Griechenland und der Nahost-Konflikt

Von Kaki Bali Deutsche Welle:
Solidarität und Sorge: Griechenland und der Nahost-Konflikt
Griechenlands Regierung steht im Nahost-Konflikt an der Seite Israels. In der griechischen Bevölkerung herrscht Entsetzen über die Eskalation – und Sorge, das Land könne in einen Krieg hineingezogen werden.
Schock, Entsetzen, Schmerz und Angst – so lässt sich zusammenfassen, was die meisten Menschen in Griechenland nach dem schrecklichen Terror-Angriff der Hamas in Israel empfanden: Mitgefühl für den Schmerz der Anderen, zunächst für den Schmerz der Israelis für ihre von Hamas-Terroristen abgeschlachteten Frauen, Kinder und Männer, später für den Schmerz der Palästinenser für ihre Kinder, die durch israelische Bombardements im Gazastreifen getötet wurden. Aber auch Angst, dass Griechenland in diesen Konflikt hineingezogen werden könne.
Fast drei Wochen nach dem verheerenden 7. Oktober sprechen sich 65,4 Prozent der Menschen in Griechenland für eine strikt neutrale Haltung ihres Landes in diesem Konflikt aus. Das ergab eine Umfrage des bekannten Meinungsforschungsinstitutes GPO. Demgegenüber vertreten 18,4 Prozent eine Haltung zugunsten Israels und 11,5 Prozent eine pro-palästinensische Haltung.“ Weiterlesen

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SYRIZA spaltet sich

Efsyn, 23.10.2023:
Ausweg links“: „Bomben“-Statement des „Schirms“
Zu einem Zeitpunkt, an dem die parteiinterne Konfrontation auf dem Höhepunkt ist, verbreitet der „Schirm“ (1) einen Text mit dem Titel „Ausweg links“ zur Unterschriftensammlung an die Vorstände und Mitglieder von SYRIZA.
In dem Text wird unter anderem hervorgehoben, dass sich die Partei auf dem Rückzug befindet und dazu neigt, keinerlei politische Verbindung mit der Linken zu haben. Nachdem betont wird, dass „bei allem, was wir erleben, der Ausweg die Linke ist“, wird ein direkter Angriff gegen die derzeitige Führung und Stefanos Kasselakis gestartet.
Insbesondere wird festgestellt, dass „aufgrund der inakzeptablen Änderungen in der Satzung“ ein „Drama der totalen Mutation von SYRIZA in eine Führungspartei, mit einem Präsidenten, der die Quelle aller Macht ist, der eine „unvermittelte“ Führung ausübt, ohne das Bedürfnis zu haben, die gewählten kollektiven Parteiorgane einzuberufen“.
Die enge Gruppe von Kadern um Kasselakis agiere „nicht als Vorsitz, als Ein-Personen-Organ mit gesetzlichen Verpflichtungen gegenüber dem Kollektiv, sondern als Inhaber einer Machtposition, die sie wie ihren Augapfel vor kollektiver Kontrolle schützt“, wie es heißt.

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Krieg in SYRIZA

Nicht nur „Die Linke“ in Deutschland auch SYRIZA zerlegt sich gerade selbst. Am 18.10.2023 tagte das Politische Sekretariat der Partei SYRIZA. Ein Teilnehmer antwortete danach auf die Frage, wie die Sitzung laufen würde: „Gaza“, also erbarmlungsloser Krieg. (1)
Euklidis Tsakalotos war eine der wichtigsten Säulen der Regierungen Tsipras, viele Jahre war er Finanzminister. Bei diesem Treffen rechnete er mit dem neuen Vorsitzenden Kasselakis aber auch mit dem alten Vorsitzenden Tsipras ab.
„Er kritisierte die Art und Weise, wie Stefanos Kasselakis die Führung für sich beanspruchte und seine Schritte nach seinem Sieg: „Politisch, aber auch menschlich, war ich sehr von der Rede des Präsidenten an diesem Abend beeinflusst, in der er, nachdem er den Tausenden von SYRIZA-Wählern gedankt hatte, die zur Wahl gegangen waren, sagte, dass er das Licht gewonnen habe. Was wollte er damit sagen? Dass Efi Achtsioglou oder ich die Dunkelheit repräsentieren? Noch wichtiger ist, dass die Gruppe, die ihn unterstützt hat – sowohl auf der Ebene des zentralen Personals als auch auf der Ebene der mittleren Führungskräfte – einen inakzeptablen Krieg gegen andere Kandidaten geführt hat. Man sagte uns, er sei der Auserwählte von Alexis Tsipras, die Partei solle sich zurückhalten – eine Sprache, die direkt aus der Rhetorik der extremen Rechten stammt. Andere wünschten uns eine gute Emigration.“ (2)
An Tsipras kritisierte Tsakalotos, dass dieser vor der Wahl von Kasselakis nicht öffentlich erklärt hatte, dass die Gerüchte, Efi Achtsioglou hätte Tsipras gezwungen, zurückzutreten, Fake News waren. (2) Diese Form der Unterstützung für Kasselakis durch Tsipras war einer der Gründe, warum Achtsioglou Kasselakis bei der Wahl für den Vorsitz der Partei unterlag.

