Märchen vom griechischen Wirtschaftswunder

In Deutschland wird das Märchen vom griechischen Wirtschaftswunder verbreitet, auf dass auch hier die werktätige Bevölkerung sich mäßige. Da passt es gut, dass der amtierende Finanzminister Wirtschafts- und Finanzminister Kyriakos Pierrakakis in wenigen Tagen wahrscheinlich Chef der Eurogruppe wird. Das griechische Beispiel gefällt dem internationalen Kapital sehr!
Der Handelsblatt Artikel (unten) erklärt, warum das Wirtschaftswunder gar keines ist.

Von Gerd Höhler, Handelsblatt 01.12.2025:
„Griechenlands Wirtschaft verliert an Schwung
Seit dem Ende der Pandemie gehört der einstige Krisenstaat zu den Wachstumschampions der EU. Doch schon bald dürfte die Dynamik spürbar nachlassen.
Athen. Der griechische Wirtschafts- und Finanzminister Kyriakos Pierrakakis bewirbt sich um den Vorsitz der Euro-Gruppe. Seine Kandidatur gab er am Freitagabend bekannt. Die Finanzminister der Euro-Staaten wählen am 11. Dezember einen Nachfolger für den früheren Amtsinhaber Paschal Donohoe, der zur Weltbank wechselte. Außer Pierrakakis bewirbt sich auch der Belgier Vincent van Peteghem.“
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Agrarsubventions-Sumpf im Untersuchungsausschuss beleuchtet – aber die Täter und Mitwisser auf höchster Ebene zeigen sich ungerührt

Foto aus dem Jahre 2019, das Mitsotakis in einer euphorischen Runde zusammen mit den ND-Lokalpolitikern und Strippenziehern des Betrugsskandals „Frappé“ und „Metzger“ zeigt (direkte Tischnachbarn rechts von M.)

Von Isabel Armbrust
Anhörungen im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Vorgängen in und um die Agrarbehörde OPEKEPE sorgen in Griechenland gerade für ein großes Medienecho. Doch obwohl dank einer Mail des ehemaligen OPEKEPE-Leiters Evangelos Simandrakos an die europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) schon seit 1.07.2025 belegt ist, dass zumindest das Büro des Premierministers über die Betrügereien in der Agrarbehörde seit längerem informiert war, sitzt Mitsotakis noch immer fest im Sattel.
Gehen mussten dagegen schon im Sommer etwas rangniedrigere Politiker, deren Mitwirkung an dem OPEKEPE-Betrugsnetzwerk nach der Übermittlung von Abhörprotokollen durch die europäische Staatsanwaltschaft zu offensichtlich war. Das waren z.B. die beiden ehemaligen Landwirtschaftsminister Makis Voridis und Lefteris Avgenakis, belastet durch kumpelhafte Verweise durch ihre Mafiafreunde in den abgehörten Telefongespräche.i

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Griechenland im Griff der Konzerne

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Mainstreaming the far right in Greece (online book)

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Athen plant mit Berlin Abschiebezentren in Afrika

migazin.de 20.11.2025:
Athen will Abschiebezentren in Afrika – mit Berlin als Partner
Griechenland will Rückführungszentren für Geflüchtete außerhalb der EU schaffen – und sieht Deutschland an seiner Seite. Das Bundesinnenministerium gibt sich bedeckt. Die geplanten Abschiebezentren sollen einen „stark abschreckenden Effekt“ haben – und sogar in Libyen entstehen.
Griechenland will Rückführungszentren für sogenannte „illegale Migranten“ außerhalb der Europäischen Union einrichten und sieht Berlin dabei als potenziellen Partner. Das kündigte der griechische Migrations- und Asylminister Thanos Plevris am Mittwoch im griechischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ERTnews an.
Das Bundesinnenministerium sagte dazu auf Anfrage, dass man sich in einem Prozess befinde, um sogenannte Return Hubs errichten zu können. Derzeit werde auf europäischer Ebene eine umfassende Rechtsgrundlage geschaffen. Nähere Angaben zu Gesprächen mit anderen EU-Staaten oder Drittstaaten macht das Ministerium nicht.“
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„Kalter Krieg“ um den Hafen von Piräus

Von Nikolaos Diakidis (user: Nik7) – Eigenes Werk [Copyright © retained by the author of this photograph, Mr. N. Diakidis], CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15564463

Von Isabel Armbrust
Das US-Engagement im östlichen Mittelmeer wächst auf eine ungute und gefährliche Weise. Nachdem die USA Griechenland, wie zuletzt berichtet, mit Blick auf die Ukraine und Russland zum Umschlagsplatz für amerikanisches Fracking-Gas machen wollen, werden nun Chinas Aktivitäten in der Region adressiert. Dazu gab die neue US-Botschafterin in Griechenland, Kimberley Guilfoyle, kürzlich ein klares Statement ab. Ihre Regierung, so die Ex-Fox-News-Moderatorin, heiße den wachsenden Einfluss Chinas durch die chinesische Hafengesellschaft COSCO in Piräus nicht gut. (COSCO hatte 2016, damals ganz im Sinne des Privatisierungsdiktats der EU-Troika, die Mehrheit der Anteile am Hafen von Piräus übernommen.)

