Fährenskandal: Marineminister neues Bauernopfer für Mitsotakis

Der Marineminister Miltiadis Varvitsiotis

„Kurz nach der Tötung des Fahrgastes im Hafen von Piräus hatte der Marineminister Varvitsiotis in einem Interview gesagt: „Es gibt diejenigen, die um den Toten trauern, und diejenigen, die um diejenigen trauern, die gegangen sind, um ihre Arbeit zu tun und einen Tageslohn mitzubringen, und die jetzt wegen Totschlags angeklagt sind.“
Mit dieser Äußerung setzte Marineminister Varvitsiotis die Täter mit den Opfern gleich. Nach breiter Empörung in den sozialen Medien entschuldigte sich der Minister dafür, dass er seine „Verurteilung des Verbrechens“ nicht korrekt formuliert hatte.“ (AthensLive Wire Newsletter 9.9.2023)
Jetzt musste er zurücktreten, weil Misotakis nicht wollte, dass die öffentliche Empörung auf Mitsotakis zurückfallen wurde.

Dieser Rücktritt dient in erster Linie dazu, Mitsotakis reinzuwaschen, seinen Zynismus gegenüber der großen Mehrheit der griechischen Bevölkerung, die nicht zu seiner „Exzellenz“ gehört, zu verstecken.
Genau dem selben Zweck diente der Rauswurf des Ministers Mitarakis bei der Brandkatastrophe, als der während der schlimmsten Brände wenige Tage Urlaub machte.

Wenn doch nur die ganze Regierung Misotakis wegen der vielen tausenden toten Geflüchteten, für die sie verantwortlich ist, zurücktreten würde!

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Zwei Fährleute töteten Fahrgast in Piräus

Vorsicht: verstörende Bilder!

AthensLive Wire Newsletter vom 9. 9. 2023:
„Im Hafen von Piräus ereignete sich ein grausames Verbrechen. Zwei Matrosen stießen einen 36-jährigen Mann, der versuchte, noch auf das ablegende Boot zu kommen, ins Meer. Dann fuhr das Schiff einfach ab. Das Opfer ertrank. Es handelte sich um einen geistig behinderten Menschen.
„Ein Mann ertrank bei dem Versuch, das Schiff zu fangen.“
So lauteten die ersten Berichte über die nächtlichen Ereignisse im Hafen von Piräus am Dienstag, den 5. September.
Es sollte sich bald herausstellen, dass die Realität noch ungeheuerlicher war.
In den sozialen Medien tauchte ein schockierendes Video auf, das einen Mann zeigt, der versucht, das Schiff zu erreichen. Der Mann schaffte es, auf die Rampe zu laufen, während das Schiff auslief – die Rampe war noch unten und berührte noch den Hafen. Zwei Besatzungsmitglieder auf der Rampe stießen den Mann gewaltsam aus dem Schiff, während ein weiteres Mitglied zusah. Infolgedessen stürzte der Mann ins Meer, als das Schiff gerade auslief.
Was taten die Besatzungsmitglieder dann? Sie drehten ihm den Rücken zu, und das Schiff fuhr nach Kreta, als wäre nichts geschehen, als hätten sie einen Sack Müll ins Meer geworfen.
Der Mann ertrank schnell – kein Wunder bei der starken Strömung, die durch die Schiffsschraube verursacht wurde.
Nach dem Vorfall verkündeten die Sprecher des Schiffes den erstaunten Passagieren:
„Die Verzögerung der Abfahrt des Schiffes ist auf einen Zwischenfall im Hafen von Piräus zurückzuführen. Das Schiff trägt keine Verantwortung für den Vorfall. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis.“
Die Fähre fuhr etwa 45 Minuten lang wie gewohnt. Sie wendete erst, als entsetzte Passagiere die griechische Küstenwache alarmierten, und und ein Staatsanwalt die Blue Horizon anwies, nach Piräus zurückzukehren.

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Welle rassistischer Gewalt auf Zypern (und in Griechenland)

Foto vom Pogrom in Limassol, Zypern

Von Wassilis Aswestopoulos, telepolis 08. September 2023:
Milizen und Pogrome: Wie kommt es zur Welle rassistischer Gewalt in Griechenland und Zypern?
Regierung in Athen nutzt Übergriffe zur Ablenkung vor eigenen Defiziten. Hemmungen in Politik und Medien gefallen. Ist Zypern noch ein sicheres Reiseland?

