Hellas-Solidarität Bochum legt Kranz für Naziopfer im Märtyrerort Aetós nieder

[Von der Netzseite der Hellas-Solidarität Bochum]
Ein Beitrag zur Deutsch-griechischen Erinnerungskultur

Ελλ. βλέπε πιο κάτω. „Am 4. Januar 2018 legte die Initiative Hellas-Solidarität Bochum im Dorf Aetós in Messinía auf der Südwestpeloponnes einen Kranz zur Erinnerung an die Opfer der Naziherrschaft in Griechenland nieder.
Warum im Dorf Aetós und nicht in Kalávryta, Komméno oder Ligiádes [1], wo sich 2018 einige der brutalsten Gräueltaten der Nazis an der griechischen Zivilbevölkerung ebenfalls zum 75. Mal jähren?
Während besonders Kalávryta und Ligiádes durch die Besuche der Bundespräsidenten Rau (Kalávryta 4. April 2000 [2]) und Gauck (7. März 2014 [3]) in Deutschland zu größerer Bekanntheit gekommen sind, bleiben viele der 109 in Griechenland mittlerweile offiziell als Märtyrerorte anerkannten Gemeinden unbeachtet; so auch Aetós, dessen Zerstörung und die Ermordung von 16 Menschen sich am 11. September 2018 ebenfalls zum 75. Mal jähren. Obwohl in Aetós jährlich Gedenkfeiern unter Beteiligung der Dorfgemeinde und Vertretern der Politik stattfinden, hat es von offizieller deutscher Seite bisher noch keine Würdigung erfahren. Aetós steht damit stellvertretend für die in den dreieinhalb Besatzungsjahren unzähligen niedergebrannten Dörfer und die ca. 30.000 meist als „Sühnemaßnahmen“ für Partisanenangriffe exekutierten Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder, denen bisher wenig Beachtung geschenkt wurde.
Was war in der vor dem 2. Weltkrieg 1.500 Köpfe zählenden florierenden Gemeinde mit dem Namen Aetós – zu Deutsch „Adler“ –, was auf ihre Lage oberhalb einer Ebene zurückgeht, im September 1943 geschehen? Nach der Kapitulation und dem Waffenstillstand der italienischen Besatzungstruppen mit den Alliierten am 8. September 1943 begann die deutsche Wehrmacht den „Fall Achse“, der die Entwaffnung aller italienischen Verbände vorsah, die Griechenland im Oktober 1940 besetzt hatten und an deren Seite die deutsche Wehrmacht im April 1941 in den Krieg gegen Griechenland eingetreten war. In der Region Peloponnes, die zuvor zur italienischen Besatzungszone gehört hatte, waren Partisanenverbände der Griechischen Volksbefreiungsarmee ELAS aktiv, deshalb verfolgte die Wehrmacht zunächst das Ziel, die griechischen Widerstandskämpfer daran zu hindern, die Waffen der Italiener zu erbeuten und damit ihre militärische Schlagkraft zu erhöhen. Die Wehrmacht verstärkte ihre Truppen in der Region und zog sie an neuralgischen Punkten zusammen. Am 10. September 1943 bewegten sich zwei je rund 18 Mann starke Schwadronen der deutschen Aufklärungs-Abteilung 116 (die im Februar 1943 als Radfahr-Abteilung 116 für die 117. Jäger-Division unter General Karl von Le Suire, dem Befehlshaber des Massakers von Kalávryta, aufgestellt worden war), mit ihren Fahrrädern von ihrem Lager Dório aus zur offensiven Aufklärung in zwei Richtungen: eine nach Aetós und die zweite nach Pítsa (Sitochóri). Beide Züge trafen auf Partisaneneinheiten, die sich in Richtung der italienischen Stützpunkte Kyparissía ‑ Filiatrón ‑ Gargaliánon bewegten, um die dortigen italienischen Verbände zu entwaffnen. In den darauffolgenden Zusammenstößen verzeichneten die deutschen Truppen schwere Verluste: 3 Tote, 2 Verletzte und 7 Gefangene. Die Gefangenen, unter ihnen ihr Oberleutnant, wurden mit ihren Waffen und den Fahrrädern, mit denen sie nach Aetós herauf gefahren waren, nach Sellá gebracht [4].“ weiterlesen

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