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Der rechtsextreme Clown (der ND-Vizevorsitzende) und mehr zu den Kommunalwahlen

Dieses Video ist kein Fake, sondern es zeigt Ausschnitte von TV-Sendungen. Adonis Georgiadis ist einer der Anführer der Rechtsextremen in der Nea Dimokratia, Arbeitsminister und ND-Vizevorsitzender. Er trat fast täglich in privaten griechischen Fernsehkanälen auf, u.a. um Bücher seines eigenen Verlages zu verkaufen (siehe Video). Seine sehr häufigen Auftritte im Fernsehen heute als Politiker sind nicht weniger provokativ. Oft weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn man ihn sieht und hört. Traurig ist nur, dass ein solcher rechtsextremer Politiker eine der mächtigsten Personen in Griechenland ist.
W. Aswestopoulos berichtet in seinem Artikel (unten) wie Georgiadis mal wieder seiner Rolle als Politklown, der die Wahrheit sagen kann, gerecht wurde. Auch andere Details zu den Kommunalwahlen, von denen der Autor berichtet, sind spannend.

Von Wassilis Aswestopoulos, Cashkurs 20.10.2023:
Die „politische Zeit“ vergeht schneller
Eben noch einen haushohen Wahlsieg eingefahren – schon eine Woche später von den Wählern abgewatscht. Das, was bei den Kommunalwahlen in Griechenland geschah, steht exemplarisch für das Tempo, in dem die politische Zeit heutzutage vergeht. Auch Tricks, einseitige Medienberichte, politischer Druck am Rande der Erpressung und taktische Gesetzesänderungen können diesen Trend nicht aufhalten. Die empfindlichste Abstrafung für die Regierung gab es in den drei größten Städten und der Region Thessalien, wie Wassils Aswestopoulos berichtet.

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Schlappe für Griechenlands Konservative bei Kommunal- und Regionalwahlen

Von Elisa Hübel Griechenland Zeitung, 16. Oktober 2023:
„An diesem Sonntag (15.10.) fand in Griechenland die zweite Runde der Kommunal- und Regionalwahlen statt. Geprägt wurden diese von einer starken Abstinenz; lediglich 35,16 Prozent der Bürger beteiligten sich an den Regional- und 41,71 Prozent an den Kommunalwahlen. Die konservative Regierungspartei Nea Dimokratia fuhr ein unerwartet schlechtes Ergebnis ein.
Der zweite Urnengang bei den Kommunal- und Regionalwahlen brachte eine große Überraschung: Die konservative Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) konnte nicht wie in der ersten Wahlrunde als große Gewinnerin daraus hervorgehen. Überraschend verlor die ND einen sicher geglaubten Wahlsieg in den größten Regionen und Städten des Landes.
Neuer Athener Bürgermeister
Für viele recht unerwartet wurde etwa Charis Doukas neuer Bürgermeister Athens. Für ihn hatten bei den Stichwahlen immerhin 55,96 % gestimmt; sein konservativer Gegenspieler Kostas Bakogiannis (44,04 %) muss den Hut nehmen. Im ersten Wahlgang hatte Bakogiannis mit 41,35 % der Stimmen den abermaligen Einzug ins Rathaus nur knapp verfehlt; 43 % wären laut Wahlgesetz ausreichend gewesen. Doukas, der von der sozialistischen PASOK unterstützt wurde, hatte im ersten Gang lediglich 14,19 % erhalten. Für ihn votierten am Sonntag aber auch Wähler der größten Oppositionspartei des Landes SYRIZA sowie der kommunistischen KKE. Was die Wahlbeteiligung betrifft, so war diese sehr enttäuschend: Hatten sich in der ersten Runde am 8.10. lediglich 32,32 % der Athener beteiligt; so sank deren Anteil am Sonntag weiter auf nur 26,73 %.
Der scheidende Bürgermeister Bakogiannis – ein Neffe des Premierministers Kyriakos Mitsotakis – gratulierte Doukas zu seinem Sieg und nahm die Verantwortung für die Niederlage komplett auf sich. Doukas hingegen stellte optimistisch fest: „Athen schlägt ein neues Kapitel auf“, nun beginne „eine schöne Reise“. – Doukas arbeitet als Lektor an der Polytechnischen Universität Athen. Sein Hauptthema ist der Umweltschutz. Die Universität Harvard zählt ihn zu den aktivsten Wissenschaftlern weltweit.“
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Journalismuspreis 2023 des Europäischen Parlaments für Recherche zum Schiffsunglück vor Pylos

