Kirchenführer: Ich würde Schwule töten! Gericht: Freispruch

Metropolit Ambrosios im Kreise seiner Freunde von der Goldenen Morgenröte anlässlich einer Veranstaltung zur Namensfrage im Mazedonien-Streit (1)

Von Ralf Kliche.
Der Beginn des Prozesses, der in der letzten Woche mit einem Freispruch endete und über den hier berichtet werden soll, lag im Jahr 2015. Die wiedergewählte SYRIZA-Regierung hatte zu Weihnachten ein Gesetz zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften beschlossen und so eine langjährige Phase von Ankündigungen eines solchen Gesetzes durch ihre Vorgänger-Regierungen abgeschlossen. (2)

Einige Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche begannen sofort, Sturm gegen diese Entwicklung zu laufen und empörten sich sowohl gegen die Regierung wie gegen Homosexuelle. Die Wichtigkeit der Kirche für die griechische Gesellschaft ist nicht zu unterschätzen, im Verhältnis dazu haben die christlichen Kirchen in Deutschland – politisch – eher marginale Bedeutung. Immerhin ist die Zivilehe in Griechenland erst 1982 legalisiert worden und im Bewusstsein vieler Griechen noch immer nicht der kirchlichen Eheschließung gleichgestellt. Als eine Regierung versuchte, die Eintragung des – selbstverständlich griechisch-orthodoxen – Glaubensbekenntnisses aus dem Pass zu entfernen, kam es zu von der Kirche initiierten Massenprotesten.

Hervorgetan hat sich 2015 der Metropolit Ambrosios von Kalavrita auf dem Peleponnes. Er erklärte in seinem Blog, Homosexuelle seien „keine Menschen“, man müsse auf sie spucken: „Homosexualität ist ein Verstoß gegen die Naturgesetze. Sie ist ein soziales Verbrechen. Sie ist eine Sünde. Wer sie ausübt oder unterstützt, ist kein normaler Mensch. Sie sind Abschaum der Gesellschaft.“ (3)
Aufgrund dieser Aussagen wurde er im Januar 2016 von acht Schwulen wegen „öffentlicher Aufstachelung zu Gewalt und Hass“ verklagt, die darin eine „offene Einladung“ sahen, „uns zu lynchen“. Der Fall wurde nun am 15.03.2018 in einem Prozess vor einem lokalen Gericht auf dem Peleponnes verhandelt. (4)

In der 9-stündigen Verhandlung, die unter dem Beifall zahlreich anwesender Priester mit einem Freispruch endete, legte Ambrosios noch eine Schippe drauf, indem er offen Gewalt gegen Homosexuelle befürwortete. So zeigte er das Foto eines als Priester verkleideten Homosexuellen und meinte: „Wenn ich eine Waffe hätte und das Gesetz es erlaubte, würde ich sie gegen ihn einsetzen.“ „Schwule sind nicht Gottes Geschöpfe. Gott hat keine Perversen erschaffen.“ Gleichzeitig argumentierte er zu seiner Verteidigung, er habe mit seinen Äußerungen keine Homosexuellen gemeint, sondern metaphorisch über Politiker gesprochen, die für eine „zivile Partnerschaft“ gestimmt hätten. Dieser Verteidigung ist das Gericht gefolgt und hat so seinen Freispruch begründet, schon der Staatsanwalt hatte Freispruch beantragt. (5)
Die Aussage von Ambrosios „Lieber lasse ich mich einen Faschisten nennen, als einen Linken“ wurde im Prozess dadurch untermauert, dass als einer seiner Verteidiger Vassilis Opladzakis auftrat, der im Chrysi Avgi-Prozess Faschisten verteidigt. Der ehemalige Chrysi Avgi-Abgeordnete Michalis Arvanitis gehörte zu Unterstützergruppe.

