Ein kleiner Teil der »Elgin Marbles« im British Museum in London
Spiegel, 28.11.2023: „Skulpturenstreit eskaliert – Treffen der Premiers abgesagt »Als wäre die Mona Lisa geteilt«: Griechenland fordert von Großbritannien die Rückgabe bedeutender Skulpturen. London lehnt dies kategorisch ab – und provoziert nun sogar einen diplomatischen Eklat. Der diplomatische Streit zwischen Griechenland und Großbritannien um Marmorskulpturen, die einst am Parthenon-Tempel der Athener Akropolis angebracht waren, ist am Montag eskaliert. Ein geplantes Treffen der beiden Premierminister am Dienstag wurde von britischer Seite abgesagt. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis warf seinem britischen Amtskollegen Rishi Sunak daraufhin vor, dieser versuche, eine Diskussion um die umstrittenen Skulpturen zu vermeiden.“ Weiterlesen
Von Niels Kadritzke, Blog auf le Monde Diplomatique, 22. November 2023: „Das Phänomen Kasselakis und der Niedergang der Syriza Was zählt in diesen Zeiten der Kriege, Katastrophen und Tragödien – von Menschen verursacht oder unverschuldet – das Schicksal einer griechischen Partei? Zumal angesichts der Katastrophen und Tragödien, die auch Griechenland in den letzten Monaten durchgemacht hat. Dennoch gibt es Gründe für einen Versuch, den langsamen Tod – oder Selbstmord auf Raten – der Syriza darzustellen und zu erklären. Zum einen, weil die griechische Linkspartei und ihr Vorsitzender Alexis Tsipras vor einigen Jahren die politische Phantasie der gesamten europäischen Linken beflügelt haben. Zum anderen, weil dies nicht der einzige Fall einer Linkspartei ist, die sich „auf offener Bühne selbst zerlegt“, wie es die DW-Korrespondentin Kaki Bali formuliert. Ein dritter Grund ist der Katalysator, der im Fall der Syriza den Zerfallsprozess angestoßen hat. Das „Phänomen Kasselakis“ erscheint zwar wie ein „Implantat“ in die griechische Politik, aber das macht die Frage umso interessanter, weshalb – und mit wessen Hilfe – dieser Fremdkörper zum Kopf einer etablierten Linkspartei werden konnte.“ Weiterlesen
Zwei führende Personen der neuen Fraktion: die ehmaligen Minister Tsakalotos und Achtsioglou
Griechenland Zeitung, 23. November 2023: „SYRIZA-Abtrünnige wollen eine eigene Parlamentsfraktion in Griechenland gründen Nun ist es soweit: die sogenannte Gruppierung „6+6“ der Linkspartei SYRIZA hat sich am Donnerstag (23.11.) von der Mutterpartei verabschiedet. Angeführt wird diese Mannschaft der Abtrünnigen, der 57 hochrangige bisherige SYRIZA-Genossen angehören, von der früheren Arbeitsministerin Efi Achtsioglou. In dieser Mannschaft sind insgesamt neun Mitglieder des griechischen Parlaments. Gemeinsam mit zwei weiteren SYRIZA-Parlamentariern, die die Partei bereits vor einigen Tagen verlassen haben, können sie eine eigenständige Parlamentsfraktion gründen; laut Satzung sind dafür mindestens zehn Mandate nötig. In einer Mitteilung stellen sie fest, dass sie aus der Partei „für eine Politik der Verantwortung und der Hoffnung“ ausgetreten seien. Diese Entscheidung sei ihnen schwer gefallen, sie würden jedoch „weitermachen“. Dabei kritisiert die neue linke Fraktion in spe die Arbeit der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) mit scharfen Worten. Letztere hatte bei den Wahlen im Juni 40,56 Prozent der Stimmen erhalten und hat dadurch 156 der 300 Mandate in der Volksvertretung, wodurch eine eigenständige Regierung gebildet werden konnte. Nach Einschätzung der Gruppe „6+6“ würden sich die Konservativen dadurch „allmächtig“ fühlen, um „ihre antisoziale Politik fortzusetzen“. Unter diesem Prisma werde „die alltägliche Barbarei zur neuen Realität“.“ Weiterlesen
