Manolis Glezos – Besatzung

Links Bruder Nikos, in der Mitte die Mutter, rechts Manolis Glezos, unten die zwei Stiefgeschwister

Am Athener Gymnasium, das er besuchte, gründete er eine Widerstandsgruppe. Von 1936 bis zu seinem Tod 1941 war der General Ioannis Metaxas Diktator Griechenlands. Ab 1940 studierte Glezos an der Athener Wirtschaftsuniversität. Als italienische Truppen am 28. Oktober 1940 ihren Krieg gegen Griechenland begannen, meldete er sich freiwillig als Soldat, wurde aber wegen seines geringen Alters nicht genommen. Er arbeitete im Untergrund als Mitglied von Jugendorganisationen der Nationalen Befreiungsfront (EAM) und der Kommunistischen Partei.

Die technisch deutlich unterlegenen griechischen Soldaten konnten die Italiener zurückschlagen – dies war der erste ernsthafte Rückschlag der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg. Daraufhin fielen am 6. April 1941 deutsche Truppen in Griechenland ein.

deutsche Besatzungstruppen in Athen vor der Akropolis

Am 27. April 1941 besetzten die deutschen Truppen Athen. Am 30. Mai 1941 kletterte Manolis Glezos nachts zusammen mit Apostolos Sandas auf die Akropolis und sie rissen die gehisste Hakenkreuzfahne herunter. Diese mutige Tat war nicht von irgendeiner Organisation geplant, die beiden sehr jungen Männer handelten auf eigene Faust.

In dem Buch von E. Rigas „Ritter der Akropolis. Zur Verteidigung von Manolis Glezos“ von 1959 heißt es: >In seinen Erinnerungen schreibt Glezos: „Am 30. Mai 1941 irrten wir ziellos durch die sönnen- durchglühten Straßen Athens … Das faschistische Symbol, das schwarze Hakenkreuz, jenes grausame.Schreckgespenst, verfinsterte den hellen Himmel über uns .. . Wenn wir nur- Pistolen, Waffen hätten … Wenn wir uns hinter der Straßenecke verstecken und auf die Deutschen schießen könnten . .. Vor uns zogen die Invaliden auf ihren Wägelchen dahin. War nun alles verloren? Die alten Machthaber hatten uns verraten und waren geflohen… Die Mütter weinten und warteten auf jene, die nie mehr zurückkehren sollten.

Es bedurfte keiner Worte, wir verstanden uns auch so … Um 8 Uhr abends wollten wir uns treffen ..Glezos schlenderte an der Akropolis vorbei und erkundete das Gelände. Dann ging er in den Leseraum und las dort im Lexikon über die Akropolis nach. Er machte sieb mit allen Einzelheiten des Mythos der heiligen Schlange vertraut ünd erfuhr auch, daß der geheime Gang tatsächlich existiert. –

„Es dämmerte“, berichtet Glezos weiter, „der Mond war noch nicht auf gegangen. Es war ein herrlicher, attischer Abend. Schweigend durchquerten wir das PIakaviertel in Richtung zur Akropolis. Die technische Durchführung des Unternehmens hatten wir bereits besprochen. Nur eine kleine Laterne führten wir mit. Noch einmal überblickten wir das Gelände, schlugen dann um die Akropolis einen Bogen.“ Jetzt versuchten sie, die Standorte der Posten ausfindig zu machen. Von. den Propyläen drangen Frauenstimmen, Gesang und lautes Lachen zu ihnen herüber. Die Helden des „Dritten Reiches“ amüsierten sich. Stand jetzt auf dem Gipfel an der Fahne keine Wache?

„Wir sprangen über die Drahtverhaue, die das im nördlichen Teil der Anhöhe liegende Wäldchen umgaben, schlichen lautlos weiter und begannen die steilen Felsen zu erklimmen, die zur Grotte der heiligen Schlange führten. Wir fanden den Eingang und gelangten: dann zum Gipfel der Akropolis. Mit angehaltenem Atem blickten wir uns um: rechts die Propyläen, links das Erechtheion, uns gegenüber der Parthenon; alles lag in majestätischer Ruhe vom Mondlicht übergossen da. Still war es ringsum, bisher waren wir auf keinen Deutschen gestoßen. Wir schlichen gebückt im Schatten der Säulen weiter. Stand da nicht jemand, dort, hinter der Wand? Lange verharrten wir im Schatten der nördlichen Mauer. Kühner gingen wir weiter vor und näherten uns dem Sockel, auf dem der Fahnenmast stand. Niemand war zu sehen. Nur über uns flatterte das verhaßte Symbol… sechs Meter lang und vier Meter breit, in der Mitte das Hakenkreuz, in der Ecke das Deutsche Kreuz.“

Glezos mit Apostolos Sandas (1945)

Ohne Zeit zu verlieren, kletterte Manolis auf den Sockel, löste das Drahtseil, aber der verwirrte Draht gab nicht nach, und die Fahne hing weiter amiMast. Es vergingen Sekunden, Minuten, jeden Augenblick konnte der Posten kommen. Manolis kletterte am Mast hoch und versuchte, die Fahne herunterzuholen. Vergebliche Mühe! Man hatte sie zu gut befestigt. Nun versuchte es Lakis, doch ebenfalls ohne Erfolg. Viel Zeit war vergangen, von den Propyläen klang kein fröhlicher Lärm mehr herüber. Noch einmal erklomm Manolis den Fahnenmast. Mit seinem ganzen Gewicht hing er sich an die Fahne. Auch das half nicht.

