Regierungsumbildung mit Rechtsverschiebung und Unfall

Plevris, Voridis und Georgiadis (v.l.n.r.) vor einem Plakat der Obristenjunta.

Insgesamt wurden gestern, am 31.8.2021 neun Minsterposten verändert. Die zehnte Besetzung missglückte in letzter Minute – nachdem sie schon öffentlich angekündigt worden war.
Bei der letzten Regierungsumbildung, im Januar titelten wir Regierungsumbildung: Rechtsextreme gewinnen an Zahl und an Macht. Jetzt wurde der dritte im Bunde der alten Rechtsextremistenanführer (siehe Foto oben), Thanos Plevris, genauso wie die anderen beiden ordentlicher Minister im Kabinet der Nea Dimokratia. Εr wurde Gesundheitsminister. Der Zentralrat der jüdischen Gemeinden in Griechenland veröffentlichte heute eine Stellungmahme in der er Plevris aufforderte, sich beim israelischen volk für antisemtische Äußerungen zu entschuldigen. Als Beispiel nannte der Zentralrat folgende Auslassungen Plevris‘, als er seinen Vater, einen notorischen griechischen Nazi, im Jahre 2009 vor Gericht verteidigte:
„…Und ich werde Sie über Themen informieren, die Ihnen am Herzen liegen: Sie waren beunruhigt über den Bericht über Auschwitz. Darin heißt es, dass „das Lager Auschwitz in gutem Zustand gehalten werden soll“. .. Das meint der Angeklagte dort: „Dass das Lager Auschwitz in gutem Zustand gehalten wird, weil ich will, dass irgendwann ein nationalsozialistisches Regime zurückkommt, dass Hitler zurückkommt, die Juden holt und sie nach Auschwitz bringt.“ (Quelle)
Die griechische Version des Wikipedia-Eintrages über den Politiker listet viele rechtsextremistische Äußerungen von Plevris auf.

Zum Innenminister gebliebenen Voridis siehe Voridis – vom offenen Rechtsextremisten zum Innenminster.

Der größte Coup der Regierungsumbildung sollte die Schaffung eines neuen Ministeriums für Katastrophenschutz werden. Nachdem sich bei der Bekämpfung der verheerenden Waldbrände in den letzten Wochen geszeigt hatte, dass es keine gute Koordination dieser Bemühungen gab, sollte dies ein Befreiungsschlag werden. „Künftig soll(t)en alle Behörden und Institutionen unter einem Dach vereint werden, die für Brandbekämpfung, Erdbeben, Überschwemmungen und andere Katastrophen zuständig sind.“ (Quelle)
Dafür wurde Evangelos Apostolakis, ein ehemaliger Admiral, Parteigänger von SYRIZA und im ersten Halbjahr 2019 Verteidigungsminister der SYRIZA-Regierung, auserkoren. Der weigerte sich jedoch in letzter Minute, das Amt anzunehmen. Ihm sei vorgegaukelt worden, dass SYRIZA mit dieser Beseztung einverstanden gewesen wäre, was aber nicht die Realität entsprochen habe. Er habe einen breiten parteiübergreifenden Konsenses zur Bedingung für seine Besetzung dieser Position gemacht.

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