AthensLive Wire Newsletter, 19,11.2023: Ein weiterer jugendlicher Roma wurde von der Polizei erschossen Die Nachricht wurde zunächst so gemeldet: „Ein Toter in Viotia nach Verfolgungsjagd mit der Polizei – Die Waffe des Polizisten wurde abgefeuert.“ Es war in der Nacht von Samstag auf Sonntag, 12. November. Es gab eine Verfolgungsjagd – hieß es in dem Bericht. Ein Polizeiauto folgte ein „verdächtiges Fahrzeug mit 3-4 Insassen“. Als das verfolgte Auto in eine Sackgasse fuhr, begannen die Insassen mit den Polizisten zu streiten, so heißt es weiter. „Während des Streits gelang es einem der Täter, die Waffe eines der Polizisten an sich zu nehmen, und während des Kampfes fiel der Schuss aus der Waffe des Polizisten. Daraufhin fiel einer der Täter tot um.“ Erst im Nachhinein wurde eine ganz andere Version der Ereignisse bekannt. Zunächst erfuhr man, dass es sich bei dem Opfer um einen 17-jährigen Roma, Christos Michalopoulos, handelte. Der Anwalt der Familie des Opfers, Ioannis Bagkagiannis, gab bekannt, die Stelle, an der Christos erschossen wurde, sei gesäubert worden, bevor die mit der Spurensicherung beauftragte Polizeieinheit kam. Er sagte auch, dass die Polizisten, die an dem Vorfall beteiligt waren, die Leiche des toten Jungen mit dem Auto, das dieser gefahren hatte, überführten. Der Fahrersitz sei… gereinigt worden, damit der neue Fahrer darauf sitzen konnte. Der Anwalt fügte hinzu, dass eine Probe von den Händen des toten Jungen genommen wurde, um festzustellen, ob er in der Nähe der Waffe war, aber seine Hände waren gewaschen worden. Der Anwalt berief sich dabei auf medizinische Unterlagen.
Der 17. November 1973 ist gerade 50 Jahre her. Der Aufstand steht dafür, dass Widerstand gegen Diktatur möglich war und ist. Und dieser Aufstand hatte Wirkung. Er setzte das Fanal zum Fall der Juntaherrschaft.
Video von Ioanna Kryona
Die Zeitung der Redakteure (Efsyn) bringt viele Fotos und Videos von den Demonstrationen gestern am 17. November 2023: Großer Marsch für den Aufstand
Tsakalotos, Skourletis und Filis, Anführer des „Schirms“
46 Mitglieder des ZKs von Syriza erklärten heute ihren Austritt aus der Partei. Es handelt sich um diejenigen, die zur Gruppe „Schirm“ gehören und die ihren Austritt schon in den letzten Tagen angekündigt hatten. Heute erklärten sie ihren Austritt in einem Brief an die Parteiführung. Die Gruppe um Dionysis Teboneras, die gestern gemeinsam mit der Schirm-Gruppe die ZK-Sitzung unter Protest verlassen hatte, erklärte, dass sie in der Partei bleiben wird. Ob die Gruppe um Efi Achtsioglou, die gestern ebenfalls die Sitzung verlassen hatte, austreten wird, ist noch nicht ganz klar: Allerdings hatten sie heute Stefanos Kasselakis heftig kritisiert. (1)
Kasselakis zeigte sein wahres, das autoritäre Gesicht. Gestern hatte Kasselakis überraschenderweise öffentlich erklärt, er werde mit aller Macht und allen Mitteln dafür sorgen, dass das Ausschlussverfahren gegen vier seiner Kritiker sehr schnell durchgezogen wird. Falls das ZK keinen Ausschluss beschließen werde, werde er ein Referendum darüber beantragen. Dieser Schritt war noch von mehreren prominenten Politikern unter seinen Unterstützern (u.a. der rechten Hand von Tsipras, Nikos Pappas, scharf abglehnt worden. Heute tagte (und tagt noch bis einschließlich Morgen) das ZK von Syriza. Kasselakis hielt zum Auftakt des heutigen Treffens in einer völligen Kehrtwendung eine lange sehr aggressive Rede. Während er vorher immer von der Notwendigkeit der Einheit der Partei gesprochen hatte, sagte er heute, Syriza sei schon lange eine gespaltene Partei. Er griff die Parteilinke, u.a. den ehemaligen Finanzminister Tsakalotos frontal an. U.a. behauptete er, Tsipras habe schon immer unter der Kritik von Abweichlern gelitten und diese Kritik habe der Partei sehr geschadet.