Die Jungen hatten eine neue Idee: Sie zerschnitten das Seil und rissen die Keile zwischen Sockel und Mast heraus. Bereits über eine Stunde dauerte die Arbeit. Jetzt bewegten sie den Mast rhythmisch hin und her, und plötzlich — fiel die riesige Fahne um, und das Tuch deckte alle beide zu. In dem Augenblick, als sie deutlich Spuren ihrer Finger auf dem Mast hinterließen, damit die Deutschen für’ihre Tat nicht die Einwohner des am Fuße der Akropolis liegenden Plakaviertels beschuldigten, hörten sie irgendwelche Stimmen. Sie ließen sich auf die Erde fallen und warteten mit angehaltenem Atem … Es waren Eulen, die in ihre Nester zurückkehrten.
„Die Kiefern der Akropolis“, erzählt Glezos weiter, „und dann schmale und dunkle Gäßchen des Plakaviertels verdeckten unseren Rückzug.“ –

Es war schon spät, längst nach der Polizeistunde. Sie gingen auf den Straßenbahnschienen lang, damit die Hunde der deutschen Gendarmerie am nächsten Tag ihre Spuren nicht entdecken konnten.; In der ’Nähe des Stadtzentrums begegneten sie einem griechischen Polizisten. „Wir waren auf einem Fest und haben uns verspätet“, erklärte Lakis. ; „Ach, wenn sie wüßten, was das für ein Fest war.!“ fügte Manolis hinzu.<

Diese Widerstandshandlung war ein Fanal, das viele Griechen und viele Menschen in anderen Ländern zum Widerstand inspirierte. General de Gaulle bezeichnete ihn als „ersten Partisan Europas“. Der weltberühmte Musiker Mikis Theodorakis, ein Kampfgenosse von Glezos, drückte es in seinem Nachruf so aus: Das Herunterreißen der Hakenkreuzfahne war „ein ewiges Symbol der Freiheit!“

Manolis (links) und Nikos Glezos

Die deutschen Besatzer verurteilten Glezos und Sandas in Abwesenheit zum Tode. Sie suchten mit größtem Eifer nach den beiden. Am 24. März 1942 wurden die beiden verhaftet. Glezos wurde schwer gefoltert. Weil er an Tuberkolose erkrankte, wurde Glezos freigelassen. Am 21. April 1943 wurde er von den italienischen Besatzungstruppen festgenommen und drei Monate im Gefängnis festgehalten. Am 7. Februar 1944 wurde er wieder verhaftet und blieb siebeneinhalb Monate im Gefängnis, aus dem er am 21. September 1944 fliehen konnte.


Am 5. März 1925 wurde der Bruder von Manolis, Nikos Glezos, geboren. Ab Oktober 1942, als 17jähriger, beteiligte er sich ebenfalls aktiv am Widerstand. Am 13. April 1944 wurde er von den Deutschen verhaftet, weil er an eine Wand geschrieben hatte „Freiheit oder Tod“ Er wurde schwer gefoltert und am 10. Mai zusammen mit 91 anderen nach Kesariani gebracht. Am Schießstand von Kesariani wurden in der Zeit von 1942 bis 1944 etwa 600 Menschen von Soldaten der Wehrmacht erschossen. Auch Nikos Glezos wurde hier – zusammen mit den 91 anderen – hingerichtet. Er wurde 19 Jahre alt.

Nikos Glezos, hingerichtet mit 19 Jahren

Im Oktober 1944 mussten die deutschen Truppen sich aus Griechenland zurückziehen.

Sie hinterließen „verbrannte Erde“. Am Ende des Krieges waren 9,5 Prozent der Griechinnen getötet oder invalide. Deutsche Soldaten verübten viele hundert, teils bestialische Massaker an Zivilistinnen. Die griechische Wirtschaft wurde systematisch ausgebeutet, so dass es zu Hungerkatastrophen und Massenelend kam. Die griechische Infrastruktur wurde zerstört und die Nationalökonomie ruiniert, wodurch Griechenland in den Status eines Entwicklungslandes zurückgeworfen wurde. Dazu kam eine so genannte Zwangsanleihe in Höhe von 476 Millionen Reichsmark (heute zwischen acht und elf Millarden Euro), die das besetzte Griechenland zwischen 1942 und 1944 an die Nazis zahlen musste. Doch deutsche Kriegsschuld wurde und wird systematisch geleugnet und verdrängt – bis heute.

Glezos 2015 an der Gedenkstätte in Kesariani, wo auch sein Bruder Nikos erschossen wurde

Quellen:
https://www.mixanitouxronou.gr/nikos-glezos-o-agnostos-iroas-ke-adelfos-tou-manoli-glezou-pou-ektelestike-apo-tous-germanous/
https://www.efsyn.gr/politiki/237314_stigmes-toy-manoli-glezoy
https://el.wikipedia.org/wiki/%CE%9C%CE%B1%CE%BD%CF%8E%CE%BB%CE%B7%CF%82_%CE%93%CE%BB%CE%AD%CE%B6%CE%BF%CF%82
E. Rigas: Ritter der Akropolis. Zur Verteidigung von Manolis Glezos, Dietz Verlag (Berlin) 1959



Zu Manolis Glezos siehe auch
Ein Held ist gestorben
Bürgerkrieg
die Jahre des Schattenstaates
Ein Manifest gegen die Unterwerfung
„Falls Du überlebst, tanze auch für mich!“

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