Buch: Schuldenkrise und Landraub in Griechenland

Soeben ist das Buch „Schuldenkrise und Landraub in Griechenland“ von Costis Hadjimichalis (Athen 2015) auch auf Deutsch im Verlag Westfälisches Dampfboot erschienen. Ein Buch, um die spezifisch griechischen historischen und sozialen Bedingungen für die Durchsetzung der Privatisierungen von öffentlichem Land wirklich zu verstehen. Dazu wird der Landraub in Griechenland in den Kontext globaler Prozesse des land-grabbing, des Extraktivismus, der Finanzialisierung und des Immobilienbooms gestellt und einer historisch-politischen Analyse unterzogen. Autor Costis Hadjimichalis ist seit vielen Jahren „die wichtigste griechische Stimme in der internationalen Kritischen Geographie“ und „verknüpft im Buch empirische, theoretische und politische Aspekte zu einer schlüssigen Gesamtdarstellung, die sich an alle richtet, die sich für die Situation in Griechenland interessieren, aber auch all jene, die aktuelle Entwicklungen des globalen Kapitalismus besser verstehen und sich ihnen in tauglicher Weise entgegenstellen wollen“ (aus dem Vorwort von Bernd Belina).Die aktuelle Kreditkrise in Griechenland fällt mit einer weltweiten Phase der Finanzialisierung und einem Trend zu Investitionen in Vermögenswerte zusammen. Verschiedene Arten von Rente versprechen höhere Profite als die Warenproduktion. Investoren sind überall auf der Suche nach Land, das profitabel genutzt werden kann. In Griechenland richtet sich das Interesse seit 2010 v.a. auf Land in öffentlichem Eigentum, das durch Privatisierungen in großem Maßstab für Extraktivismus und für Großprojekte in den Bereichen Energiegewinnung, Immobilienentwicklung und Tourismus erschlossen wird. Hierfür wurde mit der TAIPED nach dem Vorbild der deutschen Treuhand eine spezielle Behörde eingerichtet, in die alle öffentlichen Vermögenswerte eingingen, die zum Zweck der Schuldentilgung veräußert werden sollen.Aus historischen Gründen sind die wichtigsten Landeigentümer Griechenlands der Staat, Kirchen und Klöster sowie Banken, die zur ersten Zielscheibe von Landraub wurden. Um dies zu erleichtern wurden aus dem Planungsrecht das protektionistische und auf sozialen Ausgleich abzielende Elemente entfernt. Hinzu kommt der schleichende Landraub von kleinen Privateigentümer*innen, insbesondere von Wohnraum und landwirtschaftlichen Flächen, durch Steuererhöhungen. Eine erneute Beschäftigung mit der politischen Bedeutung der Rente und ihrer klassenspezifischen Auswirkungen ist dringend notwendig. Das Buch dokumentiert und analysiert diese Prozesse und fragt: „Was tun wir als Linke in Bezug auf die Landfrage?“

Costis Hadjimichalis

 Costis Hadjimichalis, Prof. em., lehrte an der Harokopio Universität in Athen Ökonomische Geographie und Regionalplanung. Er ist Herausgeber der bilingualen Zeitschrift Geographies; Forschungsschwerpunkte u.a.: Theorie ungleicher geographischer Entwicklung, radikale Geographie.
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2 Antworten zu Buch: Schuldenkrise und Landraub in Griechenland

  1. Wane K. Raymer schreibt:

    JOHN LAW was not only the inventor of the bank note and the first central bank. So to speak, he also created “earth backed securities”. Probably, he should be considered the God Father of land grabbing.
    :
    “Money has fallen much from the Value it had. That Land is of greater Value.”
    “Land is what is most valuable, and what increases in Value more than other Goods; so the Paper Money
    issued from it, will in all appearance not only keep equal to other Goods, but rise above them.”

    [“MONEY AND TRADE CONSIDERED WITH A PROPOSAL FOR SUPPLYING THE NATION”
    (http://socserv2.socsci.mcmaster.ca/~econ/ugcm/3ll3/law/mon.txt)%5D
    :
    Kind Regards
    Wane

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  2. kokkinos vrachos schreibt:

    Schuldenkrise und Landraub in Griechenland ist meiner Meinung nach das bislang wichtigste Buch zur Krise in deutscher Sprache. Das Buch ist „Alexandros Grigoropoulos und den Jugendlichen seiner Generation“ gewidmet!

    Der Verfasser ist emeritierter Professor für Wirtschaftsgeographie und bekennender Linksradikaler, und seine Forschung ist ebenso analytisch und empirisch fundiert wie kämpferisch: Das letzte Kapitel trägt die schöne Überschrift: „Holen wir uns das Land zurück!“

    vg, kv

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