Von Gerd Höhler, RedaktionsNetzwerk Deutschland, 01.10.2023: „Symbol für den Verfall: Athener Olympiastadion wegen Einsturzgefahr gesperrt Es war das Wahrzeichen der Olympischen Spiele 2004 in Athen: Das kühn geschwungene Stahl- und Glasdach des Olympiastadions. Jetzt wird die einst viel bewunderte Konstruktion zu einem Symbol für die Vernachlässigung und den Verfall der Athener Olympiabauten. Seit Samstag ist das Athener Olympiastadion für Sportler und Besucher geschlossen. Es gibt Zweifel an der Stabilität des Daches: Es könnte einstürzen. Fast 20 Jahre lang wurde die Konstruktion nicht gewartet. Videos, die mit Drohnen aufgenommen wurden, zeigen Rostfraß an den Stahlrohren. An manchen Stellen sind Risse in Schweißnähten zu erkennen. „Das Dach hat viele offensichtliche Probleme wie Rost und sich lockernde oder gelöste Schrauben“, sagte Panagiotis Karidis, Professor für erdbebensichere Strukturen an der Technischen Universität Athen, im Radiosender Skai. „Aber es gibt auch versteckte Mängel, die viel gefährlicher sind und eine gründliche Untersuchung erfordern“, so der Ingenieur.“ Weiterlesen
So charakterisierte der bekannte Journalist und Autor Dimitris Psarras, was es heißt das Kasselakis die Wahl heute gewann und somit Vorsitzender von Syriza wurde. Vor ein paar Tagen befragte ihn der „Guardian“ danach und er sagte: “It’s as if Netflix has come in, taken over the party and is now turning it into a serial,” Es ist so, als ob Netflix auf die Bühne getreten sei, die Partei übernommen habe und jetzt eine Film-Serie daraus gemacht habe.
Heute Abend entscheidet sich, ob S. Kasselakis oder E. Achtsioglou neue/r Vorsitzende/r von Syriza werden. Egal wie diese Wahl ausgeht – die bittere Analyse von Tasos Kostopoulos ist polemisch, aber sie hat ihre Berechtigung.
Von Tasos Kostopoulos, efsyn 24.09.23: „Der zweite Tod von SYRIZA Wie die Partei der pluralen Linken zu einer zweiten ND mutierte. Wenn die „internen“ Wahlen der SYRIZA-P.S. am vergangenen Sonntag irgendetwas bestätigt haben, dann ist es die überwältigende ideologische Hegemonie der Rechten – selbst innerhalb der Mauern (oder der Überreste) einer Linken im Namen. Die Erhebung eines Mannes an die Spitze der Partei, der nicht einmal eine soziale Agenda hat, von dem wir nur wissen, dass er ein „unkonventionelles“ Privatleben führt (für das er selbst in jeder Hinsicht geworben hat) und dass er einst das Athener College besuchte, in den USA Geld verdiente und behauptet, er könne eines Tages Kyriakos Mitsotakis besiegen, ist eine große politische Veränderung. Für die Zukunft des politischen Lebens in Griechenland ist dies möglicherweise ebenso entscheidend wie der jüngste Wahlsieg der Neuen Demokratie oder das dynamische Wiederauftauchen der extremen Rechten als alternativem Sammelpunkt für einen bedeutenden Teil der Bevölkerung. Dies ist zweifelsohne der Totenschein von SYRIZA. Nicht von der einstigen Partei der radikalen Linken, die die sozialen Bewegungen der 2000er Jahre anheizte und von ihnen angeheizt wurde, 2009-2010 fast einen plötzlichen (und weitgehend unverständlichen) Tod erlitt, aber schließlich durch den Anti-Memorandum-Volksaufstand 2010-2012 an die Spitze katapultiert wurde; diese Partei hörte im Sommer 2015 auf zu existieren. Diejenige, die jetzt die Drachen steigen lässt, ist die sozialdemokratische Formation, die ihr in den vier Jahren von 2015 bis 2019 nachfolgte und sich abmühte, das dritte Memorandum, das sie zusammen mit ND, PASOK, AN.EL und Potami verabschiedete, „volksnah“ zu gestalten.
