Polizisten schlagen Pakistani tagelang auf fünf verschiedenen Wachen, bis er schließlich stirbt.

Die Polizeistation, in der Mohammed Kamran Asik starb

Neun Tage lang dauerte die Todesqual des Mohammed Kamran Asik. Während dieser Zeit wurde er auf fünf verschiedenen Polizeistationen in Athen festgehalten und geschlagen, bis er am Morgen des 21. September 2024 tot aufgefunden wurde. „Als er um 7.30 Uhr im Untersuchungshaftraum der Polizeiwache gefunden wurde, hatte der 37-jährige Pakistaner Dutzende von Schlägen am ganzen Körper erhalten. Einige der Blutergüsse sahen frisch aus, andere älter. Aber das alles in der Zeit, in der Mohamed Kamran unter der Aufsicht der griechischen Polizei stand.“ (1)
„Die offizielle Sterbeurkunde, die von einem Gerichtsmediziner ausgestellt wurde, spricht von einer ungeklärten Todesursache, ohne eine direkte pathologische Ursache für den Tod des Opfers zu identifizieren. Was jedoch ausdrücklich aufgezeichnet wird, sind die Verletzungen vor der Obduktion, die das Ergebnis von Schlägen am ganzen Körper waren: am Kopf, am Rücken, an den Beinen sowie an den geschwollenen Handgelenken, wo die von KEERFA veröffentlichten Fotos, die den Vorfall hervorheben, die Spuren von Handschellen des Opfers zeigen…“

„Gestern [d.h. am 26.9.2024, GB] gab es erste Leaks der griechischen Polizei. Sie sagten, er sei Drogenkonsument gewesen und sein Tod sei auf pathologische Ursachen zurückzuführen. Eine Behauptung, die von der Familie des Opfers bestritten wird.“ (2)
„Am 13. September wird der 37-jährige Mohamed nach einer Anzeige wegen häuslicher Gewalt zur Polizeistation Omonia gebracht.
Am nächsten Morgen wird er zum Evelpidon-Gericht überstellt. Die Verhandlung wird vertagt (auf den 16.9.) und es wird angeordnet, dass er weiterhin auf derselben Polizeistation festgehalten wird.
Am 16. September wird der Prozess endgültig auf Dezember vertagt und seine Freilassung angeordnet. Anstatt ihn freizulassen, wurde er jedoch im Rahmen des Verwaltungsverfahrens auf das Polizeirevier Patision verlegt, um festzustellen, ob er über eine legale Aufenthaltsgenehmigung verfügt oder ob die Voraussetzungen für seine Abschiebung vorliegen. Da diese Polizeistation nicht über Hafträume verfügt, wurde er zur Polizeistation Galatsiou gebracht, wo er bis zum Nachmittag des 17. September festgehalten wurde.
Am 17. September wird er zur Fortsetzung der Verwaltungshaft auf das Revier Kolonou gebracht und kurz vor Morgengrauen des nächsten Tages freigelassen, nachdem das Revier Patission mitgeteilt hat, dass der Bruder des 37-Jährigen über alle legalen Dokumente für seinen Aufenthalt im Land verfügt.
Nach seiner Freilassung – der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt – wird Mohamed von Mitgliedern eines Polizei-Teams zu Identifizierungszwecken aufgespürt und am 18. September um 00.30 Uhr zur Polizeistation Agios Panteleimon gebracht, dem Ort, an dem er schließlich seinen qualvollen Tod erleiden sollte.“ (3)
Am Morgen des 21. September 2024 wurde er tot aufgefunden.
„Diese Polizeiwache – für die seit Jahrzehnten viele Fälle von Misshandlung und Tod von Migranten registriert wurden – ist die einzige, bei der die Überwachungskameras keine Rückschlüsse auf die Todesursache des 37-Jährigen zulassen, da er nach Angaben des Leiters der Polizeiwache in dem einzigen Raum ohne Kameras, d. h. in dem Raum für die vorläufige Festnahme, tot aufgefunden wurde.
…In dem von der Polizei erstellten Bericht über den Vorfall ist von einem „obdachlosen Mann“ die Rede, der „kein Griechisch sprach“. Behauptungen, die nirgends bestätigt werden: Laut den Dokumenten, die die Familie des Opfers den Behörden vorlegte, lebte der 37-Jährige seit 20 Jahren in Griechenland und sprach fließend Griechisch. Er erhielt 2017 die notwendigen legalen Dokumente, hat eine gemietete Wohnung auf seinen Namen und arbeitete als Vertriebshändler.“ (4)

Zunächst gab es nur eine Untersuchung des Vorfalles durch die Stastaanwaltschaft der Polizeistation selbst, d.h. von Personen, gegen die ermittelt wurde. Nachdem das zu heftiger öffentlicher Kritik führte, ordnete der Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoides, an, die Untersuchung an den griechischen Bürgerbeauftragten zu übergeben. (5)

„Bei der gestrigen [d.h. am 26.9.2024, GB] spontanen Mobilisierung auf dem Victoria Square wurden vier Personen festgenommen, von denen zwei schließlich inhaftiert wurden. Wie die Überwachungsorganisation CopWatchGr berichtet, wurde ein Demonstrant von Bereitschaftspolizisten brutal zusammengeschlagen.“ (6)

Anmerkungen
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(1) https://www.efsyn.gr/ellada/astynomiko/447804_basanistike-mehri-thanatoy-mesa-sto-tmima-toy-ag-panteleimona
(2) ebenda
(3) ebenda
(4) ebenda
(5) https://www.efsyn.gr/ellada/astynomiko/447841_orgi-gia-ton-basanistiko-thanato-toy-mohament-ston-synigoro-toy-politi-i
(6) ebenda

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