„2700 Kilometer lang Griechen planen schwimmende Barriere gegen Flüchtlinge„ So der Titel eines Artikels auf BILD.de vom 29.1.2020 (wurde mittlerweile korrigiert) Der Artikel beginnt mit dem Satz „Mit einer neuen Maßnahme wollen die Griechen Flüchtlinge stoppen, die übers Mittelmeer auf die Griechischen Inseln kommen. Dazu soll es eine Barriere im Wasser geben – rund 2700 Kilometer lang.“ (auch hier wurde die Länge korigiert) Wahr ist, dass die griechische Regierung eine schwimmende Barriere plant, aber bei der Länge hat BILD sich um den Faktor 1000 geirrt. Tatsächlich soll sie 2,7 km lang werden. In Griechenland macht man sich über die wenig Wirkung versprechende Idee der Regierung lustig.
Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis, 29. Januar 2020: „Die Politik entscheidet über Fußball-Meisterschaften König Fußball bestimmt weiterhin das Tagesgeschehen in der „Wiege der Demokratie“. Das Parlament in Athen hat am Mittwoch über ein als Eilantrag eingebrachtes Gesetz zur Verhinderung des Abstiegs des Traditionsteams PAOK Thessaloniki und der Mannschaft von Xanthi entschieden. Von 246 anwesenden Abgeordneten stimmten 156 dafür, dass der Zwangsabstieg als Strafe abgeschafft wird, 90 stimmten dagegen. Das Gesetz wurde auf Anweisung von Premier Mitsotakis von der Kulturministerin als Zusatzartikel in eine Gesetzesinitiative zur Geburtenförderung eingebaut. Begründet wurde der entsprechende Eilantrag mit dem Hinweis, dass eine Teilung und Aufwiegelung der Gesellschaft des Landes verhindert werden müsse. Statt eines Zwangsabstiegs soll es für die Teams eine Strafe in Form von Punktabzug, von fünf bis zehn Punkten während der laufenden Saison, geben. Das Parlament beschäftigte sich nicht mit der Frage, ob die gegen PAOK und Xanthi erhobenen Vorwürfe, die mit einem Entscheid der Kommission für den professionellen Sport vom Montag (Fußball regiert die Republik Griechenland) bestätigt wurden, stichhaltig sind oder nicht.“ weiterlesen
Oligarch Ivan Savvidis, der zwei Vereine kontrollieren soll. Bild: W. Aswetsopoulos
Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis, 28. Januar 2020: „PAOK Thessaloniki und Xanthi, die beide dem russisch-griechischen Oligarchen Ivan Savvidis gehören, wurden zum Zwangsabstieg verurteilt, die Politik ist in Panik. Die Nachricht schlug am Montagabend, wie griechische Medien titeln, „wie eine Bombe ein“, der amtierende Meister des griechischen Profifußballs PAOK Thessaloniki wurde von der Kommission für den professionellen Sport zum Zwangsabstieg verurteilt. Ein in Griechenland gern verwandtes Zitat besagt, dass eine Revolution im Land erst dann möglich ist, wenn eine der „großen Mannschaften“ zum Zwangsabstieg verurteilt wird. Diese Härteprobe steht der griechischen Politik nun bevor. Das bedeutet konkret, PAOK Thessaloniki wurde zum Abstieg in die zweite Liga verurteilt, kann aber damit rechnen, dass die geltenden Gesetzte schlicht außer Kraft gesetzt werden. Denn obwohl die Kommission für den professionellen Sport rein rechtlich eine unabhängiges Amt ist, dessen Urteile von der Regierung umzusetzen sind, schaltete sich der ministerielle Staatssekretär für Sport, Lefteris Avgenakis, bereits ein.“ weiterlesen
Von Claus Kittsteiner: „Das neue Jahr 2020 hat begonnen, leider mit wenig Aussicht auf die Durchsetzung von Vernunft, Menschlichkeit und Frieden auf der Welt.
