Ausstellung über NS-Zwangsarbeit: Das Album der Schande

Von Klaus Hillenbrand, taz 23.10.2024:
„Ausstellung über NS-Zwangsarbeit: Das Album der Schande
Ein Fund auf dem Flohmarkt erweist sich als einmalige Fotodokumentation der NS-Zwangsarbeit in Griechenland. Nun werden die Bilder in Berlin gezeigt.
Die kleinen Schwarz-Weiß-Fotos auf schwarzem Trägerpapier wirken nicht eben spektakulär. „Blick vom Meer zur Stadt“ hat der Fotograf die Bilder von der griechischen Hafenstadt Thessaloniki überschrieben. Sie zeigen Schiffe und am Wasser gelegene Gebäude. „Hammelbraten am Spieß“ steht unter einem anderen Bild, darauf vier Männer in sommerlicher Szene. Auf einigen Fotos sind Uniformträger zu erkennen.
Als Andreas Assael vor mehr als 20 Jahren von einem Flohmarkthändler bei München das Album mit diesen Bildern angeboten bekommt, ist er nur mäßig interessiert. Der griechische Ingenieur sammelt Kollektionen wie diese, das weiß der Verkäufer. „Du Grieche, ich habe etwas für dich“, habe der ihn angehalten.“
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Vortrag: „Griechenland und Zwangsarbeit: Nationale und europäische Perspektiven“

Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit
Britzer Straße 5 | 12439 Berlin
22. Oktober | 19 Uhr

In Bezug auf das Thema Zwangsarbeit nimmt Griechenland eine Sonderstellung ein: Im Gegensatz zu den anderen besetzten Gebieten Europas wurden die meisten Griech:innen in ihrer Heimat zur Arbeit gezwungen.
Von 1941 bis 1944 erlebte Griechenland eine brutale deutsche Okkupation, die von Hungersnot und Terror geprägt war: Mehr als 200.000 Tausende starben oder wurden ermordet. Hunderttausende Griech:innen mussten für die Wehrmacht oder die Organisation Todt und deutsche Firmen arbeiten. Zudem wurden rund 10.000 Griech:innen im Rahmen militärischer und polizeilicher Aktionen festgenommen und in das Deutsche Reich verschleppt, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten, die meisten als KZ-Häftlinge.
Die Zwangsarbeit gehört zu den am wenigsten erforschten Aspekten der Besatzung Griechenlands. Die Veranstaltung skizzierte die Zwangsarbeit in Griechenland und im Deutschen Reich und ordnet sie in den gesamteuropäischen Kontext ein.

Begrüßung: Dr. Christine Glauning
Leiterin des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit
Vortrag: Dr. Iason Chandrinos
Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit
Kommentar: Dr. Gero Fedtke
Leiter der Gedenkstätte für die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge

Eine Begleitveranstaltung zur Sonderausstellung „KARYA 1943. Zwangsarbeit und Holocaust“

Um 18 Uhr führen die Kurator:innen durch die Ausstellung.

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Übertourismus

Santorin

In diesem Jahr wurden die Probleme, die die immer größer werdende Zahl von Touristen in Griechenland mit sich bringen, so oft und so laut diskutiert, wei noch nie zuvor. Das Wort Übertourismus Υπερτουρισμός war vielfach zu hören. Natürlich leugnet die Regierung Mitsotakis, dass es so etwas im Lande gibt. Sie setzt auf ihn, weil er gemäß des neoliberalen Weltbildes die kapitalitische Ausbeutung ungehindert ankurbeln soll.
Niels Kadritzke analysiert in gewohnter Schärfe und Breite…

Von Niels Kadritzke, monde-diplomatique.de 17. Oktober 2024:
Tourismus über Alles
Zunächst möchte ich um Verständnis dafür bitten, dass seit meinem letzten Blogtext fast elf Monate vergangen sind. Die lange Pause hat mit beruflichen und anderen Belastungen zu tun, aber auch mit einem merkwürdigen Schwebezustand der griechischen Gesellschaft und Politik. Und mit der ständigen Vermutung, dass der Ist-Zustand zu unbeständig ist, um ihn schlüssig beschreiben zu können. Das gilt insbesondere für den Verfallsprozess der griechischen Linken, die von einer Krise in die andere taumelt, sodass jede Darstellung des Desasters nach einer Woche schon wieder überholt erscheint. Es gilt aber auch für die innere Krise der Mitsotakis-Regierung, die stark an Vertrauen eingebüßt hat und bereits über eine abermalige Wahlrechtsänderung nachdenkt, die ihr die Regierungsmacht auch bei erheblichen Stimmenverlusten garantieren könnte.
Ich werde dennoch in den nächsten Wochen versuchen, diese Entwicklungen auf der unübersichtlichen politischen Bühne zu verfolgen und darzustellen. Zunächst aber erscheint an dieser Stelle ein Text, der durch die europaweite Diskussion über das Phänomen des „Übertourismus“ angeregt wurde. Ich habe dazu für die September-Ausgabe von LMd eine Glosse verfasst, deren Würze in der Kürze liegt, deren Thesen ich aber unbedingt auf ein breiteres Fundament von empirischen Fakten und Argumenten stellen will. In der Hoffnung, dass auch die Leser:innen des LMd-Textes interessiert sind, ein genaueres Bild von den Problemen und Widersprüchen der griechischen „Schwerindustrie“ zu gewinnen.
Ein wahres Schmuckstück
Mein Nachbar, nennen wir ihn Sotiris, liebt sein Dorf. Hier ist er aufgewachsen, hier lebt er mit seiner Familie, inmitten einer rapide alternden Bevölkerung. Sotiris will seinen Heimatort lebendig erhalten. Und so hat er zwei alte Häuser aufgekauft, deren Bewohner verstorben waren, und fast im Eigenbau in “traditional luxury apartments” umgewandelt. Mit lokalen Materialien und Respekt für die architektonische Tradition, ein wahres Schmuckstück.“
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Das zweite Ende des Alptraums

