Spendenaufruf für Film über solidarische Praxis in Griechenland

Liebe Freundinnen und Freunde, Mitstreiter und Genossinen
Anbei schicke ich Euch einen Spendenaufruf für einen geplanten Film über die Solidarische Praxis in Piräus/Griechenland, der mir sehr am Herzen liegt. Es wäre für die politische Arbeit sehr wichtig, einen solchen Film zu haben. Wenn Ihr ein wenig (oder auch mehr) Geld übrig habt, dann freut sich das Filmteam über eine Spende. Genaueres zum Film und zur Spende findet Ihr im Anhang und unten. Gerne könnt Ihr das Mail auch weiterleiten…

Solidarische Grüße
Nadja Rakowitz

PS: Bitte zwecks Nachfragen direkt den Regisseur Wolfgang Reinke anschreiben, da ich in den nächsten Wochen nicht da bin: w@zusammenfilm.net

STRUKTURANPASSUNGSMASSNAHMEN

Niemand ist allein in der Krise!
Idee für einen Dokumentarfilm von Wolfgang Reinke

Können Sie sich vorstellen, gemeinsam mit Freunden und Nachbarn Tag für Tag eine ehrenamtliche Klinik zu organisieren, die für viele arme Menschen der einzige Ort ist, an dem sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen können?

In Griechenland ist das Gesundheitssystem durch die „Strukturanpassungsmaßnahmen“ der Regierung im Zuge der EU-Austeritätspolitik kollabiert. 40 Prozent der Griechen sind nicht mehr krankenversichert – und ohne Versicherung muss eine Behandlung cash bezahlt werden. In selbstorganisierten „Kliniken der Solidarität“ kämpfen die Aktivist_innen um das Leben und die Gesundheit von Patient_innen ohne Krankenversicherung oder finanzielle Mittel, kostenlos und unabhängig von ihrer sozialen oder geografischen Herkunft. Staatliche Unterstützung gibt es bislang nicht. Medizinisches Equipment, Medikamente und Geld für die laufenden Kosten muss das Kollektiv selbst organisieren. Fast 200 solcher Kliniken gibt es inzwischen in ganz Griechenland.

Seit Februar 2013 arbeitet die „Klinik der Solidarität“ In Korydallos, einem Stadtteil von Piräus. Von Montag bis Freitag zwischen 9:30 und 20:00 organisieren etwa 90 Aktivist_innen ärztliche Sprechstunden. Zu ihnen gehören Ärzt_innen, Krankenschwestern und Pfleger, Apotheker_innen, Nachbarn, Arbeitslose, Freiwillige, politisch Aktive ebenso wie Menschen, die sich noch nie in ihrem Leben in dieser Form engagiert haben. Viele von ihnen sind selbst von den Folgen der Krise betroffen – durch den Verlust ihrer Arbeit, ihrer Existenz, ihrer Wohnung. Allein den Grundsätzen der Menschlichkeit verpflichtet, setzen sie ihr solidarisches Engagement den „Strukturanpassungsmaßnahmen“ von EU, IWF und EZB entgegen.

Der mit einer abendfüllenden Länge (mindestens 70 min.) konzipierte Dokumentarfilm porträtiert vier von ihnen.

Evi, Zahnärztin, SYRIZA-Aktivistin, versorgt neben ihrer Arbeit in der eigenen Praxis jeden Freitag für einen halben Tag Patient_innen. Obwohl sie bis zur Erschöpfung arbeitet, verliert sie nie Humor und Optimismus.

Elena war 5 Jahre arbeitslos, ist nun in Frührente und übernimmt viel Verantwortung in der Klinik. Fast jeden Tag ist sie dort. Ihre direkte und aufrichtige Art führt immer wieder zu kleinen und größeren Auseinandersetzungen.

Vasiliki, selbst niemals politisch aktiv, kam als Patientin in die Klinik, weil sie wegen ihrer Arbeitslosigkeit unter Depressionen litt. In der Organisation der Apotheke, deren Bestand sich aus Spenden und nicht verbrauchten Medikamenten erneuert, fand sie eine neue Aufgabe.

Für Fotis, der nicht nur in der Klinik, sondern auch in anderen solidarischen Projekten aktiv ist, gibt es keine Trennung zwischen „privat“ und gesellschaftlichem Engagement“. Aufgewachsen in einer armen Familie, lernte er von seinen politisch aktiven Eltern früh, dass Solidarität ein menschliches Grundbedürfnis ist.

