Ins Innere Griechenlands – Reiseerzählungen und eine Geschichte Griechenlands mit Dokumenten. 

„Wahlaufruf bei Tegea in Arkadien/Peloponnes“

Gerhard Bock, Gertrud Schmidt: Ins Innere Griechenlands – Reiseerzählungen und eine Geschichte Griechenlands mit Dokumenten.                                                   
Erschienen im Oktober 2021 im Verlag Edition Contra-Bass. Das Buch umfasst 447 Seiten und kostet 20€.

„Teil 1: Unsere Reisen auf das griechische Festland
2015, 2016 und 2018 haben wir Reisen auf das wenig bekannte und so überwältigend großartige griechische Festland unternommen, in den gebirgigen Norden, nach Mittelgriechenland und auf die Peloponnes. Wir wollten das Land als politisch interessierte Touristen erkunden, wollten erfahren, wie die europäische Finanzkrise Land und Leute heimsuchte, sie bedrückte und ihre Gegenwehr auslöste. Neben Griechenlands Gegenwart waren uns die Zeugnisse des Altertums und der jüngeren Geschichte wichtig. Das Ergebnis ist eine Reportage voller Eindrücke vom Land und seinen Menschen. Wo immer wir auf Orte von kunsthistorischem oder politisch-historischem Interesse stießen, haben wir Informationen dazu in die Erzählung eingefügt, von der Antike bis in unsere Tage. Weitere vertiefende Materialien, literarische, politische, historische, sind im Anhang abgedruckt.

Teil 2: Griechische Geschichte in Dokumenten
Im zweiten Teil versuchen wir eine Annäherung an wichtige Etappen der griechischen Geschichte: Wir beginnen mit einem erfrischend neuem Blick auf die Antike („Das Athen der Antike – janusköpfig: Marktwirtschaft und Männerdemokratie“); dann neu in der Verlagsausgabe: der Kulturraum Mittelmeer und das Osmanische Reich. Darauf folgen:  Die Entstehung des modernen Griechenland: z.B.: Die Unabhängigkeitskriege; Griechenland zwischen den Weltkriegen: ein gespaltenes Land; die italienische und deutsche Besatzung; der Bürgerkrieg; Nachkriegszeit und Militärdiktatur; Griechenland vor der Krise 2008; – unter der Troika; –  nach der Niederlage. Das alles mit Hilfe historischer Quellen, Analysen und literarischer Zeugnisse. Vieles davon ist in Deutschland eher unbekannt. 
Einen Schwerpunkt bilden Berichte über die deutsche Besatzung und deutsche Kriegsverbrechen – in Distomo, Kalavrita und Lingiades bei Ioannina, und die Deportation von Juden (Thessaloniki), wie auch Auszüge aus literarischen Schilderungen, z.B. einer Razzia in Athen (die Mikis Theodorakis erlebte), die Hungerkatastrophe 41/42 sowie den Auswüchsen des Schwarzmarkts.

Den meisten Deutschen ist der griechische Bürgerkrieg (1946-49) völlig unbekannt. Die Nachkriegszeit  in Europa war eben nicht nur die des „Kalten Kriegs“. In Griechenland haben die deutschen Besatzer faschistische Hilfstruppen die sogenannten „Sicherheitsbataillone“ gegen die Befreiungsfront aufgebaut. Danach hat der britische Imperialismus eine linkssozialdemokratische Entwicklung in Griechenland verhindert und eine brutale Verfolgung des griechischen antifaschistischen Widerstands geduldet. Auch militärisch unterstützten die Briten die griechische Rechtsregierung, die die Befreiungsbewegung ausschalten wollte, indem sie u.a. auf jene faschistische Soldateska zurückgriff. Der Terror gegen die Linken löste schließlich den griechischen Bürgerkrieg aus.  Bekannt sind in Deutschland die blutige Niederschlagung des Ungarnaufstands oder die brutale Beendigung des Prager Frühlings. Der Krieg in Griechenland, in den die USA 1947 eingriff (Truman Doktrin), war kein kalter Krieg mehr, sondern ein heißer Krieg mit 100 000 – 150 000 Toten, dessen Folgen bis heute noch im Land nachwirken.
Noch immer verweigert die deutsche Politik – egal welche Regierung Verantwortung trägt – mit Griechenland über Reparationen überhaupt zu verhandeln. Dabei war Griechenland neben den Osteuropäischen Ländern und der Sowjetunion am meisten zerstört. Es gibt kaum eine Familie in Griechenland, die keinen Toten zu beklagen hätten, ob erschossen, vergast, im Widerstand gefallen, an Hunger und Krankheit gestorben oder im Rahmen von sogenannten Sühnemaßnahmen umgebracht. Die Londoner Schuldenkonferenz 1952/53 vertagte die Reparationsforderungen bis zum Abschluss eines Friedensvertrags mit Deutschland – und so wurde dieses Problem auch immer von westdeutscher Seite angesehen. Der am 12. September 1990 geschlossene Zwei-Plus-Vier-Vertrag zur „deutschen Einheit“ war ein klassischer Friedensvertrag. Lehnten die deutschen Regierungen bisher die Entschädigungs-forderungen ab, weil es dafür zu früh sei, so erklärte man jetzt dafür sei es mittlerweile zu spät.
Die von uns abgedruckten Dokumente sind oft von unglaublicher Intensität – so z.B. die Schilderungen von Mikis Theodorakis´ Erlebnissen aus der Verbannung und auf der griechischen KZ-Insel Makronisos während der Bürgerkriegszeit – oder der Augenzeugenbericht vom Aufstand der Athener Studenten gegen die Militärdiktatur im Oktober 1973 vom Schriftsteller Kevin Andrews, der diese Tage miterlebte und – erlitt.
Nicht zuletzt erhellt unser Buch die hegemoniale Rolle Deutschlands und der angestrebten „marktkonformen Demokratie“(Merkel) als Blaupause für die EU. Das Aufbegehren der griechischen Bevölkerung gegen die Austeritätspolitik nach der Weltfinanzkrise zeigte einen demokratischen und sozialen Weg auch für andere betroffene Bevölkerungen in Spanien, Italien, Portugal, Frankreich, Irland. Der griechische Funke musste ausgetreten werden. Nun teilt Griechenland die Rolle der Länder Osteuropas und des europäischen Armenhauses, der Balkanländer, die nordeuropäischen Industrieländer mit billigen Arbeitskräften zu versorgen. Aus den Armenhäusern kommen u.a. ArbeiterInnen für die deutsche Landwirtschaft, Lastwagenfahrer und Altenpflegerinnen, aus dem entwickelteren Griechenland die vielen gutausgebildeten Computerfachleute, Ärztinnen und Ärzte. 
 
So ist aus unserer Sicht ein informatives, manchmal anrührendes und aufgrund der vielen Fotos auch schönes Buch entstanden.
Wir glauben, dass unser Buch eigentlich in jede Schulbibliothek gehört, als eine Quellensammlung für den Geschichts – und Politikunterricht.“

Gerhard Bock, Gertrud Schmidt

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