Wer über Pushbacks reden will, beleidigt angeblich das griechische Volk

Bild: Yorgos KonstantinouImagistan

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis 13. November 2021:
Griechenland: Was und wie darf Journalismus fragen?
Eklat bei Pressekonferenz: Wer über Pushbacks reden will, beleidigt angeblich das griechische Volk. Eine niederländische Journalistin bekommt dafür einen Shitstorm der Extraklasse
In Griechenland wird aktuell über die Frage diskutiert, was Journalismus darf – und was nicht. Wichtigster Anlass dafür ist eine harsche Frage, welche die niederländische Journalistin Ingeborg Beugel am Dienstagabend bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Premierminister Kyriakos Mitsotakis und dessen niederländischen Amtskollegen Mark Rutte stellte. Mitsotakis antworte harsch und wütend. Der Vorfall war internationalen Agenturen und Medien eine Nachricht wert.
In Griechenland selbst führte er zu einem sexistischen Shitstorm griechischer Kollegen gegen Beugel. Das International Press Institute verurteilt „Versuche, eine niederländische Journalistin zu beleidigen und deren Arbeit zu diskreditieren“. Beugel wurde in regierungsnahen Medien als „türkische Agentin“ gebrandmarkt.“ weiterlesen

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Stellvertretende Gesundheitsministerin: Wahrscheinlich werden Ärzte entscheiden müssen, wer eine Chance bekommt zu überleben

Keeptalkinggreece, 7. November 2021:
„Die stellvertretende Gesundheitsministerin Mina Gaga hat öffentlich zugegeben, dass das griechische Gesundheitssystem nicht für die vierte Welle der Pandemie gerüstet ist. Sie kündigte an, dass es bald notwendig sein könnte, Patienten für die Behandlung auf den Intensivstationen der öffentlichen Krankenhäuser zu „triagieren“.
„Wenn die Zahl der Coronavirus-Fälle, der Krankenhausaufenthalte und der intubierten Patienten auf den Intensivstationen weiter ansteigt, werden wir bald entscheiden müssen, ob ein Patient mit Coronavirus oder mit einem Hirnschlag behandelt wird“, sagte Gaga am Samstagmorgen dem Fernsehsender ANT1.
Sie fügte hinzu, dass es landesweit 1300 Betten auf Intensivstationen gibt, von denen die Hälfte für Covid-Patienten reserviert sei.
Gagas Vorhersage könnte schon viel früher eintreffen, da Prognosemodelle einen „unkontrollierbaren Anstieg“ der Virusinfektionen in den nächsten Wochen voraussagen.

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Planlos in die vierte Welle

Auf Naxos. Bild: Marco Verch, CC BY 2.0

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis, 07. November 2021:
Planlos in die vierte Welle
Schwierige Tage für die griechische Regierung
Auch Griechenland erlebt in der vierten Welle der Pandemie Rekordzahlen bei den Neuinfektionen. Im Norden des Landes sind die Krankenhäuser hoffnungslos überlastet, die Impfkampagne stockt. Widersprüchliche Maßnahmen, bar jeder Logik, verschlimmern das Chaos und kosten Glaubwürdigkeit.
Die aktuellen Infektionszahlen übersteigen bei Weitem die Zahlen des Vorjahres. In der laufenden Woche wurde am Donnerstag zum dritten Mal binnen einer Woche ein neuer Rekord gemeldet. 6.808 Neuinfektionen und 42 Todesfälle werden verzeichnet. Am Freitag waren es 6.909.
Die Woche begann schon schwierig für die Verantwortlichen der Pandemiebekämpfung. Geplant war, ab Montag täglich eine SMS an alle nicht geimpften Krankenversicherten zu schicken. Mit diesen SMS-Nachrichten, die mit ständig wechselndem Text die Vorteile des Impfens und die Risiken für Ungeimpfte betonen sollten, würden Impfverweigerer bekehrt, sodass bis zum Montagmorgen vorherrschende Narrativ.
Datenschutzbedenken sowie Einwände, dass die SMS höchstwahrscheinlich das Gegenteil bewirken würden, sorgten für einen eiligen Abbruch der lange geplanten Aktion. Der Datensatz der Mobilfunknummern stammte von Träger der staatlichen Krankenversicherung und sei an die Mobilfunkbetreiber herausgegeben worden, war zuvor berichtet worden.“ weiterlesen

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Erster Sieg der COSCO-Arbeiter

Auf dem Transparent: „Keine weiteren Toten für die Profite von COSCO!

[Zu den Ereignissen seit dem tragischen Todesfall in der Doppelschicht am 24.10.2021 siehe Keine weiteren Toten für die Profite von COSCO! ]

Von Christina Papastathopoulou, efsyn.gr 04.11.2021:
„Einen großen Sieg errangen die Arbeiter an den Piers II und III von SEP (einer Tochtergesellschaft von Cosco) im Hafen von Piräus und ihre Gewerkschaft ENEDEP. Am Donnerstagabend (04.11.2021) wurde bekannt, dass SEP auf den Großteil ihrer Forderungen eingehen will, die sie in ihren mehrtägigen Streiks, unmittelbar nach dem Tod ihres Kollegen Dimitris Daggli, erhoben hatten.