Die Geschichte entfaltet sich im Spannungsfeld eines Landes am Rande der sozialen Katastrophe. Im Stil des direct cinema beobachtet die Kamera die Held_innen des Films in ihrem Alltag. „Wir sind keine Philanthropen, wir machen keine Wohlfahrt“ – dieser Satz beschreibt eines ihrer Grundprinzipien. Sie sehen ihr Wirken als einen Selbstversuch in direkter Demokratie in einem lebendigen Netzwerk mit zahlreichen Synergien. Das Funktionieren der Klinik wird von verschiedenen Gruppen koordiniert. Sprecher_innen-Funktionen rotieren. Nicht der Alltag, geschweige denn die monatlichen Generalversammlungen verlaufen konfliktfrei, ohne Reibung. Dabei geht es dem Kollektiv nicht um ideologische Abgrenzung – ausgenommen sind rechtsextreme, rassistische und nationalistische Ansichten. Sie wollen alle Menschen integrieren, die mitarbeiten möchten. Sie eint der Traum von einer solidarischeren Gesellschaft als Alternative zum neoliberalen Kapitalismus, zu Vetternwirtschaft und Korruption. Die Klinik ist für sie alle nur ein temporäres Projekt. Sie soll schließen, sobald die Gesundheitsversorgung wieder allen Menschen in Griechenland zugängig ist.

Den dramaturgischen Hintergrund des Films bilden die Neuwahlen im Januar 2015, die die linke SYRIZA-Bewegung für sich entscheiden konnte, und die nun daran anschließende Arbeit der neuen Regierung. Fast alle der Aktivist_innen der Klinik in Korydallos verbinden mit dem Sieg von SYRIZA ihre Hoffnungen für einen wirklichen gesellschaftlichen Wandel und ein Ende der sozialen Katastrophe im Land. „Für uns ist es wie die Feier eines Geburtstages, den wir noch nie gefeiert haben!“ Dieser Film widmet sich somit nicht nur dem herausragenden menschlichen Engagement des Klinik-Kollektivs, sondern auch den gesellschaftlichen Veränderungen in Griechenland. Hier liegt auch der filmische Hauptkonflikt, denn der Ausgang der Wahl könnte wegweisend für die Zukunft der Europäischen Union sein.

Für die einen ist SYRIZA dabei ein Schreckgespenst, für andere die längst fällige Antwort auf das strenge Spardiktat der Troika und die Austeritätspolitik der EU, die in einer kontinentalen ökonomischen und sozialen Abwärtsspirale zu münden droht. Doch was wird sich in Griechenland nach einem Wahlsieg der SYRIZA tatsächlich ändern? Wie wird SYRIZA mit jahrzehntelanger Korruption und Vetternwirtschaft umgehen? Wie viele ihrer Wahlversprechen können sie umsetzen, um einen dringend notwendigen Neuanfang zu wagen?

Auch in der Klinik wird lebhaft über die Zukunft diskutiert: wie geht es weiter? Während die einen ihr Engagement institutionell aufgewertet und als Teil der staatlichen Gesundheitsversorgung sehen möchten – inklusive eines Büro der solidarischen Kliniken im Gesundheitsministerium und ausgestattet mit finanziellen Mitteln – sind Andere strikt dagegen. Sie erinnern daran, dass ihr Engagement eine unmittelbare Reaktion auf eine soziale Katastrophe ist. Sie fordern auch von der neuen Regierung, ihrer alleinigen Verantwortung für ein funktionierendes Gesundheitssystem gerecht zu werden.

Doch was geschieht, wenn die Hoffnungen auf einen Wandel enttäuscht werden und die neue Regierung am Bollwerk ihrer Gegner scheitert? Die laufenden Verhandlungen über eine mögliche Verlängerung des „Hilfsprogramms“ für Griechenland zeigen zumindest, dass die „Kliniken der Solidarität“ vermutlich noch eine ganze Weile gebraucht werden.

Auswahl der in der Klinik regelmäßig arbeitenden Spezialisten: Allgemeinarzt, Orthopäde, Chirurg, Gynäkologe, Zahnärzte, Gastroenterologe, Endokrinologe, Lungenspezialist, Dermatologe, HNO-Arzt, Kinderarzt, Psychologe, Radiologe, Psychiater, Physiotherapeut, Logopäde

Wie geht es weiter?

Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse im Dezember 2014 und Januar 2015 habe ich beschlossen, mit den Dreharbeiten zum Film kurzfristig zu beginnen Dies war Dank eines Recherchestipendiums der Rosa-Luxemburg-Stiftung (5.000 €) und eines durch Crowdfunding gesammelten Betrages (1.500 €) möglich. Inzwischen hat es bereits 7 Drehtage zwischen dem 22.-26.1. sowie vom 15.-16.2. gegeben.

