Bericht des im Hauptquartier der griechischen Polizei in Athen gefolterten Mannes

Aris Papazacharoudakis

alerta.gr, 17.03.2021:
„Häftlinge aus Nea Smyrni erheben schwerwiegende Vorwürfe der Gewalt und willkürlichen Machtanwendung im Hauptquartier der griechischen Polizei in Athen (Gada). Die Anzahl der Vorwürfe entspricht fast der Anzahl der Festnahmen.
Laut einem Artikel im „Ef. Syn.“, einer beliebten griechischen Zeitung, wurden die Häftlinge während ihrer Verhaftung in Nea Smyrni geschlagen. Sie geben an, nicht nur während ihrer Verhaftung in Nea Smyrni, sondern auch in Gadas Haftanstalt durch Beamte der Anti-Terror- und „Spezialwachen“-Einheit geschlagen worden zu sein. Zeugen berichten von Schreien aus den Zellen der Häftlinge und ständiger Einschüchterung.

Siehe dazu Entführungen und Folterungen durch die griechische Polizei
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„Es tut weh“ – Massenproteste gegen Polizeigewalt in Griechenland

πoνάω = es tut weh. In Anlehnung an „I can`t breathe“

Interview mit Minas Konstantinou, mosaik-blog.at, 15.3.2021:
Das virale Video eines Polizeiübergriffs, Massenproteste und brutale Repression: Griechenland befindet sich seit einer Woche im Ausnahmezustand. Der Journalist Minas Konstantinou erklärt im Interview mit Lisa Mittendrein, wie sich die Wut über Polizeirepression in der Pandemie entlädt, warum der Slogan „Es tut weh” gerade in aller Munde ist und welche Rolle der Hungerstreik eines bekannten Gefangenen spielt.
Mosaik: Seit einer Woche gibt es in Griechenland große Proteste. Warum sind die Menschen auf der Straße?
Minas Konstantinou: Im ganzen Land protestieren Menschen unter dem Slogan „Es tut weh!“. Die Protestwelle begann nach einem Polizeiübergriff letzten Sonntag. In einem Park im Athener Stadtteil Nea Smyrni konfrontierte die Polizei eine Familie, schrie sie an und wollte sie wegen eines angeblichen Verstoßes gegen Corona-Regeln bestrafen. Einige junge Menschen verteidigten die Familie, die nichts Falsches getan hatte – wir dürfen zu dieser Tageszeit draußen sein. Die Polizei verprügelte dann einen jungen Mann mit einer illegalen Waffe. Das Video des Übergriffs ging viral, ebenso wie sein „Es tut weh“-Ruf. Die Wut über den Übergriff und die Reaktionen der Regierung, Polizei und Medien traten die Proteste los. (Achtung, Polizeigewalt: Hier ist das Video des Übergriffs zu sehen.)
Was kritisieren die Protestierenden an der Reaktion von Medien und Regierung?
Die rechte Regierung und die Medien behaupteten taglang, die Polizei wäre von 30 Leuten angegriffen worden. Aber die Videos des Vorfalls zeigen eindeutig, dass der Mann friedlich war und es keinen Angriff gab. Das hat viele Leute richtig wütend gemacht.
In den Tagen danach gab es im betroffenen Viertel Proteste und Unruhen von Leuten aus der Linken, Antifa und anderen, die die Polizei hassen. Aber es waren auch viele Menschen auf der Straße, die das erste oder zweite Mal in ihrem Leben protestierten. An einem Abend eskalierte die Situation zwischen der Polizei und einigen Fußballfans. Die Polizei fuhr mit Motorrädern in ihre Gruppe und warf Blendgranaten. Das waren recht harte Typen, sie schlugen zurück und ein Polizist wurde verletzt. Weil einem von ihnen etwas passiert war, besetzte die Polizei die athenische Vorstadt Nea Smyrni. Jugendliche wurden am Heimweg verprügelt und festgenommen, einer Frau wurde mit Vergewaltigung gedroht. Die Polizei verhielt sich wie eine Besatzungsarmee und nahm Rache.
Danach breiteten sich die Proteste im ganzen Land aus.“ weiterlesen

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Klassenkampf in der Pandemie

Die Rechte in Griechenland setzt autoritäre Strukturen durch – aber der Widerstand erstarkt.