Die griechische Insel Lesbos ist wie die Inseln Chios, Samos, Leros und Kos einer der sog. Hotspots in der Ost-Ägäis. Geflüchtete, mittlerweilen 42.000 auf den Inseln, werden dort nach ihrer Ankunft in Registrierzentren verbracht. Auf Lesbos ist es das Lager Moria. Es wurde vor Jahren gebaut für 2500 Personen. Innerhalb des letzten halben Jahres gibt es laut UN-Statistik einen sprunghaften Anstieg der dortigen Flüchtlingszahl von 6500 auf 19.000. Heute sind es bereits unvorstellbare 21.000 Menschen, darunter 40% Kinder und unbegleitete Jugendliche, die unter elendigsten Bedingungen und oft im Freien im Lager auf der kleinen Lesbos-Insel dahinvegetieren müssen.
Von mannschaft.com, 24.1.2020: „Zak Kostopoulos starb im September 2018. Diese Woche wurden nun zwei Geschäftsmänner und vier Polizisten wegen tödlicher Körperverletzung angeklagt, die zum Tod des LGBTIQ-Aktivisten in der Innenstadt von Athen geführt hatte. Das Gericht folgt einer Empfehlung des Staatsanwalts, dass die sechs Personen vor Gericht gestellt werden sollen. Abgelehnt wurde einem Bericht des National Herald zufolge aber ein Antrag der Familie des getöteten Kostopoulos, den Fall als vorsätzlichen Mord zu werten.“ weiterlesen
Pro Asyl, 24.01.2020: „Während Deutschland und Europa den Deal mit dem autoritären Präsidenten Erdogan im wahrsten Sinne des Wortes um jeden Preis erhalten wollen, erinnern wir mit unserer Partnerorganisation RSA an die menschenverachtenden Auswirkungen des Deals in Griechenland. Der Bericht »Albtraum Moria« dokumentiert die Abgründe europäischer Flüchtlingspolitik.
Auf Lesbos befinden sich derzeit über 21.000 Schutzsuchende. Nach Angaben des UNHCR stammt die Mehrheit von ihnen aus Afghanistan (70%), Syrien (13%), der Demokratischen Republik Kongo (4%) und Somalia (4%). Allesamt Herkunftsländer mit einer hohen Schutzquote. In und um den EU-Hotspot Moria harren 19.200 Schutzsuchende unter desaströsen Bedingungen aus. Mehr als 40% der Schutzsuchenden auf Lesbos sind Kinder. Schreckliche Bedingungen Diese Kinder sind schrecklichen Bedingungen, Unsicherheit und Gewalt ausgesetzt. Die »Sicherheitszone« innerhalb des Hotspots (mit einer Kapazität für 66 unbegleitete Minderjährige) ist völlig überfüllt. Die Mehrheit der Kinder muss zusammen mit Erwachsenen unter extrem prekären Bedingungen leben. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks schlief die Hälfte der 1.150 unbegleiteten Kinder, die im November 2019 in Moria lebten, in Großzelten oder musste sich selbst einen Schlafplatz suchen.“ weiterlesen
Interview: Christian Kaserer, Junge Welt, 25,1,2020: „Athen: Deutscher Reporter wird bei Demo von griechischen Faschisten verprügelt und von Polizisten im Stich gelassen. Ein Gespräch mit Thomas Jacobi. Am vergangenen Sonntag demonstrierten in Athen Neonazis gegen Migration. Sie waren als Reporter vor Ort und wollten berichten, wurden dann aber von Faschisten angegriffen (jW berichtete). Wie lange beschäftigen Sie sich schon mit der griechischen Rechten? 2016 haben meine Kollegin Angélique Kourounis und ich einen Film über die griechischen Faschisten, die »Goldene Morgenröte« (jW verwendet die Übersetzung »Goldene Morgendämmerung«), veröffentlicht. »Goldene Morgenröte – eine persönliche Angelegenheit« kam damals international ziemlich gut an und hat auch Preise gewonnen. Für das Nachfolgeprojekt verfolgen wir seit Jahren den Gerichtsprozess gegen die Partei. Das ist für Griechenland ein wichtiges Verfahren, bei dem sich 69 Angeklagte verantworten müssen, etwa weil sie Migranten oder kommunistische Gewerkschafter mit Eisenstangen verprügelt und sogar Menschen totgeschlagen haben. Die »Goldene Morgenröte« könnte dabei als kriminelle Vereinigung eingestuft werden. Die Staatsanwältin plädierte nun aber auf »unschuldig« für 68 der Angeklagten. Das haben die Faschisten als ein Zeichen verstanden, ihre Einsatzkommandos wieder aufmarschieren lassen zu können.“ weiterlesen