Es ist nur noch hinzuzufügen, dass gestern ein 24 Std. Streik und viele Mobiliserungen gegen die Verabschiedung des neuen Gesetzes zur Verschlechterung der Arbeitsbedingungen stattfanden (siehe hier).
efsyn.gr 21.09.2023: „Zu Hause zermalmt er die Arbeiter, im Ausland malt er ein magisches Image Am 21.9., an dem Tag, an dem die Regierung ein weiteres arbeitnehmerfeindliches Gesetz verabschiedete, während Teuerung und Wucher Haushalte und Unternehmen zerstören, war Kyriakos Mitsotakis schnell dabei, mit Investoren über die… Perspektiven der griechischen Wirtschaft zu sprechen. In der Villa Maximou hieß es, der Ministerpräsident habe sich in den USA mit Investoren, Vertretern von Fondsmanagern und Banken getroffen.
Kasselakis (1) in der Karikatur von K. Grigoriadis in der efsyn vom 19.9.2023 (der Esel ist das Symbol der Demokraten in den USA)
An den letzten Tagen vor der Entscheidung tobt ein erbitterter und schmutziger Kampf um den Vorsitz von Syriza. Offensichtlich erfolgte eine Schlammschlacht mit Trollen, Bots und Fake News gegen Achtsioglou. Ein Artikel der efsyn berichtet davon, dass in den letzten Wochen mit gezielten Lügen und künstlich erzeugten Meinungsäußerungen im Internet gegen die ehemalige Ministerin vorgegangen wird. (2) „Die „trüben Gewässer“, auf die Achtsioglou sich in ihrer Erklärung am Sonntag bezog, sind eine milde Charakterisierung für die Giftigkeit der Meinungsäußerungen. Am Tag der ersten Runde der Vorsitzendenwahl waren wir in vielen verschiedenen Wahllokalen in Attika und haben unter anderem mit Wählern von Herrn Kasselakis gesprochen. An diesem Tag kursierten unter den Wählern vor allem drei Behauptungen: „Achtsioglou hat Tsipras aus seinem Amt als Vorsitzenden vertrieben“, „Achtsioglou ist Teil einer Verschwörung“ und „Alexis Tsipras unterstützt Stefanos Kasselakis“. (3) Der momentan aussichtsreichste Kandidat auf den Vorsitz, Stefanos Kasselakis weigert sich, ein öffentliches Streitgespräch mit Efi Achtsioglou vor dem zweiten, entscheidenen Wahlgang am kommenden Sonntag zu führen. Er hat auch fast nichts anzubieten, weil er sehr wenig konkrete politische Ideen vorzuweisen hat. Er will Syriza nach dem Vorbild der Demokratischen Partei in den USA umbilden.
Frankfurter Rundschau fr.de, 18.09.2023: „Griechenland verkauft Schiffe an Russland – und verdient dabei ein Vermögen Die größte Schiffseignernation der Welt profitiert vom Verkauf veralteter Schiffe und ermöglicht gleichzeitig Moskaus Umgehung von Sanktionen. Schiffe für Russland: Griechische Reeder verkaufen Tanker Mysteriöse Käufer: Namen der Kunden sind unbekannt Geheimnistuerei in Griechenland: Tanker-Verkäufe an Russland werden verschleiert Dieser Artikel liegt erstmals in deutscher Sprache vor – zuerst veröffentlicht hatte ihn am 11. September 2023 das Magazin Foreign Policy. Seit Russlands Einmarsch in der Ukraine verdient Griechenlands mächtiger Schifffahrtssektor weiterhin gutes Geld mit dem Transport von russischem Öl. Aber die griechischen Reeder haben eine offenbar noch lukrativere Einnahmequelle entdeckt: den Verkauf der Schiffe selbst an mysteriöse Käufer mit Verbindungen zu Russland. Eine Publikation hat erklärt, dass ein „großer griechischer Tankerverkauf“ stattfindet, und kein Preis scheint zu hoch für einen gebrauchten Tanker. Doch die ehemals griechischen Schiffe geraten in eine Hades-ähnliche Schattenwirtschaft. Griechische Unternehmen beherrschen zwar nicht viele Sektoren der globalisierten Wirtschaft, aber die Schifffahrt dominieren sie auf jeden Fall. Im vergangenen Jahr war das Land erneut der größte Reeder der Welt, gemessen an der Tragfähigkeit der Schiffe. Dann marschierte Russland in die Ukraine ein, und die westlichen Regierungen verschärften ihre Sanktionen. Den griechischen Reedern gefiel das nicht. „Sanktionen haben noch nie funktioniert“, sagte der griechische Schifffahrtsmagnat George Prokopiou im vergangenen Juni auf einer maritimen Veranstaltung.“ Weiterlesen