In Griechenland machen selbst ernannte Bürgerwehren Jagd auf Flüchtlinge, während um sie herum die Brände wüten. Auf Zypern kommt es wie in Limassol zu regelrechten Pogromen gegen alle, die rechtsextremen Schlägern zu fremd erscheinen. Die Politik macht dabei keine gute Figur, wenn sie nicht selbst zum Schüren des Hasses beiträgt.“
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Reeder und Ex-Goldman-Sachs-Manager will Syriza-Vorsitzender werden

S. Kssselakis

Von Wassilis Aswestopoulos, cashlurs.com 05.09.2023:
Wie ein Reeder und Ex-Goldman-Sachs-Manager die Linke in Griechenland aufmischt
…Der „ständige Parteitag“ von SYRIZA am Wochenende segnete einstimmig fünf Kandidaturen ab. Zur Wahl stehen die achtunddreißigjährige Favoritin Efi Achtsioglou, der siebenundvierzigjährige Nikos Pappas, der dreiundsechzigjährige Euklid Tsakalotos, der siebenundsiebzigjährige Außenseiter Stefanos Tzoumakas und der fünfunddreißigjährige Shootingstar Stefanos Kasselakis.
Bis auf Tzoumakas, dessen Kandidatur eher symbolischer Natur ist, haben alle eine reale Chance auf den Parteivorsitz. Der Veteran der Studentenaufstände von 1973, die in Griechenland die Militärdiktatur zum Wanken brachten, sieht sich als Gralshüter. Am 10. September findet der erste Wahlgang statt. Sollte es keine absolute Mehrheit für eine Kandidatur geben, wird eine Woche später ein zweiter Wahlgang stattfinden.
Umfragen und Buchmacher deuten an, dass das Duell Achtsioglou gegen Kasselakis das wahrscheinlichste Szenario für den zweiten Wahlgang ist. Nikos Pappas war Tsipras rechte Hand in Partei und Regierung, der Apparatschik hat sich mit seiner resoluten Art nicht nur Freunde geschaffen. Zudem wurde er von einem Sondergericht bestehend aus dreizehn obersten Richtern wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit der Vergabe von TV-Lizenzen verurteilt.“
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Jede Rede von Mitsotakis ist eine Prüfung der Logik

Von Thanos Kamilalis, The PressProject, 31.8.2023:
„Jeder Auftritt von Kyriakos Mitsotakis im Parlament, nach einer der Katastrophen, die während seiner Amtszeit zur Normalität geworden sind, ist ein endloser Angriff auf die Logik. In der Regel handelt es sich um Verzerrungen, absurde Vergleiche, unverhohlene Lügen, Unkenntnis wissenschaftlicher Tatsachen, Schuldzuweisungen und die für seine Politik notwendige Verbeugung vor der extremen Rechten, wie gefährlich das auch immer für das Leben der Menschen sein mag. Eine Aneinanderreihung von Argumenten ohne Anfang, Mitte oder Ende, ohne Kohärenz, in der Logik von „whatever works“. Ein bisschen Maui, ein bisschen Teneriffa, ein bisschen Klimakrise, ein bisschen Infragestellung des Ausmaßes der Katastrophe, ein bisschen Evros-Pass und ein bisschen ‚Schuld sind die Flüchtlinge‘. Da kommt keine Übernahme von Verantwortung für die größten Brandkatastrophen in Europa in diesem Jahr, sondern im Wesentlichen ein Buffet für seine Anhänger, die sich aussuchen können, was sie glauben wollen.

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Familie eines griechischen Journalisten, der mehr als 100 SLAPPs überlebte, körperlich angegriffen

Von Sarantis Michalopoulos, 28.8.2023 – EURACTIV.com – ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht Monika (GSKK Köln):
„Betroffen waren der Investigativjournalist Kostas Vaxevanis und seine Familie, während sie sich in einem Restaurant befanden.
In einem weiteren Vorfall, der die prekäre Lage griechischer Journalisten verdeutlicht, wurden der investigative Reporter Kostas Vaxevanis – ebenfalls nominiert für den Daphne-Caruana-Galizia-Preis – und seine Familie am Freitag von einem Geschäftsmann verbal und körperlich angegriffen, dessen Name auf der „sündigen“ Lagarde-Liste stand, die rund 2.000 potenzielle Steuerhinterzieher enthielt und 2012 von dem Journalisten aufgedeckt worden war.
Vaxevanis aß am vergangenen Freitag mit seiner Familie und seiner achtjährigen Tochter in einem Restaurant, als sich der Geschäftsmann dem Tisch näherte und ihn zu beschimpfen begann. Nach Angaben des Journalisten schlug der verbale Angriff in körperliche Gewalt um. Der Geschäftsmann versuchte, die Frau von Vaxevanis zu schlagen, die das Kind auf dem Arm hatte, und als die Mutter versuchte, den Angriff zu stoppen, erhielt sie einen Schlag ins Gesicht.“
Weiterlesen (auf der Seite des Griechenland Solidaritäts Komitee Köln)

