!! auf unbestimmte Zeit, hoffentlich in die 2. Jahreshälfte verlegt !! [Berlin] Konferenz: „Deutschlands unbeglichene Schuld(en)“

WO | Haus der IG Metall, Alte Jakobstraße 149 · 10969 Berlin, U Bahnhof Hallesches Tor

WANN | auf unbestimmte Zeit, hoffentlich in die 2. Jahreshälfte verlegt !!

THEMA | Wir wollen das Gedenken an den 8. Mai 1945 nicht der offiziellen „Erinnerungskultur“ durch die Bundesregierung überlassen. Bis heute warten viele Opfer des NS-Regimes und des antifaschistischen Widerstandes auf Anerkennung und eine angemessene Entschädigung – bisher nahezu vergeblich. Die Raubzüge und die Massaker der Besatzer hinterließen nicht nur unermessliches menschliches Leiden, sondern in ihrer Folge Hungersnöte, Verelendung, Bürgerkrieg und ökonomischen Niedergang der betroffenen Länder.

Am 10. Juni 1944 verübte die Wehrmacht in Distomo (Regionalbezirk Böotien) ein Kriegsverbrechen, bei dem sie 218 Dorfbewohner, vom Säugling bis zum Greis, bestialisch ermordete. Seit 1995 versuchen 300 Einwohner*innen der Region mit einer Sammelklage ihre Ansprüche gegenüber der Bundesrepublik geltend zu machen. Die Bundesregierungen ignorierten bisher die Urteile griechischer und italienischer Gerichte, die den Opfern dieses Wehrmachtsmassakers eine Entschädigung zusprachen.
Ähnlich erging es der Regierung in Athen, die in einer Verbalnote vom Juni 2019 die Bundesregierung aufforderte, Verhandlungen über die Zahlung von Reparationen aufzunehmen. Dies wurde abgelehnt – mit einer seit Jahrzehnten gleichlautenden
Formel. Die Regierung erklärte, die Reparationsfrage sei „juristisch wie politisch abschließend geregelt.“
Eine Regelung ohne Anhörung, Beteiligung oder Zustimmung der Gegenseite. Die Opfer des NS-Regimes werden so erneut verhöhnt und gedemütigt, nachdem sie erleben mussten, dass die Täter in der Bundesrepublik kaum verfolgt oder juristisch belangt wurden.
[…] Das verbale Bekenntnis der Bundesregierung zur „Verantwortung Deutschlands“ für die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges deckt sich weder mit ihrer Haltung gegenüber den Ansprüchen der Opfer noch mit ihrer gegenwärtigen Politik, wie:
• der forcierten Aufrüstung der Bundeswehr,
• den Kriegseinsätzen in zahlreichen Regionen der Welt,
• der Steigerung der Rüstungsproduktion und des Waffenexportes,
• der Einstimmung der Bevölkerung auf wachsende Rüstungausgaben und neue Kriegseinsätze, wie auch durch das öffentliche Rekrutengelöbnis
vor dem Reichstag.
Die Aberkennung der Gemeinnützigkeit von VVN/BDA als auch die Verhandlungen mit dem Hause Hohenzollern sind keine einmaligen Zufälle. Sie sind Ausdruck der gesellschaftlichen Rechtsentwicklung in der BRD, die sich auf allen Ebenen widerspiegelt.
Wir wollen deshalb den 75sten Jahrestag des Kriegsendes nutzen, um auf Deutschlands
unbeglichene Schuld(en) hinzuweisen und auf zukünftige Gefahren – durch staatliche Repression, die zunehmende Militarisierung, den wachsenden Einfluss der AfD, ihres völkischen Flügels und anderer faschistischer Gruppierungen.


ANMELDUNG ZUR KONFERENZ

Zur Vorbereitung der Konferenz bitten wir um ihre/eure Anmeldung unter:
griechenlandsoli@riseup.net

Schreibt uns bitte, mit wie vielen Personen ihr kommt und vor allem ob ihr am Imbiss in der Mittagspause teilenhmen wollt.
Für unser leibliches Wohl sorgt das Café MadaMe. Den Preis für Essen und Getränke müssen wir leider an die Konsument*innen weitergeben.
Die enormen Kosten der Konferenz decken wir durch Spenden der beteiligten und unterstützenden Orgabisationen. Wer ebenfalls zur finanziellen Absicherung beitragen will, kann dies tun unter dem Konto der
Berliner Gesellschaft für Faschismus- und
Weltkriegsforschung e.V.
Postbank Hamburg
IBAN DE76 1001 0010 0586 7581 01
Stichwort: Entschädigungskonferenz Mai 2020


PROGRAMM

Samstag  · Beginn 11.00 Uhr

Begrüßung: IG Metall Berlin
Eröffnung und Vorstellung der Gäste und Referent*innen

Rolf Becker liest aus „Fünf Schwierigkeiten beim
Schreiben der Wahrheit“ (Bertolt Brecht, 1935)

