Fidel, Gerhard, Alexis und Mikis

schroderDie Erzählungen von merkwürdigen Begegnungen anlässlich der Trauerfeier von Fidel Castro werden fortgesetzt. Diesmal geht es u.a. um Hartz-4-Schröder.

Doch zunächst die Rede von Alexis Tsipras in Havana auf deutsch:
„Brüder und Schwestern, tapferes Volk von Kuba!
Wie es sich gehört hier am Platz der Revolution, nehmen wir heute Abschied vom Kommandanten Fidel, dem großen Revolutionär des 20. Jahrhunderts. Wir nehmen Abschied von einem weltweiten Symbol des Kampfes und des Widerstandes, das mit seinem Beispiel die Kämpfe der Völker in der ganzen Welt inspiriert hat.“
weiterlesen auf der Internetseite von SYRIZA-München

Giorgos Vichas, einer der wichtigsten Ärzte der solidarischen Klinik von Elliniko und Preisträger des IPPNW hat auf seiner Facebook-Seite eine Geschichte zum Verhältnis von Mikis Theodorakis und Alexis Tsipras berichtet – Ralf Kliche hat sie übersetzt:

„Anlässlich des offenen Briefs von Mikis an Tsipras, erinnere ich mich an einige Momente, die ich mit Mikis im Februar 2012 erlebt habe. Ich möchte etwas Unbekanntes erzählen, was ich mit Mikis und Tsipras unmittelbar miterlebt habe.
Am 11. Februar 2012, einen Tag vor der Verabschiedung des zweiten Memorandums, sind wir zu Hause bei Mikis und planen die Demonstration für den nächsten Tag. Mikis und Manolis Glezos haben beschlossen, zum Syntagma-Platz zu gehen und gemeinsam mit Tausenden von Bürgern zu demonstrieren. Ich werde sie als Arzt begleiten, beide wirken gesundheitlich angegriffen. Dem Plan zufolge kommt Tsipras aus dem Parlament, am Platz des unbekannten Soldaten, wo er Mikis und Manolis treffen soll, so dass die drei gemeinsam mit dem Volk demonstrieren können. Die Absprache erfolgt zwischen Mikis und Tsipras telefonisch in meiner Anwesenheit. Mikis ist begeistert!
12. Februar 2012. Wir sind vor dem „unbekannten Soldaten“ angekommen. Hunderttausende von Menschen im Zentrum von Athen. Polizei und Bereitschaftspolizei überall. Tsipras ist nirgendwo zu sehen. Die Bereitschaftspolizei verliert keine Zeit und wirft das erste Tränengas auf Mikis und Glezos. In kurzer Zeit scheint Athen in Tränengas zu ersticken. Tsipras ist nirgendwo zu sehen.
Nach einigen Stunden betreten wir mit Mikis das Parlament. Von dem auf dem Rollstuhl niedergegangen Tränengas angeschlagen ruft er mitten im Parlament: „Ihr Mörder, heute habt ihr den Tod Griechenlands gewählt.“ Das war einer der vielen Momente an diesem Tag, an dem ich verstanden habe, was für ein außergewöhnlicher Mensch Mikis ist.
Tsipras, offenbar informiert, dass Mikis im Parlament ist, verlässt die Parlamentsversammlung und kommt zu uns.
Mikis (im Rollstuhl, körperlich angeschlagen aber mit der robusten Moral und Psyche eines Jugendlichen): „Du hast uns verkauft, wir haben auf dich gewartet, warum bist du nicht gekommen?“
Tsipras (im Anzug ohne Krawatte – unzerknittert) offenkundig verlegen wie ein Kind, dem man Vorwürfe macht und mit einem unpassenden Lächeln: „Wir kämpfen hier, Mikis.“
Mikis: „ Nein Alexis, draußen wird gekämpft, der wirkliche Kampf erfolgt in diesem Moment draußen und dein Platz wäre dort, nicht hier.“
Tsipras murmelte etwas und entfernte sich.
Soviel gegen die anderen Stellungnahmen, die seit gestern über Mikis geschrieben werden.“ Giorgos Vichas 4.12.2016

Kommentar von Ralf Kliche: Bei aller berechtigten Kritik an Symbolpolitik und der notwendigen Gegenüberstellung von Fensterreden und Wirklichkeit: Wenn Anspruch und Wirklichkeit nicht auseinander fallen, macht das die Sache nicht unbedingt besser. Das lässt sich leicht am offiziellen Repräsentanten Deutschlands bei den Trauerfeierlichkeiten zu Fidels Tod erkennen, Gerhard Schröder, dieser Gallionsfigur des Neoliberalismus, einer der übelsten Figuren, die die deutsche Sozialdemokratie hervorgebracht hat – und insofern ein sehr passender Vertreter dieses Staates. Glücklicherweise ist uns eine öffentliche Rede dieses Hartz IV-Noske erspart geblieben, sei es aus einem unerwarteten Rest von Anstand, sei es aus Verantwortungsbewusstsein der kubanischen Veranstalter.

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