Doch keine Kriminalisierung von Blasphemie

Von Declaration_ceremony_of_the _Archbishop_Ieronymos_II_of_Athens.jpg: Evripidis Stylianidisderivative work: Lapost -Declaration_ceremony_of_ the_Archbishop_Ieronymos_II_of_Athens.jpg, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7998077

Von Hella Camargo, Humanistischer Pressedienst:
Griechenland: Keine Kriminalisierung von Blasphemie
Nach weitgehenden Protesten der Bevölkerung und Spott in den sozialen Medien hat die liberal-konservative Regierung in Griechenland ihre Pläne zur erneuten Kriminalisierung von Blasphemie fallen gelassen. Das Gesetz sollte vermeintlich religiöse Minderheiten schützen und war vorab von großen Teilen der griechisch-orthodoxen Kirche begrüßt worden.
Erst im Jahr 2016 waren die Anti-Blasphemiegesetze unter dem damaligen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras aufgehoben worden. Die aktuelle Regierung des Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis plante die Wiedereinführung der Bestrafung von Blasphemie. Als Grund wurde die gewünschte Deeskalation von Spannungen zwischen rechten Gruppen und muslimischen Geflüchteten in Lagern beziehungsweise bei ihrer Verteilung per Bus im Land genannt. weiterlesen

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„Griechenland soll 60.000 Migranten illegal abgeschoben haben“

http://www.fr.de/politik/griechenland-drei-fluechtlinge-sterben-am-grenzfluss-evros-a-1633210

Grenzfloss Evros, Foto: Starliner (Wikipedia)

Von Giorgos Christides und Steffen Lüdke, Spiegel.de:
Push-Backs in die Türkei – Griechenland soll 60.000 Migranten illegal abgeschoben haben
Menschenrechtler und die Türkei beschuldigen Griechenland, Migranten und Flüchtlinge illegal abzuschieben. Türkische Dokumente, die dem SPIEGEL vorliegen, sollen die Anschuldigungen belegen.
Am 3. November 2019 greift die die türkische Polizei 252 Migranten in der Nähe des Grenzübergangs Kapikule auf. Danach wird sie einen brisanten Aktenvermerk anfertigen: Die Migranten hätten es über die Grenze nach Griechenland geschafft, schreiben die türkischen Beamten später in ihrem Bericht. Aber dann seien sie gegen ihren Willen zurückgebracht worden, ohne Chance auf einen Asylantrag.
„Push-Backs“ nennen sich diese illegalen Rückführungen von Migranten und Flüchtlingen. Sie sind nach europäischem und internationalem Recht verboten. Dieses schreibt den Staaten vor, potenziellen Asylbewerbern den Zugang zu einem effektiven Asylverfahren zu gewähren.
Seit Jahren beschuldigen Menschenrechtsorganisationen und Anwälte griechische Behörden, Migranten am Grenzfluss Evros illegal in die Türkei abzuschieben. Der SPIEGEL hat nun türkische Dokumente erhalten, darunter auch die Aufzeichnungen der Polizisten über den Vorfall am 3. November. Diese legen nahe, dass Griechenland im großen Stil illegale Push-Backs an der Grenze zur Türkei durchführt.“ weiterlesen

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„Neuer Widerstand in Athen birgt Hoffnung“

Foto: John Malamatinas


Von John Malamatinas, Neues Deutschland, 12.11.2019:
Linke und Studierende wehren sich gegen Polizeiaufmarsch an Universität
Die erst im Vorsommer gewählte rechtskonservative Regierung von Konstantinos Mitsotakis in Griechenland setzt alles daran, um Proteste zu provozieren. Nachdem sie anfing, selbstorganisierte Besetzungen von Geflüchteten zu räumen und den Einwohnern und Anarchisten im linksalternativen Stadtteil Exarchia in Athen den Krieg erklärte, sind nun die Studierenden dran. Letztere protestieren seit dem Sommer gegen die Aufhebung eines Gesetzes, das der Polizei das Betreten des Universitätsgeländes verbietet und Studentenproteste schützt. Das Gesetz war ein Vermächtnis eines Studentenaufstandes vom 17. November 1973 während der Militärdiktatur, als ein Panzer die Tore der Technischen Universität in Athen rammte. Dutz­ende Menschen wurden an diesem Tag getötet.“ weiterlesen

