Schäuble: „Griechenland? Nie gehört!“

Der deutsche Finanzminister macht den Trump. Er sagt, er habe mit der Austeritätspolitik, die Griechenland seit sieben Jahren ruiniert, nichts zu tun.

Während eines Interviews in in der griechischen Zeitung Ta Nea am 1. Juli 2017 betonte Schäuble, dass die EU keine Verantwortung für Rentenkürzungen und Steuererhöhungen trage. Griechenland habe die Lage, in der das Land heute stecke, selbst zu verantworten.

Die EU und Deutschland hätten immer nur geholfen. „Ich mag das Wort ‚Druck‘ nicht. Man könnte auch sagen, dass Griechenland Druck auf die anderen (europäischen Länder) ausübt.“ Die Behauptung der griechischen Regierung, dass sie ein Programm umsetzen müsse, sei gefährlich – denn sie selbst habe sich für diesen Weg entschieden.

Der Politiker des deutschen Kapitals kommt indirekt auch auf seine Protektion der deutschen Reeder zu sprechen. Er wirft der griechischen Regierung vor, Reeder zu gering zu besteuern. Tsipras habe vor den Wahlen versprochen, die Privilegien der Reeder zu beschneiden. Dass er das nicht getan habe, sondern Einschnitte an anderen Stellen vorgenommen habe, sei seine Entscheidung gewesen.

Falls Schäuble doch irgendwie Einfluss auf solche Entscheidungen der griechischen Regierung gehabt haben sollte, so muss er den Leser doch auf den Unterschied zwischen einem hegemonialen Land und einer Schuldenkolonie hinweisen: Den Einwand, dass Reeder in Deutschland nicht anders behandelt würden, lässt Schäuble nicht gelten. „Der Unterschied ist in erster Linie, dass nicht wir Hilfe für Deutschland durch den griechischen Steuerzahler angefragt haben.“

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6 Antworten zu Schäuble: „Griechenland? Nie gehört!“

  1. Dr. Norman Krämer schreibt:

    Das große Problem von Griechenland ist, und das hat leider auch Varoufakis nicht lösen
    können, daß man die vielen Milliardäre und Multimillionäre des Landes nicht zur Kasse
    gebeten hat. Die EU hätte alle europäischen Banken verpflichten müssen, deren Gelder
    frei zu geben, und Druck auf außereuropäische Banken ausüben müssen, gleiches zu
    tun. Die Armen, die ihr Geld nicht legal oder illegal außer Landes bringen können, bluten
    zu lassen, ist absolut verwerflich und wirft ein sehr schlechtes Licht auf die sich so toll
    findenden europäischen Politiker. Außer dem Euro und offenen Grenzen, wodurch Reisen
    einfacher wird, bietet die EU nichts positives. Die Bürgerrechte und die Demokratie werden
    dank der Handelsabkommen TTIP, CETA und JEFTA massiv eingeschränkt. Ich bin für
    Aufkündigung der EU.

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  2. Ludger Föster schreibt:

    Stimme in allen Punkten überein, nur nicht mit dem Austriit aus der EU. Jeder Deutsche hat die Möglichkeit zur Privatinsolvenz und wird mit Hilfe nach nur 7 Jahren schuldenfrei. Warum gilt ähnliches nicht Für einen Staat, in diesem Fall auch für Griechenland? Die Griechen können aufgrund der extremen Schulden doch garnicht mehr wirtschaftlich „auf die Füße kommen“.
    Es ist eine Schande, dass Herr Schäuble offensichtlich den Begriff von Solidarität nicht kennt,
    wenn eine ganze Bevölkerung selbst verschuldet oder auch nicht, in eine sehr ernste Kriese kommt. Auch spricht es gegen jede volkswirtschaftliche Logik, nicht zu helfen. Ihm und den anderen EU-Staaten geht es doch nur darum, die Griechen für ihre Fehler zu bestrafen und nicht zu helfen. Ein sehr „christliches“ Verhalten…
    Ich möchte Herrn Schäuble mal an den Marshallplan erinnern. Hat er vielleicht auch noch nie von gehört. Ohne die Hilfe der USA, wäre Deutschland nach dem von ihm begonnen 2.Weltkrieg ganz sicher nicht wieder oder nicht so schnell wieder auf die „Beine gekommen“. Zur Erinnerung… die Hilfe kam, obwohl der Hitler-Faschismus und die Deutsche Wehrmacht für millionenfaches Töten verantwortlich war.
    Soviel Selbstgerechtigkeit und Inhumanität von Herrn Schäuble und anderen Politikern bringt mich echt zum Kotzen…
    Trotzdem plädiere ich für eine weiterbestehende EU, da sie zumindest hilft, Kriege in Europa zu verhindern. Aber eine EU mit anderen Prämissen und mehr Solidarität…

