Flüchtlingslager auf Chios: Wilder als im wilden Westen

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Foto: Claus Kittsteiner

von Nikos Chilas      aus
FaktenCheckEuropa Nr.2.
„Sie sind nicht von dieser Welt. Die 900 Bewohner des Flüchtlingslagers Suda auf der griechischen Insel Chios leben ein verkehrtes Leben. Am Tag liegen sie apathisch auf den Matratzen in ihren Zelten, oder, wenn das Wetter mitspielt, am nahliegenden Strand. Und erst, wenn es zu dämmern anfängt, wagen sie sich langsam und leise aus dem Lager wie Zombies, um ein paar hundert Meter weiter in den Hafen der Stadt zu gehen. Dort setzen sie sich schweigend auf die Mole, die Gesichter zum Eingang des Hafens gewandt – offenbar in der Hoffnung, von dem nächstankommenden Schiff mitgenommen zu werden, nach Piräus oder gar zu einem anderen Hafen von Nordeuropa.
Nur dass ein solches Schiff nie ankommt. Das Abkommen der Europäischen Union mit der Türkei aus dem vorigen März verbietet jede Schifffahrt für Flüchtlinge, die auf den griechischen Inseln festgehalten werden. Das Linienschiff, das aus Lesbos kommend auf Chios eine Zwischenstation macht, um danach nach Piräus weiterzufahren, ist nicht für sie bestimmt. Die Hafenpolizisten und die Beamten der Frontex, die an seinem Eingang postiert sind, sorgen dafür, dass sie nicht hineingelangen. Die Flüchtlinge bleiben trotzdem an der Mole, auch nachdem das Schiff am Horizont verschwunden ist. Erst danach beginnen sie, in das Lager zurückzukehren. Diesmal aber nicht in slow motion, sondern schnell und laut – so als ob die versagte Abfahrt ihre Lebensgeister wieder erweckt hätte. Der Lärm erreicht seinen Höchstpunkt gegen 3 bis 4 Uhr morgens. Die Anrainer sind verzweifelt. „Ich habe seit Monaten nicht mehr geschlafen“, sagt einer von ihnen, „auch die Ohrstöpsel helfen nicht“. weiterlesen

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