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„Priester fordert Bürger bei rassistischer Hasstirade auf, gegen Geflüchtete zu Gewehren zu greifen“

skydraUnter anderem sagte der Priester, der Koran sei faschistisch.
Keeptalkinggreece, 1. November 2019:
Skydra: Priest in racist rant urges locals to take “rifles” against refugees
Residents of Skydra in West Macedonia has threatened to take “the guns” should refugees and migrants settle their area as the government plans in order to decongest the overcrowded islands.
They will “take the law in their hands and defend themselves and their families with rifles,” they say, claiming that they fear for their lives.
Local newspaper ifonitispells.gr filmed the meeting of the town council last Saturday and what was said was shocking.
An elderly priest in racist rant is stirring the local community against refugees and migrants and urges them to take up the arms against them.
Priest Antonios said that “the Koran is fascist,” and that Muslims can never see a Christian as a brother “unless they make me a Muslim.” He told the residents that in order to protect themselves from the “illegal immigrants”, they should not even hesitate to take up the arms!“ weiterlesen

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„Empören und Wegschauen“: verschärftes Asylgesetz

AsylgesetzAm frühen Morgen des 1. November 2019 beschloss das griechische Parlament ein neues Asylgesetz. Viele Menschenrechts- und Geflüchtetenschutzorganisationen kritisieren dieses Gesetz scharf. So schrieb die UN-Organisation für Geflüchtete UNHCR u.a. folgendes: Die UNHCR sei wegen des Gesetzes besorgt, weil es den Schutz der Geflüchteten schwäche. Es belaste Asylsuchende exzessiv und fokussiere auf Strafmaßnahmen. Wenn ein Asylsuchender z.B. bestimmte Formalitäten des Asylverfahrens nicht einhalte, werde sein Asylgesuch abgelehnt. Das Gesetz beschränke das Recht zur Familienzusammenführung. Z.B. werde die Definition eines „Familienmitglieds eingeschränkt: Nur wer vor der Flucht aus dem Heimatland schon Familienglied war, gelte als solches. D.h. z.B. dass ein nach der Flucht geborenes Kind nicht als Familienmitglied zähle. Nach dem Gesetz dürfen Geflüchtete in Zukunft 18 Monate (statt wie bisher 3 Monate) inhaftiert werden. (Hier die Stellungnahme des UNHCR)

Der Deutschlandfunk strahlte heute folgenden Kommentar aus:
„Empören und Wegschauen
Das griechische Parlament hat ein schärferes Asylgesetz beschlossen: Härtere Prüfungen, schnellere Verfahren, mehr Abschiebungen. Dass mehr Flüchtlinge und Migranten kommen, sei aber noch lange kein Grund, sie im Schnellverfahren abzufertigen, kommentiert Karin Senz. Der einzelne Mensch gehe so verloren.
Bei der Flüchtlingskrise zeigt sich eines ziemlich deutlich: Es ist möglich, ein Thema im Fokus zu haben und trotzdem wegzuschauen.“ weiterlesen

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Antimilitaristische Intervention am OXI-Tag


Der 28. Oktober ist in Griechenland Feiertag zur Erinnerung an den Widerstand gegen die kriegerische Aggression durch Mussolini-Italien – am 28. Oktober 1940 marschierten italienische Soldaten in Hellas ein. Dieser Tag wird mit Militärparaden, Schüler- und Studentenparaden und dem Dekorieren von Gebäuden und Denkmälern mit griechischen Flaggen und Kränzen begangen. In diesem Jahr intervenierte eine Gruppe von jungen Frauen in Athen auf ihre ganz eigene Art (siehe Video). Der (griechische) Text, der im Video eingeblendet wird, ist das Manifest der Frauen (hier nachzulesen). Er kritisiert den Militarismus der Feiern und die neuerliche Stimmung gegen Geflüchtete.
Es hagelte aggressive und vulgäre Reaktionen gegen die jungen Frauen. Auch wurde gefordert, sie wegen ihrer Aktion vor Gericht zu bringen.

Inspiriert wurden die Frauen durch Monthy Pyton’s Silly Walks:

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„Höcke will den Bürgerkrieg“

Höcke
Ca. 24 % der Wählenden haben heute in Thüringen der AfD mit dem Spitzenkandidaten Björn Höcke ihre Stimme gegeben. Aus diesem Grund posten wir diesen Beitrag von Hajo Funke, der am 24. Oktober 2019 auf Zeit.de veröffentlicht wurde:
Höcke will den Bürgerkrieg.
Ein „Zuchtmeister“, der den „Stall ausmistet“ mit „wohltemperierter Grausamkeit“. Die Sprache des Thüringer AfD-Politikers Björn Höcke offenbart seine Gefährlichkeit.
Vor etwas mehr als einem Jahr, am 1. September 2018, hat erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine im Bundestag vertretene Partei gemeinsame Sache mit Rechtsextremen und gewalttätigen Hooligans gemacht. Damals posierten die AfD-Politiker Björn Höcke und Andreas Kalbitz bei einem „Trauermarsch“ für den in Chemnitz von einem Asylbewerber erstochenen Daniel H. Unmittelbar danach bildete sich die terroristische Vereinigung Revolution Chemnitz. Sie sollen im September 2018 in Chemnitz Menschen attackiert haben, die sie für Migranten hielten, und zudem einen Anschlag am Tag der Deutschen Einheit in Berlin geplant haben.
Am 2. Juni dieses Jahres ist dann der erste politische Mord von ganz rechts verübt worden: Ein in der Szene bekannter Rechtsextremist erschoss den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke“ weiterlesen