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Antifolterkomitee kritisiert „katastrophale“ Bedingungen für Insassen der psychiatrischen Klinik Korydallos

„eine Verletzung der Menschenwürde und es könnte als unmenschliche und erniedrigende Behandlung angesehen werden. Die Zellen waren schmutzig, unhygienisch, baufällig und stark überbelegt.“ (1)

Das Komitee des Europarates zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (CPT) hat heute den Bericht über seinen Ad-hoc-Besuch von 8. bis 11. November 2022 in Griechenland sowie die Antwortstellungnahme der griechischen Behörden veröffentlicht.
Der Besuch zielte vor allem darauf ab, die Behandlung und Lebensbedingungen von Personen zu untersuchen, die in der forensisch-psychiatrischen Klinik Korydallos (im Folgenden die „Klinik“) festgehalten werden.
Das CPT stellte fest, dass die Klinik in jeder Hinsicht ein Gefängnis bleibt, sowohl in ihrer Konzeption als auch ihrer Funktionsweise. Zudem wurde die angekündigte Übertragung der Zuständigkeit für die Klinik an das Gesundheitsministerium weiterhin nicht umgesetzt.
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Anmerkung

(1) Zitat aus dem Bericht über den Ad-hoc-Besuch des Komitees des Europarates zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe

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Eine ungeheure ökologische Katastrophe – bisher ohne Ende

Dies ist der Stand vom 28.8.2023. Mittlerweile ist noch mehr Waldfläche verbrannt-

Die Brände in Griechenland sind eine ungeheure ökologische Katastrophe, In den letzten sieben Jahren wurden 33% der Waldflächen Attikas verbrannt. D.h. die „grüne Lunge“ Athens hat sich enorm verkleinert. Noch schlimmer ist der Brand im äußersten Nordosten. Es ist der größte jemals in der EU beobachtete Brand. Auch am heutigen 11ten Tag des Feuers ist noch kein Ende absehbar. Und die Fachleute stellen jetzt fest, dass das Naturschutzgebiet von Dasia für immer verloren ist.
>Der Vorsitzende der Abteilung für Forstwirtschaft und natürliche Umwelt der Aristoteles-Universität Thessaloniki, Alexandros Dimitrakopoulos, äußerte gegenüber dem Radiosender „Praetorio FM 104,9“ die Befürchtung, dass „der Wald von Dadia, wie wir ihn kannten, nie wieder zu sehen sein wird. Das Ökosystem von Dadia ist zerstört worden. Wir können dieses Ökosystem nicht zu den allgemeinen Verlusten der 1.500.000 Hektar Waldland, die verbrannt wurden, zählen. Es ist etwas Einzigartiges“, fügte er hinzu. Dimitrakopoulos erklärte, dass das Dadia-Gebiet ein Schutzgebiet des NATURA-Netzes ist, was bedeutet, dass es einzigartig ist. Es gibt so etwas in keinem anderen Gebiet in Europa, und das liegt daran, dass die Bedingungen, unter denen er entstanden ist, einzigartig sind. „Dieser Wald ist verloren gegangen. Die Mönchsgeier, Weißgeier und Geier, die früher in diesem Wald nisteten und brüteten, sind entweder verbrannt oder verschwunden. Sie werden nicht mehr zurückkehren. Und dieser Wald wird auch nicht in dieser Form wiederkommen. Es war ein urzeitlicher Schwarzkiefernwald, der aus sehr alten Bäumen mit abgeflachten Wipfeln bestand, was bedeutet, dass wir 100 bis 150 Jahre brauchen, um solche Bäume in eine Form zu bringen, in der Schwarzgeier wieder nisten können“<.(1)