Documentonews.gr 15.09.2023: „Das schockierende Video des berühmten Stand-up-Künstlers ist online gegangen. Der Komiker Antonis Atzarakis, der jede mögliche und unwahrscheinliche Art und Weise beschreibt wie man in den letzten Jahren in Griechenland sterben kann. All dies anlässlich des Mordes an dem 36-jährigen Antonis auf der Blue Horizont Fähre. „Brände, Überschwemmungen, Schnee, Pandemien, Schiffe, Züge, Busse, Flugzeuge, wenn du eine untreue Frau bist, wenn du eine treue Frau bist, wenn du überhaupt eine Frau bist, wenn du ein Mann bist, der eine Frau sein will, wenn du ein Mann bist, der eine Frau sein will. Wenn du ein illegaler oder legaler Einwanderer bist, wenn du wie ein Einwanderer aussiehst, wenn du im Sommer viel gebadet hast und du dunkelhäutig bist, wenn du in Rhodos, Euböa, Alexandroupolis gebadet hast. In der Metro von Evangelismos, auf deinem Balkon in Karditsa, in Mati, wenn du in einem Flugzeugwrack sitzt und die Brände löschst, wenn du die falsche Fußball-Mannschaft unterstützt, die richtige Mannschaft, wenn du aus dem Stadion gehst, wenn eine Mannschaft spielt.
Einreichung der Beschwerde vor dem Marinegericht in Piräus. Foto: Refugee Support Aegean
Pro Asyl 15.09.2023: „Drei Monate nach dem Schiffsunglück von Pylos mit mehr als 600 Toten ist in Griechenland noch keine Untersuchung eingeleitet worden, die rechtsstaatlichen Kriterien entspricht. 40 Überlebende haben deshalb nun formell Beschwerde eingereicht. Sie fordern Aufklärung und strafrechtliche Konsequenzen für alle Verantwortlichen in staatlichen Behörden. Bedienstete der Küstenwache, die 15 Stunden lang keine geeigneten Maßnahmen ergreifen, um rund 750 Menschen an Bord des seeuntauglichen Schiffkutters Adriana zu retten. Überlebende, die übereinstimmend berichten, dass ein Abschleppmanöver der Küstenwache zum Untergang des Schiffes und dem Tod von mehr als 600 Menschen geführt hat. Hi-Tech Kameras an Bord des Schiffs der Küstenwache, die zum Zeitpunkt des Untergangs abgeschaltet sind. Handys von Überlebenden, die von der Küstenwache konfisziert werden, zunächst verschwinden und erst Wochen später in einem Büro der Küstenwache auftauchen. Vernehmungsprotokolle von Überlebenden, die nachträglich um Aussagen ergänzt werden, die die Küstenwache entlasten. Chronik einer vermeidbaren Katastrophe Soll Verantwortung für hundertfachen Tod vertuscht werden? Die Liste der Vorwürfe gegen die griechische Küstenwache rund um eines der tödlichsten Schiffsunglücke im Mittelmeer mit mehr als 600 Toten am 14. Juni 2023 vor der griechischen Hafenstadt Pylos ist lang. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Küstenwache die Menschen an Bord des Schiffes Adriana nicht nur hat sterben lassen und ihnen die Rettung verweigert hat, sondern auch mit allen Mitteln versucht, die eigene Verantwortung für den hundertfachen Tod von schutzsuchenden Menschen zu vertuschen. Öffentliche Rückendeckung erfährt die Küstenwache von der griechischen Regierung, die jegliche Kritik an der Küstenwache vehement zurückweist.“ Weiterlesen
Die Staatsanwältin des obersten Gerichts Griechenlands (Aeropag), Georgia Adilini hat die lokalen Staatsanwaltschaften von Volos, Karditsa, Larissa und Trikala angewiesen, die Unterlassung von Vorsorgemaßnahmen gegen Überschwemmungen strafrechtlich zu verfolgen. In dieser Anweisung wird detailliert beschrieben, welche Maßnahmen eigentlich durchgeführt worden sein sollten. Allerdings wird keine Verantwortlichkeit der nationalen staatlichen Ebene benannt.