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Die unmenschlichen Lebensbedingungen von Erdbeerpflückern

Erdbeerp.theconversation.com, 10.Oktober 2019:
„Migrant strawberry pickers face deadly risks living in flammable shacks
Each growing season, from October to May, as many as 12,000 undocumented Bangladeshi migrant men work in the agrarian labour market in Greece.
Although they consider Greece a transit stop to other European countries, most end up staying for years. The migrant farm workers say the farmers reap rich profits but are so far unwilling to provide decent housing for them. Nor can the seasonal workers find local accommodation.
The workers are forced to rent unused farmland and build highly inflammable makeshift shacks called barangas. Baranga is a Bangladeshi colloquial term derived from a Greek word, paranga, which translates as “a shack.” Workers construct the barangas out of salvaged plastic sheets, cardboard and reeds.
Greece is the 10th biggest exporter of strawberries in the world. Strawberry farming is labour-intensive. Once picked, the fruit perishes quickly. This puts a huge demand on the fast-paced yet careful harvest of unblemished strawberries. Migrant workers form the backbone of this farming, and it’s work that locals appear unwilling to do.“ weiterlesen

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„Bundesregierung lässt Griechenland abblitzen“

Eingebrannt

Drei Zeitzeuginnen des griechischen Widerstands gegen den deutschen Besatzungsterror. Aus dem Dokumentarfilm aus dem Jahr 2019 „Eingebrannt – Frauen auf Kreta 1941-1945“ Vorführungen

Handelsblatt, 18.10.2019:
Griechenland fordert Reparationszahlungen für die von Deutschland angerichteten Schäden im Zweiten Weltkrieg. Nun hat die Bundesregierung reagiert.
Berlin Die Bundesregierung will nicht mit Griechenland über Reparationen für die von Deutschland in den beiden Weltkriegen verursachten Schäden verhandeln. Das Auswärtige Amt überreichte dem griechischen Botschafter Theodoros Daskarolis am Freitag eine diplomatische Note, mit der eine entsprechende Aufforderung der griechischen Regierung formell zurückgewiesen wird.
„Die Rechtsauffassung der Bundesregierung in dieser Frage ist unverändert: Die Reparationsfrage ist abschließend geregelt. Daran hat sich nichts geändert“, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur.“ weiterlesen

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„Petros Markaris: >Die Griechen sind keine Faulpelze<"

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Von Krimidoedel Dr. Jost Hindersmann – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18682415

Wiener Zeitung, 15.10.2019:
„Der griechische Schriftsteller Petros Markaris ist für seine Krimis um seinen Athener Kommissar Kostas Charitos bekannt. Der inzwischen verstorbene Regisseur Theo Angelopoulos für seine epischen Autorenfilme. Gemeinsam haben die beiden Freunde einige der wichtigsten europäischen Drehbücher geschrieben. Markaris „Tagebuch einer Ewigkeit“ über den in Cannes preisgekrönten Film „Die Ewigkeit und ein Tag“ zeigt, wie Literatur und großes Kino entstehen. Der letzte Krimi des 83-jährigen, „Drei Grazien“, verarbeitet das aktuelle Geschehen: Vetternwirtschaft, Korruption, Rechtsextremismus in einem von der Krise gebeutelten Griechenland und ist wie immer beste Unterhaltung samt politischer Analyse. Ein Gespräch über Brecht-Expertentum, unaufmerksame Zensoren und den Wiener Margaretengürtel.
Petros Markaris: Charitos und ich sind beide Zuzügler in Athen. Er stammt aus Epirus und ich aus Istanbul. Charitos begreift Athen als seine Heimat, weil er keine emotionelle Beziehung zu Epirus hat. Die Polizeischule in Athen war seine einzige Möglichkeit, um Epirus zu verlassen und nach Athen zu ziehen. Ich dagegen habe nach wie vor eine besondere Beziehung zu Istanbul. Ich sage immer, ich habe eigentlich keine Heimat, sondern lediglich eine Heimatstadt, nämlich Istanbul.“ weiterlesen

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