
Die Beben des EU-Agrarsubventions Skandals halten noch an. Ab morgen, dem 26.5. bis zm 28.5. besucht eine Delegation des Haushaltskontrollausschusses (CONT) des Europäischen Parlaments Athen – wegen der Betrügereien gewaltigen Ausmaßes.(Quelle)
Heute wurden 20 Personen auf Kreta verhaftet, die einem Betrügerring zur Erlangung von EU-Agrarsubventionen angehören sollen. Es heißt, dass sie mit OPEKEPE-Mitarbeitern in mindestens drei Behörden in Mylopotamos, Heraklion und Ierapetra zusammengearbeitet haben, auch ein stellvertretender Bürgermeister ist unter den Verhafteten. Sie wurden aufgrund von Ermittlungen der Europäischen Staatsanwaltschaft verhaftet.i Ähnliche Polizeieinsätze gegen vergleichbare Ringe gab es in den letzten Monaten einige Male.
Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass die nicht nur in Kreta, sondern auch in vielen anderen Regionen vorgekommenen Verbrechen wesentlich darauf beruhten, dass OPEKEPE-Mitarbeiter mit Politikern zusammen agierten – bis hin zu einer ganzen Reihe von Ministern und fast ausschließlich mit Politikern der Nea Dimokratia. Insofern zeigt der Agrarsubventionsskandal vor allem wie korrupt die Nea Dimokratia ist. Aber wir wollen hier noch einmal beschreiben, dass dieser Skandal auch dafür steht, wie korrupt Kyriakos Mitsotakis ist.ii
Laut Medienberichten und Unterlagen, die im Sommer 2025 von der Europäischen Staatsanwaltschaft an das griechische Parlament übermittelt wurden, sandte der damalige Präsident des OPEKEPE, Evangelos Simandrakos, am 30. Juni 2025 eine E-Mail an die Europäische Staatsanwaltschaft. Darin erklärte er, dass das Büro des Premierministers rechtzeitig und ausführlich über schwerwiegende Unregelmäßigkeiten bei den Agrarsubventionen des Jahres 2023 informiert worden sei.iii
Dieser E-Mail zufolge soll er zwei frühere Informationsschreiben beigefügt haben, die er 2023 an den damaligen Staatssekretär beim Premierminister, Giannis Bratakos, gesandt hatte. Darin wurde beschrieben, dass:
- 9.309 Steueridentifikationsnummern (AFM) von Förderzahlungen ausgeschlossen worden waren,
- weil sie die Förderkriterien nicht erfüllten,
- wobei ein großer Teil davon mit Anträgen aus Kreta verbunden gewesen sein soll.
Der entscheidende Punkt, der politische Fragen aufwarf, ist, dass laut späteren Aussagen und Medienberichten etwa 6.815 der zuvor „gesperrten“ AFM letztlich bis April 2024 doch ausbezahlt worden sein sollen – also nach dem Ausscheiden von Simandrakos aus dem OPEKEPE. Diese zeitliche Abfolge wurde von mehreren Quellen als Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang dargestellt zwischen:
- dem Druck, den er erhalten haben soll, die AFM freizugeben,
- seinem Rücktritt Anfang Januar 2024,
- und der nachträglichen Auszahlung von Subventionen an einen erheblichen Teil der gesperrten Begünstigten.
- Im Februar 2024, weniger als zwei Monate nach Simandarakis‘ Rücktritt, kündigte Premierminister Kyriakos Mitsotakis öffentlich an, dass noch vor Ostern 750 Millionen Euro an Agrarsubventionen ausgezahlt würden. Bis April 2024 zahlte OPEKEPE 785,3 Millionen Euro aus, darunter angeblich 6.815 der zuvor „blockierten“ Steuer-IDs – weniger als zwei Monate vor den Europawahlen am 9. Juni.
Simandrakos selbst erklärte in öffentlichen Aussagen in den Jahren 2025 und 2026, dass er „unerträglichem Druck“ durch politische Personen ausgesetzt gewesen sei — insbesondere durch den damaligen Landwirtschaftsminister Lefteris Avgenakis —, um Tausende AFM freizugeben, die aufgrund von Kontrollen gesperrt worden waren.iv
Darüber hinaus sagte Simandrakos aus, dass:
- er anfangs politische Unterstützung aus dem Büro des Premierministers für die Kontrollen erhalten habe,
- später jedoch „diskreditiert“ worden sei und zum Rücktritt gedrängt wurde.v
Die zeitliche Abfolge, lautet wie folgt:
- 2023: Tausende AFM werden wegen verdächtiger Angaben gesperrt,
- November–Dezember 2023: der Druck zur Auszahlung nimmt zu,
- Januar 2024: Simandrakos scheidet aus dem Amt aus,
- bis April 2024: ein großer Teil der gesperrten AFM wird schließlich doch ausbezahlt.vi
Die Dokumente, Aussagen und die zeitliche Abfolge der Ereignisse bildeten einen zentralen Gegenstand der Ermittlungen der Europäischen Staatsanwaltschaft sowie der parlamentarischen Untersuchung zum OPEKEPE.
Der Fisch stinkt vom Kopf her.
Anmerkungen/Quellen
ihttps://www.efsyn.gr/ellada/1391513/opekepe-pos-droyse-to-kykloma-stin-kriti-dyo-logistes-oi-egkefaloi-pithani-emploki-antidimarhoy/
iiWir hatten in einem früheren Beitrag schon einmal weniger ausführlich darüber berichtet: https://griechenlandsoli.com/2025/07/08/mitsotakis-erwischt/
iiihttps://www.mononews.gr/politics/nea-apokalypsi-gia-ton-opekepe-o-proin-proedros-eiche-enimerosei-ton-bratako-sto-maximou-gia-9-309-kokkina-afm
ivhttps://www.cnn.gr/politiki/story/497972/eksetastiki-gia-opekepe-katigoro-simandrakou-gia-avgenaki-aftos-me-ediokse-apo-ton-opekepe?
vhttps://www.skai.gr/news/politics/simandrakos-se-eksetastiki-gia-opekepe-apaksiothika-gia-na-eksothitho-se-paraitisi
vihttps://tvxs.gr/news/ellada/exetastiki-opekepe-apokalypseis-simandrakoy-gia-aforites-pieseis-na-plirothei-o-frapes/