www.europarl.europa.eu/news:
Der Daphne-Caruana-Galizia-Preis für Journalismus 2023 geht an ein griechisch-deutsch-britisches Konsortium für die Recherche zum Untergang des Flüchtlingsboots „Adriana“ mit über 600 Toten.
Das griechische investigative Medium Solomon, die Rechercheagentur Forensis, das Rechercheformat STRG_F der ARD und die britische Tageszeitung The Guardian brachten gemeinsam ans Licht, wie die Handlungen der griechischen Küstenwache zum Untergang der Adriana beitrugen. Auch zeigten sie Ungereimtheiten in den offiziellen Angaben der griechischen Behörden auf. Das Schiffsunglück vor Pylos war der tödlichste Untergang eines Flüchtlingsboots in der jüngeren Geschichte.
Die Preisverleihung fand im Daphne-Caruana-Galizia-Pressesaal des Europäischen Parlaments in Straßburg statt. Daran teil nahmen neben Parlamentspräsidentin Roberta Metsola auch die für den Preis zuständige Vizepräsidentin Pina Picierno und die Vorsitzende des Berliner Presse Clubs Juliane Hielscher als Vertreterin der 28-köpfigen unabhängigen europaweiten Jury.
Parlamentspräsidentin Metsola erklärte: „Jedes Jahr ehren wir das Andenken an Daphne Caruana Galizia mit einem Preis, und erinnern eindringlich an ihren mutigen Einsatz für Wahrheit und Gerechtigkeit. Weltweit werden Journalisten wegen ihrer Arbeit angegriffen, doch mutig trotzen sie den Versuchen, sie zum Schweigen zu bringen. In diesem beharrlichen Kampf für die Wahrung der Pressefreiheit und des Medienpluralismus in Europa und weltweit ist dieses Parlament ein standhafter Verbündeter.“
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Kommunalwahl: etwas Licht am Ende des Tunnels

Der erste Wahlgang der Kommunalwahlen hatte ein sehr düsteres Ergebnis gehabt. Die Nea Dimokratia hatte praktisch überall gesiegt. Heute, beim zweiten Wahlgang erleuchtet ein Licht am Ende des Tunnels. Die Wahlbeteiligung war niedrig – sie bezeugt die Frustration der Bevölkerung gegenüber der politischen Elite angesichts der vielen Katastrophen in diesem Jahr. Aber die Ergebnisse heute stehen in krassem Gegensatz zum Übermut des Kyriakos Mitsotakis. Er hatte öffentlich getönt, in fast allen Regionen und auch in den drei größten Städten mit Kandidaten seiner Partei gewinnen zu wollen. Aber in Athen verlor sein Neffe Kostas Bakoyannis deutlich und auch in Thessaloniki verlor der Kandidat der ND. Beide wurden aus ihrem Amt abgewählt.
Auch der Regionalgouverneur von Thessalien, Kostas Agorastos, wurde abgewählt. Thessalien hatte am meisten unter den Überschwemmungen in diesem Jahr gelitten. Agorastos war durch seine besonders zynische Haltung gegenüber den Flutopfern aufgefallen. (S. den Beitrag des Kölner Solikomitees) Er zwar nicht Mitglied der ND aber von ihr unterstützt worden.
In Patras, der drittgrößten Stadt Griechenlands wurde der Kommunist Kostas Peletidis, der wegen seiner kommunalpolitischen Erfolge auch bei Nichtkommunisten beliebt ist, zum dritten Mal in Folge zum Bürgermeister gewählt.