UPD. Am 8. September schrieben wir „die Party ist zu Ende“. Leider fand die Qual noch eine Fortsetzung. Kasselakis bezeichnete sich weiterhin als Vorsitzenden von Syriza – in schlechter Trumpscher Manier – obwohl er gerade abgesetzt worden war. Er ging sogar so weit, ohne Substanz juristisch gegen Syriza vorzugehen. Heute platzte dem ZK der Kragen: Er schloss Kasselakis von der Kandidatur zur Wahl des Vorsitzenden aus. Seine Chancen, wieder als Vorsitzender gewählt zu werden, waren groß, weil er wieder – wie bei seiner Wahl im letzten Jahr – vor allem auf Stimmen von Nicht-Parteimitliedern (die mitstimmen können) setzte.
Kasselakis gibt noch nicht auf. Er setzt jetzt darauf, beim Kongreß von Syriza, der vom 8. bis 10. November stattfinden soll, eine Mehrheit der Delegierten hinter sich zu bringen. Der Kongress könnte ihm wieder erlauben, für das Amt des Vorsitzenden zu kandidieren, weil es das höchste Gremium der Partei ist. (Quelle efsyn)
Es kann gut sein, dass Kasselakis Syriza auch dann noch mehr beschädigen wird, wenn er bei diesem Kongress scheitert. Er könnte dann eine eigene Partei gründen.

Siehe Beiträge zu Kasselakis: https://griechenlandsoli.com/?s=Kasselakis+

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Veranstaltung ”Nur wer zahlt, meint es ernst!”, am 13.10.2024 in Berlin

”Nur wer zahlt, meint es ernst!”
Veranstaltung:
Die Verantwortungsverweigerung der Deutschen Bahn AG für die Beteiligung der Deutschen Reichsbahn am nationalsozialistischen Mordprogramm

Sonntag, 13. Oktober 2024, 18 Uhr
aquarium/Südblock (U-Kottbusser Tor, Berlin)
Eintritt frei, Spende erwünscht

Die Veranstaltung findet am Vorabend der offiziellen Gedenkfeier zum Beginn der Deportationen der Jüdinnen*Juden am Gleis 17 in Berlin statt. Veranstalterinnen: AK-Distomo, Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V. und VVN-BdA Berlin

Tayo Awosusi-Onutor (Künstlerin und Mitbegründerin von RomaniPhen e.V.)
Achim Doerfer (Anwalt, Autor und Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Göttingen)
Martin Klingner (Rechtsanwalt, Aktivist im AK-Distomo)

Wie ernstgemeint ist das Gedenken in der Bundesrepublik Deutschland an die NS-Verbrechen? Die Veranstaltung beleuchtet die Frage, ob der deutsche Staat und seine Institutionen wie die Deutsche Bahn AG ernsthaft Verantwortung für die Beteiligung ihrer Rechtvorgänger/innen am NS-Mordprogramm übernehmen oder ob das Gedenken nur symbolisch bleibt. Wir setzen einen Kontrapunkt zur offiziellen Erinnerungspolitik, bei der Themen wie die Verfolgung von NS-Tätern und die unzureichende Entschädigung der Opfer ignoriert werden….
Anschließend Diskussion mit allen Anwesenden.

Mehr Infos: https://www.nadir.org/nadir/initiativ/ak-distomo/

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Polizisten schlagen Pakistani tagelang auf fünf verschiedenen Wachen, bis er schließlich stirbt.