Der griechische Bürgerbeauftragte versucht, die Vertuschung des Verbrechens von Pylos zu verhindern. Der Präsident der Griechischen Behörde für Kommunikationsschutz (ADAE) Christos Rammos (1) und der Vorsitzende der Datenschutzbehörde, Konstantinos Menoundakos, halten seit Monaten standhaft den Druck aus, der von der Regierung Mitsatotakis und ihr gefügigen Staatsdienern ausgeübt wird, um eine Verfolgung des Überwachungsskandals zu verhindern. Der griechische Bürgerbeauftragte (Ombudsmann) Andreas Pottakis leitete am 9.11.2023 eine unabhängige Untersuchung des Flüchtlingsschiffbruchs von Pylos ein. Er hatte bereits zweimal vom Chef der Küstenwache, Vizeadmiral Georgios Alexandrakis, gefordert, eine solche Untersuchung durchzuführen. Da dieser sich weigerte, wird der Bürgerbeauftragte jetzt selbst tätig. Der griechische Bürgerbeauftragte schreibt dazu: „Allein die Tatsache, dass Dutzende von Menschen auf tragische Weise ums Leben gekommen sind und Hunderte von Personen vermisst werden, würde ausreichen, um die Notwendigkeit einer umfassenden und sofortigen Untersuchung des administrativen Umgangs mit diesem besonderen Vorfall eines Schiffes in Seenot zu untermauern, für den die griechischen Behörden am 13. 06.2023 eine Meldung erhalten hatten, die dem Bürgerbeauftragten übermittelt worden war, insbesondere über ein Schiff, das illegale Migranten an Bord hatte, und das sich in einem Zustand der Verwundbarkeit und Gefahr befand, der der Küstenwache von vielen anderen Rettungsaktionen bekannt war.
WO | Oyoun – Lucy-Lameck-Staße 32, 12049 Berlin WANN | 17.11.2023, 20 – 23 Uhr WAS | Konzert zur Feier des 50. Jubiläums zum Fall der Diktatur in Griechenland.
Griechischer Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis mit seinem Neffen und früheren Generalsekretär Grigoris Dimitriadis (v.l.)
Von Rafael Buschmann, Max Hoppenstedt, Nicola Naber und Marcel Rosenbach, Spiegelonline 03.11.2023: „Predator Files – Spionage per Dankeskarte Hat der Neffe und frühere Generalsekretär des griechischen Premieministers eine Spähsoftware an einflussreiche Personen des Landes verschickt? Neue Enthüllungen bringen die Regierung in Erklärungsnöte Für viele Griechen hat der Namenstag eine größere Bedeutung als der Geburtstag. Man gratuliert zum Namenstag, begeht ihn oft gemeinsam mit seinem Freunden und der Familie. Es ist ein Tag der Freude. Eigentlich. Doch der Namenstag eines der wichtigsten Politiker Grichenlands wurde elf einflussreichen Personen des Landes zum Verhängnis. Sie wurden angegriffen, mit einer Spähsoftware, die Daten, Bilder und Geheimnisse von ihren Telefonen klauen kann.“ Weiterlesen