Die tiefgehende Analyse.
Von N. Kadritzke, Le Monde Diplomatique 23.11.2022:
„Griechenland erlebt zwar einen atemberaubenden Abhörskandal, aber der hat das Land nicht unbedingt erschüttert. Obwohl das Ausmaß und die Umstände der Lauschangriffe auf Politiker, Journalistinnen und andere missliebige Personen an das Ungarn Orbáns erinnern, ist das Aufsehen im Ausland größer als die Aufregung im Innern. Ministerpräsident Mitsotakis hat durch den Skandal zwar seine Rolle als Darling der internationalen Medien eingebüßt, nicht aber seine politischen Überlebenschancen als griechischer Regierungschef. Er vertraut darauf, dass die Lebenshaltungskosten und die Energiepreise das Wahlvolk stärker beschäftigen als die Sorgen um die Wahrung der Privatsphäre und die Gefahren eines Überwachungsstaats. Ob Mitsotakis die Affäre bis zu den Wahlen im nächsten Jahr aussitzen und sich danach an der Macht halten kann, wird auch davon abhängen, wie die griechische Justiz ihre Unabhängigkeit gegenüber einer kontrollwütigen Regierung behaupten kann, die mehr und mehr die Züge eines Regimes annimmt.“ Weiterlesen


