Hausaufgaben und Klassenkampf – worum es bei den Verhandlungen tatsächlich geht

Es tut richtig weh, in den deutschen Medien gebetsmühlenartig zu lesen und zu hören, die Griechen würden keine Reformliste liefern. Sie sollten mal lieber ihre Hausaufgaben machen. Zum Hausaufgaben-Mantra gibt es einen schönen Filmbeitrag (HIER).

Diese Plattitüden dienen allein der Stimmungsmache gegen die Syriza-Regierung.
Sie hat im März eine 26 Seiten lange Liste mit geplanten Reformen vorgelegt – für jede Reform wurde aufgelistet, was sie kosten würde. Danach hat sie diese Liste immer wieder überarbeitet – die Troika reagierte jedesmal mit „Njet!“

Es gibt allerdings in der deutschen Medienlandschaft immer wieder Ausnahmen – auch von nicht-linken Medienorganen. Die Stimmung in der deutschen Öffentlichkeit hat sich seit der Wahl von Syriza verändert. Ein Beispiel des heutigen Tages (23.04.2015) ist ein Artikel  des Berliner „Tagesspiegel“ (HIER).

Hier wird benannt, um welche Inhalte es bei den Verhandlungen tatsächlich geht:
Es geht um Renten (Merkel soll schon bei ihrem Gespräch mit Tsipras in Berlin vor einem Monat die Rente mit 67 in Griechenland gefordert haben),
um Arbeitsgesetze (trotz der Rekordarbeitslosigkeit sollen den GriechenInnen noch die letzten Arbeitsrechte genommen werden),
um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer (die Lasten sollen noch weiter auf die Ärmeren abgewälzt werden),
um Privatisierungen und um die Höhe des Haushaltsdefizits (der Staat soll noch weiter schrumpfen).

Diese fünf Themen wurden in den letzten Wochen von einer ganzen Reiche von Beobachtern als Hauptstreitpunkte genannt. Das Bild von den Schulkindern, die ihre Hausaufgaben nicht machen wollen, ist völlig neben der Realität – es geht um Klassenkampf.

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