Niels Kadritzke analysiert die Corona-Desaster-Politik der griechischen Regierung

Ministerpräsident Mitsotakis eröffnet den „Griechischen Sommer“, Santorini, 13. Juni 2020

Leider war uns entgangen, dass Niels Kadritzke schon vor zwei Monaten eine sehr ausführliche Analyse der Corona-Politik in Hellas vorgelegt hatte. Die Ereignisse der letzten Wochen fehlen dementsprechend, aber der Artikel ist trotzdem aktuell und äußerst erhellend.

Von Niels Kadritzke, Le Monde Diplomatique, 18. Mai 2021:
Corona, die dritte Welle und der Tourismus
Der letzte Text an dieser Stelle erschien vor mehr als sechs Monaten. Die lange Pause hatte vor allem persönliche Gründe und bedarf insofern keiner Entschuldigung. Allerdings konnte ich mich seit März wieder intensiver mit Griechenland und den Wirkungen der Coronakrise auf die griechische Politik und Gesellschaft befassen. Dass ich diesen Text erst jetzt abschließe, hat mit dem ziemlich dramatischen Verlauf der dritten Corona-Welle zu tun, die erst seit Anfang Mai allmählich abflaut. Deshalb wollte ich meinen rückblickenden Report über das pandemische Geschehen und das Krisenmanagement der Mitsotakis-Regierung nicht früher abschließen. In diesem Bericht untersuche ich vor allem, wie der pandemische Verlauf durch das erklärte Hauptziel beeinflusst wurde, Griechenland möglichst früh und weit für den Tourismus zu öffnen. Am Ende gehe ich der Frage nach, ob es die Regierung geschafft hat, das Gesundheitssystem für künftige Krisen besser zu wappnen.
Harte Landung …
Seit mehr als einem Jahr hält die Covid-19-Pandemie nicht nur Griechenland, sondern die ganze Welt außer Atem. Die im Frühjahr 2021 angelaufene dritte Corona-Welle hat in Griechenland ganz ähnliche Abwehrmechanismen ausgelöst, wie wir sie aus sehr vielen größeren und reicheren Staaten und den meisten EU-Ländern kennen. Und doch gibt es eine griechische Besonderheit: die Fallhöhe zwischen dem Frühjahr 2020 und dem Frühjahr 2021, die für eine harte Landung in der Corona-Realität gesorgt hat.“ weiterlesen

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2 Antworten zu Niels Kadritzke analysiert die Corona-Desaster-Politik der griechischen Regierung

  1. Es ist vorstellbar, dass der lange Artikel von Niels Kadritzke (empfohlen in der Email vom 20.07.2021) nicht als Propaganda des tiefen Staates gedacht war; dann war er aber extrem schlecht recherchiert. In einer langen Reihe von Corona-Vorkommnissen verheimlicht er (ganz wie die Ö-R-Medien), dass das Nichtbefolgen staatlicher Forderungen entweder (wie bei jungen Menschen) folgenlos blieb, oder dass die Geschädigten geimpft waren. Die staatliche Autorität bleibt stets sakrosankt und unkommentiert – ob bzgl. des 24-h-Musik-Verbots oder der abendlichen Ausgangssperren und Razzien. Dass Wissenschaftler internationalen Ranges (wie Prof. P. Vlachogiannopoulos u.a.) marginalisiert werden, weil sie darauf hinweisen, dass hier zur Errichtung eines repressiven Systems maßgebliche Prinzipien der Medizin mit Füßen getreten werden, bleibt unerwähnt.
    Blamabel geht Kadritzke mit Zahlen um, die er auch noch selbst ausgesucht hat, konkret: mit den 4.207 britischen Urlaubsrückkehrern. Rechnet man es nach, kommt man zum Ergebnis, dass jeder 1.000ste GR-Urlauber (4.207 x 0,21 : 750.000 = 0,001..) nach seiner Rückkehr positiv getestet wurde – mit einem Verfahren, das mindestens 20 von 1.000 (2%) falsch-positiv testet – so, what? Das nächste Mal so wissenschaftlich wie die Spanier würfeln?
    Vollkommen inakzeptabel und politisch verräterisch ist aber der lange Abschnitt über Kalymnos, der die Nachricht verschweigt, dass die Geimpften und angeblich Geschützten es waren, die Covid-19 erlegen sind. Hier erlaubt sich der Autor eine Rollenumkehr, wie sie bis 1945 gepflegt wurde: Er bastelt sich aus medizinischen Experimenten und politischer Willkür eine „gerechte Bestrafung des Ungehorsams“ zusammen. Er hätte wenigstens seine erhabene Meinung explizit über jene der Biochemikerin Marianna Evangelou stellen und begründen können. Denn diese hatte schon am 07.05.2021 (und zwar auf anderem Niveau) darüber informiert:

    Sprachlich bedingt können nicht alle seine Leser die abweichende Meinung verstehen. Kadritzke fungiert somit als Sprachrohr der deutschsprachigen Propaganda und verstärkt sie – auch für den Inlandsgebrauch. Sein Lob holt er an entsprechender Stelle ab – z.B., indem ein renommiertes Blatt die Peinlichkeit für seinen Text kassiert. Die verbliebende Frage ist: Was wollte uns „griechenlandsolidarität“ damit sagen, und über wen war dieser Artikel „äußerst erhellend“?

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  2. kokkinos vrachos schreibt:

    „Kadritzke fungiert somit als Sprachrohr der deutschsprachigen Propaganda und verstärkt sie…“

    das ist natürlich totaler Humbug, da Niels Kadritzke genau nicht in den Chor mit einstimmt, die nur die „Propaganda“ aus dem Hause Mitsotakis im deutschsprachigen Blätterwald bringt.

    Niels Kadritzke widerlegt in seinem Artikel in der Le Monde Diplomatique, die „Corona-Öffentlichkeitspropaganda“ der Nea Dimokratia, bzw. die Rolle der griechischen Regierung im Umgang mit der Corana Pandemie (das übergeordnete Ziel – Öffnung für den Tourismus), die neoliberale Gesundheitspolitik (dass öffentliche Gesundheitssytem wird nicht gestärkt) usw.

    Die Rolle der griechischen Kirche (die tief verwurzelte Wissenschaftsfeindlichkeit der konservativen Kleriker) usw., diese Zusammenhänge werden gut dargetellt und sind zeitlos.

    „Generell muss jede Regierung die Polarität zwischen gesundheitspolitischer Gefahrenabwehr und wirtschaftspolitischem Krisenmanagement aushalten und austarieren.“

    Die rechtspopulistische und konservative Regierungspartei Nea Dimokratia von Kyriakos Mitsotakis, repräsentiert die Interessen der neoliberal eingestellten Oligarchie. Die ist entschlossen, die Sparpolitik der Troika und die Ausverkaufspolitik fortzusetzen, von der sie so großartig profitiert hat.

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