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    • Thomas Abendroth schreibt:

      Sie haben Recht die Art von Hilfe bringt Griechenland nicht aus der Schuldenfalle. Bei den bisherigen Rettungsmaßnahmen handelt es sich um nichts anderes als ein kostenloses Kreditausfallversicherungsprogramm für die beteiligten Banken. Die beste Hilfe für Griechenland wäre der Grexit gewesen, um die Kontrolle über die eigene Wirtschaft durch eine eigene Währung wieder zu erlangen. Wenn wir Griechenland und den angeschlagen EU-Staaten, aber auch uns selber helfen wollen, sollten wir die EU eher heute als morgen auflösen. Die EU ist ein Fass mit vielen Löchern im Boden aus denen sich das Großkapital vollsaugt und in das die Steuergelder der Länder oben ständig nachfließen. Eben ein plutokratisches nimmer sattes Monster.
      Die Schulden wären locker zu stämmen, würden die Griechen das in und ausländische Vermögen ihrer Milliardäre und Multimillionäre schlicht und einfach enteignen und vergesellschaftichen und damit unter die Kontrolle des griechischen Souveräns bringen. Der größte Fehler wäre der Ausverkauf der Infrastruktur und Daseinsfürsorge an ausländische Heuschrecken und Parasiten, die das Land nach gut Dünken ausbeuten und erpressen könnten.
      Der Vergleich mit der Situation nach dem 2. Weltkrieg und dem Wiederaufbauplan für das zerstörte Westeuropa, European Recovery Program, genannt Mashallplan, hinkt gewaltig. Glauben Sie wirklich, dass es sich hier um selbstlose, barmherzige Hilfe der Amerikaner für die geschundene westeuropäische Bevölkerung handelte?
      Die Motivation für diese Hilfe war:
      1. Hilfe für die notleidende und teilweise hungernde Bevölkerung, um den Einfluss des sowjetischen Kommunismus einzudämmen, siehe auch Containment-Politik.
      2. Schaffung eines Absatzmarktes für die Überproduktion der USA. Bei jeder außenpolitische Aktion der US-Imperiums, eingeschlossen 1. und 2. Weltkrieg, sind entweder geostrategische Interessen, Ausbeutung von fremden Bodenschätzen oder die Schaffung von Absatzmärkten im Spiel.
      Das Gesamtvolumen für die insgesamt 16 teilnehmnenden Länder beim ERP betrug gerade mal 129 Milliarden $, durchschnittlich 0,5 % des Bruttoinnlandsprodukts (BIP) dieser Länder. Der eigentliche Aufschwung der Wirtschaft wurde durch die Liberalisierung der Handelhemmnisse und Senkung der Zölle erreicht.
      Bei der heutigen Situation in Griechenland muss genau das Gegenteil erfolgen. Die bereits bestehende Zollfreiheit muss möglichst aufgehoben und die Kapitalverkehrskontrolle muss wieder aktiviert werden, um die eigene Wirtschaft zu schützen und den Binnenmarkt zu stärken.

