Diskussionsveranstaltung über die Jugendproteste in Griechenland
am Dienstag, den 16. Dezember 2014
Ort: Centro Sociale, Sternstr. 2, 20357 Hamburg (U-Bahn Feldstraße),
um 19:00 Uhr
mit einem Vortrag von Dr. Paraskevi Grekopoulou (Institut für Griechenland und Südeuropa):
„Wir sind ein Bild von der Zukunft“: Dezember 2008 – Dezember 2014. Die aktuelle sozialökonomische und politische Lage, sechs Jahre nach den Jugendprotesten im Dezember 2008 in Griechenland
und einem Beitrag von Dr. Vassilis Tsianos (Universität Hamburg)
Im Dezember 2008 fanden massive Jugendproteste in den großen Städten Griechenlands statt. Der Anlass war die Tötung eines 15-jährigen Schülers durch einen Polizisten in Athen. Die Wut der Jugendlichen über diesen – keinesfalls einmaligen – polizeilichen Gewaltakt entwickelte sich schnell zu einem veritablen Aufstand einer ganzen Generation, dessen Dynamik und soziale Zusammensetzung beispiellos in Europa waren. Die tiefgründigen Ursachen des wochenlangen jugendlichen Aufbegehrens waren jedoch die versperrten Zukunftsperspektiven der Jugendgeneration aufgrund hoher Arbeitslosigkeit, zunehmender Prekarisierung und der korrupten, interessengeleiteten Politik der sich an die Macht jahrzehntelang abwechselnden zwei Regierungsparteien
„Wir sind ein Bild von der Zukunft“ war ein berühmt gewordener Slogan und Graffiti der griechischen Jugendproteste in jenem Dezember 2008, als das Land noch nicht von der Finanzkrise erfasst wurde. Noch war es nicht zu erahnen, welchen Weg Griechenland etwa anderthalb Jahre später, im Mai 2010, mit dem „Memorandum“, den Krediten aus den Gläubigerländern der EU und der damit verordneten Austeritätspolitik beschreiten würde.
Die drastischen Sparmaßnahmen, die die Voraussetzung für die „Hilfskredite“ an die griechische Regierung waren, brachten in sehr kurzer Zeit eine beinahe Verdreifachung der Jugendarbeitslosigkeit, die weitere Verschlechterung der Bildungsbedingungen, noch weniger ökonomische Selbstbestimmung und mehr Angewiesenheit auf die familiale Solidarität sowie eine erzwungene Emigrationswelle der gut ausgebildeten jungen Menschen. Sechs Jahre nach dem Jugendaufstand ist das die Zukunft, als dessen Bild sich die protestierenden Jugendlichen im Dezember 2008 sahen.
Thema des Vortrags, mit anschließender Diskussion, sind die Jugendproteste im Dezember 2008, die heutige gesellschaftliche Situation und die Folgen des Sparprogramms, insbesondere für die griechische Jugend.
Die Jugendproteste im Dezember 2008 in Griechenland haben ein großes internationales Echo und Solidaritätsaktionen in vielen europäischen Ländern hervorgerufen. Auf dem Foto sind der Name des 15-jährigen Jungen und das Datum, an dem der Polizist ihn erschossen hat, an der Außenwand der Roten Flora in Hamburg zu sehen. Das Graffiti blieb erstaunlicherweise fast ein Jahr lang, ohne dass es übermalt wurde.
Veranstalter: Institut für Griechenland und Südeuropa, in Kooperation mit der AGIJ (Arbeitsgemeinschaft Internationaler Jugendverbände Hamburg e. V.)