22. Griechischer Salon mit reAKT-AKTION against Repression:
„Freiheitsrechte und Gesundheitsversorgung in der Pandemie“ / „Civil rights and public health during the pandemic in Greece“
Videomitschnitt der Online-Veranstaltung am 18.3.2021 (in englischer Sprache)

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Entführungen und Folterungen durch die griechische Polizei

Titel der efemerida ton syntakton vom 16.03.2921: „Folterungen in der GADA“

Übersetzung eines Artikels der Zeitung efemerida ton syntakton vom 17.03.2921: https://www.efsyn.gr/kosmos/eyropi/285889_erotisi-koylogloy-stin-komision-gia-ta-basanistiria-sti-gada

„Anlässlich der jüngsten Vorfälle von Polizeigewalt sowie der in der Zeitung Ef.SYN veröffentlichten Aussagen über Entführungen lateinamerikanischen Typs und der Folterungen in der GADA (Hauptquartier der griechischen Poilizei Attikas) richtete Stelios Kouloglou eine aktuelle Frage an die Kommission der Europäischen Union.

Der Europa-Abgeordnete von SYRIZA-Progressive Allianz zitiert dabei die einschlägigen Artikel der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) sowie Artikel 19 der EU-Grundrechtecharta und fragt die Kommission, ob sie „Erklärungen der griechischen Regierung für Praktiken verlangen wird, die dem europäischen Recht widersprechen.“

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Dimitris Koufontinas beendete seinen Hungerstreik

Efsyn.gr, 14.03.2021:
>“Was da draußen passiert, ist viel wichtiger als das, wofür es angefangen hat. Angesichts der Macht dieser Kämpfe erkläre ich meinerseits, dass ich mit Herz und Verstand hier und unter euch bin“, sagte Dimitris Koufontinas heute (14.3.2021) über die Massenproteste der letzten Zeit.
Mit dieser Aussage per Telefon aus der Intensivstation des Krankenhauses in Lamia unterbrach er den Hungerstreik nach 66 Tagen.
Er stellte fest, dass „die herrschende Familie gezeigt hat, wie rücksichtslos sie bei dem Brechen von Gesetzen und der Verfassung, bei der Kontrolle der Justiz ist. Geschenkt! Die Menschen, die auf die Straße gehen, werden sie beurteilen.“
Gleichzeitig dankte er „Freunden und Kameraden, die solidarisch waren. Ich danke allen fortschrittlichen Menschen für ihre Unterstützung, die nicht die Unterstützung einer Person war, sondern ein Kampf gegen eine unmenschliche Macht.“
„Solidarität und Unterstützung haben gezeigt, dass es lebende soziale Kräfte gibt, die sich gegen Willkür, Gewalt und Autoritarismus widersetzen. Und das ist eine neue Hoffnung“, fügte er hinzu.< (Quelle)

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Griechenland im ersten Pandemiejahr: der neue Film von Giorgos Avgeropoulos

Trailer des Films

Dieser Dokumentarfilm ist eine eindrucksvolle, spannende, schockierende, filmisch hervorragende Zusammenfassung dessen, was in Griechenland seit Ausbruch der Pandemie passiert ist. Die neoliberale Politik der konservativen Regierung, ihr Rollback wird entlarvt.
Der Film ist noch bis zum 19.3. unter diesem Link zu sehen:
Link
Ein muss für jede/n, die/der wissen will, wie es um Griechenland steht.

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Korfu: Chronologie eines Umweltskandals

Übersetzung der griechischen Aufschriften (von vorn nach hinten): „Freiheit für den Erimitis“ , „Wenn das Gesetz die Umwelt zerstört, wird Widerstand zur Pflicht“, „der Erimitis gehört unseren Kindern“ , „Lasst den Erimitis in Ruhe“

Wie der letzte unberührte Landstrich auf Korfu einer willkürlichen Regierung zum Opfer fällt

Von Maria Tsoukis, Korfu, 12.03.2020
„Es ist noch nicht einmal zwei Jahre her, da hat das Europaparlament den Klimanotstand ausgerufen. Die Ursachen und Folgen des Klimawandels sind auch in Griechenland bekannt und spürbar. Und auch hier wird der Erhalt der Natur, ihrer Biotope und Arten hoch gepriesen.
Wie kann es also sein, dass ein ökologisch so bedeutsames Gebiet wie der „Erimitis“ auf Korfu einer längst nicht mehr zeitgemäßen Stadtentwicklung zum Opfer fallen soll? Warum zählt der Wille eines einzelnen Investors mehr als die Stimmen der kommunalen Träger, Anwohner und Verbände und sogar der nationalen und internationalen Rechtssprechung? Wozu gibt es eine europäische Umweltgesetzgebung, wenn sie in diesem Fall nicht greift? Wo sind die Kontrollinstanzen, die einem Umweltskandal solchen Ausmaßes Einhalt gebieten?