Block I (11.30 bis 13.00 Uhr)

Deutsche Okkupation in Polen, ihre Struktur und ihre Ergebnisse
Die systematische Zerstörung von Industrie und Wirtschaft im deutsch-besetzten Polen · Die ersten polnischen Berechnungen der Schäden durch Zerstörungen, Raub, Plünderungen und Ausbeutung · Polen als Gegenstand der Beschlüsse der Potsdamer Konferenz von 1945 · Die Abweisung der Reparationsansprüche und Polens Anstregungen, sie einzufordern.
Referat: Prof. Dr. Werner Röhr

„Jugoslawien ist mit unerbittlicher Härte zu zerschlagen!“
Gemäß diesem Befehl Hitlers fügten die Deutschen in einer 49 Monate dauernden Besetzung den Jugoslawen unermeßliches Leid zu. Das Balkanland wurde rigoros ausgeplündert und flächendeckend verwüstet. Eine angemessene Entschädigung
fehlt bis heute.
Referat: Dr. Martin Seckendorf

Pause (13.00 bis 14.00 Uhr)

Block II (14.00 bis 16.30 Uhr)

Kurzfilm aus Anógia

Blutspur in Hellas
Wie die deutsche Wehrmacht Griechenland ausplünderte, die Wirtschaft und Infrastruktur zerstörte und den Widerstand mit unzähligen Sühneaktionen und Massakern an der Zivilbevölkerung zu brechen versuchte. Die Anfänge des
Bürgerkrieges (1946-1949) wurden schon unter dem deutschen Besatzungsregime gelegt und geschürt.
Referat: Eberhard Rondholz

Zwangsarbeit im Raum Salzgitter
Die Gedenkstätte Drütte im Stahlwerk, den früheren Hermann-Göring-Werken, die antifaschistische Tradition der IG Metall Salzgitter-Peine, gewerkschaftliche Aktivitäten gegen Nationalismus und Rassismus.
Referat: Jörg Dreyer, Specher des Betriebsrats der
Salzgitter Flachstahl AG und aktiv im Arbeitskreis
Stadtgeschichte

Rolf Becker liest zum Thema Zwangsarbeit aus dem
Theatersrück „Die Ermittlung“ von Peter Weiss

Pause (16.30 bis 17.00 Uhr)

Block III (17.00 bis 18.30 Uhr)

Das Massaker von Distomo
Einleitende Worte von Yannis Stathas, Bürgermeister von Distomo

Dokumentarfilm der Gedenkstätte Distomo

Widerstandslieder aus Griechenland
Elina Skarpathioti und Begleitung

Sonntag   · Beginn 11.00 Uhr

Nicht verjährt, nicht entschädigt, nicht vergessen
Griechenland braucht Geld. Dabei hat es Guthaben. Das Guthaben liegt in Deutschland und als deutsches Staatseigentum in verschiedenen europäischen Ländern. Deutschland schuldet Griechenland seit über 70 Jahren eine Summe, die der Sonderausschuss des Obersten Rechnungshofes Griechenlands im Jahre 2016 mit gut 269 Milliarden EUR berechnet hat.
Referat: RA Gabriele Heinecke,
AK Distomo Hamburg

Diskussion: Wie können wir die Entschädigungsund
Reparationsforderungen unterstützen?

Kurzfilm zu Floria

Pause (12.30 bis 13.00 Uhr)

Podiums- und Publikumsdiskussion:
Die Gefahren der aktuellen Rechtsentwicklung: Die missglückte Kooperation von CDU und FDP mit der AfD im Thüringer Landtag, rassistische Morde in Hanau.
Was können und sollten die Gewerkschaften tun?
Einleitungsreferat von Chaja Boebel,
Bildungsreferentin IGM Berlin

Moderation: Doro Zinke

Podium: Yannis Stathas, Bürgermeister Distomo; Lena Fuhrmann, Betriebsrätin
Salzgitter Flachstahl AG; Gabriele Heinecke, AK Distomo; N.N., gewerkschaftliche Griechenland-Soligruppe


Die Konferenz wird organisiert und unterstützt von:
Berliner Gesellschaft für Faschismus- und Weltkriegsforschung e.V.; Karl Heinz Roth, Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts; AK Distomo Hamburg; Fédération Internationale des Résistants (FIR); Manolis Glezos; Hellenische Gemeinde zu Berlin e.V.;
Gewerkschaftliche Griechenland-Solidaritätsgruppe; IG Metall Berlin; IG Metall Salzgitter-Peine; Rainer Perschewski, Betriebsratsvorsitzender, Bundessprecher
der EVG-Betriebsgruppen; GEW Berlin (angefragt); Koordination „Unvollendete Revolution 1918“; Galerie Olga Benario, Berlin; attac Berlin; Bündnis Griechenlandsolidarität Berlin.

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