Die Apparatschiks von Athen

Grigoris Psarianos vor dem alten Parlament in Athen. Foto: Wassilis Aswestopoulos

Von Ferry Batzoglou, taz 3012.2021:
„Vetternwirtschaft in Griechenland. Die Apparatschiks von Athen
Regierungschef Mitsotakis hat eine wahre Industrie der Staatsbediensteten errichtet. Noch nie gab es so viele sogenannte Metakliti wie heute.
In Griechenland ist Grigoris Psarianos, 67, graue Haare, Vollbart, stets legeres Outfit, bekannt wie ein bunter Hund. Psarianos ist Journalist, Radioproduzent und Texter. Sein Markenzeichen: seine freche Schnauze. Mitunter verbrennt er sich die Zunge. Sogar Vorwürfen, seine Wortwahl sei sexistisch, sah er sich ausgesetzt.
Psarianos ist auch Politiker. Parteien hat er politisch gefühlt so häufig gewechselt wie andere ihr Unterhemd. In den Jahren 2007 und 2009 wurde er mit der damals kleinen radikallinken Oppositionspartei Syriza ins griechische Parlament gewählt, 2012 mit der gemäßigteren Regierungspartei Demokratische Linke (Dimar) und 2015 mit der liberalen Fluss-Partei (Potami) aus der politischen Mitte.
Im Juli 2019 trat er für die konservative Nea Dimokratia (ND) an. Er wolle dem ND-Chef Kyriakos Mitsotakis helfen, den damaligen linken Regierungschef Alexis Tsipras aus dem Amt zu jagen. Mitsotakis, ein Wirtschaftsliberaler, werde den aufgeblähten Staatsapparat endlich entschlacken, beteuerte Psarianos. Unverzüglich. Die ND feierte einen Wahltriumph. Doch Psarianos scheiterte krachend in seinem Athener Wahlkreis. Da war er schon 64 Jahre alt.
Doch wer glaubte, Psarianos würde hernach als einfacher Bürger seinem Lieblingspremier zusehen, wie dieser im Eiltempo den hellenischen Staat verschlankt, irrte gewaltig. Psarianos kam schließlich doch noch unter: Im Dezember 2020 heuerte ihn der Vizepräsident der Mitsotakis-Regierung, der ehemalige oberste Richter Panagiotis Pikramenos, an. Fortan darf Psarianos in dessen Büro als Mitarbeiter fungieren. Psarianos brauchte keine Bewerbung schreiben. Die gut dotierte Stelle bekam er ohne Ausschreibung. Gewünschte Qualifikationen: keine. Die Regierung Mitso­takis beschaffte ihm den Job. Einfach so.“ weiterlesen

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