Zahra ist sechs Jahre alt. Sie ist Autistin und leidet unter psychischen Problemen. Sie lebt mit ihren Eltern in Moria in einem Raum ohne Elektrizität, den die Familie mit vielen weiteren Asylbewerber*innen teilt. Es gibt keine Rückzugsmöglichkeiten. Eine völlig unhaltbare Situation. (Foto: Anna Pantelia/MSF)
Ärzte ohne Grenzen e.V., 23. Januar 2020: „Die griechische Regierung verwehrt mindestens 140 Kindern mit chronischen, komplexen und lebensbedrohlichen Krankheiten im Lager Moria auf der Insel Lesbos die notwendige medizinische Versorgung. Ärzte ohne Grenzen fordert die griechische Regierung auf, alle schwerkranken Kinder sofort auf das griechische Festland oder in andere EU-Mitgliedsstaaten zu bringen, damit sie eine angemessene medizinische Versorgung erhalten. Wir sehen viele Kinder, darunter Babys, die an Krankheiten wie Diabetes, Asthma und Herzkrankheiten leiden. Sie sind gezwungen, in Zelten zu leben, unter katastrophalen unhygienischen Bedingungen, ohne Zugang zu der medizinischen Versorgung und den Medikamenten, die sie brauchen“, sagt Hilde Vochten, medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland. „Ärzte ohne Grenzen führt derzeit Gespräche mit den griechischen Behörden, um Kinder auf das Festland zu verlegen. Obwohl einige Kinder untersucht wurden, fand bisher noch keine einzige Überweisung statt. Die Weigerung der Regierung, eine schnelle, organisierte Lösung für diese Kinder zu finden, ist empörend – sie schadet deren Gesundheit und kann lebenslange Folgen und sogar den Tod nach sich ziehen.“ weiterlesen
Griechenland Zeitung, 22. Januar 2020: „Zum ersten Mal in Europa wird eine kartografisch unterstützte Datenbank über die Präsenz sämtlicher deutscher Truppen in einem besetzten Land während des Zweiten Weltkriegs erstellt. Obwohl der deutschen Besatzungszeit im kollektiven Gedächtnis der heutigen griechischen Gesellschaft eine große Bedeutung zugemessen wird, gibt es bisher keine systematische Erfassung der deutschen militärischen und paramilitärischen Einheiten im damaligen Griechenland. Das zu ändern, hat sich das Forschungsprojekt „Datenbank deutscher militärischer und paramilitärischer Einheiten in Griechenland 1941-1944/45“ zum Ziel gesetzt. Realisiert wird diese Untersuchung am Institut für Historische Forschung der Nationalen Griechischen Forschungsstiftung.“ weiterlesen
„Szenen einer Jagd: Türkischer Küstenschutz rammt im Mittelmeer ein Boot mit Fliehenden. Ist das der Deal mit unserer Bundesregierung? Doch das Auswärtige Amt schweigt. Die Meldung liest sich wie eine Nachricht aus dem Krieg. „Am 4. Dezember um 9 Uhr jagte die türkische Küstenwache ein Flüchtlingsboot. Die Küstenwache versuchte, das Boot anzuhalten und zu rammen, um es zu blockieren und in die Türkei zurückzubringen.“ Geschrieben hat sie die Rettungsorganisation „Consolidated Rescue Group“ (CRG) – und untermalte diese Notiz mit Filmaufnahmen.“ Von Jan Rübel, ReporterYahoo Nachrichten Deutschland, 21. Januar 2020 Weiterlesen →