieren im Freien Ausführen eines Haustieres
Wer sich nicht entsprechend der Anordnungen verhält, muss eine Strafe von 150,- Euro zahlen. (Quelle: efsyn)