Der Vorsitzende des ENEDEP, Markos Bekris, sprach auf der Arbeiterkundgebung in Piräus und Dimitris Linardos, Mitglied des ENEDEP-Verwaltungsrats, auf der Kundgebung auf dem Syntagma-Platz von einem ersten Sieg, den „alle Hafenarbeiter durch ihr Handeln sichern werden und den Kampf für den Tarifvertrag fortsetzen werden“. Am späten Donnerstagabend begann die Generalversammlung der ENEDEP ihre Sitzung, um über den für morgen und Samstag angekündigten 48-stündigen Streik zu entscheiden.

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Keine weiteren Toten für die Profite von COSCO!

Auf dem Transparent: „Keine weiteren Toten für die Profite von COSCO!

Labournet Germany, 3.11.2021:
Arbeitsunfall im COSCO-Container Terminal im Hafen von Piräus: 45-jähriger Arbeiter von Kranbrücke tötlich getroffen – Belegschaft reagiert mit Streik
“Ein 40-jähriger Arbeiter am Pier 2 des Cosco Container Terminals Piräus kam auf tragische Weise ums Leben, als er unter ungeklärten Umständen von einer Kranbrücke getroffen wurde. Nach Angaben des Arbeigtebers hatte der verunglückte Arbeiter gerade Feierabend [was bestritten wird!]. Die Arbeitnehmer reagieren darauf mit einem Streik. Auf Anregung des Vorstands der Gewerkschaft ENEDEP legten die Arbeiter ihre Arbeit im Hafen nieder und versammelten sich vor dem Tor der SEMPO: “Sie können nicht länger mit dem Leben der Arbeiter spielen, um ihre Gewinne zu machen”, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft ENEDEP, Markos Bekris…” Aus dem (gr.) Artikel vom 25.10.2021 bei koutipandoras.gr, siehe dazu einige weitere (erste) Informationen:
Hafenarbeiter setzen Streik immer wieder fort – breite Solidarität der Bevölkerung, wartenden Schiffsbesatzungen und Gewerkschaften – Cosco klagt auf Illegalisierung des Streiks für die Stürmung durch wartende Polizei.“ weiterlesen

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Zu viel des Guten? Windkraft und der Kampf um Griechenlands wildes Herz

Bild: Terna Energy, Youtube

Von Evrydiki Bersi. Auf englisch veröffentlicht von Reporters United. Eine kürzere Version erschien in der NZZ
Das Fehlen eines strategischen Planungsrahmens in Griechenland ermöglicht es Entwicklern, Windkraftprojekte zu genehmigen, die die Anforderungen um ein Vielfaches übersteigen, ohne die Auswirkungen auf die lokalen Lebensräume zu berücksichtigen. Gibt es einen besseren Weg, um erneuerbare Energien zu planen, ohne die Umwelt im Namen der Bekämpfung des Klimawandels zu schädigen?
„Nennen Sie Ihre drei Lieblingsorte in Griechenland und schauen Sie dann auf die Karte der griechischen Energieregulierungsbehörde. Höchstwahrscheinlich ist dort ein Windpark geplant“, sagt Dimitris Gotsis, ein Konstruktionsingenieur und Naturführer vom Peloponnes, der seine Tage und Nächte damit verbringt, geplante Windparks in Griechenland zu erforschen.
Windturbinen auf einer Höhe zwischen 1.700 und 2.000 Metern auf einem Gebirgszug, der so unberührt ist, dass er Agrafa heißt (was so viel wie „leere Schiefertafel“ bedeutet).
Windturbinen entlang des gesamten Rückens der Insel Amorgos, wo der Luc Besson-Film „Le Grand Bleu“ gedreht wurde. Windturbinen auf 23 geschützten Inseln in der Ägäis, die aufgrund der völligen Abwesenheit menschlicher Spuren als unschätzbare Vogelschutzgebiete geschätzt werden. Auf der Insel Andros, einem Wanderparadies, reicht die geplante Windenergie aus, um den Bedarf der Insel fast zehnmal zu decken. Auf dem Berg Oiti befindet sich ein Windpark innerhalb des Nationalparks. Windturbinen auf 80 % der Gipfel des Pindos, des Gebirgszugs, der sich durch das gesamte griechische Festland zieht.

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Merkels Abschied in Griechenland. Die faulen Griechen.

Merkel am 28.10.2021 mit Mitsotakis in Athen

Am 28. und 29.10.2021 verabschiedete Kanzlerin Angela Merkel sich in Griechenland. Um in guter Erinnerung zu bleiben? Das ist ihr nicht gelungen.
Den passenden Kommentar dazu verfasste ihr härtester griechischer Gegenspieler.