Die Polizeistation, in der Mohammed Kamran Asik starb

Neun Tage lang dauerte die Todesqual des Mohammed Kamran Asik. Während dieser Zeit wurde er auf fünf verschiedenen Polizeistationen in Athen festgehalten und geschlagen, bis er am Morgen des 21. September 2024 tot aufgefunden wurde. „Als er um 7.30 Uhr im Untersuchungshaftraum der Polizeiwache gefunden wurde, hatte der 37-jährige Pakistaner Dutzende von Schlägen am ganzen Körper erhalten. Einige der Blutergüsse sahen frisch aus, andere älter. Aber das alles in der Zeit, in der Mohamed Kamran unter der Aufsicht der griechischen Polizei stand.“ (1)
„Die offizielle Sterbeurkunde, die von einem Gerichtsmediziner ausgestellt wurde, spricht von einer ungeklärten Todesursache, ohne eine direkte pathologische Ursache für den Tod des Opfers zu identifizieren. Was jedoch ausdrücklich aufgezeichnet wird, sind die Verletzungen vor der Obduktion, die das Ergebnis von Schlägen am ganzen Körper waren: am Kopf, am Rücken, an den Beinen sowie an den geschwollenen Handgelenken, wo die von KEERFA veröffentlichten Fotos, die den Vorfall hervorheben, die Spuren von Handschellen des Opfers zeigen…“

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Homayoun kommt frei!

Von Stavroula Poulimeni, alterthess.gr 25.9.2024:
„Homayoun wird aus dem Gefängnis entlassen! Das Gericht hat beschlossen, die Strafe für den iranischen Einwanderer Homayoun Sabetara zu reduzieren.
Das Gericht in Thessaloniki hat bekannt gegeben, dass das erste Urteil des Berufungsgerichts im Fall gegen die Verurteilung des syrischen Häftlings Homayoun Sabetera aufgehoben wurde.
Die Verhandlung vor dem Berufungsgericht in Thessaloniki hatte ein positives Ergebnis für den 61-jährigen iranischen Einwanderer Homayoun Sabetara, Vater von zwei Kindern, der wegen des Vorwurfs des „Migrantenhandels“ angeklagt war. Homayoun war seit 2021 in griechischen Gefängnissen inhaftiert, nachdem er zusammen mit anderen Migranten festgenommen wurde, als er versuchte, Griechenland zu durchqueren, um zu seiner Tochter in Deutschland zu kommen. Er war in erster Instanz zu 18 Jahren Haft verurteilt worden – er saß wie Tausende von Migranten in unserem Land als Folge der systematischen Kriminalisierung der Migration in Europa im Gefängnis.
Nach einer groß angelegten Solidaritätskampagne von Flüchtlingsrechtsorganisationen und in Thessaloniki ansässigen Vereinen, die auf das Problem aufmerksam machten, beschloss das Gericht heute, seine Strafe auf das Mindestmaß zu reduzieren. Er wird in einigen Wochen freigelassen, wenn er die entsprechende Strafe abgesessen hat.

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Am 28.9.24 in Berlin: Filmvorführung „The Other Half“

Trailer des Films „The Other Half“

Herzliche Einladung von Pro Asyl zur Filmvorführung „The Other Half“, 28.9.24 18:00 mit anschließender Einordnung und informellem Ausklang:
„PRO ASYL und Project ELPIDA veranstalten diesen Samstag, 28.9.24 um 18:00 eine Filmvorführung mit einer anschließenden Einordnung des Films in die politische Situation durch unter anderem PRO ASYL, sowie einem informellen Ausklang bei Getränken und Snacks. Zum ersten Mal in Deutschland gezeigt wird der, maßgeblich von PRO ASYL finanzierte, Film The Other Half im TAK-Theater in Berlin-Kreuzberg. Im Film geht es um die allseits geforderten Zurückweisungen an Grenzen und was das an der griechischen Grenze jetzt schon bedeutet. Außerdem um die großartige Arbeit unserer Partnerorganisation RSA vor Ort.
Eintritt auf freiwilliger Spendenbasis. Das Programm findet sich unter: https://www.tak-berlin.org/the-other-half
Im Foyer wird es eine kleine Fotoausstellung zum Thema geben, mit Bildern aus Italien und Griechenland.
Der Film wird im Originalton (griechisch) mit englischen Untertiteln gezeigt. Die anschließende Einordnung findet auf Deutsch und mit Gebärdendolmetschung statt.
Herzliche Grüße
Tareq Alaows und Nora Brezger für PRO ASYL“

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Griechenland ist das zweitärmste Land Europas

www.slobodenpecat.mk 16.9.2024:
„Obwohl die griechische Regierung mit dem Wirtschaftswachstum des Landes prahlt, zeigen OECD-Daten das genaue Gegenteil. Die Griechen werden immer ärmer, und die Tatsache, dass sich die Situation verschlechtert, wird auch durch die Tatsache untermauert, dass sie hinsichtlich der Kaufkraft oft mit Bulgarien verglichen werden.
Die griechische Wirtschaft ist immer noch 19 % kleiner als 2007. Die Armutsstatistik dieses Landes ist alarmierend, da andere Daten die schwierigen Bedingungen für die Bürger Griechenlands bestätigen. Obwohl die griechische Wirtschaft im Jahr 2023 um 2 % wuchs, sei die Armut nicht zurückgegangen, berichtet die Website Investor.“
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Solidarität statt „Sicherheitspaket“

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