Mehr Infos über den Verlust der Artenvielfalt durch den Brand von Dadia im Bericht von ZDF heute:
Waldbrände in Griechenland ein „ökologisches Desaster“ – ZDFheute


Anmerkung

(1) Zitat: https://www.efsyn.gr/ellada/koinonia/402269_neo-minyma-ekkenosis-ston-ebro-stis-floges-gia-11i-imera

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Brände in Griechenland «größte in der Geschichte der EU»

Quelle: HIER

radio-bamberg.de, 24.8.2023:
„Dass die diesjährigen Wald- und Buschbrände in Griechenland extreme Ausmaße angenommen haben, war den Menschen bereits klar. Doch nun ist es offiziell: Laut EU-Kommission handelt es sich bei den Bränden nahe der nordöstlich gelegenen Hafenstadt Alexandroupolis um die größten Brände in der Geschichte der Europäischen Union. Es seien bereits als 73.000 Hektar verbrannt, teilte der Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, Janez Lenarcic, am Donnerstag mit.
Die Situation verbesserte sich zwar im Laufe des Tages, weil der Wind etwas nachließ, doch die größten Feuerfronten sind zu umfassend, als dass sie einfach so gelöscht werden könnten.
Etwas Zuversicht bei Feuerwehrleuten und Bürgermeistern
Und so atmeten am Donnerstagmorgen wieder viele Griechen und Touristen selbst Hunderte Kilometer weit von den Bränden entfernt Rauchgestank ein. Im Nationalpark Dadia, rund um die Stadt Alexandroupolis sowie weiter Richtung Westen tobten die Brände weiter – genau wie im Nordwesten Athens und anderen Teilen des Landes. Allerdings gab es bei Feuerwehrleuten und Bürgermeistern der betroffenen Gegenden erstmals etwas Zuversicht: Die sehr starken Winde hätten sich etwas beruhigt, was die Löscharbeiten erleichtere.
Der Schaden jedoch ist längst geschehen: Die 73.000 Hektar, von denen EU-Kommissar Lenarcic ausgeht, entsprechen 730 Quadratkilometern – eine Fläche fast so groß wie Deutschlands zweitgrößte Stadt Hamburg.“
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Rechte Hetzkampagne in Griechenland: Migranten seien schuld an den verheerenden Waldbränden

Willkommen im zivilisierten Europa! (Kalenderblatt ThePressProject 15.06.2023)

[Schild der Frau:] „Krankenwagen nur für Griechen“
[Schild des Gerippes:] „Friedhöfe nur für Griechen“
[Hai:] „…und Unmenschlichkeit für alle anderen“

Von Ferry Batzoglou, taz 23.8.2023:
Brände in Griechenland: Feuer, Hitze und Hetze
Rechte Hetzkampagne in Griechenland: Migranten seien schuld an den verheerenden Waldbränden. 18 Geflüchtete waren am Dienstag verbrannt
Ihr Anblick war erschreckend. Pavlos Pavlidis, Gerichtsmediziner, untersuchte die 18 verkohlten menschlichen Überreste just an jener Stelle, wo sie am Dienstag gefunden worden waren: im Naturwald von Dadia in der Region Evros im äußersten Nordosten von Griechenland, an der Festlandsgrenze zur Türkei.
Die Leichen, alles Männer, darunter zwei Minderjährige, waren Geflüchtete. Sie befanden sich auf dem Weg von der Grenze ins Landesinnere von Griechenland, bis sie im Dadiawald, einer Durchgangsstation für viele Flüchtlinge und Migranten, einen grausamen Tod starben. Die Schutzsuchenden hatten sich in einer Hütte im Wald versteckt, um nicht der Polizei in die Hände zu fallen. Doch dann erfasste sie die gewaltige Feuerwalze.
In ihrer Wut und Verzweiflung betreiben die Griechen derweil eine wilde Blüten treibende Ursachenforschung. Geradezu menschenverachtend sind mehr oder minder direkte Andeutungen von Politikern und Kommentatoren, wonach ausgerechnet über die Türkei nach Hellas gelangte Flüchtlinge und Migranten die Waldbrände legen würden. Ihrem Narrativ über den Migranten als Brandstifter im Rahmen eines mutmaßlichen Hybridkrieges schenken nicht wenige Griechen Glauben, offen rassistische Anfeindungen und sogar Hetze gegen Flüchtlinge inklusive.“
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