Die Schlacht um die Immobilien in Griechenland hat gerade erst begonnen.


Von Ralf Kliche
Es ist noch keine Woche her, da haben wir hier in einem Bericht über die anstehenden Zwangsversteigerungen einen Ausspruch von Thanos Kamilalis zitiert: „Die Schlacht um die Immobilien in Griechenland hat gerade erst begonnen.“. Heute sind die Medien voll von Berichten und Medienbeiträgen über gewaltsame Auseinandersetzungen in und vor den Gerichten, bei denen die Bereitschaftspolizei MAT und Protestierende, vorrangig aus der Bewegung „Ich zahle nicht“ aufeinander trafen. Exemplarisch kann man den englischsprachigen Bericht bei keeptalkinggreece lesen:

Als die Protestierenden versuchten, einen Abbruch der Auktionen zu erzwingen, ging die Polizei massiv mit Schlagstöcken vor. Offensichtlich kam es auch zum Einsatz von Reizgas in Gerichtssälen. Drei Protestierende wurden verletzt, im Anschluss erklärte die Vereinigung der Gerichtsbeamten: „Wir protestieren scharf, dass der Gerichtssaal zum Schlachtfeld geworden ist und damit Unsicherheiten für Beschäftigte, Anwälte und Bürger entstanden sind. Wir fordern die Verantwortlichen auf, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um die reibungslosen Abläufe im Gebäude des Bezirksgerichts von Athen unverzüglich wiederherzustellen.“ Für diese Woche sind alle weiteren Versteigerungen abgesagt.

Insgesamt wurden in Athen 14 Versteigerungen durchgeführt, 12 „physische“ und 2 „Online-Auktionen“. Ursprünglich waren 29 Versteigerungen geplant. Die beiden Online-Auktionen (die ersten in Griechenland) endeten ohne Ergebnis, weil sich keine interessierten Bieter fanden. (1)

Die politische Auseinandersetzung dreht sich um die Frage, welcher Art die zu versteigernden Objekte sind. Offensichtlich kommen auch viele reiche Grundeigentümer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nach und die Regierung erklärt, sie wolle diesen Personenkreis verfolgen und nur die „kleinen Häuslebesitzer“ schonen. Die Gegner werfen ihr hingegen vor, auch die Versteigerung von Immobilien mit einem Wert unter der relevanten Schwelle von 300.000 Euro zuzulassen. Bei den beiden Online-Auktionen ging es um Werte von 1,43 Mio. bzw. 500.000 Euro. Die Initiative berichtete landesweit gestern von 169 Versteigerungen, wobei es sich bei ca. 80% um gewerbliche Immobilien mit einem Wert von unter 300.000 Euro gehandelt habe. (2)

Die Ereignisse haben auch innerhalb von Syriza für Aufregung gesorgt, der ehemalige
Schifffahrtsminister Thodoris Dritsas hatte angeregt, dass auch Syriza-Vertreter bei den Versteigerungen anwesend sein sollten und man das Feld nicht LAE überlassen sollte (sowohl die Syriza-Abspaltung um Lafanzanis wie die um Zoe Konstantopoulou engagieren sich derzeit bei den Protesten). Andere forderten eine offizielle Untersuchung des Einsatzes von Reizgas. Der Syriza-Fraktionsvorsitzende Kostas Zachariades sprach sich im Radio grundsätzlich gegen Gewalt aus, erwartet aber eine baldige Beruhigung der Lage. Justizminister Kontonis hingegen warf den Protestierenden vor, sich vor den Karren derjenigen spannen zu lassen, die Geld hinterzogen haben, um sich damit Villen mit Schwimmbädern zu errichten. Die Regierung würde weiter zu ihren Zusagen stehen. (3)

(1) https://www.thepressproject.gr/article/120483/Pleistiriasmoi-kai-katastoli
(2) http://www.dromosanoixtos.gr/2017/11/29112017.html
(3) http://www.efsyn.gr/arthro/kyvernitikes-exigiseis-kai-aihmes-ek-ton-eso

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