Heute auf Lesbos: Verfahren der Kriminalisierung von Lebensrettern

Der Angeklagte Sean Binder heute vor dem Gerichtsgebäude auf Lesbos

Wie pervers ist es, dass der griechische Staat der Angeklagten Sarah Mardini nicht einmal erlaubt, an dem Gerichtsverfahren gegen sie selbst teilzunehmen? Und das mit der Begründung, sie als nicht EU-Bürgerin sei besonders gefährlich! (Siehe dazu Heldin im Film und in der Wirklichkeit – aber erst im Gefängnis, jetzt vor Gericht.) >Ein Untersuchungsbericht des Europaparlaments vom Juni 2021 bezeichnet den Prozess als „den größten Fall der Kriminalisierung von Flüchtlingssolidarität in Europa“< (Quelle: „Sarah Mardini und andere Flüchtlingshelfer vor Gericht„.

Der Angeklagte Sean Binder bei einer Anhörung im Europaparlament im Dezember 2022

Von Verena Schälter, ARD-Studio Athen, zurzeit Lesbos, tagesschau.de, 10.1.2023:
Flüchtlingshelfer auf Lesbos Ein Prozess mit vielen Fehlern
24 Seenotretter müssen sich auf der Insel Lesbos vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor. Doch das Vorgehen wirft Fragen auf.
Sean Binder ist blass, die Anspannung ist ihm sichtlich anzumerken, als er das Gerichtsgebäude in Mytilini, der Hauptstadt der griechischen Insel Lesbos betritt. Freundlich grüßt er die anwesenden Journalistinnen und Journalisten. Das Interesse der internationalen Medien ist groß.
„Ich hoffe, dass wir diesen Prozess endlich beginnen können. Seit vier Jahren warten wir darauf, während die Staatsanwaltschaft den Prozess verzögert hat“, sagt er.
Mardini nimmt nicht am Prozess teil
Binder ist einer von insgesamt 24 Flüchtlingshelferinnen und -helfern, die sich hier vor Gericht verantworten müssen. Darunter auch die Syrerin Sarah Mardini, deren Flucht aus Damaskus über die Türkei nach Griechenland in der Netflix-Produktion „Die Schwimmerinnen“ verfilmt wurde. Nach ihrer Flucht hat die heute 27-Jährige als Freiwillige auf Lesbos gearbeitet bis sie und Binder 2018 verhaftet wurden.
Ihnen wird unter anderem Spionage, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Urkundenfälschung und die illegale Nutzung von Funkfrequenzen vorgeworfen. Mardini selbst kann nicht am Prozess teilnehmen, da ihr die griechischen Behörden ein Einreiseverbot erteilt haben. Sie wird durch eine Anwältin vertreten.“ weiterlesen

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Geflüchtete., Griechische Justiz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s