Der Fall Maria – die Aufarbeitung des Spiegels

Spiegel.de 30.12.2022:
„In eigener Sache Der Fall Maria – die Aufarbeitung
Im Sommer hat der SPIEGEL mehrere Beiträge über Geflüchtete am Grenzfluss Evros veröffentlicht. Wir berichteten, ein syrisches Kind sei gestorben, weil Griechenland keine Hilfe geleistet habe. Nachdem Zweifel aufkamen, sind wir noch einmal tief in die Recherche eingestiegen.
Im Sommer 2022 veröffentlichte DER SPIEGEL auf seiner Website drei Beiträge, die vom Schicksal einer Flüchtlingsgruppe am griechisch-türkischen Grenzfluss Evros handelten. Dazu gab es auch einen Podcast. Der Vorwurf, der in diesen Berichten erhoben wurde: Die griechische Regierung habe den gestrandeten Flüchtlingen nicht geholfen, obwohl dies ihre Pflicht gewesen wäre. Infolge der unterlassenen Hilfeleistung sei sogar ein fünfjähriges syrisches Mädchen gestorben. Der SPIEGEL sah in dem Kind eine Symbolfigur für das Leiden der Geflüchteten an den EU-Außengrenzen und stellte dies in seiner Berichterstattung entsprechend dar.
Der angebliche Tod von Maria, über den auch andere Medien berichteten, führte in der griechischen Öffentlichkeit zu einer breiten Debatte. Viele sahen Unstimmigkeiten. Ein Leser kontaktierte direkt ein Mitglied unserer Ombudsstelle und auch der griechische Migrationsminister Notis Mitarachi hat der Chefredaktion des SPIEGEL aufgrund dieser Beiträge am 19. September einen Brief zukommen lassen, in dem er schreibt: Die Migranten seien nicht auf griechischem Boden gewesen, es habe nie ein totes Kind gegeben. 
Wir nehmen kritische Zuschriften ernst, unsere Ombudsstelle schaute sich die Beiträge noch einmal genauer an. Als auch bei ihr die Zweifel an der bisherigen Schilderung der damaligen Geschehnisse größer wurden, haben wir die Artikel und den Podcast vorläufig von unserer Website entfernt. Mit dem Vermerk, dass wir unsere Berichterstattung überprüfen und nach Abschluss der Recherchen entscheiden, ob wir die Beiträge gegebenenfalls in korrigierter und aktualisierter Form erneut veröffentlichen.
Diese Art, mit Fehlerhinweisen umzugehen, haben wir in unseren Standards verankert, und daran halten wir uns auch. Die Ombudsstelle wertete zahlreiche interne Dokumente, Videos und Fotos mit Metadaten, Chatprotokolle, E-Mails, Audiodateien, Satellitenaufnahmen und andere Unterlagen aus, sprach mit vielen Beteiligten und kam zum Ergebnis, dass wir tatsächlich Fehler gemacht haben. Ein Team von SPIEGEL-Journalisten stieg zudem noch einmal in die Recherche ein, um die Geschichte der Flüchtlinge zu rekonstruieren. Da die Grundsätze des Informanten- und Quellenschutzes für uns nicht verhandelbar sind und wir unseren Mitarbeitern gegenüber auch eine Fürsorgepflicht haben, können wir die Ergebnisse unserer Untersuchung und der Nachrecherche, die zum Teil auf der Auswertung interner Kommunikation zwischen Autoren und Informanten beruht, im Rahmen des folgenden Beitrags nur begrenzt öffentlich machen. Sie sind aber Gegenstand einer internen Aufarbeitung.“ weiterlesen

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