Eine Flüchtlingshelferin, die im Gefängnis landete

Von Lars Spannagel, Tagesspiegel, 6.9.2018:
Sarah Mardini – Eine Flüchtlingshelferin, die im Gefängnis landete
Ihre Flucht durchs Meer hat sie und ihre Schwester berühmt gemacht. Nun will die Berlinerin Sarah Mardini anderen helfen – und wird auf Lesbos verhaftet.
Der Laptop steht aufgeklappt auf dem Tisch, das Handy liegt zwischen Weinglas und Wasserflasche. Es brummt, schon wieder. Aber Sven Spannekrebs muss jetzt erst etwas essen, die letze Mahlzeit hat er vor zehn Stunden eingenommen, in irgendeinem Café in Athen. „Mir sagen im Moment alle, ich muss besser auf mich aufpassen“, sagt er, während er sein Steak hinunterschlingt. „Sonst kippe ich irgendwann um.“ Seine rotblonden Haare hat der 38-Jährige unter einer Schirmmütze versteckt, seine Augen sind rot und verquollen, seit zwei Wochen hat er kaum geschlafen. Erst ein paar Stunden zuvor ist sein Flugzeug aus Griechenland in Berlin gelandet, nun spricht er in einem Spandauer Restaurant über die Angelegenheit, die ihm keine Ruhe lässt. Über Sarah.
Sarah Mardini, 23 Jahre alt, sitzt in Athen im Gefängnis. Vor zwei Wochen wurde sie am Flughafen von Lesbos festgenommen. Die Vorwürfe: Menschenschmuggel, individuelle Bereicherung durch Spenden, Geldwäsche, Spionage und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Ihr droht eine mehrjährige Haftstrafe.
Die vergangenen acht Monate hat sie als Freiwillige für eine NGO Flüchtlinge auf Lesbos betreut – auf der griechischen Insel, die für sie im Sommer 2015 selbst zum Schicksalsort wurde. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Yusra war Sarah Mardini aus dem syrischen Bürgerkrieg geflohen. Die Geschichte ihrer Reise über das Mittelmeer, bei der die beiden Leistungsschwimmerinnen ein havariertes Flüchtlingsboot hinter sich herzogen und 18 Menschenleben retteten, hat sie berühmt gemacht. Beim Verein Wasserfreunde Spandau 04 und Trainer Sven Spannekrebs fanden sie ein neues Zuhause, als Mitglied des erstmalig startenden Flüchtlingsteams durfte Yusra 2016 bei Olympia in Rio antreten. In aller Welt wurde über sie berichtet, sie traf US-Präsident Barack Obama, den Papst und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, ist offizielle Botschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.“ weiterlesen

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