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Fluch der Olympiade?

Von Wassilis Aswestopoulos, Cashkurs 12.10.2023:
Olympische Spiele – Fluch oder Segen?
Die Olympischen Spiele von 2004 waren in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt für Griechenland. Sie trugen zur Staatspleite bei und haben auch heute noch weitreichende negative Folgen. Ob es für Berlin, dass sich um die Spiele 2036 oder 2040 bewirbt, besser laufen wird?
Diesmal geht es um das emblematische Athener Olympiastadion, das Velodrom und eine zentrale Fußgängerbrücke. Alles Werke des weltberühmten Architekten Santiago Calatrava. Dass die Verantwortlichen in Griechenland zugeben mussten, dass sie das Wartungshandbuch des Stararchitekten verloren haben, ist ein pikantes Detail des Dramas. Selbst die Erfinder der Olympischen Spiele haben es nicht geschafft, aus der Austragung der Spiele Kapital zu schlagen.
„Brot und Spiele“ heißt spätestens seit der Römerzeit das Konzept vieler Politiker, wenn es darum geht, sich beim Volk beliebt zu machen. Erfahrungsgemäß werden Spiele umso pompöser, wenn es an Brot mangelt. Die eigene Stadt als Herz der (sportlichen) Welt zu präsentieren ist eine große Versuchung. Noch immer ist nicht bekannt, was die Spiele Griechenland wirklich gekostet haben. Kleinster Nenner vieler Schätzungen sind Summen von knapp 20 Milliarden Euro.“
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Der Ausverkauf Griechenlands geht weiter

SPIEGEL, 11.10.2023:
„Griechenland will offenbar Staatsvermögen verscherbeln
Eine Flughafen-Beteiligung, Maut-Konzessionen, Häfen: Griechenland will sich offenbar von haufenweise Staatsvermögen trennen – und dadurch seine Haushaltsprobleme in den Griff bekommen.
Griechenland will im kommenden Jahr durch den Verkauf von Staatsbesitz so viel Geld erlösen wie noch nie. Mehr als fünf Milliarden Euro sollen eingenommen werden, sagte der Chef der Privatisierungsagentur HRADF, Dimitris Politis, der Nachrichtenagentur Reuters.
Das Euroland hat seit 2011 rund zehn Milliarden Euro aus dem Verkauf von Staatsvermögen eingenommen. Privatisierungserlöse sind ein Kernpunkt des Sanierungsplans.
… Mehr als fünf Milliarden Euro sollen eingenommen werden, sagte der Chef der Privatisierungsagentur HRADF, Dimitris Politis, der Nachrichtenagentur Reuters.
Das Euroland hat seit 2011 rund zehn Milliarden Euro aus dem Verkauf von Staatsvermögen eingenommen. Privatisierungserlöse sind ein Kernpunkt des Sanierungsplans.“
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Batman statt Marx: Ex-Banker übernimmt Linkspartei in Griechenland

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis 09. Oktober 2023:
„Der Zerfall der Partei Syriza steht für den Niedergang der Linken in Europa. Die Vorgänge in Athen sind in ihrer Skurrilität aber einzigartig. Das liegt vor allem am Protagonisten.Die nach eigenen Angaben „größte europäische Linkspartei“ Syriza hat mit dem Ex-Reeder und Ex-Goldman-Sachs-Banker Stefanos Kasselakis einen neuen Vorsitzenden. Die griechische Oppositionspartei steht vor einer Zerreißprobe, zumal Kasselakis nach einhelliger Meinung aller, die nicht zu seinen Anhängern zählen, noch keine fundierten politischen Aussagen über seine Pläne gemacht hat.Bekannt ist, dass er aus Syriza eine „patriotische Linkspartei“ nach dem Vorbild der US-Demokraten machen will. Beim Stichwort „patriotisch“ dürfte mancher in der deutschen Linken aufhorchen. Doch Kasselakis hat mit Sahra Wagenknecht nichts gemein.“
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