Die Anordnung des Staatsanwalts des Obersten Gerichtshofs im Wortlaut: „An die Herren Staatsanwälte von Volos, Karditsa, Larissa und Trikala Angesichts der biblischen Zerstörung Thessaliens durch das Unwetter „Daniel“ mit unabsehbaren Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Umwelt, die Infrastruktur, das Eigentum usw., vor allem mit dem daraus resultierenden Verlust von Menschenleben, und unabhängig von jeglichem Zusammenhang dieses Wetterphänomens mit dem Klimawandel, der uns allen seit langem bekannt ist, bitten wir Sie um Ihr Handeln, um etwaige selbstverschuldete verwerfliche Handlungen wie Überschwemmungen (möglicherweise vorsätzlich oder fahrlässig), fahrlässige Tötung durch Unterlassen, fahrlässige Tötung, Pflichtverletzung, Untreue, usw. zu untersuchen. In diesem Zusammenhang sollten Sie u.a. auf der Grundlage der beigefügten Veröffentlichungen entsprechend Ihrer örtlichen Zuständigkeit nachforschen: 1. Welche Maßnahmen wurden genau ergriffen, in der Region Thessalien, zuständige Vize-Regionalgouverneure der Gemeinden Magnesia, Karditsa, Trikala und Larissa, thematischer Vize-Regionalgouverneur für Klimakrise und Katastrophenschutz, Bürgermeister von Volos und zuständige Vize-Bürgermeister, Bürgermeister von Karditsa und zuständige Vize-Bürgermeister, nach dem Unwetter „Janos“ im Jahr 2020 auf der Ebene der Vorbeugung, d.h. Durchführung von Hochwasserschutzarbeiten, aber auch nach der genauen Vorhersage des Ausmaßes des Phänomens „Daniel“ durch den Nationalen Meteorologischen Dienst, um dessen Auswirkungen zu vermeiden oder zumindest zu verringern und vor allem das Leben ihrer Mitbürger zu schützen. Das heißt, vor dem Phänomen, aber auch während des Phänomens, auf der Ebene der Koordinierung ihrer für den Katastrophenschutz zuständigen Dienste.
In Griechenland hat es verheerende Überschwemmungen großer Gebiete gegeben. 15 Todesopfer sind bereits bestätigt, riesige landwirtschafltliche Flächen und sehr viele Gebäude wurden zerstört, zehntausende Tiere ertranken, was jetzt zu Seuchen führen kann, wodurch auch Menschen erkranken könnten. Diese Katastrophe ist durch den Klimawandel bedingt, noch nie hat Regen so große Wassermengen mit sich gebracht. Trotzdem stellt sich genauso wie bei den verheerenden Bränden in diesem Jahr die Frage, ob die Regierung ausreichend Vorsorge getragen hat. Ob die Auswirkungen der Regenfälle nicht hätten verringert werden können.
Premierminister Mitsotakis besuchte am Freitag das größte überflutete Gebiet in der thessalischen Ebene bei der Stadt Karditsa >und erklärte: „Ich habe mich in schwierigen Zeiten nie versteckt.“ Bei seinem Treffen mit den örtlichen Behörden waren keine Journalisten anwesend – es gab also keine Fragen. Er behauptete, dies sei „ein Natur-Phänomen, wie wir es in diesem Land, vielleicht auch in Europa, noch nie gesehen haben“ und dass „die griechische Wirtschaft jetzt stark genug ist, um einer solchen Katastrophe standzuhalten“. Er versprach, dass die Rettungsmaßnahmen so schnell wie möglich abgeschlossen würden und dass große Baufirmen die Schäden beheben würden. Nun, das war wie ein Déjà-vu. Mitsotakis hatte Wiederherstellungsarbeiten und Entschädigung im Jahr 2020 versprochen, als Kardisa ebenfalls überflutet wurde – damals durch den Sturm Ianos. Das allgegenwärtige Unternehmen GEK-TERNA (das vom Schwiegervater des Staatsministers Gerapetritis geleitet wird) hatte sich verpflichtet, die Überschwemmungsbekämpfungs- und Wiederherstellungsarbeiten in der thessalischen Ebene abzuschließen, ein 134 Millionen Euro teures Projekt. Nach den Ergebnissen zu urteilen, ist es nicht so gut gelaufen.