„Griechenland-Rettung“: Unwort dieses Jahres !!!

griechenland-insolvenzGerd Bock: Ich möchte als Unwort dieses Jahres „Griechenland-Rettung“ vorschlagen.

Begründung:

Es ist ein Wort aus der „Neusprech“ nach Orwell: Der eigentliche Sachverhalt: die Rettung der Gläubiger Griechenlands nach der Finanzkrise, sowie die Kreditgewährung lediglich zur Umschuldung, wird umgedeutet in die Rettung „Griechenlands“, also der griechischen Bevölkerung.

Das verdreht demagogisch die Realität in ihr Gegenteil:

„Griechenland“ d.h. der griechischen Bevölkerung, wurden und werden erneut für diesen ständig verschleppten Staatsbankrott „Reformen“ aufgezwungen, die einen großen Teil  der  Menschen in Arbeitslosigkeit, Verschuldung und Verarmung trieb, das Gesundheitssystem fast zerstörte, das Bildungsystem untergrub, das Eigentum des griechischen Volkes an Großkonzerne Chinas oder den deutschen Staatskonzern Fraport verschleuderte und noch weiter ausverkaufen soll  und von der Demokratie in Griechenland  nur noch die Fassade stehen lässt. Und statt der angeblich angestrebten wirtschaftlichen Erholung und Senkung der Schulden, führte die „Griechenlandrettung“ zu einer tiefen Wirtschaftskrise: um 25% sank die Wirtschaftsleistung seit 2010 und die Verschuldung gemessen am BIP stieg von 125% auf 175% Ende 2014 und steigt weiter an.

Das totale Scheitern des Rettungsprogramms war spätestens Ende 2014 jedem Verantwortlichen klar, auch der deutschen Bundesregierung. Sie musste nur die Analysen des IWF lesen, dort wurden Fehler benannt.

Die verschärfte Neuauflage der Austeritätspolitik ist also im vollen Bewusstsein ihrer katastrophalen Auswirkungen erneut über Griechenland verhängt worden, federführend von Deutschland.

In diesem Unwort wird außerdem der soziale Verteilungskonflikt – in Griechenland, wie europaweit und auch im Hartz 4 Deutschland – in einen nationalen Konflikt umgedeutet: 

Auf Kosten des „deutschen Arbeiters und seiner Familie“( Gabriel) will sich „der Grieche“ einen faulen Lenz machen. Dabei haben wir nur das Beste für die Griechen gewollt, sie sind aber unfähig, korrupt, faul, machen ihre Hausaufgaben nicht, „sind reicher als wir“(Bild), haben „Luxusrenten“(Bild), gehen schon mit Anfang 50 in Rente, machen zu viel Urlaub(Merkel) und überhaupt ist ihr Staatsapparat total aufgebläht.(1) Sie sind auch noch undankbar.“ Wenn der „Retter“, der „deutsche Steuerzahler“, auch noch von den Griechen geschmäht wird, dann reichst „uns“ aber. Dann muss Tacheles geredet werden und so haben sich einige deutsche Politiker und deutsche Medien darin überboten, Beleidigungen, Verunglimpfungen und Häme, über die gewählte griechische Regierung auszugießen. Wann ist jemals der demokratisch gewählte Regierungschef eines verbündeten und befreundeten Staates von einem hohen Politiker der Regierungspartei „rotzfrech“ genannt worden, ohne dass ein Aufschrei durch die Presse gegangen wäre? Auch unser Bundespräsident hat sich nicht bemüßigt gefühlt, diese Unverschämtheit und dümmliche Arroganz zu kritisieren.

Die Wahl dieses Unwortes könnte ein Zeichen setzen gegen die Verlogenheit in unserer Politik. Es wäre ein kleiner Schritt in Richtung Aufklärung der deutschen Bevölkerung über die Folgen der Austeritätspolitik und die Art ihrer „Verpackung“ für diejenigen, die auch in Deutschland von ihr betroffen sind.

Herzliche Grüße

Gerd Bock, Bremen

Anmerkung (1): Nach Statistiken u.a. der OECD sind alle diese Unterstellungen falsch. Siehe Stephan Kaufmann, „Die Halbstarken von Athen“ (WAZ 5.2.2015), Materialien der Rosa Luxemburg Stiftung, April 2015, darin finden sich jeweils Quellenangaben.

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Eine Antwort zu „Griechenland-Rettung“: Unwort dieses Jahres !!!

  1. Walter Bruckner schreibt:

    Ja, Griechenrettung Unwort des Jahres. Gut.

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