Dazu ausführlich ein ins Deutsche übersetzter Beitrag im Athenslive Wire Newsletter.

Ein aktueller Text der evsyn zeigt darüberhinaus, dass die US-Botschafterin mit ihrem Vorpreschen bereits einen „Kalten Krieg“ um den von China betriebenen Hafen ausgelöst hat.
Efsyn 19-11.2025:

>„Kalter Krieg“ um den Hafen von Piräus
Frontaler Konflikt zwischen China und den USA auf griechischem Boden • Die Äußerungen der neuen US-Botschafterin in Griechenland riefen den Zorn der chinesischen Botschaft hervor, die heftig gegen sie vorging. • Die griechische Haltung ist peinlich.
Die chinesische Botschaft in Griechenland reagierte scharf auf die hetzerischen Äußerungen der neuen US-Botschafterin in unserem Land, Kimberly Guilfoyle, zum Hafen von Piräus.

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Mainstreaming the Far Right in Greece

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Bericht des World Justice Project. Von Rechtsstaat kann man kaum noch reden

Deval Kulshrestha, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

Von Achim Rollhäuser
Wir haben in diesem Blog schon häufiger über den Zustand des Rechtsstaats in Griechenland berichtet.i Leider verbessert sich unter der rechtskonservativen Neue-Demokratie-Regierung unter Ministerpräsident Mitsotakis die Lage nicht, sondern sie wird immer katastrophaler.
Natürlich ist auch in anderen kapitalistischen Ländern die Justiz eine Klassenjustiz. Sie ist für die bürgerliche Klasse ein wichtiges Herrschaftsinstrument. Aber es gibt Länder, wo die Justiz versucht, den Schein der Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit zu wahren, und es gibt Länder, wo man sich diese Mühe kaum noch gibt.
Deutschland war bis vor einiger Zeit eines der Länder, wo man – jedenfalls offiziell – den Rechtsstaat noch hochhielt. Das ändert sich nun mit der Regierung Merz. Ein deutsches Gericht erklärt, dass die Zurückweisung von Asylsuchenden an der Grenze gegen das Völkerrecht und damit auch gegen deutsches Recht verstoße; sofort erklären Innenminister und Kanzler, man werde die (offensichtlich illegale) Praxis beibehalten.

In Griechenland ist man schon ein Stück weiter. Die Justiz ist ganz überwiegend gleichgeschaltet. Man findet kaum noch Richter*innen und Staatsanwält*innen, die sich gegen die Regierung stellen. Und wenn es einmal eine*r tut, wird er*sie kurzerhand versetzt und von seinen*ihren Pflichten entbunden. Diese Unterwerfung der Justiz unter die Interessen der Regierung und des Kapitals ist eine der Erscheinungen, die wir in Griechenland schon seit einiger Zeit mit „Orbanisierung“ beschreibenii.

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Jetzt alle hohen Offiziere der Küstenwache für das Pylos-Verbrechen angeklagt

Von Achim Rollhäuser
In den frühen Morgenstunden des 14. Juni 2023 sank 90 km vor Pylos (Stadt auf der Peloponnes in Südwestgriechenland) der Fischkutter Adriana. Die Adriana war von Tobruk in Ostlibyen mit ungefähr 750 Geflüchteten an Bord in Richtung Italien gestartet. Vor Pylos geriet sie wegen Versagen des Motors in Seenot. Sie befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Such- und Rettungszone (SAR) Griechenlands. Von der italienischen Küstenwache wurde die griechische Küstenwache informiert. Stunden später ließ das „Koordinierungszentrum für Suche und Rettung“ der Küstenwache in Piräus ein Patrouillenboot von Kreta aus (ca. 280 Kilometer bis zur Adriana) in Richtung der Adriana auslaufen. Das Boot war für die Rettung von Schiffbrüchigen ungeeignet; es befanden z. B. sich nur einige wenige Rettungswesten an Bord.

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Crowdfunding für die Gerichtskosten im Fall der Folter von Vasilis Maggos durch die Polizei

https://www.firefund.net/vasileiosmaggos

Im Sommer 2020 eskalierte der Kampf gegen die Müllverbrennung durch AGET-Lafarge (Holcim) in Volos mit einer großen Demonstration am 13. Juni vor dem AGET-Werk. Der staatliche Unterdrückungsapparat übernahm auf Geheiß der Wirtschaftsinteressen die Aufgabe, den Volksaufstand gegen die Müllverbrennung zu unterdrücken und die Stadt in Grabesstille zu versetzen. Zwei Tage lang agierten die Polizeikräfte wie eine Besatzungsarmee in der Stadt Volos. Sie schlugen Demonstrant:innen an verschiedenen Orten der Stadt, schickten Dutzende ins Krankenhaus, erstickten den Ort der Demonstration mit Gas, verhafteten Demonstrierende, terrorisierten Menschen jeden Alters, die an der Demonstration teilnahmen, drangen in die Häuser von „Verdächtigen” ein und bauten ein ausgedehntes Netzwerk zur Überwachung von Aktivist:innen auf. Der Höhepunkt der geplanten und vorab beschlossenen Unterdrückungskampagne war die brutale Prügelattacke und Folterung von Vasilis Maggos am Tag nach der Demonstration. Ein Vorgang, der einen Monat später, am 14. Juli 2020, zu seinem Tod führte.

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