Diese Mittel sind aufgebraucht. Somit ist das wichtigste Ziel nunmehr die Finanzierung des Films, um die noch notwendigen Dreharbeiten – etwa 12 Drehtage – sowie eine hochwertige Postproduktion zu ermöglichen. Ich habe mich aus gutem Grund für eine Querfinanzierung ausserhalb der üblichen Filminstitutionen und des Fernsehens entschlossen. während der Berlinale habe ich in vielen Gesprächen gemerkt, dass die Geschichte von vielen etablierten Produzenten belächelt wird. Die Chancen für eine wirklich unabhängige Arbeit innerhalb des Filmbetriebs schwinden damit. Eine Realisierung des Films außerhalb der etablierten Strukturen ermöglicht aber auch eine nichtkommerzielle Auswertung des Films – was ganz im Sinne des solidarischen Engagements meiner Protagonisten ist.

Üblicherweise sollte ein Budget für einen abendfüllenden Dokumentarfilm im 6-stelligen Bereich liegen. Mein Team und ich können jedoch eine Realisierung gewährleisten, wenn wir ein Budget in Höhe von insgesamt 18.000 € zusammen bekommen. Dieses Geld wird für Honorar bzw. Aufwandsentschädigungen (Kamera, Regie, Schnitt, Übersetzungen), Reisekosten, Übernachtungen, Spesen, Equipment sowie in der Postproduktion für eine hochwertige Endfertigung (Tonschnitt, Tonmischung, Farbkorrektur, Untertitel, Mastering…) benötigt. Priorität hat für uns die Fortsetzung der Dreharbeiten, somit auch deren Finanzierung.

10.000 € werden für insgesamt 2-3 weitere Reisen nach Griechenland benötigt. Dieses Geld möchte ich durch Crowdfunding, kleine Stiftungen und Privatspenden zusammen bringen. Für die Kampagne zur Finanzierung werde ich in den kommenden Tagen einen Trailer aus dem bisher vorliegenden Material schneiden. Die Dreharbeiten sollen spätestens im Herbst, nach den Sommerferien, abgeschlossen, der Film möglichst bis Ende des Jahres 2015 fertig gestellt werden.

Wie kann das Projekt unterstützt werden?

1. Der schnelle Weg: die Unterstützung fließt direkt in den Produktionstopf und ermöglicht ggf. eine spontan notwendige Reise nach Athen Unterstützer_innen kaufen eine meiner Fotografien. Zur Auswahl steht ein Teil meines Portfolios unter http://www.lunachod.net, oder die Fotografien der im Rahmen der Recherchen zu diesem Film entstehenden Reihe “Strukturanpssungsmaßnahmen”. Die Höhe des Betrages kann selbst gewählt werden, wobei ein Mindestbetrag von EUR 50 die Schwelle zur Wirtschaftlichkeit der Kampagne darstellt. Ich benötige lediglich eine E-Mail mit Angabe des Betrags und des gewählten Fotos. Die Abzüge werden signiert und als Fine-Art-Print in der Größe 18×24 – mit einem kleinen Extra- Dankeschön bei Beträgen über EUR 100 – nach Abschluss der Recherchen versandt.

2. Der langsame Weg: die Spenden kommen dem Projekt im erst nach Abschluss der Kampagne zugute.

Eure/Ihre Spenden fließen an einen gemeinnützigen Partner-Verein, den Kosmotique e.V. in Dresden. Auf Wunsch kann eine Spendenquittung ausgestellt werden. Die Abrechnung erfolgt dann im Rahmen eines Honorarvertrags für ein/-e Filmseminar/-reihe, welches in der Kosmotique stattfinden wird.

Bitte überweisen Sie/überweist die Spende unbedingt mit dem Verwendungszweck „Strukturanpassung“ auf folgendes Konto:

kosmotique e.V GLS Gemeinschaftsbank e.G. IBAN: DE83430609671130360500 BIC:

GENODEM1GLS

Auf Wunsch nennen wir Ihren/Euren Namen als Unterstützer_in auf unserem Blog, bei erfolgreicher Realisierung des Films auch in dessen Abspann. Da diese Kampagne nicht über eine offizielle Plattform läuft, kommt jeder Betrag dem Projekt zugute, auch wenn das Gesamtzielverfehlt werden sollte.

Referenzen
Kinotrailer “Nicht böse sein!”
Teaser “Mirna” (OmeU)
„Siegesfeiern“ (OmeU) Passwort: Anthropoid
„Märchen vom Fischlein“ (OmdU) Passwort: Puschkin

http://www.lunachod.net

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