Weihnachtsmoral: Schäuble gegen Tsipras

schäubleDas Handelsblatt erweckt den Anschein, dass Tsipras gegen der Rest von Europa steht. Zum Glück ist dem schon lange nicht mehr so. Viele europäische Politiker sind Tsipras bezüglich seiner „Weihnachtsgeschenke“ zur Seite gesprungen. Am deutlichsten wird die Veränderung durch die Reaktion der sozialdemokratischen Fraktion des Europaparlaments (siehe Bericht). Teile des Handelsblatt-Artikels sind trotzdem informativ, weil er die Konfrontation zwischen Schäuble und Tsipras beschreibt: „Am Freitag bildeten sich lange Schlangen vor vielen Athener Bankfilialen. Wie schon tags zuvor, trotzten Rentnerinnen und Rentner dem schneidend kalten Nordwind, um ihr Weihnachtsgeld abzuholen. Rund 1,6 Millionen Pensionären, die weniger als 850 Euro im Monat beziehen, hat die Regierung jetzt eine Einmalzahlung von 300 bis 830 Euro zugesprochen. 619 Millionen Euro lässt sich Premier Alexis Tsipras die Weihnachtsgratifikation kosten. Finanziert wird sie aus dem Primärüberschuss im Haushalt, der infolge massiver Steuererhöhungen um rund eine Milliarde höher ausfiel als angesetzt.“
Alexis-Tsipras

„Jene, denen es psychisch nicht gut geht, können weder die Probleme ihres eigenen Landes lösen, noch die Probleme Europas, oder die der ganzen Welt“, sagte Tsipras laut Handelsblatt am Donnerstag bei einer Veranstaltung im griechischen Parlament. Ist diese Übersetzung eine bewusst verzerrende? Mona Kaki korrigiert diese Übersetzung in ihrem Kommentar (s.u.) folgendermaßen: „Diejenigen, die keinen Frieden in der Seele haben (die nicht in Frieden mit ihrer eigenen Seele sind), können weder die Probleme ihres eigenen Landes, noch die Europas oder der ganzen Welt lösen.“
Das Handelsblatt weiter: „Griechische Medien interpretierten diese Äußerung als Antwort an Schäuble, der zuvor im „Zeit“-Interview gesagt hatte, er habe „überhaupt kein Verständnis, wenn der der griechische Ministerpräsident der deutschen Bundesregierung vorwirft, sie wolle den griechischen Rentnern schaden“. Schäuble kritisierte, mit dem einseitig gewährten Weihnachtsgeld verletze Griechenland seine Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern.“
Laut greekreporter.com hatte Tsipras im Parlament noch folgenden Satz gesagt: „Those who shake the finger at us in the name of the agreements, and address Greek people in a condescending way, they must honor their commitments first before they turn to criticize us.”

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6 Antworten zu Weihnachtsmoral: Schäuble gegen Tsipras

  1. bluecrystal7 schreibt:

    Hat dies auf meinesichtweise rebloggt.

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  2. kokkinos vrachos schreibt:

    Kalimera, und gleichzeitig soll das Renteralter angehoben werden. Die Forderung das Renteralter anzuheben, ist aus dem „Sparprogramm“ aus dem Mai 2016, was in einem Eilverfahren durchgeboxt wurde. Die 7.500 Seiten umfassende „Reformen“ wurden erforderlich, um eine weitere Tranche des 86 Milliarden € schweren dritten europäischen Hilfspaketes zu erhalten.

    Einige Vorbedingungen bzw. „Technische Maßnahmen“ von ESM, EU, EZB und IWF für das dritte „Rettungspaket“ im August:

    – Klärung der Bedingungen für den Anspruch auf Zahlung der garantierten Mindestrente, nach dem Erreichen eines Alters von 67 Jahren.

    – Auslaufen der Ausnahmen bei Frühpensionierungen.

    Tsipras hat in seiner neuen Amtsperiode keines seiner zentralen Wahlversprechen umgesetzt. Statt die Kreditbedingungen neu zu verhandeln, hat Tsipras/Syriza diese im letzten und in diesem Jahr gar noch verschärft. Tsipras neustes Gesetzespaket enthält zahlreiche indirekte und direkte Steuererhöhungen. Unter anderem wird die Mehrwertsteuer auf Lebens-und Genussmittel erneut angehoben werden. Damit widersetzt sich Tsipras seinen eigenen Versprechen, hatte er doch vor den letztjährigen Wahlen großspurig den Ausbau des Sozialstaates versprochen.

    Das solche Sparmassnahmen vor allem die Arbeiter, Renter, Alten und Arbeitslosen treffen und das die Austeritätspolitik auf das Sozial-und Gesundheitswesen verheerende Auswirkungen hat, ist keine neue Erkenntnis. Neu ist hingegen das Ausmass im Bereich der Privatisierungen. Noch 2009, als Cosco zum ersten Mal einen Teil des Hafens kaufte, besuchte Tsipras die streikenden Hafenarbeiter und verurteilte die Teilprivatisierung als „kolonialistisch“. Mittlerweile ist sich Tsipras nicht zu Schade von einer hervorragenden Kooperation mit dem chinesischen Unternehmen zu sprechen.

    Im Juli wurde zudem bekannt, das die staatliche Eisenbahngesellschaft Italiens für gut 45 Millionen € die griechische Bahngesellschaft Trainrose aufkaufen werde. Noch 2013 verurteilte Syriza den Versuch der konservativen Regierung das Bahnunternehmen für 300 Millionen € zu verkaufen als einen totalen Ausverkauf, mittlerweile, mit Regierungsmacht ausgestattet, wird ein solcher Ausverkauf als Erfolg des kleineren Übels verkauft.

    Die Troika (inzwischen Quadriga) hat in der Syriza für jegliche Austeritätspolitik einen hervorragenden Partner gefunden.

    vg, kv

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  3. kokkinos vrachos schreibt:

    Vendetta zwischen Tsipras und Schäuble?
    https://www.heise.de/tp/features/Vendetta-zwischen-Tsipras-und-Schaeuble-3581661.html

    wünsche einen schönen Sonntag, kv

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  4. Moni Kaki schreibt:

    Hallo, ich bin entsetzt über die schlechte Übersetzung dessen, was Tsipras zu Schäuble gesagt haben soll. Wörtlich muss es heißen: „Diejenigen, die keinen Frieden in der Seele haben (die nicht in Frieden mit ihrer eigenen Seele sind), können weder die Probleme ihres eigenen Landes, noch die Europas oder der ganzen Welt lösen.“
    Dass es Schäuble „psychisch nicht gut geht“, hat Tsipras nicht gesagt.
    Ich finde es gefährlich, solche Übersetzungen in die Welt zu schicken. Wo die deutsche Presse in Bezug auf Griechenland eh schon auf 180 ist…

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