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    • Dr. Norman Krämer schreibt:

      Wenn Sie den Vergleich mit Deutschland nach dem 2. Weltkrieg ziehen, müssen Sie bedenken,
      daß damals im Rahmen der Lastenausgleichsabgabe jeder Immobilienbesitzer 50 % des Immo-
      bilienwertes an den Staat abgeben mußte. Die Griechen mußten bisher nur 2 Promille ihres
      Immobilienwertes als Sonderabgabe an den Staat geben. Zugleich ist das Pro-Kopf-Vermögen
      in Griechenland 2016 mit 53000 Euro deutlich höher als in Deutschland (42000 Euro), und
      dies ist wohlgemerkt der Medianwert und nicht ein Mittelwert, der durch extrem hohe oder
      niedrige Vermögen verzerrt werden kann. Also hier gilt natürlich: Griechenland first. Es bleibt
      das Problem, daß man insbesondere von den Reichen in Griechenland mehr fordern müßte.
      Und da hilft die EU überhaupt nicht. Sonst wären alle Guthaben von Griechen in Europa schon
      eingefroren und der griechische Fiskus hätte den Zugriff bekommen. Auch ohne EU wird es
      in Europa keine Kriege mehr geben. Dafür sorgt zu einen die NATO, zu anderen, und das ist
      deren einziger Vorteil, die multinationalen Konzerne (abgesehen von Rüstungskonzernen).

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      • Thomas Abendroth schreibt:

        Ich stimme Ihnen was die EU betrifft vollkommen zu. Von dort haben die Völker Europas nichts Gutes zu erwarten. In meinem oben stehenden Antwort-Kommentar vom 10. Juli 2017 um 21:23 habe ich mich auch dahingehend geäußert, dass nur die Griechen es selber in der Hand haben, das Vermögen ihrer Reichen und Superreichen anzuzapfen, um aus der Bredouille zu kommen .
        Die EU als auch die NATO verhindern keine Kriege in Europa, die Beispiele auf dem Balkan sind der Beweis. Auch der Truppenaufmarsch im Baltikum und der vom Westen gesteuerte und finanzierte Umsturz in der Ukraine sprechen die Sprache des Krieges. Ihren Optimismus, allein schon die Existenz von multinationalen Konzernen verhindere zukünftige Kriege in Europa, teile ich absolut nicht. Weder die EU noch die NATO sind Garanten für den Frieden, im Gegenteil. Sie sind die Scharfmacher gegen Russland. Nicht umsonst ist Russlands Westen und Südwesten von der NATO eingekesselt, nur die Ukraine fehlt noch in diesem sogenannten „Verteidigungsring“. Das US-Imperium sitzt in Lauerstellung auf die russisch-sibirischen Bodenschätze. Um die geopolitischen Interessen des Imperiums durchzusetzten, war und ist die EU und NATO genauso in die Kriege in Libyen, im Nahen und Mittleren Osten involviert. Was interessiert die USA die multinationalen europäischen Konzerne? Im 3. Reich waren amerikanische und britische Banken und Konzerne an den Schlüsselindustrien zu großen Teilen beteiligt. Das hinderte niemanden Krieg in Europa zu machen. Im Gegenteil am Krieg und am Wiederaufbau haben angloamerikanische Investoren kräftig mitverdient. Geld stink nicht, noch nie hat ein Kapitalist Geld gegeben ohne die Absicht, dieses mit Gewinn wieder reinzuholen.

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      • Dr. Norman Krämer schreibt:

        Innerhalb der NATO gab es meines Wissens nach bisher keine Kriege. Was die Kriegslust der
        multinationalen Konzerne betrifft, wird man abwarten müssen. Für manche werden auch Kriege
        interessant sein. Allerdings gehen bei Kriegen meist die Börsenkurse in den Keller, was sicher-
        lich den Großteil abschrecken dürfte. Auch ist der größte Teil unseres Konsums heute Luxus-
        konsum, der in Kriegszeiten dann auch hintenansteht. China macht z.Z. vor, wie moderne
        Kriegsführung in Zeiten der Globalisierung erfolgreich ist. Es kauft sich überall in der Welt
        ein, schafft wirtschaftliche Abhängigkeiten, sichert sich Märkte und Rohstoffquellen und schickt
        seine Bürger in die ganze Welt während wir von der Mosleminfiltration abgelenkt sind. Allerdings
        baut es auch seine militärische Präsenz im indischen und pazifischen Ozean aus.

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