Die Gerichtsentscheidung erregte Aufsehen in Griechenland, die Reaktionen kamen nicht unerwartet. Nachdem die wenigen Ambrosios-Gegner bei der Verhandlung nicht viel ausrichten konnten, wurde kurz darauf im einschlägig bekannten Athener Stadtteil Exarchia eine Kirche attackiert. Eine Gruppe von ca. 15 Personen, die sich selbst als „Anti-patriarchale, anti-systemische Aktionsgruppe“ bezeichnete, bewarf sie mit Molotov-Cocktails, Steinen und Farbe. (6)

Ambrosios erhielt hingegen Unterstützung von Seraphim, dem Metropoliten von Piräus. Er äußerte in seiner Predigt wie auch im Radio seine Genugtuung darüber, dass die Rechtsprechung nun Gerechtigkeit hergestellt habe und fuhr mit Angriffen auf Homosexuelle fort: „Homosexualität ist ein Umsturz der menschlichen Natur“, „ein Angriff auf den menschlichen Körper“, „ein Missbrauch der dem Menschen von Gott geschenkten Organe“. Einmal in Fahrt ging es dann auch gegen die politischen Strukturen, die „Bestandteile eines internationalistischen Systems“ seien und gegen Erdogan, vor dem man die „Hilfe Gottes und dem Blut unserer Helden … die erreichte Wiedergeburt verteidigen müsse.“ Die Bezeichnung von FYROM als Makedonien sei ein „krimineller Akt“. „Wir stehen voller Ehrfurcht vor dem Blut, mit dem diese (Nachkommen Alexanders des Großen – RK) die Erde Makedoniens getränkt haben und mit dem sie uns Makedonien als untrennbaren Teil Griechenlands übergeben haben.“ (7)

Die Kritiker des Urteils sind zahlreich. Der Verfassungsrechtler Nikos Alivizatos hatte schon im Prozess erklärt, Ambrosios benutze das Vokabular Hitlers, worauf Ambrosios mit der Bemerkung reagierte: „Wenn das auch die Nazis gesagt haben, dann Bravo!“
SYRIZA und auch andere Kritiker der Gerichtsentscheidung weisen darauf hin, dass das Urteil einen Beweis der Sonderbehandlung der Kirche darstelle. Jeder „normale“ Bürger wäre für vergleichbare Verstöße gegen die Anti-Rassismus-Gesetze bestraft worden. Die Kritiker sehen das Urteil als Ausdruck des allgemeinen Klimas im Lande, auch und gerade in den staatlichen Institutionen.

Justizminister Kontonis hat sich etwas vorsichtiger verhalten. In einem Interview kündigte er an, die Unterlagen des Prozesses anzufordern, um die Abläufe genau zu verstehen. Er verwies darauf, dass auch Gerichte durch zuständige Justizorgane kontrolliert werden. Man wird sehen, wie von Regierungsseite weiter verfahren wird. In der Vergangenheit war jedenfalls sehr oft ein Entgegenkommen der Regierung auf kirchliche Forderungen und Kritik zu beobachten. Der Entlassung von Bildungsminister Fillis war jedenfalls eine heftige Kritik der Kirche an den zu säkularen Änderungen im Schulsystem vorausgegangen. Auf die letzte Kabinettsumbildung hingegen reagierten die Medien eher überrascht: Die Vereidigung der neuen Minister war ohne Anwesenheit eines Kirchenvertreters vollzogen worden.

Quellen:
(1) https://www.patrasevents.gr/article/327213-amvrosios-protimo-na-me-apokaleite-fasista-oxi-omos-katsaplia-picsvideo
(2) Wikipedia bietet einen guten Abriss der Entwicklungen zum Umgang mit nicht-kirchlich sanktionierten Partnerschaften in Griechenland: https://en.wikipedia.org/wiki/Recognition_of_same-sex_unions_in_Greece
(3) http://www.keeptalkinggreece.com/2015/12/11/spit-on-them-theyre-no-humans-greek-metropolit-lashes-out-against-gays/
(4) Auch in der Zwischenzeit lieferte Ambrosios immer wieder Kostproben seiner Weltsicht ab. So führte er die Folgen der Unwetter im November 2017 darauf zurück, dass es einen atheistischen Ministerpräsidenten und zahlreiche atheistische Minister hätte.
(5) http://www.efsyn.gr/arthro/elegan-ta-idia-oi-nazi-tote-mpravo
http://www.keeptalkinggreece.com/2018/03/16/amvrosios-trial-gays/
(6)http://www.keeptalkinggreece.com/2018/03/16/amvrosios-church-attack/
(7) http://www.efsyn.gr/arthro/meta-ton-amvrosio-o-serafeim

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