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„Lasst uns gehen…um sie zu töten“ riefen Polizisten

„Lasst uns gehen, um sie zu bekommen… um sie zu töten“ rufen Polizisten in diesem Video

Dass gestern ein Polizist durch Demonstranten am Kopf verletzt wurde, fand seinen Weg heute in viele deutschen Medien, z.B. in den Spiegel (link) und ZEIT online (link).
Dass Polizisten am Rande der Demonstration gegen Polizeigewalt mit tausenden Teilnehmern gestern im Athener Stadtteil Stadtteil Nea Smyrni wieder brutal vorgingen, wird in den deutschen Medien nicht erwähnt.
Weitere Videos, die Polizeigewalt zeigen, veröffentlichten die „Zeitung der Redakteure“ (efsyn.gr) (link)
und die Netzseite ThePressProjekt (link).

Mehr Infos finden sich im telepolis-Artikel von Wassilis Aswestpoulos mit dem Titel „Polizeigewalt bringt Regierung in Bedrängnis(link).

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Von Berlin bis Nea Smyrni singen wir gegen Unterdrückung

„Dies ist eine unabhängige Initiative von in Berlin lebenden Menschen, als Reaktion auf die jüngsten polizeilichen Repressionen und die Gewalt an Universitäten, auf Plätzen und in Wohnvierteln in Griechenland.
Was uns motiviert hat, war der Aktivismus, der von der Theaterabteilung der Aristoteles Universität Thessaloniki zusammen mit der Vereinigung von Studenten
der Abteilung für Musikwissenschaft und Kunst der Universität von Makedonien.
Erklärung der Studierenden in Thessaloniki:
„Die Adaption des traditionellen Liedes von Thrakien „Margoudi und Alexandris“ wurde von den Studenten der Abteilung für Musikwissenschaft und Kunst der Universität von Mazedonien während einer symbolischen Besetzung der Institution, die am Freitag, den 26.02.
als Zeichen des Protestes gegen die Orgie von Polizeigewalt im Rektorat der Aristoteles Universität Thessaloniki geschaffen.
Als Koordinationsteam der Besetzung der Theaterabteilung haben wir unsere Stimmen mit den Studenten der Universität vereint, um unseren Widerstand gegen das von den Ministern Kerameos und Chrisochoides vorgelegte Gesetz zu erklären.
DAS ASYL GEHÖRT DER GANZEN GESELLSCHAFT
DIE POLIZEI SOLL VOM CAMPUS VERSCHWINDEN“

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Brutale Polizeigewalt ohne politischen Kontext

derstandard.at, 8. März 2021:
„Gewalt – Fall von Polizeigewalt löst in Athen wütende Proteste aus
Ein Video zeigt einen Polizisten, der auf einen jungen Mann einschlägt. Bei anschließenden Demonstrationen kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.
Athen – Ein Fall von Polizeigewalt hat in Athen wütende Proteste von Demonstranten ausgelöst. Polizisten und Demonstranten lieferten einander am Sonntagabend in einem südlichen Vorort der griechischen Hauptstadt gewaltsame Auseinandersetzungen, wie die Polizei mitteilte und griechische Medien berichteten. Die Beamten setzten Tränengas ein, um rund 500 Menschen zu vertreiben, die sich aus Protest gegen Polizeigewalt am Platz von Nea Smyrni versammelt hatten.
Am Nachmittag hatte sich ein Video verbreitet, das am selben Ort aufgenommen wurde und einen Polizisten zeigt, wie er mit einem Schlagstock ohne Unterlass auf einen jungen Mann einschlägt. Während die Schreie des Mannes zu hören sind, empören sich Passanten über das Vorgehen des Polizisten.“ weiterlesen

Mittlerweile ordnete die Leiterin der Staatsanwaltschaft erster Instanz, Sotiria Papageorgakopoulou, anlässlich der Veröffentlichung von Videos und Beschwerden eine vorläufige Untersuchung über Anwendung von Gewalt durch Polizeibeamte an.
(Quelle: Εισαγγελική παρέμβαση για το όργιο βίας στη Νέα Σμύρνη | Η Εφημερίδα των Συντακτών (efsyn.gr))

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