ThePressProject, 29.10.2021:
Varoufakis: Wie die Erzählung vom „faulen Griechen“ entstand
Das Narrativ vom faulen Griechen war Angela Merkels verzweifeltes Bemühen, den Bankrott deutscher Banken zu verhindern, erklärte der MeRa25-Sekretär.
Im Gespräch mit OPEN TV betonte Yanis Varoufakis außerdem, dass „das, was 2010 passiert ist, ein Verbrechen gegen die Vernunft war, bei dem sowohl die griechischen Arbeitnehmer als auch – und das sage ich seit 2010 – die deutschen Arbeitnehmer die Leidtragenden waren.
Ich denke, dass Angela Merkel ein netter Mensch ist, ich glaube nicht, dass sie eines Tages aufgewacht ist und beschlossen hat, die Griechen zu verleumden. Meiner Einschätzung nach ist folgendes passiert. Ich möchte Sie daran erinnern, dass Merkel im April 2009, ein Jahr vor dem Bankrott der griechischen Regierung, vom Finanzministerium angerufen wurde und ihr gesagt wurde, dass die Geldautomaten der deutschen Banken nicht mehr funktionieren werden, wenn wir, ihre Regierung, den deutschen Banken nicht innerhalb von 24 Stunden 600 Milliarden geben.

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Roma lives matter ! Keine Polizeimorde mehr !


In Athen protestierten Roma (und Nicht-Roma) gegen die Ermordung des 18jährigen durch Polizisten (siehe Jugendlicher in Griechenland stirbt im Kugelhagel der Polizei). Eine Autobahn wurde an mehreren Tagen blockiert.
In Berlin protestierten Roma und Nicht-Roma ebenfalls – am 28.10.2021 mit einer Kundgebung vor der griechischen Botschaft (s. die Fotos).


Morgen am Samstag, dem 30.10.2021, organisiert ANTARSYA eine weitere Kundgebung – um 14.00 Uhr vor dem griechischen Konsulat, Mohrenstr. 17, (Ecke Friedirchstr.10117 Berlin.

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Überwachen und strafen. Mit EU-Geldern

Der Migrationsminister für Einwanderung und Asyl, Notis Mitarakis, überwacht die Geflüchteten im neuen Lager auf Samos direkt aus seinem Ministerium in Athen heraus.

„Kameras übertragen live in die Kommandozentrale der Lager, aber auch in einen dafür eigens eingerichteten Überwachungsraum im griechischen Migrationsministerium. Aus der Kommandozentrale lässt sich bis in die Betten der Menschen sehen. Die Kameras sind teilweise mit künstlicher Intelligenz ausgestattet, die Bewegungen analysiert und Alarm schlägt, wenn sich Menschen beispielsweise in einer Gruppe versammeln. Ebenso werden Gesichter gescannt. Es gibt Wärmebildkameras und auch Drohnen kommen zum Einsatz.
Das Überwachungssystem heißt “Centaur” und ist Teil der griechischen “Nationalen Migrationsstrategie 2020-21”. Es handelt sich dabei um ein “Sicherheitsmanagementsystem” zum “Schutz von Menschenleben und Eigentum” sowie für “Aufnahmestrukturen von Drittstaatsangehörigen”. Auch weitere Überwachungssysteme kommen zum Einsatz: Hyperion und RAE.
Finanziert werden diese von der EU – genauer durch die “Recovery and Resilience Facility”, ein Fonds, der ursprünglich dafür gedacht war, die Wirtschaft von EU-Mitgliedstaaten nach der Corona-Pandemie auf nachhaltigem und digitalem Wege wieder anzukurbeln. Diese Recherche zeigt: Die Kosten von etwa 37 Millionen Euro für die Überwachungssysteme sind Teil des Antrages, den Griechenland gestellt hatte. Der Antrag wurde bereits genehmigt. Eine erste Anzahlung ist bereits überwiesen.“ Quelle: https://dasneuemoria.eu/

Jan Böhmermann dazu im ZDF Magazin Royale:

Was soll das Ganze? Angst machen. Abschrecken. Ohne Rücksicht auf Menschenrechte. Mit EU-Geldern.

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Jugendlicher in Griechenland stirbt im Kugelhagel der Polizei

Tweet der griechischen Polizei: „Insgesamt wurden sieben Polizisten verletzt“. Das wird nun angezweifelt. Bild: @hellenicpolice

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis, 25. Oktober 2021:
„Jugendlicher in Griechenland stirbt im Kugelhagel der Polizei
Streifenpolizisten erschießen Roma – und werden verhaftet. 32 Patronenhülsen am Tatort sichergestellt. Debatte um innere Sicherheit
In der Hauptstadt Athen und im nördlichen Thessaloniki haben spontane Demonstrationen gegen Polizeigewalt in Griechenland stattgefunden. Zuvor waren drei unbewaffnete Mitglieder der Volksgruppe der Roma, die mutmaßlich einen PKW gestohlen haben sollen, von sieben Polizisten unter Beschuss genommen worden. Am Tatort wurden 38 Patronenhülsen aus Polizeiwaffen gefunden.
Widersprüche im Polizeibericht
Ein Toter und acht Verletzte wurden nach dem blutigen Vorfall gemeldet, der sich in der Nacht zum Samstag in Perama bei Piräus zugetragen hat. Der Tote ist ein Roma, dessen Alter in den meisten Quellen mit zwanzig Jahren angegeben wird.“ weiterlesen

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